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Heinrich Finke

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Dieser Artikel behandelt den Historiker. Zum Chemiker siehe: Heinrich Fincke.

Heinrich Johannes Finke (* 13. Juni 1855 in Krechting, Kreis Borken, Westfalen; † 19. Dezember 1938 in Freiburg im Breisgau) war ein katholischer Kirchenhistoriker und Mediävist mit den Forschungsschwerpunkten Spätmittelalter und Vorreformation.

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Heinrich Finke (1855–1938)

Als Heinrich Finke 1938 im Alter von 83 Jahren in Freiburg starb, galt er der Fachwelt seiner Zeit als einer der renommiertesten und bekanntesten akademischen Kirchenhistoriker, der vor allem auch in Spanien hohes Ansehen genoss.

Leben, akademische Laufbahn und Hauptwerk

Heinrich Finke wurde am 13. Juni 1855 im münsterländischen Krechting als Sohn eines Webers geboren. Schon als Jugendlicher, zunächst von höherer Schulbildung ausgeschlossen, betrieb er autodidaktische Lateinstudien in Vorbereitung auf seine Gymnasialzeit. Nach spätem Eintritt in eine höhere Schule bestand er das Abitur 1876 am Gymnasium Paulinum in Münster.

Dissertation und „Wanderjahre“

Im Jahr des Abiturs begann Finke ein sporadisches, kurzes und aufgrund seiner finanziellen Lage immer wieder durch notwendige Nebentätigkeiten als Hauslehrer unterbrochenes Philologie- und Geschichtsstudium; zunächst in Münster, danach in Tübingen. Nach eineinhalb regulären Studiensemestern und fünfmonatiger Abfassungszeit seiner Dissertation wurde er 1878 bei Bernhard Kugler in Tübingen mit einer Arbeit über König Sigismunds reichsständische Politik 1414–1418 (veröffentlicht: Paderborn 1880) promoviert. Zunächst arbeitete er weiter als Hauslehrer für einen Frankfurter Bankier arbeiten, der ihm 1880 ein Studiensemester in Göttingen ermöglichte, wo Finke Kenntnisse der historischen Hilfswissenschaften erwarb, vor allem der Paläographie.

1880 begannen Finkes sechs „Wanderjahre“: Er verdingte sich abwechselnd als Hilfsarchivar und Stenograph im Berliner Reichstag und wurde Zeitzeuge der Kulturkampf-Politik unter Reichskanzler Bismarck, den er verehrte. Darauf wirkte er zwei Jahre als Korrespondent für eine der Zentrums-Partei nahestehende Zeitung, schließlich anderthalb Jahre Archivdienst am Staatsarchiv zu Schleswig.

Als Student wurde Finke aktives Mitglied katholischer Studentenvereine im KV: in Tübingen der K.St.V. Alamannia, in Göttingen des K.St.V. Winfridia. Im Sommersemester 1880 war er Senior der Winfridia und organisierte die 13. Vertreterversammlung des KV in Göttingen. Auch später als Dozent und Professor nahm er regelmäßig an Veranstaltungen des KV teil.

Habilitation, Urkundenbücher und Dozentur

Mit der Anfang 1886 an ihn ergangenen Anfrage, Nachfolger Wilhelm Diekamps (1854–1885) als Herausgeber des Westfälischen Urkundenbuchs zu werden, eröffnet sich Finke die Möglichkeit, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Bei einem sechsmonatigen Arbeitsaufenthalt in Rom erschloss und transkribierte Finke die entsprechenden Originalurkunden im vatikanischen Archiv, im römischen Staatsarchiv und in zahlreichen Bibliotheken.

1887 habilitierte sich Finke an der Universität Münster mit der Schrift Quellen und Forschungen zur Geschichte des Konstanzer Konzils, (veröffentlicht: Paderborn 1889). Als Ergebnis seines Romaufenthalts erschien darauf das erste von ihm edierte Urkundenbuch: Papsturkunden Westfalens bis zum Jahre 1378 (= Westfälisches Urkundenbuch, Bd. 5,1), Münster 1888, dem sich 1894 das zweite anschloss: Die Urkunden des Bistums Paderborn 1251–1300 (=Westfälisches Urkundenbuch Bd. 4,3), Münster.

