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Helmut Kallmann

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Helmut Max Kallmann (geboren 7. August 1922 in Berlin; gestorben 12. Februar 2012 in Ottawa) war ein kanadischer Musikhistoriker und Bibliothekar.

Leben

Datei:Stolperstein Geisbergstr 41 (Schöb) Arthur Kallmann.jpg
Stolperstein für Arthur Kallmann in der Berliner Geisbergstraße

Helmut Kallmanns Vater war Rechtsanwalt in Berlin und Herausgeber des „Deutschen Juristen-Kalenders“. Kallmann musste nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 das Realgymnasium verlassen und die Jüdische Oberschule der jüdischen Gemeinde in Berlin besuchen, seinen ersten Musikunterricht erteilte ihm sein Vater.[1] Nach den Novemberpogromen wurde er als Sechzehnjähriger 1939 mit einem Kindertransport nach Großbritannien gerettet. Sein Vater Arthur (1873–1943) wurde im Ghetto Theresienstadt ermordet, seine Mutter Fanny Paradies (1894–1944) im KZ Auschwitz, ebenso seine Schwester Eva im Ghetto Riga. Kallmann heiratete 1955 die Schauspielerin Ruth Singer, sie hatten keine Kinder.

Kallmann wurde bei Kriegsausbruch als Enemy Alien interniert und im Juli 1940 nach Kanada deportiert, wo er bis 1943 in einem Kriegsgefangenenlager lebte. Ab 1944 konnte er in Toronto in einem Buchladen arbeiten und hatte Klavierunterricht bei Naomi Adaskin, Florence Steinhauer und Greta Kraus. Von 1946 bis 1949 studierte er Musik an der University of Toronto. Während des Studiums begann er sich um kanadische Komponisten zu kümmern, da diese im Curriculum keine Erwähnung fanden.

Er wurde 1950 Bibliothekar beim Radiosender Canadian Broadcasting Corporation (CBC), ab 1962 leitend. 1965 organisierte er eine CBC Radio Dokumentarserie Music in Canada. Danach leitete er von 1970 an die Musikabteilung der Kanadischen Nationalbibliothek, die er erst einmal aufbauen half.

Kallmann war Mitherausgeber der Encyclopedia of Music in Canada (1981 und 1992). Er bearbeitete die Biografien der kanadischen Komponisten Joseph Quesnel, Theodore F. Molt, Healey Willan und James P. Clarke, sorgte für die Aufführung von Musik kanadischer Musiker und führte 1988 eine Ausstellung zu Glenn Gould durch. Ab 1975 war er Lehrbeauftragter an der Carleton University. Er schrieb auch Beiträge für die deutsche Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart, darin 2003 auch seinen eigenen.

Kallmann erhielt 1977 die Médaille du Conseil canadien de la musique und wurde 1986 Mitglied des Order of Canada.

Schriften (Auswahl)

  • Catalogue of Canadian Composers. Toronto : Canadian Broadcasting Corp., 1952
  • Kanada, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel 1958
  • A History of Music in Canada 1534-1914. Toronto 1960, mit Ergänzungen 1987
  • mit Gilles Potvin, Kenneth Winters (Hrsg.): Encyclopedia of Music in Canada. Toronto : University of Toronto Press, 1981 , zweite Auflage 1992

Literatur

  • Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Vol II, 1 München : Saur 1983 ISBN 3-598-10089-2, S. 588
  • Helmut Kallmann: Kallmann, Helmut. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG. Bd. 9, Bärenreiter Verlag, 2003, Sp. 1410-1411.
  • John Beckwith; Frederick A. Hall: Musical Canada: Words and Music Honouring Helmut Kallmann. 1988

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Helmut Kallmann, in: The Canadian Encyclopedia, 2012


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Helmut Kallmann aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.