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Independentfilm

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Ein Independentfilm (auch: Indie oder Indie-Film) war ursprünglich ein Film, der außerhalb des US-amerikanischen Studiosystems produziert wurde, also ohne Finanzierung oder Vertriebsunterstützung durch eines der großen Hollywood-Studios 20th Century Fox, The Walt Disney Company, Viacom, Sony, Time Warner und NBC Universal. Der Independentfilm war also zunächst ein rein amerikanisches Phänomen, das mittlerweile aber auch in anderen Ländern Verbreitung gefunden hat.

Independentfilme sind zumeist „kleine“ Filme: Sie sind mit geringem Geldeinsatz und unter hohem Zeitdruck hergestellt, dafür gehen sie kreativ mit ihren Geschichten um und erzählen, ohne den Hollywood-Erzählmustern zu folgen.

Er entstand aus einer Unzufriedenheit einiger Filmemacher, die sich von den großen Studios zu sehr gegängelt fühlten und die ihre künstlerischen Ideen verwirklicht sehen wollten. Sie machten sich auf die Suche nach anderen Finanzierern und anderen Distributionswegen, um ihre Filme produzieren zu können.

Einleitung

Jim Hiller schreibt in seiner Einleitung zu Independent Cinema: A Sight and Sound Reader, dass Independent Film sich vom Mainstream abhebt, sei es nun ökonomisch bedingt oder im Zusammenhang mit ästhetischen oder stilistischen Merkmalen.

Der Begriff Independent Film steht inzwischen in gewisser Weise für eine spezielle Einstellung zum und Herangehensweise an das Thema Film, die oft auch mit dem Ausdruck Independent Spirit verknüpft werden.

Vom Prinzip her werden Independent Filme, wie eigentlich der Name schon sagt, unabhängig von Studios produziert und vertrieben, was sich aber vor allem ab Ende der 1990er des vergangenen Jahrhunderts als Definition drastisch geändert hat, da verschiedene Mini-Majors und Specialty-Devisions von großen Studios auf den Zug aufsprangen, um von der inzwischen gewonnenen Popularität jener Filme zu profitieren. Hinzu kommt, dass solche Filme vergleichsweise günstig hergestellt werden können.

In Wirklichkeit handelt es sich sogar bei den Filmen der Star Wars-Reihe um Independent Filme, da sie ohne Beaufsichtigung und Eingriffen eines Studios hergestellt wurden.

Thematisch jedoch werden mit Independent Films jene Werke verbunden, die politisch, sexuell oder vom Humor her radikalere Wege als der Mainstream gehen. Im Gegensatz zu den Filmen Hollywoods behandelten diese Filmemacher Themen, die in der Realität angesiedelt waren und nutzten die Möglichkeiten und Freiheiten des unabhängigen Filmschaffens, um dem Zuschauer neue Perspektiven zu bieten.

Entwicklung

Bereits 1919 gründeten Charles Chaplin, D. W. Griffith und einige andere Schauspieler die Filmgesellschaft United Artists, die den Vertrieb unabhängiger Filmproduktionen ermöglichen sollte. Bekannte Regisseure, die ihre künstlerischen Visionen unabhängig vom Einfluss anderer umsetzen wollten, waren Orson Welles, Samuel Fuller und Nicholas Ray. Sie wurden für diese Bemühungen häufig von Hollywood geschnitten und mussten auf Finanziers in Europa zurückgreifen, um ihre Projekte verwirklichen zu können. Welles übernahm auch Rollen in zahlreichen Filmen oder arbeitete seine Schulden ab, indem er etwa Die Lady von Shanghai für Columbia Pictures inszenierte.

Die ersten Wegbereiter der Independent Film-Bewegung findet man in den ab 1945 entstandenen Underground-Filmen von innovativen Filmschaffenden wie Maya Deren, Kenneth Anger oder Jack Smith, die oft einen experimentellen Charakter aufwiesen und der sogenannten Gegenkultur zugeschrieben wurden.

