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Immanuel Jakobovits

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Immanuel Jakobovits

Lord Immanuel Jakobovits, Baron Jakobovits, Kt (geb. 8. Februar 1921 in Königsberg i. Pr.; gest. 31. Oktober 1999 in St John's Wood, Greater London), war ein bedeutender orthodoxer Rabbiner und von 1966 bis 1991 Chief Rabbi der United Hebrew Congregation of the Commonwealth.

Leben

Er wurde in Königsberg geboren, wo sein Vater Julius Jakobovits Gemeinderabbiner war. In den 1920er-Jahren ging die Familie nach Berlin, wo sein Vater zum Mitglied des Bet Din bestimmt worden war, floh aber 1938 vor den Verfolgungen durch die Nazis. In Grossbritannien setzte Immanuel Jakobovits seine Studien fort, u. a. an der Etz Chaim Yeshiva bei den renommierten Rabbinern Elya Lopian, Leib Gurwicz und Nachman Shlomo Greenspan (dort erhielt er seine Smicha) und am Jew's College an der University of London. Er heiratete Amélie Munk (gest. 2010) aus Paris, Tochter des berühmten Rabbiners Elie Munk, die ihn sein Leben lang in seiner Arbeit unterstützen sollte. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor.

Seine erste Stelle trat er als Rabbiner der Brondesbury Synagogue in London an. 1949, im Alter von nur 27 Jahren, wurde er zum Oberrabbiner der jüdischen Gemeinschaft Irlands in Dublin bestellt, deren Stern im Sinken begriffen war. 1958 übernahm er das Rabbinat an Hermann Merkins Fifth Avenue Synagogue in New York, eine Position, die er bis 1966 innehatte, als er zum Chief Rabbi der United Hebrew Congregation des British Commonwealth berufen wurde. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991.

Auszeichnungen

Er wurde Knight Bachelor am 22. Juli 1981 und Life Peer als Baron Jakobovits of Regent's Park in Greater London 1988 - der erste Rabbiner, dem diese Ehre zuteil wurde. 1987 wurde er durch den Archbishop of Canterbury mit einem Lambeth degree (DD) geehrt, auch wiederum als erster Jude, der eine solche Auszeichnung erhielt. 1991 erhielt er den Templeton Prize.

Spezialgebiet

Rabbiner Jakobovits war die prominenteste Figur auf dem Gebiet der jüdischen Medizinethik und ein Pionier auf dem Gebiet der biologischen Ethik, sein Spezialgebiet war die Interaktion zwischen medizinischer Ethik und Halacha. Er beschäftigte sich in diesen Zusammenhängen u. a. mit Abtreibung, Leihmutterschaft, Euthanasie, Palliatvmedizin und Sterbehilfe und hat mit seinen diesbezüglichen Werken weit über das Judentum hinaus gewirkt und Einfluss genommen.

Haltung, politische Einstellung

Seine politische Haltung war konservativ, und ihn zeichnete eine besondere Nähe zur "Eisernen Lady" Margaret Thatcher aus, die seine kontinuierliche Beratung gesucht hat. U. a. argumentierte Jakobovits, dass Arbeit, und sei sie noch so schlecht bezahlt, in jedem Fall besser sei als Sozialhilfe, und der Staat sich dieses als oberstes Ziel zu setzen habe. Jakobovits war auch sehr gewerkschaftsfeindlich eingestellt und vertrat die Auffassung, dass der "Egoismus der Arbeitnehmer im Versuch, sich bessere Bedingungen zu sichern auf Kosten steigender Arbeitslosigkeit und sich vergrössernden öffentlichen Elends, moralisch ebenso unhaltbar sei wie die Habgier der Reichen in der Ausnutzung der Arbeiterklasse".

Im House of Lords machte er sich schnell einen Namen als Vorkämpfer für die Wiederherstellung von traditioneller Moral, von Sitte und Anstand. Insbesondere seine gegen die Homosexualität gerichteten Statements und die Befürwortung gentechnischer Manipulationen zur Beseitigung einer homosexuellen Veranlagung sorgten für Unmut und Widerspruch.

Lord Jakobovits starb an einer Hirnblutung am 31. Oktober 1999 und wurde auf dem Ölberg in Jerusalem begraben.

Werke / Literatur

  • Jewish Medical Ethics, 1959
  • Jewish Law Faces Modern Problems, 1965
  • Journal of a Rabbi, 1966
  • The Timely and The Timeless: Jews, Judaism and Society in a Storm-tossed Decade, 1977
  • If Only My People: Zionism in My Life, 1984
  • Dear Chief Rabbi: From the Correspondence of Chief Rabbi Immanuel Jakobovits on Matters of Jewish Law, Ethics and Contemporary Issues, 1980—1990, 1995
  • Lord Jakobovits in Conversation, 2000


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