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Helmut Ullmann

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Helmut Ullmann (geb. 5.Mai 1930 in Johanngeorgenstadt; gest. 1991 in Leipzig) war ein deutscher Bauingenieur und Architekt

Leben und Wirken

Datei:Bundesarchiv Bild 183-G0903-0091-008, Leipzig, Georgi-Ring.jpg
Bürogebäude des VEB Chemieanlagenbau und Montagekombinat
Datei:Leipzig, Universität -- 1986 -- 26.jpg
Hauptgebäude der Karl-Marx-Universität Leipzig, Uni-Hochhaus und Seminargebäude.

Ullmann wurde als Sohn eines Arbeiters geboren. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte , machte er 1944 bis 1945 bei den Junkers Flugzeug- und Motorenwerke (JFM) in Dessau eine Lehre als Technischer Zeichner. Danach machte er eine Ausbildung als Tischler und Maurer.

1949 begann er ein Studium an der Ingenieurschule für Bauwesen in Glauchau, das er 1952 als Bauingenieur abschloss. Von 1952 bis 1953 war er als Assistent und von 1953 bis 1960 war er als Dozent an der Ingenieurschule für Bauwesen in Glauchau tätig.

Nebenbei errichtete Ullmann in der Umgebung von Glauchau zahlreiche Gebäude: So entstanden in Glauchau, Auerbach und Leipzig für private Bauherren 11 Einfamilienhäuser. Für Angestellte der Fachschule zwei Mehrfamilienhäuser in Glauchau. Zudem eine Kindertagesstätte in Oberwiera, ein Kindergarten in Auerbach und das Kulturhaus in Schneeberg, alle von 1953 bis 1954 errichtet.

Seit 1960 war er für VEB Hochbauprojektierung I in Leipzig tätig. Von 1961 bis 1962 wurde er mit der Planung des Wiederaufbaus des Leipziger Richard-Wagner-Platzes und des Leipziger Brühl beauftragt. Von 1962 bis 1963 baute er diese wieder auf.

Von 1962 bis 1964 entstand nach seinen Entwürfen das Bürogebäude des VEB Chemieanlagenbau und Montagekombinat am "Georgiring" zwischen Karl-Marx-Platz und Wintergartenstraße. Es handelte sich um einen 6-7geschossigen Stahlbeton-Skelettmontagebau (2 MP) mit Vorhangfassade und 440 Büroplätzen.[1]

Von 1964 bis 1965 entstand – zusammen mit Wolfgang Scheibe – das Hotel Deutschland, Leipzig (umbenannt in "Interhotel am Ring"). Es war das größte der drei neuerbauten Leipziger Hotels. Es bestand aus einem Flachtraktbau mit Stahlbetonskelett und einem 6geschossigen Bettenhaus in 5-MP-Querwandbauweise. Horizontale Fassadengliederung kennzeichneten den Bau. Zudem Brüstungen mit farbigen Keramikplastiken. Die bildkünstlerische Gestaltung erfolgte durch Gerhard Eichhorn.[2]

Im Jahre 1964 wurde er vom Rat der Stadt Leipzig zum Stadtarchitekten berufen. Diese Aufgabe hatte Ullmann bis 1967 inne.