Als Vater des modernen Independentfilms gilt John Cassavetes. Er beeinflusste vor allem die Arbeitsweise der Filmemacher während des New Hollywoods in den 1970ern, in dessen Ära sehr viele Filme nach heutigen Maßstäben einem Independentfilm entsprachen.

Eine weitere Inspirationsquelle war das Konzept der sogenannten auteurs in Frankreich, die – wie etwa Jean-Luc Godard – sowohl die Drehbücher verfassten und Regie führten. Ebenfalls beeindruckend erschien den Filmemachern die Kompromisslosigkeit des italienischen Neorealismus, für dessen Vision Regisseure wie Roberto Rossellini auch große finanzielle Folgen hinnahmen. So gründeten Francis Ford Coppola und George Lucas eigene Studios und Firmen, um sich die größtmögliche Unabhängigkeit zu sichern. Während dies Lucas auch gelang und er die Produktion aller Star-Wars-Filme alleine kontrollierte, musste Coppolas American Zoetrope später verkauft werden und der Regisseur sich bis heute mit Auftragsarbeiten über Wasser halten.

Nachdem die Hollywood-Studios durch den Erfolg von Rocky, Der weiße Hai und Krieg der Sterne am Ende der 1970er wieder sicheren Boden unter sich gespürt und sich daran gemacht hatten, mittels Blockbustern, Fortsetzungen und Camp-Filmen ein ganz auf den kommerziellen Erfolg hin ausgerichtetes Kino zu produzieren, erlebte das künstlerisch orientierte New-Hollywood-Kino einen Niedergang. Symbolisch hierfür stehen die kommerziellen Desaster des Boxerfilmes Wie ein wilder Stier – im Gegensatz zum wesentlich glatteren Rocky – sowie des Western Heaven’s Gate, der zum Konkurs von United Artists führte.

Die Indies

Der Begriff Independentfilm entstand erst in den 1980ern, als die nächste Generation junger Regisseure begann, abseits der Studios ihre Filme zu realisieren, die sich als inhaltlich und formal eigenständig erwiesen und eine explizite Gegenbewegung auslösten: John Sayles Die Rückkehr nach Secaucus kostete 1980 60.000 Dollar und erzielte Bruttoeinnahmen von zwei Millionen Dollar. Jim Jarmusch spielte 1984 mit Stranger than Paradise zweieinhalb Millionen Dollar ein, Spike Lees She's Gotta Have It sogar über sieben Millionen.

Der wichtigste Grundstein für den Erfolg des Independent Films wurde im Jahr 1989 gelegt. Mit Steven Soderberghs Sex, Lügen und Video wurden die Art und Weise revolutioniert, wie Independent Filme hergestellt und vermarktet werden konnten. Gleichzeitig mit dem Erfolg dieses Films wuchsen die Popularität des von Robert Redford gegründeten Sundance Film Festivals - welches bis heute als das Festival für auf breitere Rezeption bedachte, unabhängig produzierte Filme gilt -, als auch der Erfolg der Firma Miramax, gegründet von den Brüdern Bob und Harvey Weinstein. Wie auch Steven Soderbergh schafften es heute erfolgreiche Regisseure wie Spike Jonze, Wes Anderson und Paul Thomas Anderson, David O. Russel oder Alexander Payne, eine Brücke zwischen kommerziellem und vom Independent Spirit beflügeltem Film zu schlagen.

Michael Moore verhalf 1989 mit seinem Debütfilm Roger and Me dem Dokumentarfilm zu einer bis dato unbekannten Popularität.

Inspiriert durch die Filme von Jim Jarmusch und Soderbergh (Sex, Lügen und Video; Originaltitel: Sex, lies and videotape) entstanden in der Folge Meilensteine des Independent Films wie Slacker von Richard Linklate, der berüchtigterweise mit Kreditkarten finanzierte Clerks von Kevin Smith, sowie Robert Rodriguez' El Mariachi.

