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Herbert Ender (SA-Mitglied)

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Herbert Ender (geb. 20. August 1903 in Liegnitz; gest. 1. Juli 1934 in Schweidnitz) war ein deutscher SA-Führer. Ender wurde vor allem bekannt als eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches.

Leben und Tätigkeit

Ender, der von Beruf Redakteur war, gehörte seit dem 1. März 1933 der NSDAP an (Mitgliedsnummer 1.547.899). Als Mitglied der SA war er 1934 Leiter der Motorsportschule in Kroischwitz im Rang eines SA-Obersturmführers.

Der Mord an Herbert Ender

Im Zuge der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der NS-Regierung vom Sommer 1934 wurde Ender am 1. Juli 1934 verhaftet. Hintergrund der Verhaftung war vermutlich ein Besuch des SA-Obergruppenführers Edmund Heines, dem obersten Befehlshaber der SA in Schlesien, in Enders Motorsportschule wenige Tage vor der Aktion vom 30. Juni, der bei den lokalen SS-Führern den Verdacht hatte aufkommen lassen, dass Ender in den vermeintlich von einer Gruppe von SA-Führern um den Stabschef der SA Ernst Röhm, zu der man auch Heines rechnete, geplanten Putsch involviert sei. Gesichert ist jedenfalls, dass der Führer der SS-Standarte 43 in Frankenstein, Josef Makosch, am Nachmittag des 30. Juni vom SS-Abschnitt VI – wahrscheinlich durch den dortigen Stabsführer von Pfeil – den Befehl erhielt, Ender zu erschießen.

Makosch ließ Ender zunächst durch den SS-Oberascharführer Moschner, Führer der SS-Motorstaffel Schweidnitz, in Kroischwitz abholen und in die Reichswehrkaserne nach Schweidnitz bringen, wo Teile der 43. SS-Standarte an diesem Tag zusammengezogen waren. Nach einer kurzen Vernehmung von Ender durch Makosch fuhren Makosch, Moschner und Ender zum Neumühlwerk außerhalb der Stadt. Dort erschoss Makosch Ender mit seiner Dienstpistole mit der Eröffnung: „Du bist ein Verräter und musst sterben!“ Anschließend gab Moschner auf Befehl Makoschs dem bereits am Boden liegenden Ender noch einen Fangschuss ab. Einem Bericht der SOPADE zufolge wurde Enders Leiche vor Schweidnitz auf die Straße geworfen, um einen Unfall oder ein Verbrechen vorzutäuschen.[1]

Eine noch im Juli 1934 aufgenommene Untersuchung der Tat durch die Breslauer Mordkommission wurde auf Anweisung der Geheimen Staatspolizei abgebrochen. Die beiden Kinder des zum Zeitpunkt seiner Ermordung bereits verwitweten Ender wurden in die Obhut ihres Großvaters gegeben und erhielten zunächst aus Mitteln der SS, später aus Mitteln des Reichsinnenministeriums aus Gründen der Billigkeit eine Hinterbliebenenrente in Höhe von je 80 RM monatlich zugestanden.

In der Literatur zum Röhm-Putsch figuriert Ender häufig unter dem Namen Ender-Schule/Ender-Schulen. Grund hiefür ist, dass sein Name bei der Übermittlung der Daten der in Schlesien im Zuge der „Säuberungsaktion“ getöteten Personen von den SS-Stellen in Breslau als „Ender Schulen“ an das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin, wo auf Befehl Adolf Hitlers eine Liste aller vom 30. Juni bis 2. Juli getöteten Personen zusammengestellt werden sollte, weitergegeben wurde, so dass Ender auf der offiziellen Totenliste der Reichsregierung zur Röhm-Aktion ohne Vornamen, dafür mit dem irreführenden Doppelnamen „Ender-Schulen“ verzeichnet wurde. Da diese Liste die Grundlage für die Angaben bezüglich der Identität der diversen Opfer der Röhm-Aktion in der nach 1945 veröffentlichten Fachliteratur bildete, taucht Ender in Darstellungen zu den Morden dieser Tage sowie insbesondere in listenmäßigen Zusammenstellungen aller bekannten Opfer der Mordaktion in der Sekundärliteratur (so in den Opferlisten in den Büchern zur Röhm-Affäre von Heinrich Bennecke und Heinz Höhne) vielfach unter dem Namen Ender-Schulen auf. Dass mit dem Namen „Ender-Schulen“ auf der offiziellen Todesliste Ender gemeint gewesen war, ergibt sich aus einer Aussage des ehemaligen SD-Chefs für den Bereich Schlesien Ernst Müller-Altenau aus dem Jahr 1957 vor dem Schwurgericht in Osnabrück. Er erklärte in dieser, dass das Geheime Staatspolizeiamt nachträglich mit dem Namen „Ender Schulen“ in den aus Breslau übermittelten Todesmeldungen nichts habe anfangen können und Rückfrage gehalten habe, um wen es sich hierbei gehandelt habe. Daraufhin sei von Breslau aus klar gestellt worden, dass damit Ender als Führer der Motorsportschule gemeint gewesen wäre.

Juristische Aufarbeitung

In den 1950er Jahren war der Mordfall Ender Gegenstand zweier vielbeachteter Strafverfahren: Im Jahr 1954 wurden Makosch und Moschner wegen der Tat vor dem Schwurgericht beim Landgericht Hannover angeklagt. Das Verfahren endete mit der Verurteilung von Makosch wegen Totschlags und Moschners wegen Beihilfe zum Toschlag zu Gefängnisstrafen von eineinhalb Jahren beziehungsweise neun Monaten (Aktenzeichen: 2 Ks 1/53).

Die Tötung Enders bildete auch einen Anklagepunkt des umfangreichen Strafverfahrens gegen den ehemaligen SS-Oberabschnittsführer für den Raum Schlesien Udo von Woyrsch und den für Breslau und Umgebung zuständigen SD-Führer Ernst Müller-Altenau, die vom 30. Juni bis 2. Juli 1934 von Reinhard Heydrich und Heinrich Himmler mit der Gesamtleitung der an diesen Tagen in Schlesien durchgeführten Verhaftungs- und Liquidierungsaktionen beauftragt waren, vor dem Schwurgericht beim Landgericht Osnabrück im Jahr 1957. Da eine Auftragerteilung oder Mitwisserschaft der beiden in diesem Fall nicht nachgewiesen werden konnte, wurden beide einer Verantwortung für den Tod Enders freigesprochen, wiewohl Woyrsch aufgrund anderer an diesen Tagen nachweislich auf seinen Befehl hin vorgenommener Erschießungen dennoch zu einer längeren Haftstrafe verurteilt wurde.

Literatur

  • Otto Gritschneder: „Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt…“, Hitlers „Röhm-Putsch“-Morde vor Gericht. Beck, München 1993.
  • Heinz Höhne: Mordsache Röhm. Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft, 1933–1934, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands: Deutschlandbericht der Sopade. 1934, S. 303.


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