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Hugenottische Diaspora

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Die hugenottische Diaspora entstand durch das Abwandern der französischen Protestanten, der sogenannten Hugenotten, in aufnahmebereite protestantische Länder. In Europa waren es insbesondere die Schweiz, Deutschland (speziell Straßburg – damals noch deutsch –, die Kurfürstentümer Pfalz und Brandenburg, die Herzogtümer Hessen-Kassel und Württemberg), Niederlande, England und Schottland. Eine sekundäre Wanderung führte in das niederländische Südafrika und in die USA. Die hugenottische Diaspora stärkte die Wirtschaftskraft der Gastländer, trug zur religiösen Toleranz zunächst der verschiedenen protestantischen Glaubensrichtungen untereinander bei. Sie stärkte die kulturelle Dominanz Frankreichs bis in die napoleonische Zeit.

Fluchtwellen

Schon die Protestantenverfolgungen unter den französischen Königen Franz I. und Heinrich II. führten ab 1535 zur Flucht französischer Protestanten, die später meist Calvinisten wurden. Ein typisches Beispiel ist der Franzose Jean Calvin selbst, der ab 1536 über Straßburg nach Genf emigrierte und dort unter dem Schutz der Eidgenossen (= Schweiz) die Reformation durchführte und Genf zum Mittelpunkt des Calvinismus ausbaute.

Während der Hugenottenkriege 1562–1598 gab es mehrere Fluchtwellen.

Am bekanntesten ist die Fluchtwelle unter Ludwig XIV., der ab 1669 die Hugenotten drangsalieren ließ und die religiöse Toleranz des Edikt von Nantes im Jahr 1685 aufhob. Vor den Verfolgungen der Katholiken flohen vor allem die Angehörigen der Oberschicht. In London entstand die Bewegung der French prophets, in der die Inspirationen, die prophetischen Reden und die ekstatischen Verzückungen als Teil der Religiosität praktiziert wurden. Missionare dieser Gruppe verbreiteten diese religiösen Formen auf dem Kontinent und haben vor allem den Pietismus stark beeinflusst.

Die ersten Einwanderungsbewilligungen in Deutschland wurden durch den Herzog von Braunschweig 1684 und dem Landgrafen von Hessen-Kassel 1685 erlassen. Folgende Verteilung der Refugiés ergaben sich:

  • Brandenburg-Preußen: 20.000 Einwanderer
  • Hessen-Kassel: 3.500 Einwanderer
  • Hessen-Darmstadt: 2.500 Einwanderer
  • Württemberg: 2.500 Einwanderer
  • Bayreuth: 1.600 Einwanderer

Niederlassungen in Deutschland

Datei:Hugenotten Buchholz.JPG
Relief „Hugenotten in Buchholz

Es existierten, zum Teil noch bis heute, einige evangelisch-reformierte Gemeinden, die unter anderem auf eine hugenottische Tradition oder Gründung zurückgehen, in folgenden Orten (Aufzählung nicht vollständig). In einigen Gebieten wie z. B. in Württemberg wurden die Gemeinden jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts in die (lutherische) Landeskirche eingegliedert.

In Bad Karlshafen gibt es ein Hugenottenmuseum, das Deutsche Hugenotten-Zentrum mit einer genealogischen Forschungseinrichtung sowie die Bibliothek und das Bildarchiv der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft.

Siehe auch

Literatur

  • Ingrid Brandenburg, Klaus Brandenburg: Hugenotten. Geschichte eines Martyriums. Panorama-Verlag, Wiesbaden 1998, ISBN 3-926-64217-3.
  • Joseph Chambon: Der französische Protestantismus. Sein Weg bis zur Französischen Revolution, 2004, ISBN 3-89397-964-6 (PDF).
  • Ernst Schreiner: Die Harfe der Hugenottin, ISBN 3-89397-719-8 (PDF).
  • Conrad Ferdinand Meyer: Das Amulett.
  • Lothar Zögner: Hugenottendörfer in Nordhessen – Planung, Aufbau und Entwicklung von siebzehn französischen Emigrantenkolonien. Marburg 1966.
  • Dreger van Guerre: Glaubenskrieg und Aufklärung: Die Hugenotten. Zum Zusammenhang von Diaspora, Mediengeschichte und aufklärerischer Ideenentwicklung im französischen Protestantismus, VDM Verlag, Saarbrücken 2008, ISBN 3-639-01406-5 (online).

Weblinks


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