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Hermann Löffler

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Hermann Löffler (geb. 13. Februar 1908 in Ottweiler; gest. 20. Oktober 1978 in Heidelberg) war ein deutscher Historiker und Geschichtsdidaktiker.

Leben

Hermann Löffler war Sohn des Seminarlehrers Hermann Löffler senior und dessen Ehefrau Julie Löffler, geborene Arend.[1] Löffler studierte nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn Geschichte, Germanistik, Vergleichende Religionswissenschaft und Philosophie. Er beendete 1932 sein Studium in Frankfurt am Main mit dem I. Staatsexamen. Nach dem Referendariat arbeitete er ab 1935 an einer katholischen Frauenoberschule im Saarland und 1936 noch kurzzeitig an einem Berliner Gymnasium. 1940 promovierte er bei Günther Franz an der Universität Jena über den Anteil der jüdischen Presse am Zusammenbruch Deutschlands. Seine 1942 an der Reichsuniversität Straßburg erfolgte Habilitation über den katholischen Politiker und Sozialreformer Joseph von Buß zeigt die Verbindung von „Gegnerforschung“ und wissenschaftlichen Abschlussarbeiten zur Zeit des Nationalsozialismus.[2] Noch 1945 wurde er zum außerplanmäßigen Professor in Straßburg ernannt.

1928 trat er der NSDAP und 1932 der SA bei. Nach der Saarabstimmung wechselte er im April 1935 von der SA zur SS und wurde Schulungs-Leiter sowie im August 1936 Referent für Geschichte, 1937 Abteilungsleiter für das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. Im August 1938 wurde er zur SS-Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe versetzt, wo er die Abteilung für mittlere und neuere Geschichte leitete. In dieser Funktion verfasste er auf Anregung von Franz Alfred Six im Winter 1938/1939 eine Denkschrift Entwicklung und Aufgaben der Geschichtswissenschaft in Deutschland, in der er die deutschen Historiker auf ihre Übereinstimmung mit dem nationalsozialistischen Regime musterte. Künftige Aufgaben sah er in Untersuchungen zum Verhältnis von Staat und Kirche sowie zum Judentum in der deutschen Geschichte. Ab März 1940 zur Zeit seiner Promotion in Jena war er beim Sicherheitsdienst des Reichsführers SS im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) tätig. Ab dem 1. Oktober 1941 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent[3] und nach der Habilitation ab 16. September 1942 als Dozent am Historischen Seminar in Straßburg. Von Sommer 1943 bis Anfang 1944 war er als Sturmbannführer bei der Einsatzgruppe in Agram eingesetzt. Mit den ehemaligen Straßburger Historikerkollegen Ernst Anrich (keine Teilnahme) und Günther Franz wurde er noch eingeladen, um neue Presse- und Publikationsstrategien zum "Durchhalten" zu planen. Am 6. März 1945 trafen sich unter dem Vorsitz von Hans Ernst Schneiders in der Wannsee-Villa des SD u.a. Löffler, Franz, Fritz Schwalm und ihr SS-Vorgesetzter Hans Rößner.[4]

Nach Kriegsende wurde Löffler als Mitläufer entnazifiziert. Danach übernahm er Arbeiten für das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und wurde Werbeleiter für die von Ernst Anrich gegründete Wissenschaftliche Buchgemeinschaft. Er wurde als sog. 131er schließlich in Volkshochschulen und Schulen tätig. 1952 zunächst in den Schuldienst in Rheinland-Pfalz (Oppenheim) eingestellt, wurde er ab 1954 als Studienrat in Baden-Württemberg übernommen, u.a. war er Lehrer am Stuttgarter Zeppelingymnasium. Von 1962 bis 1973 wirkte er als Professor für Geschichte und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Das Gutachten zur Einstellung verfasste Günther Franz. Danach war er bis 1975 noch an der PH Heidelberg Lehrbeauftragter. Seine Karriere in der SS verschwieg er dabei. Er verfasste nur Rezensionen für Das Historisch-Politische Buch, das Günther Franz herausgab, und biografische Artikel, keine Forschungsschriften. Obwohl als Geschichtsdidaktiker berufen, lehrte er ausschließlich als Fachhistoriker.

Literatur

  • Uwe Uffelmann: Das Fach Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg 1962–2004. In: Uffelmann/M. Seidenfuß (Hrsg.): Verstehen und Vermitteln. Armin Reese zum 65. Geburtstag. Idstein 2004, ISBN 3-8248-0463-8, S. 7–20. (online-Fassung) (PDF-Datei; 1,07 MB)
  • Joachim Lerchenmueller: Die Geschichtswissenschaften in den Planungen des Sicherheitsdienstes der SS. Der SD-Historiker Hermann Löffler und seine Denkschrift "Entwicklung und Aufgaben der Geschichtswissenschaft in Deutschland". Dietz, Berlin 2001, ISBN 3-8012-4116-5.
  • Wolfgang Behringer: Bauern-Franz und Rassen-Günther. Die politische Geschichte des Agrarhistorikers Günther Franz (1902–1992). In: Winfried Schulze, Otto G. Oexle: Deutsche Historiker im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-14606-2, bes. S. 120 ff. (online) (PDF-Datei; 10,26 MB)
  • Anette Hettinger: Geschichtslehrerausbildung im diachronen Vergleich. Das Beispiel Baden-Württemberg. In: Wolfgang Hasberg, Manfred Seidenfuß (Hrsg.): Modernisierung im Umbruch: Geschichtsdidaktik und Geschichtsunterricht nach 1945. Lit-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8258-1086-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Joachim Lerchenmueller: Die Geschichtswissenschaft in den Planungen des Sicherheitsdienstes der SS. Dietz, 2001, S. 53.
  2. Vgl. J. Lerchenmueller: Geschichtswissenschaften in den Planungen ..., S. 99: "Die SD-Nachwuchswissenschaftler stützten sich auf Material, das der SD im Zuge seiner nachrichtendienstlichen Arbeit, bei der Verfolgung politischer Gegner und bei Kulturraub-Aktionen gesammelt hatte, werteten es für die weltanschauliche Forschung aus – und promovierten bzw. habilitierten mit den Ergebnissen an deutschen Universitäten. Letzteres war die Voraussetzung dafür, im Laufe der Zeit die historischen Abteilungen mit SS-Personal zu infiltrieren und damit die weltanschauliche Ausrichtung der Geschichtswissenschaft weiter voranzutreiben.
  3. H.J. Löhr: Die Geschichtswissenschaft 1941 – 1945 an der Reichsuniversität Straßburg. Eine Grenzmark deutschen Geisteslebens gegen den romanischen Westen? (PDF-Datei; 104 kB) 2006, S. 2 u. 14; dort auch die falsche Angabe, Löffler habe ein Magister-Studium absolviert.
  4. Vgl. Behringer: Bauern-Franz .... S. 128.


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