Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Helga Pollak-Kinsky

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Helga Pollak-Kinsky (geboren 28. Mai 1930 in Wien) ist eine österreichische Holocaustüberlebende.

Leben

Helga Pollak wuchs als Tochter des Inhabers des Wiener Konzertcafés Palmhof in der Mariahilferstrasse 135 auf.[1] Ihr Vater Kurt Pollak (1894–1978) war Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen und Kriegsversehrter. Helga Pollak war sieben Jahre alt, als nach dem Anschluss Österreichs die Juden auch in Wien verfolgt wurden. Sie wurde daher im Sommer 1938 bei Verwandten in Kyjov in der Tschechoslowakei untergebracht, wo sie die tschechische Schule besuchte und dafür ersteinmal Tschechisch lernen mussten.

Datei:Terezín, náměstí.jpg
Mädchenwohnheim L 410 (rechts von der Kirche) (aktuelles Foto aus Theresienstadt aus dem Jahr 2014)

Ihre Eltern hatten sich inzwischen getrennt, und die Mutter Frieda Pollak war nach Großbritannien emigriert. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 sollte Helga Pollak mit einem Kindertransport des Hechaluz nach England in Sicherheit gebracht werden, was aber nicht gelang. Der Besuch der öffentlichen Schulen wurde den Juden verboten und Pollak besuchte bis 1941 die jüdische Schule in Brünn. Im Januar 1943 wurde sie mit ihrem Vater in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie in das Mädchenheim L 410 des Ghettos eingewiesen. In ihrem Tagebuch beschreibt Pollak das Leben der Mädchen im Zimmer 28, den heimlichen Schulunterricht, ihre Teilhabe an der Aufführung der Kinderoper Brundibár, die Chorstunden unter Rafael Schächter und die Verschönerungsaktionen anlässlich des Besuchs des Internationalen Roten Kreuzes. Sie war unter den Statisten, als Kurt Gerron gezwungen wurde, den Film Theresienstadt zu drehen. Von den fünfzig bis sechzig Mädchen, die im Laufe der Monate mal im Zimmer 28 untergekommen waren, blieben fünfzehn am Leben.[2]

Am 23. Oktober 1944 wurde auch Pollak in das Konzentrationslager Auschwitz abtransportiert und von dort zur industriellen Zwangsarbeit nach Oederan verlegt. Im April 1945 geriet sie wieder nach Theresienstadt, wo sie mit ihrem Vater die Befreiung erlebte und zunächst einmal wegen der Fleckfiebergefahr in Quarantäne kam. Von ihrer Familie in Kyjov waren 63 Menschen durch die Deutschen in den Konzentrationslagern ermordet worden.[3]

1946 übersiedelte Pollak zu ihrer Mutter nach London und besuchte dort ein College. 1951 heiratete einen jüdischen Deutschen, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus nach Bangkok gerettet hatte. Sie bekamen zwei Kinder, lebten in Bangkok und Addis Abeba und kehrten 1957 nach Wien zurück. Pollak ist Mitglied der International Alliance of Women.[4]

Die amerikanische Dokumentarfilmerin und Theresienstadtüberlebende Zuzana Justman[5] drehte zwei Filme mit ihr: „Terezín Diary“ (1989) [6][7] und „Voices of the Children“ (1997)[8], der 1999 einen Emmy Award erhielt. Pollak organisierte seit 1991 mehrere Treffen der damaligen Bewohner des Zimmers 28. Hannelore Brenner-Wonschick hat die Gruppe dokumentiert und seit 2002 szenische Lesungen Pollaks aus ihrem Tagebuch organisiert.[9]

Schriften

  • Mein Theresienstädter Tagebuch 1943-1944 und die Aufzeichnungen meines Vaters Otto Pollak. Mit historischen Fakten und Gesprächen mit Helga Kinsky ergänzt und herausgegeben von Hannelore Brenner. Berlin : Edition Room 28, 2014

Literatur

  • Hannelore Brenner-Wonschick: Die Mädchen von Zimmer 28. Freundschaft, Hoffnung und Überleben in Theresienstadt. München: Droemer 2004
  • Andree Michaelis: Erzählräume nach Auschwitz : literarische und videographierte Zeugnisse von Überlebenden der Shoah. Berlin : Akad.-Verl. 2013. Berlin, Freie Univ., Diss., 2011

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hannelore Brenner-Wonschick: Die Mädchen von Zimmer 28, 2004, S. 33 ff
  2. Hannelore Brenner-Wonschick: Die Mädchen von Zimmer 28, 2004, S. 22
  3. Hannelore Brenner-Wonschick: Die Mädchen von Zimmer 28, 2004, S. 368
  4. Hannelore Brenner-Wonschick: Die Mädchen von Zimmer 28, 2004, S. 369
  5. Zuzana Justman in der englischen Wikipedia, siehe en:Zuzana Justman
  6. Terezín Diary (1990) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
  7. Vincent Canby: Review/Film; Remembering the Horrors of the Nazis' 'Model Camp' , New York Times, 16. August 1991
  8. Voices of the Children (1998) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
  9. Hannelore Brenner-Wonschick: Die Mädchen von Zimmer 28, 2004, S. 369


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Helga Pollak-Kinsky aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.