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Hyperinflation

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Deutsche Banknoten aus der Zeit der Hyperinflation 1923
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Reichsbanknote 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923
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Höchste jemals gedruckte deutsche Banknote 15. Februar 1924

Hyperinflation ist eine Form der Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, aber eine verbreitete Faustregel spricht von einer Hyperinflation ab einer monatlichen Inflationsrate von 50 %, die einer jährlichen Rate von umgerechnet rund 13.000 % entspricht. Einfach gesagt ist eine Hyperinflation eine unkontrollierbare Inflation mit extrem hoher monatlicher Rate. Viele Hyperinflationen sind nur verhältnismäßig kurz und enden in einer Währungsreform.

Allgemeines

Vor dem 20. Jahrhundert waren Hyperinflationen selten, da die Ökonomien bei Überschreitung eines gewissen Inflationsniveaus zu ungeprägten Edelmetallen als Geldersatz oder zu Naturaltausch übergingen. Die immer weitere Verbreitung von ungedecktem Geld (Fiat Money) ermöglichte Hyperinflationen. Der Verursacher der (Hyper-)Inflation ist immer der Staat, da er sich zur Deckung seiner Ausgaben (Erfüllung von Leistungsversprechen) permanent verschulden muss und damit letztlich das Vertrauen in die eigene Währung untergräbt[1].

Während gewöhnliche Inflationen meist mit ökonomischen Ursachen begründet werden, sind Hyperinflationen darüber hinaus fast immer mit schwerwiegenden Erschütterungen der Volkswirtschaft infolge von Krieg, Bürgerkrieg oder gesellschaftlichen Umbruchsituationen verbunden. Die sowjetische Hyperinflation von 1919 bis 1922 hatte das Ziel der Abschaffung des Geldes als Zahlungsmittel.

Kapitalflucht

Wie bei einer Inflation kommt es sehr schnell zu Anlagen in fremder Währung. Um die damit verbundene Kapitalflucht zu stoppen, kommt es während der Hyperinflation zu Devisenbewirtschaftung und massiver Devisenverkehrsbeschränkung. Angesichts des seit Ende dem 20. Jahrhunderts möglichen weltweiten bargeldlosen Zahlungsverkehrs sind jedoch solche Maßnahmen nur noch begrenzt möglich.

Flucht in Sachwerte

Eine Hyperinflation führt bei den Geldanlegern zu einer „Flucht in Sachwerte“ und zu einem weitgehenden Verlust aller anderen Geldanlagen wie z.B. Aktien. Dies ist ein sich selbst verstärkender Vorgang.

Sachwerte sind vorrangig Immobilien und Rohstoffe aber auch Edelmetalle. Die Folge ist oft eine vorübergehende Verknappung von Zahlungsmitteln, wenn beispielsweise die Kunden einer Bank ihre gesamten Ersparnisse abheben.

Quantitätsgleichung

Eine Erklärung für das Ansteigen des Preisniveaus allgemein bietet die Quantitätsgleichung von Irving Fisher:

\rm Transaktionsanzahl \cdot Preisniveau = Geldmenge \cdot Umlaufgeschwindigkeit

Diese Formel lässt sich umformen zu:

\rm Preisniveau = \frac{Geldmenge \cdot Umlaufgeschwindigkeit}{Transaktionsanzahl}

Das Preisniveau steigt also demnach u. a., wenn

  • die Geldmenge ansteigt (wenn also die Zentralbank z. B. mehr Geld in Umlauf bringt), Umlaufgeschwindigkeit und Transaktionsanzahl jedoch unverändert bleiben.
  • die Umlaufgeschwindigkeit ansteigt, Geldmenge und Transaktionsanzahl jedoch unverändert bleiben.
  • die Transaktionsanzahl abnimmt (z. B. bei Störung des Wirtschaftskreislaufs durch Katastrophen, wenn also plötzlich die Lieferbarkeit wegbricht, aber die Nachfrage bleibt), Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit jedoch unverändert bleiben.

