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Hirsch Michel Schapira

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Raw Hirsch Michel beim Versteck spielen
(Vgl. im Text. / Illustration der Jüdischen Zeitung, Ausgabe 31.8.2012, siehe unten)

Raw Jehoschua Zwi Michel Schapira[1] (geb. 1841 in Hebron; gest. 1906 / 12. Elul 5666 in Erez Jisrael), Verfasser des Ziz Hakodesch, war Rabbiner und ein grosser Zaddik und Kabbalist in Erez Jisrael. Seine wahre Grösse wurde erst nach seinem Tod bekannt, da er sein Wissen, seine Gelehrtheit und die Vorzüge seines Charakters so weit es ging zu verbergen suchte.

Zu seiner Zeit lebten in Jerusalem unzählige Zaddikim und Geonim. Raw Hirsch Michel war aber unter ihnen auf seine Weise absolut einzigartig. Während seines ganzen Lebens versuchte er ständig, seine wirkliche Grösse in Tora und Zidkut zu verheimlichen, und selbst Mitzwot versuchte er im Verborgenen auszuführen.

Leben

Hirsch Michel wurde durch die besten privaten Melamdim, unter anderem auch von Raw Josef Steinhart, der ein Talmid von Raw Chajim Woloziner war, unterrichtet. Hirsch Michels Vater, Raw Jakow Koppel, der als Oberhaupt eines bekannten Kolel in Jerusalem wirkte, beeinflusste seinen Sohn, seine Zeit für das Tora-Lernen auszunützen, und so sass der Knabe und lernte, wann er nur konnte. Schon im zarten Alter von sieben Jahren beherrschte er die ganze Messechet Baba Mezia. Ebenso lernte er noch als junger Knabe das Sefer Messilat Jescharim, bis er es Wort für Wort auswendig konnte. Die Weisen von Hebron liebten es, sich mit ihm über Tora-Themen zu unterhalten. Der Raw von Chevron, Raw Schimon Menasche, zeigte ihm spezielle Nähe und Wertschätzung. Als Hirsch Michel im Jahr 1857 ins heiratsfähige Alter gelangte, heiratete er die Tochter von Reb Nachman Natan Kornel und liess sich in Jeruschalajim nieder.

In jener Zeit kam der Raw von Kotna, Raw Mosche Jehuda Leib, Verfasser des "Sajit Ra'anan", nach Jeruschalajim. Alle Talmidei Chachamim waren über seine Ankunft sehr erfreut und kamen zu ihm, um sich mit ihm über Tora-Themen zu unterhalten. Alle, ausser Raw Zwi Michel. Er wollte nicht zum Vorschein kommen, bis sein Vater ihm als Pflicht von "Kibbud Aw" befahl, sich zu ihm zu begeben. Sogleich, als sich die beiden in eine Sugja vertieften, spürten sie eine spezielle Neigung zueinander. Raw Zwi Michel schreibt darüber: "Über allem steht der grosse Chessed, den Hkb"H mit mir machte, dass ich mich, obwohl mir die guten Taten fehlten und ich dieser Stufe nicht angemessen war, dem Staub der Füsse dieses grossen Gadol und Heiligen anheften durfte." Andererseits schätzte der Raw von Kotna seinen Talmid so sehr, dass er sogar einige Chiduschei Tora von Reb Zwi Michel an den zweiten Teil seines Sefer "Sajit Ra'anan" anhängte. Acht Jahre lang sass der Schüler vor seinem Raw Muwhak und war nicht bereit, sich von ihm auch nur für einen kurzen Moment zu trennen. Dann aber wurde der Raw Kotna im Jahr 5625 (1865) niftar.

Zwi Michel Schapira gehörte auch zu denjenigen, die das Haus des Raw von Brisk, Reb Jehoschua Leib Diskin, oft aufsuchten und war gleichzeitig auch sehr eng mit Reb Jossef Chajim Sonnenfeld befreundet. Er hielt sich jedoch von jeglichem Streit fern und wollte mit all diesen Angelegenheiten nichts zu tun haben und verbarg sich jeweils in einem Bet Hamidrasch. Als der deutsche Kaiser Wilhelm der Zweite 1898 für einen Besuch nach Jeruschalajim kam, war er in einem Dilemma. Einerseits gingen alle Bewohner von Jeruschalajim auf die Strasse, um ihn zu empfangen und die Bracha "Baruch Schechalak" zu sprechen. Andererseits drückte sich Raw Sonnenfeld schon dagegen aus, da er eine Überlieferung des Wilnaer Gaon hatte, dass die Deutschen Nachkommen des Amalek sind. Raw Zwi Michel überlegte sich, ob er nun gehen solle oder nicht. Einen Tag vor dem Eintreffen des Kaisers fiel eine Flasche mit heissem Wasser auf den Fuss von Reb Zwi Michel und er zog sich eine Verbrühung zu, sodass er beim Gehen und der Möglichkeit, das Haus zu verlassen, beeinträchtigt war. Er sagte daraufhin: "Baruch Haschem bin ich nun vom Gehen befreit".

Als Hirsch Michels Vater 1892 starb, wurde er von Raw Jehoschua Leib Diskin gebeten, die Stelle seines Vaters zu übernehmen. Als Raw Hirsch Michel davon hörte, war er in einem grossen Dilemma: Einerseits widersprach eine solche Stelle, bei der er über anderen Menschen zu stehen hatte, seiner ganzen Lebensanschauung. Andererseits konnte er dem grossen Gaon und Zaddik doch nicht einfach widersprechen.