1891 wurde Finke Privatdozent für Geschichte in Münster und erhält einen Lehrauftrag. Zwischen 1894 und 1898 war er Vereinsdirektor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster.

Die umfangreiche Quellentextedition, die Urkundenbücher zum Konstanzer Konzil (Acta Concilii Constanciensis), deren erster Band Finke bereits 1896 veröffentlichte und die er 1928 mit dem vierten Band abschloss, markierten die Eckdaten eines Akademikerlebens, das sich über Jahrzehnte hinweg schwerpunktmäßig mit dem Spätmittelalter und der Vorreformation beschäftigte. Im Verlauf dieser Arbeit gelangen Finke bedeutende und in der Fachwelt Aufsehen erregende Archivalienfunde u.a. im Kronarchiv zu Barcelona, wo er unbekannte Konzilsakten ausfindig machte und edierte. Finkes ungewöhnlicher, archivalischer Spürsinn, verbunden mit Finderglück und die daraus erwachsenden Quellentexteditionen trugen ihm den Titel eines „bœuf d’archives“ ein. Sein geplantes opus magnum bleibt dennoch ungeschrieben: Eine bis ins hohe Alter in immer neuen Ansätzen versuchte, umfassende und geschlossene Darstellung des Spätmittelalters (Arbeitstitel: Das Geistesleben im Spätmittelalter) blieb in Quellenstudien und Vorarbeiten stecken.

Wohl aus privaten Beweggründen schrieb Finke 1896 eine kunsthistorische Arbeit über den zur Schule der Nazarener zählenden Karl Müller (1818–1893), dessen Tochter Zoe mit Heinrich Finkes Ehefrau war: Karl Müller. Sein Leben und künstlerisches Schaffen (= Vereinsschrift der Görres-Gesellschaft), Köln 1896.

Nachdem er seit 1897 als ordentlicher Professor zum Lehrkörper der Universität Münster zählte, nahm Finke 1898 einen Ruf der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg an. 1899 wurde er Ordinarius für Geschichte auf dem konfessionsgebunden Katholischen Lehrstuhl.

Erste Buchveröffentlichungen aus der Zeit seiner Freiburger Lehrtätigkeit waren die Abhandlungen: Aus den Tagen Bonifaz’ VIII. (= Vorreformationsgeschichtliche Forschungen, Bd. 2.) Münster 1902 und Papsttum und Untergang des Templerordens (= Vorreformationsgeschichtliche Forschungen, Bde. 4-5), Münster 1907.

Heinrich Finke und Spanien

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Ehrung durch die Real Academia de la Historia, um 1925.

Mit den Acta Aragonensia. Quellen zur deutsch., ital., franz., span., zur Kirchen- und Kulturgeschichte aus der diplomatischen Korrespondenz Jaymes II (1291–1327), deren beiden ersten Bände 1908 erschienen, begründete Finke den Beginn deutsch-spanischer Wissenschaftsbeziehungen im Bereich der Spätmittelalterforschung im 20. Jahrhundert, die sein hohes Ansehen in den romanischen Ländern, vor allem in Spanien erklären: Er wurde in den Folgejahren Ehrendoktor der Universitäten Barcelona, Valladolid, Mailand und Salamanca und Ehrenmitglied der Madrider Academia de la Historia. Die Acta Aragonensia kamen schließlich mit ihrem dritten Band 1923 zum Abschluss.