1967 ging er als Komplexarchitekt zum VE BMK Süd in Leipzig. Hier beteiligte er sich 1968 an dem intern ausgeschriebenen Ideenwettbewerb für den Karl-Marx-Platz einschließlich dem Hochhaus der Karl-Marx-Universität (1968/1972) und dem 2005 abgebrochenem Hauptgebäude der Karl-Marx-Universität (1968/1974). Unter der Leitung von Hermann Henselmann und Horst Siegel sowie in Zusammenarbeit mit dem Büro des Stadtarchitekten (Ambros G. Gross), der DBA-Experimentalwerkstatt (Karl Sommerer) und schließlich dem WBK Leipzig (Helmut Ullmann) erfolgte die Grundkonzeption zum Bau des Hochhauses der KMU und des Hauptgebäudes der Karl-Marx-Universität. Von 1968 bis 1975 wurden die Gebäude von Ullmann und von seinen Kollegen Rudolf Skoda, Volker Sieg und Eberhard Göschel erbaut.[3] Das von 1968 bis 1972 erbaute Uni-Hochhaus ist ein markant figuraler Bau und hat die Form eines aufgeschlagenen Buches. Gebaut wurde im Stil einer „semantischen Architekturkonzeption der Bedeutungsübertragung durch symbolische Bildhaftigkeit der Gebäude, die das Charakteristische einer Stadt mittels einer quasi überdimensionalen Plastik zum Ausdruck bringen soll. So soll das größte Hochhaus […] als ein gigantisches, aufgeschlagenes Buch gedeutet werden, die geschwungene Dachspitze assoziiert zusätzlich auch das Bild einer wehenden Fahne“.[4] Das 2005 abgebrochene Hauptgebäude der Karl-Marx-Universität wurde 1968 bis 1974 errichtet und bildete zu DDR-Zeiten das „politische und geistig-kulturelle Zentrum der Stadt“[5]: „Für das Stadtzentrum war die Errichtung des Neubaukomplexes der Karl-Marx-Univeristät die entscheidende Etappe bei der Gestaltung des politischen und geistig-kulturellen Mittelpunktes der Messestadt“.[6]

Auszeichnungen

Ullmann wurde mehrfach ausgezeichnet:

„Ullmann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. die Arthur-Becker-Medaille und die Schinkel-medaille.[7]

Literatur

  • Holger Barth: Helmut Ullmann. In: Holger Barth, Thomas Topfstedt (Hrsg.): Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Dokumentation eines IRS-Sammlungsbestandes biographischer Daten / IRS, Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung. Berlin 2000, ISBN 3-934669-00-X, S. 241f.
  • Joachim Schulz, Wolfgang Müller und Erwin Schrödl: Architekturführer DDR, Bezirk Leipzig. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1976, OCLC 874871110.
  • Wolfgang Hocquél: Leipzig : Baumeister und Bauten : von der Romanik bis zur Gegenwart. Tourist Verlag, Berlin/Leipzig 1990, ISBN 3-350-00333-8, OCLC 24218196.

Publikationen

  • Helmut Ullmann:Neubaukomplex der Karl-Marx-Universität in Leipzig. In: Deutsche Architektur 1974, Nr. 2, S. 72-91.
  • Helmut Ullmann:Zur Gestaltung des WBS 70 im VEB Baukombinat Leipzig. In: Architektur der DDR 1980, Nr. 6, S. 342-346.

Einzelnachweise

  1. Schulz/Müller/Schrödl, Nr. 47 "Georgiring" zwischen Karl-Marx-Platz und Wintergartenstraße. Bürogebäude des VEB Chemieanlagenbau und Montagekombinat, 1962 bis 1964, Architekten Helmut Ullmann, Eberhard Göschel; 6-7geschossiger Stahlbeton-Skelettmontagebau (2 MP), Vorhangfassade, 440 Büroplätze.
  2. Schulz/Müller/Schrödl, Nr. 38 "Interhotel Am Ring", Karl-Marx-Platz 5-6, 1963-1966, Architekt Helmut Ullmann, Wolfgang Scheibe. Monolithischer Flachtrakt mit 800 Gaststätten-Plätzen, 7geschossiges Bettenhaus in 5-Mp-Plattenbau mit 430 Betten, Vorhangfassade mit Farbglasbrüstungen. Bildkünstler, Gestaltung von Bernhard Heisig, Gisela Richter-Thiele.
  3. Schulz/Müller/Schrödl, Nr. 41 "Komplex Karl-Marx-Universität", 1968-1975, Architekten Hermann Henselmann, Horst Siegel, Ambros G. Gross, Helmut Ullmann (Städtebau und architektonisches Grundkonzept); Helmut Ullmann, Eberhard Göschel, Volker Sieg, Rudolf Skoda (Projekt).
  4. Hocquél, S. 209f, Nr. 180 Universität, hier S. 210.
  5. Schulz/Müller/Schrödl, S. 36.
  6. Schulz/Müller/Schrödl, S. 11.
  7. Barth, S. 242.