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Hermann Schiftan

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Hermann Schiftan (geb. 17. Juli 1883 in Namslau; gest. 1942) war ein deutscher Jurist, Kaufmann, Kunstmäzen und ein Opfer der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungsaktion der NS-Regierung vom Sommer 1934.

Leben und Tätigkeit

Datei:Schiftan cv.pdf
Hermann Schiftans Lebenslauf in seiner Dissertation.

Schiftan war ein Sohn des Kaufmanns Wilhelm Schiftan und seiner Frau Justine, geborene Silber.

Nach dem Besuch der höheren Knabenschule in Namslau und des Gymnasiums in Ohlau, wo er am 22. September 1902 das Reifezeugnis erwarb, studierte Schiftan sechs Semester Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an der Universität Breslau. Infolge einer Erkrankung seines Vaters musste er den Universitätsbesuch unterbrechen, um in die elterliche Kartoffelgroßhandlung einzutreten.

Im Oktober 1915 wurde Schiftan in den Beirat der Verwaltungsabteilung der Reichskartoffelstelle berufen, die während des Ersten Weltkriegs mit der Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln - die während des Krieges zum Hauptnahrungsmittel in Deutschland wurden - beauftragt war.

Im Wintersemester 1916 nahm er seine Studien wieder auf und hörte anschließend fünf Semester Volkswirtschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. 1919 wurde er mit einer von Adolf Weber betreuten Arbeit über die Preisbildung am Kartoffelmarkt an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau zum Dr. phil promoviert (Rigorosum am 16. Juli 1919).

In den 1920er und 1930er Jahren führte Schiftan die Kartoffelgroßhandlung seines Vaters fort.

Als Privatmann war Schiftan im Vorstand des Vereins Jüdisches Museum e. V. zu Breslau. 1929 überließ er eine große Sammlung an Eisenkunstgüssen dem Schlossmuseum in Breslau.

Hermann Schiftan war seit seinem Studium bis in das Jahr 1934 hinein ein bekannter privater Kunstsammler in Breslau. Er kaufte und verkaufte regelmäßig Glaskunst und Eisengusskunst über Anzeigen und Auktionen. Seine letzte nachweisbare Aktivität in Breslau war 1934, aber noch im Jahr 1936 bis 1938 wurden Antiquitäten von ihm auf Auktionen bei Bonhams, Christies’s und Sotheby’s erwähnt.

Im Zuge der politischen Säuberungsaktion der NS-Regierung vom Sommer 1934 wurde Schiftan zusammen mit einigen anderen prominenten Juden im schlesischen Raum von Angehörigen der SS verhaftet. Er wurde zwar während seiner mehrere Tage andauernden Arretierung schwer misshandelt, entging aber anders als fünf andere jüdische Personen der Erschießung. Dennoch verbreitete sich in der internationalen Presse im Sommer 1934 die inkorrekte Angabe, dass Schiftan unter den im Verlauf der Mordaktion umgebrachten Personen gewesen sei. So vermeldete zum Beispiel die Basler National-Zeitung vom 11. Juli und das Pariser Tageblatt vom 12. Juli 1934, dass Schiftan ein Opfer des großen Mordens vom 30. Juni und 1. Juli 1934 gewesen sei[1] sowie die ergänzende Feststellung im Pariser Tageblatt vom 15. Juli 1934, dass Schiftan Kaufmann war.[2][3]

Schiftan wurde schließlich 1942 im Zuge der Shoa zusammen mit zahlreichen Angehörigen der jüdischen Gemeinde in Schlesien nach Osteuropa deportiert und dort zu Tode gebracht.

Schriften

  • Kartoffel-Almanach der Kartoffel-Großhandlung Wilhelm Schiftan, 1914.
  • Die Preisbildung am Kartoffelmarkte, 1919. (Dissertation)
  • „Osthilfe und Kartoffelproblem“, in: Deutsche Tageszeitung Nr. 552 vom 23. November 1930.

Einzelnachweise

  1. "Pogrome in Schlesien am 30. Juni", in: Pariser Tageblatt vom 12. Juli 1934 (Digitalisat auf der Website der deutschen Nationalbibliothek)
  2. Notiz im Pariser Tageblatt vom 15. Juli 1934 (Digitalisat auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek).
  3. Schiftans Tod wird auch gemeldet in: Weißbuch über die Erschiessungen des 30. Juni, Paris 1934, S. 90; Otto Strasser: Die deutsche Bartholomäusnacht, 1935, S. 239.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hermann Schiftan aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.