Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Harry Haft

Aus Jewiki
(Weitergeleitet von Hertzka Haft)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Harry Haft

Harry Haft (geb. 28. Juli 1925 in Bełchatów, nahe Lodz, Polen[1] als Moses Friedler[2]; gest. 2007; ursprünglich Hertzko oder Hertzka Haft, später auch Herschel Haft) war ein Profiboxer und Überlebender des KZ Auschwitz.

Leben

Als 14-jähriger erlebte er im September 1939 den Einmarsch der Wehrmacht in Polen. Zwei Jahre später wurde er, weil er Jude war, nach Auschwitz deportiert. Wegen seiner kräftigen Statur bildete ihn dort ein SS-Aufseher zum Boxer aus, und er musste an Schaukämpfen vor den Wachmannschaften „auf Leben und Tod“ [3] teilnehmen. Die Kämpfe fanden im Konzentrationslager Jaworzno statt, das in einer Kohlengrube nördlich von Auschwitz lag. Nach 76 Kämpfen in diesem Konzentrationslager wurde das Lager in Jaworzno wegen der heranrückenden Roten Armee aufgelöst und die Häftlinge auf Todesmärsche geschickt. Im März 1945 kam er nach Flossenbürg, wo er erlebte, wie Häftlinge andere Häftlinge erst ermordeten und dann aus Hunger, Verzweiflung und Todesangst aufassen. Im April 1945 gelang es ihm zu fliehen. Auf der Flucht erhielt er auf einem Bauernhof Unterschlupf. Aus Furcht verraten zu werden, ermordete er die beiden alten Menschen, die ihm Unterkunft gewährten.[1] Schliesslich geriet er in die Obhut der US-Army. GI's brachten ihn dazu, für sie ein Bordell einzurichten, das geschlossen werden musste, nachdem die US-Militärverwaltung davon Wind bekommen hatte.

1948 wanderte er mit Hilfe eines Onkels in die USA aus. Hier verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Preisboxer, diesmal in von der Mafia kontrollierten Schaukämpfen, auch gegen Rocky Marciano.[4] Als Profiboxer bestritt er 22 Kämpfe, von denen er 14 gewann.[5]

Sein ältester Sohn Alan Scott wurde 1950 geboren. Ihm vertraute Harry Haft seine Lebensgeschichte an, die 2006 mit Hilfe der Fachhistoriker John Radzilowski und Mike Silver in den USA veröffentlicht wurde. In Deutschland erschien 2009 im Verlag Die Werkstatt, Göttingen: „Eines Tages werde ich alles erzählen“. Auf Basis dieser Lebensgeschichte gestaltete Reinhard Kleist einen Fortsetzungscomic, der seit April 2011 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wird[6].

Im April 2007 wurde Harry Haft in die National Jewish Sports Hall of Fame aufgenommen.[7]

Literatur

  • Alan S. Haft: Eines Tages werde ich alles erzählen. Die Überlebensgeschichte des jüdischen Boxers Hertzka Haft. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009. ISBN 3895336386.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Benjamin Knaack: Boxen auf Leben und Tod. einestages vom 9. Juni 2009, abgerufen am 27. November 2009.
  2. Harry Haft. Boxrec Boxing Encyclopaedia, abgerufen am 27. November 2009 (engl.)
  3. Auch gegen halbtote, bis auf die Knochen abgemagerte Menschen, die zum Kampf gezwungen wurden. Da es ein Kampf "auf Leben und Tod" war, wurde Harry Haft gezwungen, das Leben dieser Menschen durch Totprügeln zu beenden.
  4. Johanna Herzing: K.o. im KZ. Deutschlandfunk vom 10. Mai 2009, abgerufen am 27. November 2009.
  5. Boxing Record. Boxrec Boxing Encyclopaedia, abgerufen am 27. November 2009 (engl.)
  6. Fortsetzungscomic Der Boxer
  7. Inductee Details, Harry Haft, abgerufen am 27. November 2009 (engl.)


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Harry Haft aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.