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Heugabel

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Dieser Artikel beschreibt die Heugabel als Werkzeug; für den deutschen Ringer Reiner Heugabel siehe dort.
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Heugabel im Einsatz

Eine Heugabel oder Streugabel ist ein gabelförmiges, etwa 170 cm bis 300 cm langes Werkzeug, das benutzt wird, um Heu zu transportieren oder auf- bzw. abzuladen. Im Stall kommt die Heugabel für halmiges Futtermittel zum Einsatz.

Beschaffenheit

Eine Heugabel hat zwei oder drei Zinken, die für lange Halme ausreichend sind, wenn der Arbeitende die Halme so aufgabelt, dass sie nicht herunterfallen. Die Zinken sind meist stärker gebogen. Heugabeln haben zudem einen langen Stiel, der etwas geschwungen ist. Die Form eignet sich insbesondere für den schwungvollen Einsatz.

Im Gegensatz dazu haben Mistgabeln, die vor allem auf Hebekraft ausgelegt sind, vier oder fünf Zinken und einen kürzeren, etwas dickeren Stiel, der auch schwere Lasten lange heben lässt. Stiel und Zinken der Mistgabel sind wenig geschwungen. Im Unterschied zur Grabegabel haben Heugabeln niemals einen Griff am oberen Stielende. Für kleinkörniges Futter (Silage) gibt es auch noch die Futtergabel, die zwölf bis zu 20 Zinken hat, welche die Form einer Schaufel bilden.

Verwendung der Heugabel

Die Heugabel ist auch heute noch in allen landwirtschaftlichen Betrieben regelmäßig in Gebrauch, wird aber nicht mehr so oft eingesetzt, wie das vor der Erfindung landwirtschaftlicher Maschinen notwendig war. Früher, als die Gabeln noch individuell aus Holz gefertigt wurden und über viele Wochen täglich ununterbrochen benutzt werden mussten, war eine gute Gabel aus elastischem Holz und mit einem ergonomisch gut geformten Stiel viel wert, weil der Arbeiter damit Energie sparen konnte. Die zweizinkige Version ist besonders praktisch beim Verladen von gepressten Heuballen und wird parallel zu den Halmen in die Strohballen gestochen. Die beiden Seiten des Ballens oder der untere Teil der Garbe, an denen das möglich ist, werden auch als "Hintern" bezeichnet. Die Stechrichtung senkrecht zu den Halmen ist bei Garben kraftaufwändiger und bei Ballen oft nur schwer möglich. Die zweizinkige Gabel ist zudem leicht. Vier oder mehrzinkige Gabeln sind bei der Arbeit mit Heu, Stroh oder Futter hinderlich, da die zum Einstechen benötigte kinetische Energie größer ist und der Gabelkopf mehr wiegt.

Die dreizinkige Version eignet sich besonders gut im Stall zum Verteilen von Futter, da die Halme hier oft schon etwas kürzer sind oder im Schwung zielgenauer verteilt werden müssen. Die Gabel kann während des Wurfes leicht gedreht werden und gibt diese Drehung an das Heu weiter. Diese Gabeln kommen häufig mit dem Beton- oder Steinboden in Kontakt und sind durch die Arbeitstätigkeit an den Enden der Zinken oft rasiermesserscharf zugeschliffen. Auch Holzgabeln können sehr scharf werden. Das macht die Arbeit in der Gruppe gefährlich, weshalb es im bäuerlichen Deutschland einige Regeln gab, wer wann als erstes werfen darf. Diese Regeln waren regional verschieden. Im bäuerlichen Thüringen wurde z.B. vor der Arbeit eine Reihenfolge unter den Erntearbeitern ausgemacht, um Arbeitsunfälle zu verhindern. Die Lehrlinge standen an letzter Stelle und mussten mit dem Wurf warten, bis kein anderer gerade werfen will. Die Vorarbeiter hingegen konnten den Schwung ohne Rücksicht auf die anderen voll ausnutzen und waren deshalb effektiver bei der Arbeit, aber auch länger belastbar. Auch Regeln, dass rechts vor links und unten vor oben wirft (Scheune, Strohmiete), waren verbreitet.

