Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Homosexualität in Israel

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Datei:Tel Aviv Gay Pride.jpg
Die Schwulenparade Tel Aviv, 2004
Datei:Yaar hagaava.jpg
Hinweisschild/Widmung für die israelische LGBT Gemeinde im Ja'ar ha-Ga'ava ("Wald des Stolzes")

Lesbians, Gays, Bisexuals und Transgender (LGBT) in Israel genießen die fortgeschrittensten Rechte und weitestgehende Emanzipation im Vergleich aller Länder des Mittleren Osten. Diesbezügliche Strafgesetze bestehen in Israel nicht mehr. Israel hat seit 2001 zudem ein Antidiskriminierungsgesetz und erlaubt die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Eine eingetragene Partnerschaft ist möglich, eine Ehe als solche nicht. Die israelische Armee nimmt jeden Bewerber ohne Unterscheidung der sexuellen Orientierung, seitdem 1993 unter Ministerpräsident Jitzchak Rabin die Vorschriften liberalisiert wurden.[1]

Lebenspartnerschaften/Ehe

Ein ausländischer homosexueller Partner/in eines/r Israelis/n bekommt seit dem Jahr 2000 - auch ohne juristische Verpartnerung - zunächst ein zeitlich befristetes Wohnrecht in Israel, das nach Jahren in den unbefristeten Status und schließlich in die israelische Staatsbürgerschaft umgewandelt werden kann.[2] Seit 2002 kann man in Tel Aviv seine homosexuelle Partnerschaft eintragen lassen und bekommt zusätzliche kommunale Vergünstigungen.[3] Ein Gerichtsurteil des Obersten Gerichts vom 21. November 2006 legt fest, dass im Ausland geschlossene "Homo-Ehen" Gültigkeit haben.[4] Homosexuelle Paare haben Steuerprivilegien wie heterosexuelle Paare sowie das Adoptionsrecht. Dabei muss in Israel die homosexuelle Partnerschaft nur glaubhaft gemacht werden, während eine offizielle juristische Verpartnerung nicht erforderlich ist und aufgrund des der Begrenzungen durch das Standes- und Zivilrecht in Israel selbst nicht möglich wäre.

Im November 2005 wurde einer lesbischen Ehefrau die Adoption des Kindes ihrer Partnerin erlaubt, welches durch einen anonymen Samenspender gezeugt wurde. Dieser Entscheid wurde von den jüdisch-orthodoxen Parteien stark kritisiert, welche jedoch im Parlament in der Minderheit sind.

Entwicklung der gesellschaftlichen Situation homosexueller Menschen

Die aus der britischen Mandatszeit übernommenen, sogenannten Sodomie-Gesetze stellten Homosexualität bis 1988 unter Strafe. Diese Paragraphen wurde aufgrund des Drucks der starken religiösen Parteien lange nicht aufgehoben. 1953 und 1972 gab der israelische Generalstaatsanwalt jedoch Anweisung, diese Paragraphen bei Erwachsenen nicht anzuwenden. [5] Seit den 1990er Jahren hat sich die Situation und die gesellschaftliche Anerkennung von LGBT nochmal deulich verbessert.[1]

1975 gründet sich die SPPR (Society for the Protection of Personal Rights), um für die Rechte von Schwulen und Lesben zu kämpfen. Die immer noch aktive Gruppe wurde später in Agudah umbenannt.[6] (אגודה „Verband“)

Seit 1993 hatte die homosexuelle Gemeinschaft in Yael Dayan, Parlaments-Abgeordnete für die sozialdemokratische Awoda und Tochter des Generals Moshe Dayan, eine aktive Fürsprecherin.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt die israelische LGBT-Community 1998 durch den Sieg der transsexuellen Dana International beim Eurovision Song Contest.

2002 wurde Professor Uzi Even für die sozialistische Partei Meretz als erster offen schwuler Abgeordneter in das Parlament Knesset gewählt. Dieser hatte sich als Major der Reserve bereits zuvor für die Gleichbehandlung in der israelischen Armee einsetzt.

