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Hirschhornsalz

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Hirschhornsalz (E 503) ist ein Backtriebmittel und besteht hauptsächlich aus Ammoniumhydrogencarbonat NH4HCO3 neben Ammoniumcarbonat (NH4)2CO3 und etwas Ammoniumcarbamat NH4CO2NH2.

In reiner Form wird dieses Salz auch als ABC-Trieb bezeichnet, abgeleitet vom alten pharmazeutischen Namen des Hauptbestandteils Ammonium-bi-carbonat (Ammoniumhydrogencarbonat).

Geschichte

Hirschhornsalz wurde ursprünglich durch trockene Destillation von geraspelten „Hirschhorn“ gewonnen,[1] woher auch der Name stammt.[2] Das Geweih („Gehörn“) der Hirsche besteht allerdings nicht aus Horn, sondern aus Knochen. Später wurde Hirschhornsalz auch von anderen Tierarten gewonnen: aus Horn, Hufen, Klauen, Leder usw.[3]

Früher wurde es außer als Backtriebmittel auch als mildes Riechsalz verwendet, vor allem in parfümierten Varianten.

Eigenschaften und Verwendung

Beim Erhitzen zerfallen alle Bestandteile in Kohlenstoffdioxid, Ammoniak und teilweise Wasser.

\mathrm{\ NH_4HCO_3 \longrightarrow \ NH_3 + CO_2 + H_2O}
\mathrm{\ H_2N{-}C({=}O){-}ONH_4 \longrightarrow \ 2 \ NH_3 + CO_2}

Hirschhornsalz dient zur Lockerung von Flachgebäck, wie z. B. Mürbeteig, Spekulatius, Springerle, Amerikaner, Hirschhornkuchen oder auch für Lebkuchen.

Hirschhornsalz ist nicht geeignet für Hochgebäck (z. B. hohen Kuchen), da Ammoniak zurückgehalten würde, was Geschmack und Farbe beeinträchtigen kann. Flachen Kuchen kann man damit zubereiten, er ist dann sehr lange haltbar.

Hirschhornsalz unterscheidet sich vom Backpulver unter anderem durch das Fehlen saurer Bestandteile. Hirschhornsalz sollte kühl und trocken und getrennt (oder gut verschlossen) von anderen Backhilfsmitteln (zum Beispiel Vanillinzucker) aufbewahrt werden, da sonst eine Beeinträchtigung durch freigesetztes Ammoniak stattfindet. Das Salz riecht schwach nach Ammoniak und schmeckt ähnlich wie Salmiak.

Es wird auch zur Herstellung von Künstlerfarben (Kasein-Tempera) verwendet.

Sicherheitshinweise

Hirschhornsalz ist bei unmittelbarem Verzehr gesundheitsschädlich. Durch Erhitzen wird das Ammoniak weitgehend ausgetrieben. Beim Backen mit Hirschhornsalz ist die Entstehung von Acrylamid besonders begünstigt. Viele Bäckereien setzen daher Natron als alternatives Backtriebmittel ein.[4] Ammoniumcarbonate sind in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 503 ohne Höchstmengenbeschränkung (quantum satis) für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Das baden-württembergische Verbraucherministerium hat Ende 2008 in Hirschhornsalz aus China Spuren von Melamin gefunden. Die betroffene Ware enthielt Melamin in Mengen, die nicht dem Lebensmittelrecht entsprechen. Die Behörden starteten eine Rückrufaktion.[5]

Weblinks

 Wiktionary: Hirschhornsalz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Hirschhorn. In: Merck’s Warenlexikon. 3. Aufl. 1884 ff., S. 203 f.
  2. Kohlensäuresalze In: Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892
  3. Hirschhornsalz. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 5. Januar 2015.
  4. Stiftung Warentest: Acrylamid in Diabetikergebäck in: test 12/2003 (online abgerufen am 3. Februar 2013)
  5. RP Online: Melamin-Skandal weitet sich aus: Chemikalie auch im Weihnachtsgebäck?, 2. Dezember 2008.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hirschhornsalz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.