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Hiddensoer Künstlerinnenbund

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Der Hiddensoer Künstlerinnenbund - oftmals auch als Hiddenseer Künstlerinnenbund bezeichnet - war eine Vereinigung von Malerinnen, die sich in der Kunstwelt bereits einen Namen gemacht hatten und aus ganz Deutschland an die Ostsee kamen, um sich ihrer Leidenschaft für Motive von Hiddensee und der Waterkant - so die Selbstbeschreibung - zu widmen. Der Bund wurde nicht, wie in vielen Quellen zu lesen, 1922, sondern bereits 1919 gegründet. Dies belegt eine Notiz in den Kunstnachrichten vom 15. November 1919: »Hiddensöe. Eine Anzahl Malerinnen hat sich zu einem Hiddensöer Künstlerinnenbund zusammen getan.« Die Schreibweise mit »oe« bzw. »öe« geht zurück auf den schwedischen Ursprung: »Hydda« heißt »Hütte«, mit der Endung »oe«, »ø« oder »oi« werden Inseln bezeichnet. Am 19. Oktober 1911 verfügte der Regierungspräsident der Stadt Stralsund offiziell die Festsetzung der Schreibweise mit »oe«, die sich trotzdem nie durchsetzte.

Die Gründung erfolgte auf Initiative der Malerin Henny Lehmann, die gemeinsam mit Clara Arnheim und Elisabeth Büchsel den Vorstand bildete. Zu den weiteren Mitgliedern der ersten Stunde gehörten Käthe Loewenthal, Katharina Bamberg, Elisbeth Andrae, Julie Wolfthorn und Dorothea Stroschein.

Zentrum des Hiddensoer Künstlerinnenbundes war die Kunstscheune in Vitte neben dem Ferienhaus von Henny Lehmann, die später auch als Blaue Scheune bekannt wurde. Dort luden die Malerinennen zu gemeinsamen Arbeiten und Ausstellungen ein. Hiddensee - zu Beginn des 20sten Jahrhunderts der Sommertreffpunkt für die künstlerische Avantgarde Berlins - wurde so auch zu einem Schauplatz der Moderne in Sachen Frauenkunst.

Die Mitglieder des Hiddensoer Künstlerinnenbundes mussten als ernsthafte, der Kunst verpflichtete Malerinnen gegen den Vorwurf ankämpfen, Malweiber zu sein - also Frauen, die sich an der Staffelei versuchten, bis sie standesgemäß heiraten konnten. Hätte der Bund über ein Manifest verfügt, wäre es mit »Malweiber sind wir nicht« überschrieben gewesen.

1933 ging der Hiddensoer Künstlerinnenbund zugrunde; die Malerinnen galten unabhängig von ihrer tatsächlichen Religionszugehörigkeit als jüdisch und mussten die Insel verlassen. Henni Lehmann nahm sich 1937 das Leben, Clara Arnheim, Käthe Loewenthal und Julie Wolfthorn wurden verfolgt und deportiert. Elisabeth Andrae verstarb im November 1945. Elisabeth Büchsel, Katharina Bamberg und Dorothea Stroschein überlebten den Zweiten Weltkrieg und malten bis ins hohe Alter. Den Hiddensoer Künstlerinnenbund konnten sie nicht wiederbeleben.

Literatur

Weblinks

Quellen

  • Kunstnachrichten – Amtsblatt der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft, 4. Jahrgang, Heft 11 vom 15. November 1919
  • Bekanntmachung des Regierungspräsidenten des Kreises Rügen über die amtliche Schreibweise der Insel Hiddensoe, Amtsblatt Nr. 43 vom 19. Oktober 1911


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