Lee Walzer hält in seinen Buch "Between Sodom and Eden" fest, dass sowohl zur Regierungszeit des Likud Block, als auch unter der Labor Partei weitreichende Verbesserungen für die Lesben und Schwulen in Politik und Recht errungen wurden. "Israel's lesbian and gay community has achieved far-reaching political and legal victories under both Likud- and Labor-led governments."[7]

Aktuelle gesellschaftliche und politische Situation

Israel hat eine aktive Schwulen-Community, die seit 1998 jährlich einen Gay Pride in Tel Aviv und seit 2002 in Jerusalem organisiert.[8] Die Parade in Jerusalem zog im Jahr 2005 international Aufmerksamkeit auf sich, als ein jüdischer Extremist drei Teilnehmer der Parade mit einem Messer verletzte.[9] Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Der Versuch des Bürgermeisters von Jerusalem, die Parade zu verhindern, wurde im Juni 2005 gerichtlich angefochten. Der Bürgermeister verlor den Prozess und musste die Veranstaltung finanziell unterstützen.

Im August 2006 wurde in Jerusalem der World Pride gefeiert.

Seit 2006 wird in Tel Aviv jährlich das queere Tel Aviv GLBT Film Festival[10] gefeiert.

GLBT-Zentren für die queere Community sind in Tel Aviv – das vom Stadtrat finanzierte – GLBT Community Center[11] (auch "Bayit Lavan" (Weißes Haus) genannt) im Gan (Park) Me'ir und in Jerusalem das Jerusalem Open House (Bayit Patuach), das sich in der 1. Etage eines Hauses in der HaSoreqStr. 2 befindet.

Die israelische Botschaft in Berlin ließ im Jahre 2010 Broschüren verteilen, in denen sie damit wirbt, dass "Tel Aviv [...] aufgrund seiner Offenheit auch gegenüber Homosexuellen als Schwulenhauptstadt des Nahen Ostens gilt".[12]

Israel gehörte im November 2010 zu der Minderheit der Staaten, die in der UN-Vollversammlung für die Ächtung der Todesstrafe auch aus Gründen der sexuellen Orientierung stimmten[13]. Im März 2011 unterzeichnete Israel mit 85 anderen Staaten eine UN-Erklärung, die Gewalt gegen Menschen abweichender sexueller Orientierung ablehnt[14]. Neben Israel haben die Türkei, Jordanien und die Republik Zypern homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen im Privaten nicht unter Strafe oder Verfolgung gestellt.

Die Situation der arabischen Bevölkerung Israels und in den besetzten Gebieten

Die Araber, die israelische Staatsbürger sind und mehr als 20 % der Bevölkerung ausmachen, erleben – vor allem im dörflichen Umfeld – eine starke Ablehnung. Von ihren gewählten arabischen Abgeordneten werden sie nicht offen unterstützt. So befürwortete Tawfiq Khatib ausdrücklich eine Ausgrenzung von Homosexuellen: "Ich bin froh, dass die [arabische] Gemeinschaft diese Abartigen ausstößt. Sie sollen sich wie Fremde bei uns fühlen."[15]

In den Palästinensischen Autonomiegebieten, in denen für die inneren Angelegenheiten eigene arabische Beamte zuständig sind und Israel sich nur die militärische Kontrolle vorbehält, ist Homosexualität nach dem britisches Mandatsrecht strafbar.[16][17] Inwieweit dies in konkrete staatliche Verfolgung mündet, ist nicht bekannt; die Behörden und politischen Gruppierungen tendieren dazu, das Thema zu ignorieren. Allerdings wird von Übergriffen, Folter und Morden von Polizeistationen und Todesschwadronen berichtet.[18][19] Viele fliehen deshalb illegal nach Israel und enden oft obdachlos – Schätzungen zufolge sind es etwa 500 – auf den Straßen.[20]

1995 ließ Ministerpräsident Jitzchak Rabin einem Palästinenser aus dem Gazastreifen das dauerhafte Aufenthaltsrecht in Israel erteilen, damit dieser mit seinem israelischen Partner zusammenleben konnte.[21] Ganz ähnlich gewährte 2008 die israelische Militärverwaltung einem schwulen Palästinenser aus dem autonomen Jenin die Genehmigung, sich in Israel aufzuhalten und mit seinem israelisch-jüdischen Partner in Tel Aviv zu leben,[22] was die Behörde ausdrücklich als Ausnahme bezeichnete.