Die Arbeit mit der Heugabel erfordert viel Geschick, da sich durch ein rationales und dynamisches Zusammenspiel von Körperbewegung und Gabel sehr viel Kraft sparen lässt, was insbesondere bei tagelanger Arbeit wichtig ist. Der Sitz der beiden Hände am Gabelstil will optimal ausgesucht sein. Je nach Arbeiter gab es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Gabel zu halten sei. Bei Arbeiten mit der Dreizinkgabel am Boden sollte die linke Hand enger am Körper bleiben, wobei die rechte Hand freier geführt und wie ein Hebel verwendet wird (Rechtshänder). Für den Wurf von Ballen gibt es unterschiedliche Techniken, die sich erheblich in ihrer Effizienz unterscheiden. Allgemein gilt, dass ungeübte Arbeiter viel schneller ermüden und weniger weit werfen können.

Ähnlich wie beim Essbesteck werden die Gabeln im bäuerlichen Umfeld oft streng getrennt für Futter und Mist verwendet, d.h. die Heugabel kommt ausschließlich für Futter zum Einsatz. Für andere Zwecke wird eine andere Gabel geholt. Die helle Farbe der hölzernen Heugabel galt als Zeichen für einen sorgsamen Bauern, der die Gabel nie zweckentfremdet verwendet hat. Eine hölzerne Mistgabel nimmt während der ersten Verwendung eine dunkle Farbe an (Gerbstoffe), die lange im Holz verbleibt. Hölzerne Heugabeln wurden vor Regenwasser geschützt und mit dem Kopf in einem Sack oder Tuch transportiert. Bei Metallgabeln ist dies nicht mehr notwendig.

Material

Früher waren alle Gabeln ganz aus Holz gefertigt. Heute bestehen moderne Heugabeln aus einem Holzstiel und dem aus Stahl gefertigten Gabelkopf mit gezogenen und geschmiedeten Zinken, oft aus hochwertigem Material und im Zinkenansatz mit einem Rauten-Profil.

Holzgabeln nutzen sich schnell ab und brechen leichter.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten

Die Heugabel kann für den Wurf von allen Futtermitteln verwendet werden, die langhalmig genug sind, dass sie nicht zwischen den Zinken hindurch rutschen. Bei der Verwendung im Silo halten kleinkörnigere Futtermittel oft durch ihre eigene Dichte zusammen. Außerdem eignet sich die Gabel hervorragend zum Werfen von Futterrüben über größere Distanzen oder auf Anhöhen, wobei die Rüben leicht angestochen und über den Kopf hinweg beschleunigt werden.

Gabeln als Waffen

Erntearbeiter waren mit ihren Heugabeln in den Bauernkriegen oft gefürchtete Gegner. Der schwungvolle Umgang mit der langstieligen und scharfen Gabel kann einem geübten Bauern erhebliche Vorteile gegenüber Schwertkämpfern oder Lanzenstechern verschaffen. Auch berittene Gegner können angegriffen werden. Zudem ist es durch die Gabelform möglich, andere Waffen einzuklemmen und geschickt aus der Hand des Gegners zu hebeln. Stiche mit der Gabel dringen insbesondere bei dünnen Zinken schnell in innere Organe ein. Hingegen ist die Mistgabel für den Kampf ungeeignet, da sie stumpfe Zinken und einen kürzeren Stiel hat. Sie kann aber, wie ein Spaten verwendet, auch gefährlich werden.

Die Heugabel wird heute auch in Filmen als Waffe gezeigt, wenn Bauern und Dorfbewohner den Aufstand proben - dann oft in Kombination mit Fackeln und anderen Bauernwaffen.

Siehe auch


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Heugabel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.