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Heinrich Gültig

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Heinrich Gültig (* 20. Mai 1898[1] in Heilbronn; † 9. Juni 1963[2] ebenda) war Oberbürgermeister von Heilbronn vom 26. April 1933 bis April 1945. Er gehörte der NSDAP an.

Leben

Von Beruf war er Kaufmann, wurde im September 1930 Parteimitglied der NSDAP. Im Januar 1932 wurde er Gemeinderatsmitglied im Heilbronner Stadtparlament, dort dann Fraktionsführer seiner Partei. Im Oktober des gleichen Jahres avancierte Gültig zum SA-Sturmbannführer.

Am 16. März 1933 fand eine Gemeinderatssitzung mit nur 17 von 30 Räten statt, da Sozialdemokraten und Kommunisten verprügelt, verhaftet oder eingeschüchtert worden waren. Die Anwesenden wählten Gültig zum ersten Stellvertreter des erkrankten Oberbürgermeisters Emil Beutinger. Zweiter Stellvertreter wurde Stadtrat Krauß von der Bürgerlichen Vereinigung. Am 17. März wurde Heinrich Gültig zum Staatskommissar ernannt und als solcher am 21. März 1933 vereidigt. Beutinger wurde am 26. Juli auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums gegen seinen Willen in den Ruhestand versetzt. Am 16. August 1933 wurde Gültig zum Oberbürgermeister ernannt. Zu seinen Stellvertretern hatte Gültig ohne Beteiligung des Gemeinderates schon am 23. März seine Parteifreunde und Fraktionskollegen Hugo Kölle und Alfred Faber ernannt.[3]

Nach der neuen Deutschen Gemeindeordnung vom April 1935 führte Gültig die Stadt künftig in „voller und ausschließlicher Verantwortung“, die bisherigen Gemeinderäte hatten als Ratsherren nur noch beratende Funktion.

Am 1. Mai 1937 wurde Gültig zum kommissarischen Führer der SA-Standarte 122, im November 1942 wurde er zum SA-Oberführer ernannt.

Am 12. März 1942 wurde Gültig in die Molkerei nach Neuenstadt gerufen, wo es zu Problemen mit dort beschäftigten französischen Zwangsarbeitern gekommen sein soll. Gültig und seine zwei Begleiter nahmen den Franzosen André Guyot mit zum Steinbruch in Eberstadt, wo sie ihn erschossen. Gültig meldete die Leiche im Eberstädter Rathaus und kehrte nach Heilbronn zurück.[4]

Beim Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 erlebte Gültig die totale Zerstörung der Stadt mit über 6.000 Opfern. Heilbronn stand damit noch vor Stuttgart an der Spitze der Opferzahlen aller Städte in Württemberg. Nach dem Luftangriff stand er in der Kritik der Überlebenden, lebenrettende Luftschutz-Anweisungen zum Verhalten im Falle eines Feuersturms nicht weitergegeben zu haben.[5] Am 1. April 1945 wurde Gültig zum Volkssturm eingezogen. Er ernannte Karl Kübler zu seinem Stellvertreter, dieser wurde jedoch am 6. April auf Befehl von Kreisleiter Richard Drauz erschossen, weil er an seinem Haus eine weiße Fahne gehisst hatte. Gültig selbst galt inzwischen als gefallen.[5] Am 12. April 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt und setzten anderntags Gültigs Vorgänger Beutinger wieder als Bürgermeister ein.

Gültig kam kurz vor Kriegsende bei Wangen in französische Kriegsgefangenschaft. Im Jahr 1948 wurde er für den Mord an dem Franzosen zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei einem zweiten Prozess vor einem französischen Militärgericht in Rastatt wurde er am 22. Dezember 1952 zu elf Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Nachdem er insgesamt acht Jahre inhaftiert war, wurde er bei einer Amnestie am 14. Juli 1953 vorzeitig entlassen. Danach prozessierte er vergeblich mit der Stadt Heilbronn um die Rechte eines Beamten auf Lebenszeit, die er als ehemaliger Oberbürgermeister meinte beanspruchen zu können.[6]

Zurück in Heilbronn kaufte er im Dezember 1953 die 1949 gegründete Firma Zuko W. Lahnstein & Co., die Weinkorken fertigte. Das von dem Unternehmen, nunmehr Heinrich Gültig GmbH, 1956/57 gemeinsam mit Ernst Klenk und Gerhard Strecker von der Weinbauschule Weinsberg entwickelte Gültig-Verfahren zur Sterilisierung von Naturkorken mit Schwefeldioxid hat sich weltweit als Standard durchgesetzt und trägt bis heute seinen Namen.[7]

Literatur

  • Uwe Jacobi: Das Kriegsende. Szenen 1944/45 in Heilbronn, im Unterland und in Hohenlohe. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 1986, ISBN 3-921923-03-4 (Heilbronner Stimme / Buchreihe, 2)
  • Uwe Jacobi: Die vermißten Ratsprotokolle. 1. Auflage. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 1981

Einzelnachweise

  1. Susanne Schlösser: Die Heilbronner NSDAP und ihre „Führer“. In: heilbronnica 2. Beiträge zur Stadtgeschichte. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 2003, ISBN 3-928990-85-3 (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Heilbronn, 15). S. 289
  2. Susanne Schlösser: Chronik der Stadt Heilbronn. Band V: 1939–1945. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 2004 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, 40), ISBN 3-928990-89-6. S. XLVI
  3. Susanne Schlösser: Chronik der Stadt Heilbronn. Band IV: 1933–1938. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 2001 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, 39), ISBN 3-928990-77-2. S. XIX–XXIII.
  4. Uwe Jacobi: Im Steinbruch lag ein toter Franzose. In: Heilbronner Stimme vom 12. März 2005.
  5. 5,0 5,1 Robert Bauer: Heilbronner Tagebuchblätter, Heilbronn 1949.
  6. Susanne Schlösser: Die Heilbronner NSDAP und ihre „Führer“. In: heilbronnica 2. Beiträge zur Stadtgeschichte. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 2003, ISBN 3-928990-85-3 (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Heilbronn, 15). S. 316.
  7. Kilian Krauth: Gültig lässt die Korken knallen. In: Heilbronner Stimme vom 22. Dezember 2003


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