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Hugo Marcus

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Hugo Hamid Marcus

Hugo „Hamid“ Marcus (geb. 6. Juli 1880 in Posen, Königreich Preußen; gest. 18. April 1966 in Basel, Schweiz) war ein deutscher Schriftsteller und Intellektueller im Berlin der Weimarer Zeit, der zum Islam konvertierte und als Geschäftsführer der Wilmersdorfer Moschee das Gemeindeleben prägte.

Leben

Hugo Marcus wurde in Posen als Sohn der Eheleute Joseph Marcus und Cäcilie geb. Hepner geboren.[1] 1903 kam er nach Berlin, wo er Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte, sich im Wissenschaftlich-humanitären Komitee seines Freundes Magnus Hirschfeld für die Rechte Homosexueller einsetzte und an Kurt Hillers pazifistischer Zeitschrift "Das Ziel" mitarbeitete.[2] Schon früh feierte er große Erfolge mit philosophischen und spirituellen Büchern, die er als Mitglied des George-Kreises schrieb.[3] 1908 veröffentlichte er seine Doktorarbeit.[4] Anfang der 1920er Jahre konvertierte er zum Islam, der damals in Berlin viele Künstler begeisterte,[5] und nannte sich fortan Hamid.

Von 1923 bis 1938 war Hugo Marcus Syndikus der Wilmersdorfer Moschee, damals die einzige Moschee in Deutschland. Er leitete die Zeitschrift Moslemische Revue, übersetzte den Koran ins Deutsche, war von 1930 bis 1935 sogar Präsident der Deutschen Muslimischen Gesellschaft – und blieb gleichzeitig immer auch Mitglied der jüdischen Gemeinde, da er keinen Widerspruch zwischen diesen beiden Religionen sah.[6]

1938 entkam er mithilfe der muslimischen Gemeinde ins Schweizer Exil nach Oberwil BL, wo er den Krieg überlebte. Nach dem Krieg schrieb er noch lange weiter unter dem Pseudonym Hans Alienus für Der Kreis, eine international beachtete Homosexuellenzeitschrift.[7]

Sein Bruder war der sächsische Kreishauptmann Richard Marcus (1883–1933).[8]

Werke

  • Das Frühlingsglück (1901)
  • Meditationen (1904)
  • Musikästhetische Betrachtungen (1906)
  • Das Tor dröhnt zu (Berlin 1915)
  • Lord Byrons Jugendtraum (Leipzig 1925)
  • Metaphysik der Gerechtigkeit (Basel 1947)
  • Rechtswelt und Ästhetik (Bonn 1952)
  • Die Ideistik (Basel 1958)
  • Die Fundamente der Wirklichkeit als Regulatoren der Sprache (Bonn 1960)
  • Einer sucht den Freund (Heidelberg 1961)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Manfred Backhausen, Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa, Wembley 2008, S. 110.
  2. Marc David Baer, Muslim Encounters with Nazism and the Holocaust, The Ahmadi of Berlin and Jewish Convert to Islam Hugo Marcus, The American Historical Review 2015, Heft 1, S. 140–171 (154f.).
  3. Baer, S. 154.
  4. Backhausen, S. 110f.
  5. Siehe etwa auch die Geschichte von Marcus' Zeitgenossen Lew Nussimbaum alias Essad Bey und Else Lasker-Schüler.
  6. Gerdien Jonker, The Ahmadiyya Quest for Religious Progress, Leiden 2016, S. 144, 199.
  7. Backhausen, S. 114.
  8. Gerdien Jonker, The Ahmadiyya Quest for Religious Progress, Leiden 2016, S. 90 (Fußnote 117).


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hugo Marcus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.