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Horst Symanowski

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Horst Symanowski (geb. 8. September 1911 in Nikolaiken/Ostpreußen; gest. im März 2009 in Mainz) war ein deutscher evangelischer Pfarrer, Mitglied der Bekennenden Kirche (BK) und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.

Leben

Symanowski entstammte einer bildungsbürgerlichen Familie von Pfarrern und Lehrern. Nach der Erlangung seiner Hochschulreife studierte er ab 1932 in Königsberg Evangelische Theologie. Kurz nach der Machtübertragung an die NSDAP 1933 bekam er Kontakt zur Bekennenden Kirche und wurde ihr Mitglied. Er beteiligte sich als Pfarrer an den Fürbittgottesdiensten für verhaftete BK-Mitglieder. 1937 wurde er erstmals wegen der Verbreitung solcher Namenslisten acht Wochen lang von der Gestapo inhaftiert. Es folgten noch zwei weitere Verhaftungen. Nach seiner dritten Inhaftierung riet ihm die Leitung der BK, sich zu einer militärischen Übung zu melden. Durch diese Wehrübung konnte er als „Grenzland-Bewohner“ seine Tätigkeit im Widerstand tarnen. Doch dann wurde er zum Fronteinsatz weiter geschickt. 1941 erlitt er in der Sowjetunion eine schwere Verwundung, und nach seiner Wiederherstellung wurde er 1942 als „nicht kriegsverwendungsfähig“ aus der Wehrmacht entlassen. Diese Kriegserfahrungen hatten aus ihm nun auch einen überzeugten Kriegsgegner werden lassen. Als „illegaler Pfarrer“ der BK wurde er von der Gossner Mission zur Betreuung evakuierter Berliner Kinder verwendet, die in Ostpreußen vor dem Bombenkrieg geschützt werden sollten. So wurde er zur Verbindungsperson zwischen Orten in Ostpreußen und der Reichshauptstadt. Auf diese Weise gelang es ihm auch, etliche ausgebombte Juden aus ihren Verstecken nach Ostpreußen zu schleusen und hier heimlich unterzubringen. Die Familie Symanowski brachte eine jüdische Familie unter Lebensgefahr in der eigenen Wohnung unter.[1]

1945 musste auch Horst Symanowski mit seiner Familie Gemeinde und Heimat verlassen. 1948 kamen sie nach Mainz-Kastel, wo er in einem Zementwerk angestellt wurde und fünf Jahre lang Hilfsarbeiten verrichtete und sich dort gleichzeitig für die Mitbestimmung der Arbeiter in ihrem Betrieb einsetzte. Das brachte ihm die Entlassung durch den Unternehmer ein. Im Auftrag der Gossner-Mission gründete er 1948 das „Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft“, in dem er andere Theologen und Pfarrer mit der Welt der Arbeit vertraut machte. Er gehörte zu den wichtigsten Theologen in der kirchlichen Industrie- und Sozialarbeit. Sein in der Widerstandszeit erworbenes Leitbild vom mündigen Menschen behielt für ihn auch in dieser neuen Situation seine Geltung. Als 1956 die KPD verboten wurde, besuchte der Pfarrer kommunistische Stadträte im Gefängnis und setzte sich für die Wiederzulassung ihrer Partei ein.

Symanowski wurde auch in der Friedensbewegung aktiv. Er organisierte den ersten Ostermarsch gegen Atomwaffen in Mainz und wurde zum Mitbegründer des „Komitees zur Verteidigung der Grundrechte - ­gegen Berufsverbote“. Der einst dreimal von der Gestapo eingesperrte Pfarrer wurde vom Verfassungsschutz überwacht. Nach einer Auskunft des rheinland-pfälzischen Innenministers wurden seine Daten bis in die Gegenwart speichert.[2] Auch gehörte er zu den Mitbegründern der Christlichen Friedenskonferenz (CFK), an deren dritter Vorbereitungstagung 1960 und an deren I. Allchristlichen Friedensversammlung (ACFV) er 1961 in Prag teilnahm.

Von 1975 bis 1989 arbeitete Symanowski im Redaktionskreis der kritischen Kirchenzeitschrift „Die Stimme der Gemeinde“.

Symanowskis Einsatz für verfolgte Juden wurde von der Bremer Historikerin Maria von Borries bekannt gemacht, indem sie eine verfolgte jüdische Familie in den USA aufspürte, die zu den von Symanowski geretteten Juden gehörten.

Ehrungen

Veröffentlichungen

  • Kirche und Arbeitsleben: getrennte Welten?, Münster : Lit, 2005
  • Konkret, verbindlich, Hamburg : Reich, 1971
  • The Christian Witness in an industrial society, Philadelphia : Westminster Press, 1964
  • Post Bultmann locutum / Bd. 1. Eine Diskussion zwischen Helmut Gollwitzer und Herbert Braun am 13. Februar 1964 in der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz am Rhein, 1965, 2. Aufl.
  • Gegen die Weltfremdheit, München : Kaiser, 1960
  • Die Welt des Arbeiters, Frankfurt a.M. : Stimme Verl., 1963
  • Gott liebt die Weltlichen, Bielefeld : Bechauf, 1956
  • Buße oder Selbstrechtfertigung der Kirche?, Hamburg : Reich, 1965
  • Die Welt des Arbeiters, Frankfurt a. M. : Stimme-Verl., 1964, 4. Aufl.
  • Die Mitbestimmung am Arbeitsplatz, Köln : Pahl-Rugenstein, 1966
  • Wofür produzieren wir eigentlich? Zusammen mit Karl Paul Hensel, - Frankfurt a. M. : Pressestelle hessischer Kammern und Verbände, 1961

Literatur

  • Maria von Borries: ...einer der aktivsten deutschen Pazifisten: Arnold Kalisch. Eine Dokumentation. Rasch, Bramsche 2003, ISBN 3-89946-008-1

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.widerstand-portrait.de/portaets/horst-symanowski.html Abgerufen 21. März 2012
  2. http://www.livenet.de/themen/people/erlebt/111836-unser_leben_stand_auf_messers_schneide.html Abgerufen 21. März 2012


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Horst Symanowski aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.