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Hermann Stutte

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Hermann Stutte (geb. 1. August 1909 in Weidenau (Siegen); gest. 22. April 1982 in Marburg (Lahn)) war ein deutscher Kinder- und Jugendpsychiater mit einem Lehrstuhl an der Universität Marburg.

Leben

Stutte studierte u.a. in Freiburg i. Br., Paris und Königsberg i. Pr. und trat 1933 in die SA ein, um beruflich voranzukommen. Er promovierte 1934 an der Universität Gießen bei Robert Sommer in Humanmedizin. Dann begann er eine umfangreiche Nachuntersuchung ehemaliger Fürsorgezöglinge, die zur Habilitation führte. Mit seinem Lehrer Hermann Hoffmann wechselte er 1936 von Gießen an die Universität Tübingen. Dort übernahm er 1938 das von Robert Eugen Gaupp gegründete Klinische Jugendheim. 1937 trat er in die NSDAP ein, 1938 in den NS-Ärztebund. Von 1939 bis 1941 diente er in der Wehrmacht, nahm aber am Gründungskongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie 1940 in Wien teil. Er begrüßte 1941 in der Zeitschrift Der öffentliche Gesundheitsdienst die „Gliederung der Fürsorgeerziehungsanstalten nach biologischen und prognostischen Gesichtspunkten“. Der Staat habe „aus finanziellen und erbbiologischen Gründen ein natürliches Interesse daran zu wissen, ob sich im Einzelfall die Erziehung auf öffentliche Kosten auch wirklich lohnt.“ 1944 wurde er nach der Habilitation Dozent in Tübingen.

Ab 1946 ging er als Oberarzt mit dem neuen Direktor der Universitätsnervenklinik Werner Villinger an der Universität Marburg, wurde dort 1950 apl. Professor und Abteilungsleiter der neu eingerichteten Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Aufsatz „Zeitgemäße Aufgaben und Probleme der Jugendfürsorge“ wiesen Villinger/Stutte die Jugendpsychiatrie 1948 erneut auf die „sozialbiologische Unterwertigkeit des von ihr betreuten Menschenmaterials“ hin: „Die Sichtung, Siebung und Lenkung dieses Strandgutes von jugendlichen Verwahrlosten“ sei eine ärztlich-psychiatrische Aufgabe. Geeignet sei dafür die „Schaffung eines Arbeitsdienstes (mit Überwachung von jugendpsychiatrischer Seite)“. 1954 erhielt Stutte den ersten Lehrstuhl für dieses Fach in Deutschland. 1956 forderte er im Handbuch der Heimerziehung, „die (besonders infektiöse) Kerngruppe chronischer Asozialität möglichst frühzeitig ... einer geeigneten Sonderbehandlung zuzuführen“. Er wurde Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Präsident der Union Europäischer Pädopsychiater. 1958 wurde in Marburg die Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind gegründet. Stutte wurde Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und des Rechtsausschusses der Lebenshilfe, der die Sterilisierung von Behinderten forderte.

Stutte war Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Universität Marburg und der Juristischen Fakultät Göttingen. Die Sonderschule für Kranke am Klinikum der Philipps-Universität wurde nach ihm benannt. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind hat lange Zeit ihre Fortbildungsstätte „Hermann-Stutte-Haus“ getauft.

Schriften

  • Experimentelle Untersuchungen über Simulation von Zittern der Finger, Gießen 1934 (=Diss.)
  • Über Schicksal, Persönlichkeit und Sippe ehemaliger Fürsorgezöglinge, 1944 (=Habil.)
  • Grenzen der Sozialpädagogik: Ergebnisse e. Untersuchung praktisch unerziehbarer Fürsorgezöglinge, Hannover 1958
  • Kinderpsychiatrie und Jugendpsychiatrie, in: Psychiatrie der Gegenwart, 1961

Literatur

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945? S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, S. 614 ISBN 3-10-039309-0
  • Gerhardt Nissen: Kulturgeschichte seelischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen, Klett, Stuttgart 2005, S. 490

Weblinks


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