Geschichte

Es gibt verschiedene geschichtliche Episoden von Hyperinflationen mit monatlichen Inflationsraten von über 50 Prozent. Beispiele sind

Zeitraum Land/Anmerkungen
1919 Sowjetrussland / RSFSR, absichtlich herbeigeführt
frühe 1920er Weimarer Republik (Deutschland), maximale monatliche Inflationsrate von 32.400 % (Vervierfachung der Preise pro Woche) – siehe Deutsche Inflation 1914 bis 1923
1921–1923 Österreich 1 Schilling = 10.000 Papierkronen
1921–1924 Ungarn
1921–1924 Polen
1943/44 Griechenland mit einer maximalen monatlichen Rate von 8,55 Milliarden Prozent
1945/46 Ungarn, die höchste jemals erreichte Inflation mit einer maximalen monatlichen Rate von 41,9 Billiarden Prozent (Verdreifachung der Preise pro Tag) – siehe auch Pengő
1949/1950 Volksrepublik China[2]
1985 Bolivien[3]
1988 Nicaragua[4]
1988 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien

[5][6]

1989 Polen[7]
1989/1990 Brasilien[8]
1989/1990 Argentinien[9]
1990 Peru[10]
frühe 1990er Bosnien und Herzegowina und Jugoslawien[11]
1990–1994 Zaire[12]
1992 Ehemalige Sowjetstaaten (Russland, Kasachstan und weitere)[13]
1992–1994 Georgien (siehe Wirtschaft Georgiens)
1994, 1996/1997 Angola[14]
2006–2009 Simbabwe, die zweithöchste jemals erreichte Inflation mit Raten weit über eine Trilliarde (1021) Prozent. Führte letztendlich zur Abschaffung der Währung, siehe auch Simbabwe-Dollar
2011–2012 Weißrussland[15] Weißrussischer Rubel

Auch vor dem 20. Jahrhundert gab es schwere Inflationen:

Zeitraum Land/Anmerkungen
276 bis 334 Weströmisches Reich
1166 Kaiserreich China[16]
1719–1720 Frankreich[17]
1789–1796 Frankreich
1861–1865 USA, vor allem Südstaaten[18]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Paul C. Martin: Wann kommt der Staatsbankrott?. München: Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig 1983, ISBN 3-7844-7119-6
  2. http://www.libertyhaven.com/countriesandregions/china/hyperinflation.html
  3. http://www.zeit.de/2003/38/Jeffrey_Sachs
  4. http://2001662.homepagemodules.de/t475443f11745512_Nicaragua_Der_Sieg_der_Sandinisten.html
  5. Inflation and price stabilisation policy in Yugoslavia, Egon Žižmond, Faculty of Economics and Business Administration, University of Maribor, Maribor, Yugoslavia, published in: Post-Communist Economies, Volume 3 Issue 2 June 1991, pages 187-200, informaworld
  6. Banka Slovenije
  7. http://www.bpb.de/publikationen/06491994241220360370961530614087,1,0,Wirtschaftssystem_und_Wirtschaftspolitik.html
  8. http://www.emkweltmission.de/laender/brasilien/Brasilien_Zeitgesch.htm, siehe auch Fernando Henrique Cardoso
  9. http://www.kas.de/db_files/dokumente/auslandsinformationen/7_dokument_dok_pdf_3573_1.pdf (PDF), http://www.inwent.org/E+Z/1997-2002/ez602-9.htm
  10. http://www.clevelandfed.org/Research/com2000/1200.htm
  11. http://www.bmlv.gv.at/download_archiv/ausle_unterlagen/k_e_landesinfo_ab2.pdf (PDF)
  12. http://www.tomchao.com/hb20.html, http://129.194.252.80/catfiles/1916.pdf (PDF)
  13. http://www.bpb.de/publikationen/D0THIA,0,0,Die_Finanzkrise_in_Russland_im_Gefolge_der_Asienkrise.html
  14. http://www.us-angola.org/pressreleases/071904.htm, http://www.metro-press.com/angola/get_progrm.html
  15. http://wirtschaft.t-online.de/hyper-inflation-in-weissrussland/id_52182478/index
  16. http://www.ex.ac.uk/~RDavies/arian/amser/chrono4.html
  17. http://www.atimes.com/atimes/Global_Economy/DK08Dj01.html
  18. http://teacherlink.org/content/social/instructional/inflation/procedures.html
  19. 1.000.000.000.000 Mark in: FAZ vom 18. Juli 2011, Seite 10

Weblinks

 Commons: Hyperinflation – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hyperinflation aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.