Heinrich Finke und Martin Heidegger

Als einflussreiches Mitglied und Dekan der Freiburger Philosophischen Fakultät unternahm Finke, der sich in den Jahren vor 1914 als energischer Förderer des katholischen wissenschaftlichen Nachwuchses an der Freiburger Universität erwies, den folgenreichen Versuch, dem vor seiner Habilitation stehenden Philosophen Martin Heidegger den vakanten Lehrstuhl für „christliche Philosophie“ „freizuhalten“. Bereits 1912 hatte der finanziell unabgesicherte Heidegger den Finke-Schüler Ernst Laslowski gebeten, bei Finke wegen einer möglichen Unterstützung anzufragen. In seinem Promotionssemester 1913 belegte Heidegger bei Finke eine vierstündige Vorlesung zum Thema „Das Zeitalter der Renaissance“. Finke, der sich des jungen philosophischen Talents bald darauf annahm, riet Heidegger im November 1913 zu einer philosophiegeschichtlichen Habilitationsschrift, obgleich dieser vor dem Hintergrund seiner mathematisch-naturwissenschaftlichen Studien 1912 über das logische Wesen des Zahlbegriffs zu forschen begonnen hatte. Finkes dringlichem Rat ist es zuzuschreiben, dass Martin Heidegger sich schließlich dem Thema „Duns Scotus“ zuwandte und über „Die Kategorien und Bedeutungslehre des Duns Scotus“ bei Heinrich Rickert 1915 habilitierte. Im Zusammenhang mit seinem Habilitationsverfahren führte Heidegger sein „steigerndes (philosophie-) historisches Interesse“ dabei ausdrücklich auf Finke zurück, wenn er in seinem eigenhändigen Lebenslauf schrieb: „… nicht zuletzt Vorlesungen und Seminarübungen bei Herrn Geheimrat Finke hatten zur Folge, daß die bei mir durch die Vorliebe für Mathematik genährte Abneigung gegen die Geschichte gründlich zerstört wurde.“ [1] Den Zugang Heideggers zu einem frühen Freiburger Philosophieordinariat hat dies nicht eröffnet. Heinrich Finke ließ seinen früheren Favoriten wegen „mangelnder 'scholastischer' Zuverlässigkeit“ schließlich fallen und die Berufungskommission entschied sich 1916 für den Münsteraner Ordinarius Josef Geyser. Später, mit Brief vom 8. April 1917, bekundete Finke seinem früheren Schützling dennoch noch einmal seine Wertschätzung, schließlich sei „ein bedeutender theistischer spekulativer Philosoph“ nötiger als alle historisch verfahrenden christlich-katholischen Philosophen.[2] Heidegger selbst sah sich indessen längst veranlasst, mit dem „System des Katholizismus“ zu brechen.

Finkes Freiburger Rektorat und Kriegsverherrlichung

In mehreren „Akademischen Vorträgen in Kriegszeit“ der Universität Freiburg bzw. als Gastredner der „Vaterländischen Versammlungen“, patriotische Veranstaltungen zur „Stärkung der Siegeszuversicht“ und „nationalen Sinnstiftung“ im Ersten Weltkrieg, äußerte sich der Kirchenhistoriker, Professor und spätere Universitätsrektor (Prorektorat 1918) auch ausdrücklich politisch zum Zeitgeschehen:

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  • Mitunterzeichner des Aufrufs an die Kulturwelt im Oktober 1914, das sogenannte Manifest der 93, in dem sich die Unterzeichner im Namen der Kultur vorbehaltlos mit der deutschen Kriegführung des Ersten Weltkriegs solidarisierten.
  • Rede beim zweiten vaterländischen Abend in Freiburg i.Br. am 11. Oktober 1914, Freiburg 1914.
  • Der Gedanke des gerechten und heiligen Krieges in Gegenwart und Vergangenheit. Rede vom 28. Oktober 1914 im Auditorium maximum der Freiburger Universität, gedruckt in: ders.: dass., Freiburg, Troemer’s Universitäts-Buchhandlung 1915.
  • Deutsche Zukunftsfragen, in: Kraft aus der Höhe. Ein Pfingstgruß ehemaliger und jetziger Professoren an ihre Kommilitonen im Felde, hrsg. von Heinrich Finke, Kempten, Kösel 1915, S. 225–233.
  • Recht und Notwendigkeit des Weltkrieges (= Deutsche Kultur, Katholizismus und Weltkrieg. Eine Abwehr des Buches: La guerre allemande et le Catholicisme), hrsg. v. G. Pfeilschifter 1915, S. 19–46.
  • Stimmungsbilder aus Kriegsflandern im Winter 1914/15. Aus Briefen von Ludwig Finke, stud. Jur, Kriegsfreiwilliger … [= der ältere Sohn, Ludwig Finke, geb. 1893], gefallen vor Nieuport am 9. Mai 1915. Als Manuskript gedruckt, Freiburg, Caritas-Druckerei 1916.
  • Immatrikulations-Rede zum Kriegsschluß, geh. am 20. Dezember 1918, Freiburg, Poppen & Ortmann 1918.
  • Unseren Gefallenen zum Gedächtnis, Rede gehalten am 29. März 1919 in der Aula der Universität Freiburg i. Br. vom Rektor Geheimrat Prof. Dr. Heinrich Finke, Freiburg, Herder 1919.

Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (vgl: Wolfgang J. Mommsen) begriff er dabei in jeder Hinsicht konform mit der offiziell wilhelminischen, deutschnationalen Lesart: als einen Deutschland aufgezwungenen „Verteidigungskrieg“, dann aber notwendigen „Angriffskrieg“, als Freiheitskampf und kathartischen, aus deutscher Sicht „gerechten“, ja „heiligen“ Krieg und „Kreuzzug“:

„Wer möchte es missen jenes Neue, das in unser Leben getreten, jene Vertiefung und Läuterung unseres Wesens, die einzig dasteht in der Geschichte der Menschheit, jene stürmische ergreifende Kreuzzugsstimmung, wo wieder das 'Gott will es' ertönt (…), jenen todesfreudigen Opfermut, der unsere ganze Jugend wie ein Sturmwind erfaßt.“

– Heinrich Finke[3]

In kulturkritischen Passagen beschrieb Finke den „Niedergang unserer sittlichen Kultur vor dem Kriege“ beschreibt, der ihm nur durch eine im Weltkrieg herbeigeführte national-kulturelle „Gesundung“ behebbar erschien.

„In Literatur und Kunst eine weitgehende Abhängigkeit vom Auslande, und zwar von seinen häßlichen Seiten; vor allem in der Literatur die Neigung zum Zersetzenden, Krankhaften, Gemeinen; Ablehnung alles Idealen in der bildenden Kunst ein Wirklichkeitsfanatismus, Ablehnung alles tieferen Gehaltes, Haschen nach unsinnigen Problemen. Dann kam die große Zeit und der Ruf nach dem reinen, reineren Deutschtum. Da bleibt für Euch, Kommilitonen, nach glücklicher Heimkehr ein großes Arbeitsfeld. Ihr die geistigen Führer des Volkes, müßt den Geschmack ummodeln, wieder das Gesunde, das Kerndeutsche, das Unverfälschte zu Ehren bringen … “

– Heinrich Finke[4]

Noch 1919 versuchte er als Rektor in öffentlicher Ansprache eine Sinndeutung des Krieges, bei der Vokabeln wie „Vaterlandsliebe“, „Heldentum“, „Tod fürs Vaterland“ unbeschadet und wie selbstverständlich eingesetzt werden. Allen Widrigkeiten zum Trotz – Finke verlor im Krieg beide Söhne – hoffte der Historiker weiterhin auf jenen „neuen Geist, der unser Volk wieder zum Lehrer der Völker machen wird“ [5].

Präsident der Görres-Gesellschaft

Finke wurde 1924 als Nachfolger von Hermann von Grauert Präsident der Görres-Gesellschaft und edierte bis 1937 deren „Historischen Jahrbücher“, wo er selbst zahlreiche Beiträge veröffentlichte. Das Amt und die Tätigkeiten innerhalb der Görres-Gesellschaft, deren römisches Institut er bereits 1888 initiiert und begründet hatte, bestimmten Finkes letzte zehn Lebensjahre nach seiner Emeritierung im Jahr 1928.