Im Jahr 1992 setzte Quentin Tarantino mit Reservoir Dogs ein erstes Zeichen, bevor er mit Pulp Fiction (1994) zu Weltruhm gelang. Der Erfolg dieses Filmes für Miramax weckte auch bei anderen Studios Interesse, wodurch immer mehr Filme an der Grenze zwischen Mainstream und Sub- bzw. Gegenkultur entstanden. Ein neues Genre war geboren... Indiewood.

Vermischung mit Hollywood

Nach dem großen künstlerischen und finanziellen Erfolg einiger Independentfilme begannen die großen Hollywoodstudios Anfang der 1990er Jahre, Independentproduktionen aufzukaufen bzw. eigene Abteilungen für die Produktion von Independentfilmen zu gründen. So kaufte The Walt Disney Company 1994 das Independentstudio Miramax auf. Deren umstrittene Gründer Harvey und Bob Weinstein, die mit ihrer auf aggressiver Vermarktung setzende Firmenpolitik die Indie-Szene wesentlich veränderten, verließen ihre eigene Firma mittlerweile und gründeten 2005 das Filmstudio The Weinstein Company. 20th Century Fox gründete das Label Fox Searchlight Pictures. Seit 1999 engagierte sich Metro-Goldwyn-Mayers (MGM) Tochterunternehmen United Artists ebenfalls auf dem Independentfilmmarkt. MGM gehört mittlerweile zu 20 % Sony.

Auf diese Weise verwischte die Grenze zwischen den in Hollywood angesiedelten großen Filmstudios und den alternativen Filmproduzenten immer mehr. Gehobene Mainstream-Filme wie Shakespeare in Love und Der englische Patient wurden von Miramax vertrieben. Klassische Indies haben es insbesondere nach dem durch Miramax ausgelösten Boom immer schwerer, unabhängig zu bleiben.

Filme wie Sideways von Alexander Payne, Lost in Translation von Sofia Coppola oder Eternal Sunshine of the Spotless Mind von Spike Jonze nach einem Drehbuch von Charlie Kaufman zählen zur Kategorie der Indiewood Filme, da sie zwar mit Geldern der Studios und teilweise mit Hollywood-Stars gedreht wurden, dabei jedoch eine etwas andere und dem Mainstream unangepassten Erzählkultur angehörten. Einen seiner größten Erfolge feierte dieses Genre 2005 mit Ang Lee's Brokeback Mountain mit Jake Gyllenhaal und dem viel zu früh verstorbenem Heath Ledger.

Die digitale Revolution

Mit dem Aufkommen der digitalen Videokameras und Schnittsysteme sank die Überwindungsschwelle einen Film zu drehen drastisch, da man nun nicht mehr auf viel Geld angewiesen war, um Filme herstellen zu können. Der Film Tarnation kostete angeblich nicht mehr als 500 $ und wurde auf einem iMac geschnitten.[1]

Waren die ersten mit Digitalkamera hergestellten Filme wie Chuck and Buck von Miguel Arteta noch klar von den auf analogem 16mm- oder 35mm-Material hergestellten Filmen zu unterscheiden sind, bieten die von der Red Digital Cinema Camera Company entwickelten Kameras angehenden und unabhängig arbeitenden Filmemachern bisweilen ungeahnte Möglichkeiten, die selbst für Hollywood-Produktionen wie The Social Network von David Fincher genutzt werden.

Mumblecore

Das Jahr 2008 war jenes Jahr beim South by Southwest Film Festival (SXSW), bei dem sich die Mumblecore-Bewegung durchgesetzt hat. Mumblecore beschreibt Filme wie Hannah Takes The Stairs, Quiet City oder Funny Ha Ha, die von der College-gebildeten weißen Mittelschicht um die 30 handeln, und mit geringen finanziellen Mitteln auf sehr dialoglastige Weise und meist mit einer Videokamera und kleiner Crew gedrehte Filme. Die von der Presse zu einer Gruppe zusammengefassten Filmemacher wie Joe Swanberg, Andrew Bujalski oder Greta Gerwig haben beim SXSW Film Festival Freundschaft geschlossen, ihre Kontakte vertieft und in weiterer Folge bei den Filmen der Anderen als Crewmitglied oder Schauspieler ausgeholfen.

