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Der Heyser Bulgar

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Transkription des Anfangs von Der Heyser Bulgar. [1]

Der Heyser Bulgar ist ein bekannter Titel der Klezmermusik.

Entstehung und Einspielungen

  • Wie bei vielen anderen Titeln des Klezmergenres kann man auch bei Der Heyser Bulgar nicht einen einzigen Komponisten namentlich festmachen, sondern muss eher von einem kollektiven, schrittweisen Kompositionsprozess ausgehen, an dem viele Musiker beteiligt waren. Joel E. Rubin bezeichnet diesen Prozess als Centonisation, d.h. die Komposition einer neuen Melodie aus einem Vorrat vorhandener melodischer Formeln.[2]
  • Naftule Brandwein spielte den Titel am 10. Mai 1923 unter Victor 3895 B ein. 1924 performte er ihn mit Joseph Cherniavskys Yiddish American Jazz Band.
  • Der Klarinettist Dave Tarras nahm den Titel im Jahr 1925, ebenfalls mit Joseph Cherniavskys Yiddish American Jazz Band, unter dem Titel Khasene Nigunim auf. [3]
  • Später wurde Der Heyser Bulgar - oft variiert und nur in Teilen - unter vielen verschiedenen Bezeichnungen, wie z.B. als Gelebt und Gelacht oder Der Simcheh Tanz vom Abe Schwartz Orchestra, Der Nicolaiver Bulgar von Harry Kandels Orchestra, Bulgar No. 6 von Wolff Kostakowsky, Mechatunim Tanz von Joseph Cherniavsky, Frailache Yidden von Jack und Joseph Kammen, gespielt. [4]
  • Heute gilt Der Heyser Bulgar als Klassiker der Klezmermusik.

Musik

  • Der Titel Der Heyser Bulgar bedeutet in Deutsch Der heiße Bulgar. Der Bulgar ist eine Tanz- und Musikform der Klezmermusik. Ursprünglich handelte es sich bei ihm um einen nichtjüdischen Reihentanz (bulgareasca) aus Bessarabien. Klezmermusiker entwickelten ihn weiter, indem sie rumänisch-moldawische und andere musikalische Elemente vom Balkan mit älteren Mustern aus jiddischer Musik zusammenfügten. Vor allem unter jüdischen Emigranten in den USA erfreute sich der Bulgar später großer Popularität.[5] Typisch für den meist im 8/8-Takt stehenden Bulgar ist die rhythmische Gliederung in zwei Dreiergruppen und eine Zweiergruppe, wobei das erste, vierte und siebte Achtel betont werden. Der amerikanische Bulgar, oft auch als Freilach bezeichnet, entwickelte sich schließlich zum Inbegriff der Klezmermusik.[6]
  • Das Stück verwendet den Modus Ahavah Rabbah, der in Klezmermusik auch als Freygish bezeichnet wird. Verwendet werden bei Klezmerstücken in diesem Modus gerne die Tonika auf der 1. Sufe (hier D-Dur), der Moll-Akkord als Subdominante auf der 4. Stufe (hier g-Moll) und ein Mollakkord auf der 7. Stufe (hier c-Moll). Der Mollakkord auf der 7. Stufe übernimmt dabei funktionstheoretische die Position der Dominante.[7]
  • Man kann das Stück in vier Bestandteile teilen, was mit Wiederholung die Form AABBCCD ergibt.
    • Der A-Teil besteht aus drei Viertaktern, in denen die Melodie in Achteln vom d zum a aufsteigt, um auf dem a zu verweilen. Danach folgen für einen Takt Achteltriolen, bevor der Viertakter auf dem fis endet. Der dritte Viertakter endet dagegen auf g - g - c und dem Akkord c-Moll. Danach folgt ein Lauf in 16-teln und danach in Achteln. In den letzten beiden Takten des Abschnitts A führen dann Achteltriolen diatonisch über eine None nach unten.

Videos auf Youtube

Einzelnachweise

  1. Anm.: Unter Weglassung von je nach Interpret unterschiedlichen Verzierungen wie Triller, krechtsn, kwetschn, knejtschn, schleiffer, und so weiter.
  2. Joel E. Rubin schreibt dazu u.a.: "My theory is that the ›klezmer‹ repertoire is not based on compositions per se, but is rather largely the result of a process of centonization - or, as Hanoch Avenary would have called it, tesselation -, the piecing together in differing combinations of smaller units from a pre-existing melodic palette."; in Joel E. Rubin: Heyser Bulgar (The Spirited Bulgar) - Compositional process in Jewish-American dance music of the 1910s and 1920s; in Wolfgang Birtel, Joseph Dorfman und Christoph-Hellmut Mahling: Jüdische Musik und ihre Musiker im 20. Jahrhundert, ARE Musikverlag, 2006, S. 364
  3. "Schpil, Klezmer schpil!" - Klezmermusik in der Schule auf www.musik-for.uni-oldenburg.de
  4. Joel E. Rubin: Heyser Bulgar (The Spirited Bulgar) - Compositional process in Jewish-American dance music of the 1910s and 1920s; in Wolfgang Birtel, Joseph Dorfman und Christoph-Hellmut Mahling: Jüdische Musik und ihre Musiker im 20. Jahrhundert, ARE Musikverlag, 2006, S. 371
  5. Joel Rubin: "Can`t You Play Anything Jewish?" - Klezmer-Musik und jüdische Sozialisation im Nachkriegsamerika; in Beate Neumeier (Hrsg.): Jüdische Literatur und Kultur in Grossbritannien und den USA nach 1945, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 1998, S. 196 und 197
  6. Susan Bauer: Von der Khupe zum KlezKamp
  7. Henry Sapoznik und Pete Sokolow: The complete klezmer, Tara Publications, 1987, S. 21


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