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Filareto Kavernido

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Filareto Kavernido

Filareto Kavernido (in Esperanto: "Freund der Höhle"; geb. 24. Juli 1880 in Berlin; gest. 16. Mai 1933 nahe Moca, Dominikanische Republik; eigentlich Heinrich Goldberg) war Führer einer anarchistischen Kommune in Berlin, Tourrettes, Korsika und der Dominikanischen Republik.

Der Sohn eines gutbürgerlichen jüdischen Arztes (dieser war einer der grössten Steuerzahler des Bezirks) studiert Medizin in Berlin und Freiburg (seine Doktorarbeit handelt von der "hysterischen Blindheit") und praktiziert danach in Berlin an einem Krankenhaus. 1910 verlässt er die jüdische Gemeinde und wird etwa 1918 zu dem Oberhaupt einer anarcho-kommunistischen Gruppe, die an verschiedenen Orten in und um Berlin versucht, seine auf Nietzsche und Platons Philosophien basierenden Utopien zu verwirklichen. So lautet der Name seiner Gruppe „La Kaverno di Zaratustra“ nach Nietzsches Zarathustra.

Filareto Kavernido veröffentlicht einige Schriften, unter anderem eine Fabel in Ido, einer reformierten Form der Weltsprache Esperanto. In einer Schriftenreihe, den "Mitteilungsblättern aus Zarathustras Höhle" legt er seine philosophischen Grundgedanken dar. 1925 hält er sich auf der Flucht vor der deutschen Justiz, unter anderem wegen Vergehen gegen den §218, in Paris auf. Von hier aus sucht er den Kontakt zu der Schweizer Frauenrechtlerin Margarethe Faas-Hardegger, die in der Schweiz eine ähnlich gesinnte Kommune führt. In Paris knüpft er vermutlich auch den Kontakt zum Anarchisten Emile Armand, in dessen französischer Zeitung "L'en dehors" ("Ausserhalb") er über Jahre hinweg etliche Artikel publiziert, insbesondere Berichte aus der Dominikanischen Republik, wohin er 1929 mit einem Teil seiner Gruppe, bestehend im Wesentlichen aus einer seiner Lebensgefährtinnen und deren gemeinsamen Kindern, nach einem mehrjährigen (1926-1929) Aufenthalt in Tourrettes-sur-Loup, nördlich von Nizza, Frankreich, auswandert.

Am 16. Mai 1933 wird Filareto von gedungenen Mördern eines Grossgrundbesitzers nahe Moca, Dominikanische Republik, erschossen. Von elf Kugeln getroffen, verblutete er im Staub eines schmalen Pfades.

In zahlreichen zeitgenössischen Veröffentlichungen wird er erwähnt, in Zeitungsartikeln und Büchern wird seine politische und philosophische Weltanschauung diskutiert und sein autoritäres und despotisches Wesen geschildert.

Literatur

Sachbücher:

  • Max Fürst: Talisman Scheherezade. Die schwierigen zwanziger Jahre. Dtv, München 1978, ISBN 3-423-01407-5
  • Ulrich Linse: Die anarchistische und anarcho-syndikalistische Jugendbewegung 1919-1933. Zur Geschichte und Ideologie der anarchistischen, syndikalistischen und unionistischen Kinder- und Jugendorganisationen 1919-1933, dipa-Verlag, Frankfurt/M. 1976, ISBN 3-7638-0218-5
  • Ulrich Linse: Ökopax und Anarchie. Eine Geschichte der ökologischen Bewegungen in Deutschland. Dtv, München 1986, ISBN 3-423-10550-X

Aufsätze:

  • Harry Wilde erwähnt, dass er nach dem Verschwinden der Kommune Goldberg einen Artikel für eine Ullstein-Zeitung schrieb, der von der Redaktion den Titel “Freie Liebe am Bahndamm” bekam. Der Artikel wurde noch nicht gefunden.
  • Zwischen 1927 und 1931 Artikel von Filareto Kavernido für die von Emile Armand in Paris-Orléans herausgegebenen Zeitschrift “L’en Dehors”.

Weblinks

Exemplare davon befinden sich im International Institute of Social History, Amsterdam, dem Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, sowie in einigen Uni-Bibliotheken Deutschlands. z. B. Bonn, Bremen oder Berlin.


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