2001 gründete sich die palästinensische Homosexuellen-Gruppe Al-Qaws[23] (deutsche Übersetzung: "Der Regenbogen"), die unter den Arabern in Israel und in den Autonomiegebieten agiert. Sie arbeitet mit dem Jerusalem Open House zusammen.

Zeitschriften

„HaIr beVarod“ (העיר בורוד - „Die Stadt in Rosa“), in Tel Aviv erscheinende Monatszeitschrift, 1996 unter dem Namen „HaSeman HaVarod“ ("Die rosa Zeit") gegründet und heute zur Verlagsgruppe der Zeitschrift Haaretz gehörend.

Literatur

  • Danny Kaplan: Brothers and Others in Arms. The Making of Love and War in Israeli Combat Units, New York/London/Oxford 2003, ISBN 1-56023-365-6
  • Lee Walzer: Between Sodom and Eden. A gay journey through today's changing Israel, New York 2000, ISBN 0-231-11395-1 Entwicklung der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Homosexualität in Israel bis 1999

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Homosexualität in Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

gaylawnet.com: Rechtliche Situation in Israel

Berichte

  • Yossi Klein Halevi, übersetzt von Leo Bauer: Flüchtlingsstatus – Bericht über schwules Leben in Palästina, im Original erschienen am 19. August 2002 in The New Republic und am 19. September 2002 in East Bay Voice (deutsch)
  • Chas Newkey Burden: Tel Aviv, the final gay frontier – Kurzbericht über das schwule Leben in Israel, 8. Januar 2007 (englisch)

Informationsseiten

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Lee Walzer: Between Sodom and Eden. A gay journey through today's changing Israel, New York 2000, S.118
  2. Gaylawnet, Kapitel "Asylum, Immigration, Refugees"
  3. Yam,Yehoshua: Tel Aviv grants gay couples eligibility for benefits Artikel vom 3. Oktober 2002 in: HaAretz
  4. Queer.de: Israel: Schwule als Ehe-Partner anerkannt, 31. Januar 2007
  5. Gay Rights in Israel 05/01/2010 Artikel auf der Webseite der Interessenvereinigung Aguda
  6. Agudah
  7. Lee Walzer: Between Sodom and Eden. A gay journey through today's changing Israel, New York 2000, S.16
  8. BBC News: Israel's first gay MP enters parliament, 4. November 2002
  9. NZZ: Umstrittene Gay Pride Parade in Jerusalem, 8. November 2006
  10. http://www.tlvfest.com/en/
  11. http://www.gaycenter.org.il/eng_about.asp?lang=2
  12. Rechte von Homosexuellen in Israel (hrsg.v. Botschaft des Staates Israel, Berlin), S.3
  13. Artikel "UNO verurteilt Todesstrafe für Schwule nicht mehr"
  14. Artikel "Vatikan fürchtet homofreundliche UNO" zur UN-Erklärung: "Joint statement on ending acts of violence and related human rights violations based on sexual orientation and gender identity"
  15. Lee Walzer: Between Sodom and Eden. A gay journey through today's changing Israel, New York 2000, S.224
  16. LSVD: Liste der Legalität von Homosexualität nach Ländern
  17. globalgayz.com: Gay Travel and Culture
  18. agudah.israel-live.de: Flüchtlingsstatus. Schwul in Palästina
  19. haaretz.com: Israeelisches Gericht entscheidet: Wegen der Verfolgung in seiner Heimat darf ein Palästinenser in Israel bleiben
  20. Thorsten Schmitz, Allahs verlorene Söhne, Süddeutsche Zeitung vom 22. November 2006, S.11
  21. "to approve permanent resident status in Israel for the Gazan ... so that he could continue to live with his Jewish Israeli partner" (Lee Walzer: Between Sodom and Eden. A gay journey through today's changing Israel, New York 2000, S.237)
  22. Phu, Susan: Israel grants visa to gay Palestinian, Artikel vom 26. März 2008 in: Pinknews
  23. http://www.alqaws.org/q/

Vorlage:Homosexualität in Asien


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Homosexualität in Israel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.