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Hubert Beuve-Méry

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Hubert Beuve-Méry (* 5. Januar 1902 in Paris; † 6. August 1989 in Fontainebleau) war ein französischer Journalist und Gründungsherausgeber der Zeitung Le Monde.

Leben

Beuve-Méry stammte aus einfachen Verhältnissen und erlebte aufgrund des Ersten Weltkrieges eine schwierige Kindheit. Dennoch konnte er eine höhere Schule besuchen und Jura studieren. Er sammelte seine ersten journalistischen Erfahrungen in der Zeitung Les Nouvelles Réligieuses, einem katholischen und konservativen Blatt, und erlebte 1925 seine erste politische Erfahrung, als er an Demonstrationen der monarchistisch-nationalistischen Organisation Camelots du roi teilnahm, die gegen die Berufung des Pazifisten Georges Scelle an die juristische Fakultät der Universität Paris protestierte. 1925 wurde er für kurze Zeit Mitglied von Le Faisceau, der ersten faschistischen Partei in Frankreich.

Nach seiner Promotion lehrte er als Jurist am Institut français de Prague, wo er auch technischer Berater des Außenministeriums der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurde. Er beobachtete dort die steigenden Gefahren des Militarismus in Europa und wurde auch Korrespondent mehrerer Pariser Tageszeitungen, darunter Le Temps, der offiziellen Tageszeitung des französischen Außenministeriums. 1938 verließ er die Redaktion, um gegen die Aufgabe der Tschechoslowakei zu protestieren.

Hubert Beuve-Méry unterstützte nach der Kapitulation Frankreich vor der deutschen Wehrmacht die Kollaborationsregierung unter dem General Philippe Pétain und deren Politik der „Nationalen Revolution“. 1940–1941 war er als Studiendirektor an der École des cadres d’Uriage im Thermalkurort Uriage-les-Bains bei Grenoble, einer Ausbildungsstätte für zukünftige Führungskräfte im Sinne des Vichy-Regimes, tätig.

Nachdem Pierre Laval im Dezember 1942 die Schule schloss, wechselte Beuve-Méry mit einigen seiner Kollegen die Seite und schloss sich der Résistance an. 1943 bis 1944 war er Leutnant der Forces françaises de l’intérieur und zusammen mit Kämpfern des Maquis an der Befreiung des Département Tarn beteiligt. Damit gehört Beuve-Méry zu den Beispielen, die Simon Epstein in seinem Buch über das Paradoxe français beschreibt: Vertretern der nationalistischen Rechten, die sich in der Résistance engagierten, während auch eine ganze Reihe an linken Antifaschisten, Antirassisten und Pazifisten der Zwischenkriegszeit zu den Reihen der Kollaboration gehörten.

1944, nach der Landung der Alliierten in der Normandie, schrieb Beuve-Méry, die USA und ihr Materialismus seien „eine wirkliche Gefahr für Frankreich“, ein Zeugnis des verbreiteten Antiamerikanismus unter den französischen Intellektuellen der Nachkriegszeit.[1]

Im Oktober 1944 wurde er Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung Temps présent, bevor er von General de Gaulle damit beauftragt wurde, eine Qualitätszeitung herauszugeben, die Le Temps ersetzen sollte. So entstand die Zeitung Le Monde, deren erste Ausgabe am 18. Dezember 1944 erschien und deren Direktor Beuve-Méry bis 1969 blieb. Er hatte sich mittlerweile der politischen Linken zugewandt und war in seinen Leitartikeln, die er unter dem Pseudonym Sirius verfasste, ein beständiger Kritiker des Gaullismus.

1972 wurde er mit der Golden Pen of Freedom Award, einer Auszeichnung für Journalisten des Weltzeitungsverbandes, geehrt. 1954 gründete er auch die Wochenzeitung Le Monde diplomatique.

Einzelnachweise

  1. Simon Epstein: Un paradoxe français, Paris 2008.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hubert Beuve-Méry aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.