Was tat er nun? Er stellte zehn Leute zusammen, damit sie mit ihm zur Kotel kommen und um Erbarmen beten sollten, dass Raw Diskin seinen Vorschlag vergessen soll und er somit von der Aufforderung befreit sein werde. Sie gingen also dorthin und dawenten, während Reb Hirsch Michel viele Tränen vergoss. Seine Tefilla wurde angenommen.

Raw Hirsch Michel pflegte jeweils nach Mitternacht sein Haus zu verlassen, um allein im Bet Hamidrasch ungestört bis zum Morgengrauen lernen zu können. Sobald er aus dem Haus ging, schaute er sich um, um sich zu vergewissern, dass kein Mensch ihn sah. Erst sobald er sicher war, dass dies der Fall war, verdeckte er sich und sein Gesicht mit seinem Mantel, damit er nicht zu erkennen war, falls er auf dem Weg dennoch jemanden treffen sollte. Schaffte er es, dass niemand ihn erkannte, überkam ihn eine diebische Fröhlichkeit. Während einer gewissen Zeitperiode liess die osmanische Regierung in Jerusalem verkünden, dass eine Person, die in der Nacht ohne Licht unterwegs war, sofort ins Gefängnis geworfen wurde. Trotzdem gab er aber seinen Brauch nicht auf.

Raw Hirsch Michel legte noch viel grösseren Wert darauf, dass niemand von seinem Geonut in der Tora wusste. Er hinterliess tausende (!) tiefgründige Tora-Werke, die er eigentlich veröffentlichen wollte, jedoch nur unter der Bedingung, dass niemand erfahren würde, wer der Verfasser war. Es sollten auch keine Möglichkeiten, Mittel und Wege existieren, dass man durch entsprechende Nachforschungen den Verfasser würde ausfindig machen können. Da er aber keine sichere Methode fand, seine Anonymität sicherzustellen, beschloss er, seine Schriften nicht zu veröffentlichen, und versteckte sie stattdessen in seiner Wohnung.

Als die sefardische Gemeinschaft sich damit beschäftigte, ein Buch herauszugeben, das die Wichtigkeit des Aufstehens um Mitternacht thematisierte, wurde er von seinen Bekannten gebeten, auch seinen Teil hinzuzufügen. Er war damit einverstanden, allerdings wieder unter der Bedingung, dass sein Name nicht erwähnt werden würde. Und damit auch die Herausgeber nicht wissen sollten, dass er den Teil geschrieben hatte, verfasste er seine Blätter in Raschi-Schrift, wie es bei den sefardischen Mekubalim der Brauch war. Auf diese Weise, meinte er, würden sie nicht darauf kommen, dass sein Beitrag von einer aschkenasischen Persönlichkeit verfasst worden war.

Seine Rechnung ging auf. Nicht nur in diesem Fall, sondern auch bezogen auf sein gesamtes verborgenes Leben: Keiner seiner Schüler rühmte seine Grösse, solange er lebte. Niemand verlautete etwas über seine Bedeutung und aussergewöhnliche Heiligkeit. Bis zu seinem Lebensende - er wurde im Alter von 65 Jahren niftar, nach einer Krankheit, die sich über eine lange Zeit hingestreckt hatte - lebte er im Verborgenen und niemand wusste, welch grosser Talmid Chacham in ihm steckte und wie tiefgründig sein Wissen und seine Lehren in der Kabbala waren.

Episode mit Raw Jeschaja Cheschin

Raw Zwi Michel unterrichtete eine Gruppe von angesehenen Talmidei Chachamim. Einmal wurde er von Raw Jeschaja Cheschin, einem bekannten Melamed an der Talmud Tora "Eitz Chajim", gebeten, ob auch er am Schiur teilnehmen dürfe. "Hast du schon das Sefer Messilat Jescharim gelernt?" war die erste Frage von Reb Zwi Michel. "Hast du das erste Kapitel gelernt?" wollte er weiter wissen. Als Raw Cheschin die Frage bejahte, fragte er weiter: "Hast du es dreissig Mal wiederholt?" Als Raw Cheschin mit "Nein" antwortete, gab ihm Raw Zwi Michel bekannt: "Sobald du es dreissig Mal wiederholt hast, komm wieder zurück und frage mich noch einmal!"

Zitat

Der "Saba Kadischa", Raw Schlomo Elieser Alfandri, kannte auch den Sohn von Reb Zwi Michel, Reb Ben Zijon Schapira. Er bezeichnete ihn folgendermassen: "Mal'ach, der Sohn eines Mal'ach, Heiliger, der Sohn eines Heiligen!"

Schriften

Tikkun Chazot
Titel des zweiten Teils

Raw Zwi Michel verfasste das Sefer "Ziz Hakodesch", das im Jahr 5680 (1920) durch seinen Hauptschüler, Reb Jakow Mosche Charlap, in Druck gegeben wurde.

Sein zweites Sefer, "Tikkun Chazot", das Kapitel von Mussar und Wegweiser zum Lernen beinhaltet, erschien, nachdem die Chachmei Hasefardim ihn darum gebeten hatten.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf Nachrufen und Artikeln in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 31. August 2012, Seite 20, sowie Ausgabe vom 2. August 2013, Seite 11-12.

Anmerkungen

  1. Diese Namensform ist Ergebnis der bekannten jüdischen Sitte, bei schwerer Krankheit den Versuch zu unternehmen, den "Todesengel" zu täuschen.

Literatur (Auswahl)

  • Isser Frenkel, Men of distinction: biographies of great rabbis, 1967 (Band II)
  • Hanoch Teller, Once Upon a Soul: Stories of Striving and Yearning, 1984


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