Heinrich Finke und der Nationalsozialismus

Der alternde Präsident setzte sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 für den Fortbestand der Görres-Gesellschaft im nationalsozialistischen Deutschland ein – sie wurde 1941 schließlich zwangsaufgelöst – und reflektierte über deren „Daseinsberechtigung durch von der gärenden Zeit geforderte Leistungen“, lotete die Anforderungen und Möglichkeiten einer „katholischen Wissenschaft in der heutigen Zeitenwende“ überhaupt aus. Den die nationalsozialistische Wissenschafts- und Kulturpolitik affirmierenden Aufsatz veröffentlicht er 1934:[6]

„Wir stehen an einer geistigen Wende. Ein gewaltiger Sturmwind weht bei uns durch die Welt des Denkens, Dürres wird beseitigt, Ungesundes verschwindet, manches Gute und Schöne wird in den Ansätzen geknickt, manches Neue hat ein zunächst befremdendes Gesicht. (…). Aber mit einem gewissen Optimismus dürfen wir dem kommenden Geistesleben und Geisteskampfe entgegenschauen.“

– Heinrich Finke[6]

Als Kotau vor dem nationalsozialistischen Regime gilt die von Finke angeordnete Neufassung des schon 1927 veröffentlichten kritischen Artikels Nationalsozialismus von Franz Schweyer in der fünften Auflage des Staatslexikons. Diese war vom Herbst 1926 bis Dezember 1932 in fünf Bänden im Auftrag der Görres-Gesellschaft beim Herder-Verlag in Freiburg erschienen. Die Reichspressestelle der NSDAP in München verlangte nach 1933 umgehend vom Verlag nicht nur eine grundlegende Überarbeitung und deren Vorlage zur Zensur, sondern eine öffentliche Erklärung des Bedauerns über den strittigen Artikel und ein Entschuldigungsschreiben Finkes an Hitler. Der Freiburger Oberbürgermeister Franz Kerber macht von der Erfüllung dieser Forderungen die Zulassung der auf Oktober 1933 einberufenen Jahrestagung der Görresgesellschaft in Freiburg abhängig. Ihr Präsident Heinrich Finke lenkte ein und erklärte, dass er bei der Eröffnung der Generalversammlung auch über das Staatslexikon sprechen werde und den Artikel, der eine „persönliche Kränkung“ des „Reichskanzlers und Führers“ Adolf Hitler bedeute, ausdrücklich und mit Bedauern zurücknehmen wolle. Überdies schrieb er am 4. Oktober 1933 den von ihm verlangten persönlichen Entschuldigungsbrief an Hitler.[7]

Zu seinem 80. Geburtstag wurde Finke von den höchsten Repräsentanten des „Dritten Reiches“ geehrt. Eine Gelehrtenbiographie, die im „Zweiten Reich“, dem Wilhelminischen Kaiserreich 1871–1918 begann, sich in diesem ausrichtete, akademisch etablierte und dem sie schließlich verhaftet blieb, kommt so zu ihrem nicht unschlüssigen Ende, zumal sich Heinrich Finke mit Demokratie und Gesellschaft der Weimarer Republik wohl nur halbherzig hat identifizieren können oder wollen. Die „Krönung aller Ehrungen“, so das Typoskript der Universitätsbibliothek Freiburg zu den Feierlichkeiten des 13. Juni 1935: Adolf Hitler verlieh dem greisen Jubilar die höchste zivile Auszeichnung, den Adlerschild des Deutschen Reiches, der Heinrich Finke mit einem persönlichen Begleitschreiben des „Führers und Reichskanzlers“ für „hervorragende Verdienste um die deutsche Geschichtsforschung“ vom Freiburger Oberbürgermeister Franz Kerber und Reichstatthalter, NSDAP-Gauleiter Robert Wagner überreicht wurde.[8]