Inzwischen haben sich die meisten Mitglieder dieser Bewegung weiter entwickelt. Greta Gerwig spielte mit Ben Stiller in Greenberg und die Duplass Brüder haben mit Marisa Tomei, John C. Reilly und Jonah Hill Cyrus gedreht - ohne dabei von ihrer Arbeitsweise, die unter anderem viel Improvisation beinhaltet, abweichen zu müssen. Da viele dieser Filmemacher den Schritt in eine breitere Öffentlichkeit geschafft haben und die Produktionsbedingungen immer professioneller werden - gerade die holprige Inszenierung war ein markantes Merkmal der Filme dieser Gruppe - sprechen viele Kritiker und Blogger vom Tod der Mumblecore-Bewegung.

Außerhalb der USA

Inzwischen werden allgemein Filme als Independentfilm bezeichnet, wenn sie versuchen, mit wenig Geld eine künstlerisch ambitionierte Idee umzusetzen, unabhängig davon, aus welchem Land sie kommen und welcher Finanzier hinter der Produktion steht.

In Deutschland begann mit dem Jungen Deutschen Film und dem hiervon inspirierten Oberhausener Manifest ab Beginn der 1960er eine Neuorientierung des Films, die um eine realistische Darstellung der Gegenwart und Gesellschaft bemüht war. Deren Filmemacher bemühten sich um eine finanzielle und geistige Unabhängigkeit und setzten sich bewusst in Gegensatz zum damaligen Mainstream. Hierzu gehören vor allem Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Werner Herzog, Jean-Marie Straub, Alexander Kluge und Eberhard Fechner. Diese Hochzeit des deutschen Films fand ihr Ende etwa zeitgleich wie ihre amerikanischen (New Hollywood) und britischen (Free Cinema Movement) Pendants.

Zur Zeit bietet Das kleine Fernsehspiel vor allem jungen Filmemachern im Fernsehen eine Plattform für günstige, engagierte Filme. Eine herausragende Rolle für den deutschen Independentfilm spielt der X-Filme Creative Pool, eine deutsche Film- und Fernsehproduktionsfirma, die ursprünglich von den Regisseuren Tom Tykwer, Dani Levy und Wolfgang Becker sowie dem Produzenten Stefan Arndt gegründet wurde.

Entsprechend der finanziellen Ausstattung deutscher Filmfestivals konzentrieren sich die meisten auf Indies. Die bekanntesten sind die Internationalen Hofer Filmtage, das Internationale Filmfest Oldenburg sowie das in Saarbrücken beheimatete Filmfestival für Nachwuchsfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, in dessen Rahmen jährlich der renommierte Max-Ophüls-Preis vergeben wird.

Vor allem in skandinavischen Kinos propagierte Dogma 95 ein Kino fernab der auf Effekten bedachten, wirklichkeitsfernen Realitätsfluchten.

Festivals und Preise

Die wichtigsten Festivals für Independentfilme sind das Sundance Festival und das Cannes Film Festival. Als international bedeutendste Filmpreise in diesem Bereich gelten der amerikanische Independent Spirit Award sowie die British Independent Film Awards.

Literatur

  • Peter Biskind: Sex, Lies & Pulp Fiction. Hinter den Kulissen des neuen amerikanischen Films. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Berlin 2005, ISBN 3-8077-1004-3.
  • Jim Hiller: Independent Cinema. A Sight and Sound Reader. BFI Publishing, London 2001, ISBN 0-85170-759-9.
  • James Mottram: The Sundance Kids. How the Mavericks took back Hollywood. Faber & Faber, New York NY 2007, ISBN 978-0-86547-967-8.
  • Jason Wood: 100 American Independent Films. 2nd edition. Palgrave Macmillan, Basingstoke u. a. 2009, ISBN 978-1-84457-290-8 (BFI Screen Guides).

Weblinks


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