Am 19. Dezember 1938 starb Heinrich Finke in Freiburg. Auch wenn seine Schüler 1935 gewusst haben mögen, dass mit der Annahme des Adlerschildes nicht notwendig ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus verbunden war: Der damalige Universitätsbibliothekar Josef Hermann Beckmann konstatierte in seinem Nachruf („Freiburger Tagespost“ Nr. 298, vom 22. Dezember 1938) erneut und rückblickend Finkes Schulterschluss mit den Nationalsozialisten: „So hat er auch die Jüngeren wiederholt auf die verpflichtende Aufgabe der Mitarbeit an der Bewegung und der Aufbauarbeit des Führers hingewiesen.“

Schriften (Auswahl)

  • Die Papsturkunden Westfalens bis zum Jahre 1304 (= Westfälisches Urkundenbuch. Bd. 5: Die Papsturkunden Westfalens bis zum Jahre 1378. Theil 1.[9]) Regensberg, Münster 1888.
  • Forschungen und Quellen zur Geschichte des Konstanzer Konzils. Schöningh, Paderborn 1889, Digitalisat.
  • Ungedruckte Dominikanerbriefe des 13. Jahrhunderts. Schöningh, 1891, Digitalisat.
  • Carl Müller. Sein Leben und künstlerisches Schaffen (= Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im Katholischen Deutschland. Vereinsschrift. 1896, 1, ZDB-ID 517218-4). Bachem, Köln 1896.
  • Aus den Tagen Bonifaz VIII. Funde und Forschungen (= Vorreformationsgeschichtliche Forschungen. Bd. 2, ZDB-ID 528184-2). Aschendorff, Münster 1902, Digitalisat.
  • Papsttum und Untergang des Templerordens (= Vorreformationsgeschichtliche Forschungen. Bd. 4–5, ZDB-ID 528184-2). 2 Bände (Bd. 1: Darstellung. Bd. 2: Quellen.). Aschendorff, Münster, 1907, Band 1 und 2, Digitalisat.
  • als Herausgeber: Acta Aragonensia. Quellen zur deutschen, italienischen, französischen, spanischen, zur Kirchen- und Kulturgeschichte aus der diplomatischen Korrespondenz Jaymes II. (1291–1327). 3 Bände. W. Rothschild, Berlin u. a. 1908–1922, Band 1 und 2, Digitalisat, Band 3, Digitalisat des Neudrucks mit eingearbeiteten Nachträgen und Ergänzungen. Scientia, Aalen 1966, (dazu: Heinrich Finke: Nachträge und Ergänzungen zu den Acta Aragonensia (I–III). Teil 1.[10] In: Spanische Forschungen der Görresgesellschaft. 1. Reihe: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens. Bd. 4, 1933, ZDB-ID 503910-1, S. 355–5

Literatur

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Finke, Heinrich. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 33.
  • Josef Hermann Beckmann: Verzeichnis der Schriften Heinrich Finkes. In: Historisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft. Bd. 55, 1935, S. 466–477.
  • Gabriel Cercel: Zur Entstehung einer phänomenologischen Hermeneutik der Geschichte. Heinrich Finke und Martin Heidegger (1911–1933). In: Heidegger Studies. Bd. 27, 2011, ISSN 0885-4580, S. 119–136, doi:10.5840/heideggerstud2011276.
  • Odilo Engels: Finke, (Johannes) Heinrich, Historiker. In: Bernd Ottnad (Hrsg.): Badische Biographien. Neue Folge, Band 2. Stuttgart, Kohlhammer 1987, ISBN 3-17-009217-0, S. 87–89.
  • Victor Farías: Heidegger und der Nationalsozialismus. Aus dem Spanischen und Französischen übersetzt von Klaus Laermann. Mit einem Vorwort von Jürgen Habermas. S. Fischer , Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-10-020402-6, S. 93–102: Von Freiburg nach Marburg.
  • Ansgar Frenken: Die Erforschung des Konstanzer Konzils (1414–1418) in den letzten 100 Jahren (= Annuarium Historiae Conciliorum. Jg. 25, Heft 1/2). Schöningh, Paderborn 1993 (1995), ISBN 3-506-59462-1, S. 17–89: Heinrich Finke und seine „Freiburger Schule“. (Zugleich: Köln, Universität, Dissertation, 1994).
  • Ansgar Frenken: Zwischen vorsichtiger Annäherung und partieller Resistenz. Die Görres-Gesellschaft im Dritten Reich. In: Hartmut Lehmann, Otto Gerhard Oexle (Hrsg.): Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften. Band 1: Fächer – Milieus – Karrieren (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 200). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-35198-4, S. 371–415.
  • Ansgar Frenken: Heinrich Finke, der Nationalsozialismus und die Zwangsauflösung der Görres-Gesellschaft. In: Historisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft. Bd. 118, 1998, S. 287–303.
  • Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Band 3: Von der badischen Herrschaft bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-0857-3.
  • Hermann Heimpel: Heinrich Finke: Ein Nachruf. In: Historische Zeitschrift. Bd. 160, Heft 3, 1939, S. 534–545 (Wiederabdruck als: Heinrich Finke, ein Nachruf (HZ 160.1939); Heinrich Finke in der Erinnerung. In: Hermann Heimpel: Aspekte. Alte und neue Texte. Herausgegeben von Sabine Krüger. Wallstein-Verlag, Göttingen 1995, ISBN 3-89244-095-6, S. 186–201).
  • Bettina Horten: Heinrich Finke als Historiker der Vorreformation. Innsbruck 1966 (Innsbruck, Universität, Dissertation, vom 16. Juni 1966).
  • Marco Leonardi: Heinrich Finke in Freiburg (1899–1938): Hauptstation eines Gelehrtenlebens. In: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. Bd. 131, 2012, ISSN 1434-2766, S. 141–155.
  • Rudolf Morsey: Görres-Gesellschaft und NS-Diktatur. Die Geschichte der Görres-Gesellschaft 1932/33 bis zum Verbot 1941. Schöningh, Paderborn u. a. 2002, ISBN 3-506-75779-2.
  • Hugo Ott: Martin Heidegger. Unterwegs zu seiner Biographie. Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1988, ISBN 3-593-34035-6, S. 77–119.
  • Johannes SpörlFinke, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, S. 162 (Onlinefassung).
  • Sigfrid Steinberg (Hrsg.): Die Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Band 1. Meiner, Leipzig 1925, S. 91–128: Heinrich Finke.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hugo Ott: Martin Heidegger. Unterwegs zu seiner Biographie. Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1988, ISBN 3-593-34035-6, S. 86 f.
  2. Hugo Ott: Martin Heidegger. Unterwegs zu seiner Biographie. Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1988, ISBN 3-593-34035-6, S. 94
  3. Rede des Prof. H. Finke beim zweiten vaterländischen Abend in Freiburg i. Br. am 11. Oktober 1914, Freiburg 1914, S. 1.
  4. Deutsche Zukunftsfragen, in: Kraft aus der Höhe. Ein Pfingstgruß ehemaliger und jetziger Professoren an ihre Kommilitonen im Felde, hrsg. von Heinrich Finke, Kempten, Kösel 1915, S. 231 f.; gleichlautend noch in Immatrikulations-Rede zum Kriegsschluß, geh. am 20. Dezember 1918, Freiburg, Poppen & Ortmann 1918, S. 12
  5. Unseren Gefallenen zum Gedächtnis, Rede gehalten am 29. März 1919 in der Aula der Universität Freiburg i. Br. vom Rektor Geheimrat Prof. Dr. Heinrich Finke, Freiburg, Herder 1919, S. 23.
  6. 6,0 6,1 Schönere Zukunft, zugleich Ausgabe von „Das Neue Reich“ Nr. 2/3, Wien 1934, S. 39–41; 67–69
  7. zitiert in: Ansgar Frenken: Heinrich Finke, der Nationalsozialismus und die Zwangsauflösung der Görres-Gesellschaft. In: Historisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft. Bd. 118, 1998, S. 292 Anmerkung 26; vgl. „Freiburger Zeitung“, 9. Oktober 1933 Digitalisat
  8. vgl. „Freiburger Zeitung“, 14. Juni 1935, Abendausgabe (Digitalisat)
  9. Mehr nicht erschienen.
  10. Mehr nicht erschienen.


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