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Heidenröslein

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Das „Heidenröslein“ (Originaltitel) oder „Heideröslein“ ist eines der bekanntesten und volkstümlichsten Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe. Es wird auch als populäres Volkslied gesungen und wurde von vielen Komponisten, darunter Franz Schubert, vertont.

Entstehung

Das Gedicht basiert auf einem Lied aus dem 16. Jahrhundert. Es wurde 1773 in den Blättern von Deutscher Kunst und Art als „Fabelliedchen“ sowie von Johann Gottfried Herder 1778 mit dem Quellenhinweis „aus der mündlichen Sage“ in seiner Sammlung Stimmen der Völker in Liedern veröffentlicht.[1] Goethe verfasste seine Fassung während seines Studienaufenthaltes in Straßburg um 1770. Zu dieser Zeit hatte der 21-jährige Goethe eine kurze, aber heftige Liebschaft mit der elsässischen Pfarrerstochter Friederike Brion, an die auch das Gedicht gerichtet war. Gemeinsam mit anderen an Brion gerichteten Gedichte und Liedern (Mailied u.a.) wird das „Heidenröslein“ zur Gruppe der „Sesenheimer Lieder“ gezählt.

Vertonungen

Das „Heidenröslein“ hat drei Strophen zu je sieben Zeilen in vierhebigen Trochäen, wobei sich die letzten beiden Zeilen liedtypisch in jeder Strophe wiederholen. Bei fast allen musikalischen Vertonungen des Gedichts sind Melodie und Begleitung der drei Strophen gleich, weswegen man das vertonte „Heidenröslein“ zu den Strophenliedern zählt.

Der Komponist Franz Schubert hat in seiner Vertonung dieses doppeldeutige Gedicht mit einem kleinen Nachspiel konzipiert; es ist neben dem „Lindenbaum“ das wohl bekannteste Lied von Schubert.

Neben Schuberts Version gibt es sehr viele Melodien anderer Komponisten zu diesem Gedicht. Die populärste und noch heute als Volkslied sehr oft gesungene stammt von Heinrich Werner aus Kirchohmfeld. Am 20. Januar 1829 wurde seine Liedfassung im Konzert der Braunschweiger Liedertafel, die er als Dirigent leitete, zum ersten Mal vorgetragen.

Auch Franz Lehár vertonte den Text in seiner Operette Friederike, die Goethes elsässische Jugendliebschaft zum Thema hat.

Liedtext (nach der Ausgabe letzter Hand 1827)

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: „Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!“
Röslein sprach: „Ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.“
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Interpretationsmöglichkeiten

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Das Gedicht Goethes lässt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu:

Unter anderem kann man darin das stürmische Liebesverlangen eines Jünglings zu einem schönen Mädchen erkennen. Er erweckt ihre Gegenliebe, verlässt sie dann jedoch und bricht ihr damit dauerhaft das Herz. Die Zeilen „Röslein sprach: Ich steche dich, dass du ewig denkst an mich.“ und „Röslein wehrte sich und stach“ lassen die Ansicht zu, dass sie sich an ihm gewaltsam für seine Untreue rächt. Ebendiese Zeilen widersprechen auch der einseitigen Deutung einiger Interpreten, die in dem Gedicht nur die verschlüsselte Vergewaltigung eines hilflosen Mädchens durch den Knaben, die jener mit Brachialgewalt („brach“) und gegen ihren Willen vollzieht, zu erkennen meinen.

Eine allgemeinere Interpretation ist eine thematisierte Verführung als Initiation des Weiblichen. Das „Röslein“ steht demnach symbolisch für eine junge Frau (oder ein Mädchen), die sich zunächst gegen die Nachstellung eines jungen Mannes standhaft zur Wehr setzt. Der „wilde Knabe“ bricht jedoch letztendlich die Moral d.h. ihre Jungfräulichkeit. Die junge Frau ist hin- und hergerissen, aber sie ergibt sich schließlich ihrer Leidenschaft – teils mit, teils gegen ihren Willen („Und ich will's nicht leiden“ im Sinne von „es soll mir nicht leid tun“). Sie geht damit den ihr vom Schicksal vorbestimmten Weg vom jungen Mädchen zur Frau.

„Leiden“ kann dabei gemäß altem Sprachgebrauch auch als „lieben“ („ich kann Dich leiden“) gedeutet werden, oder aber als das Leid über den Verlust der eigenen Kindheit, oder gar als das Geburtsleiden im Vorgriff auf ihr eigenes Erwachsenenleben als werdende Mutter (das „Weh“ d.h. die Wehen bei zukünftigen Geburten ihrer Kinder) gesehen werden.

Die sexuelle Metaphorik des Liedes ist bereits in seinem Titel angelegt, der zur Entstehungszeit der Vorlage im 16. Jahrhundert einen Doppelsinn hatte, den Goethe noch herausgehört haben dürfte, auch wenn er modernen Sprechern der deutschen Sprache nicht mehr offensichtlich ist. Das "Heidenröslein" ist nämlich eine frühneuhochdeutsche Umformung des mittelhochdeutschen Wortes "Heidruose", wie es zum Beispiel bei Wolfram von Eschenbach auftaucht. "Heidruose“ aber hat weder mit Heide noch mit Rose zu tun, sondern heißt soviel wie Hegedrüse, sprich Hoden. Der vergiftete Speer, der König Anfortas im Roman Parzival die "Heidruose" verletzt, entmannt ihn, nimmt ihm die Zeugungskraft. Goethe spielt mit diesem Doppelsinn zugleich auch auf die vom Mittelalter bis zu seiner Zeit gebräuchliche Strafe für Vergewaltigung an, nämlich die Kastration. Insofern legt bereits der Titel eine Interpretation des Geschehens als Vergewaltigung nahe, auch wenn die harmlosere Lesart als freiwilliges Schäferstündchen nicht ausdrücklich ausgeschlossen wird.

Adaptionen

Die New Yorker Sängerin Helen Schneider sang das Lied 1978 in der Fernsehsendung „Bios Bahnhof“. Aufmerksamkeit erregte sie neben ihrer besonderes einfühlsamen Interpretation auch, weil sie ein klassisches deutsches Lied vortrug, obwohl Mitglieder ihrer Familie während des Holocaust in Deutschland ermordet wurden.

Die deutsche Rockband Rammstein thematisiert im Lied „Rosenrot“ das Gedicht „Heidenröslein“ und lehnt sich an manchen Stellen eng an dieses an. Im Unterschied zum Original – so lautet eine der möglichen Interpretationen – genießt die Frau die Hingabe und die Bemühungen des Mannes, während dieser beim Scheitern große Schmerzen erleiden muss.

Die japanische Sängerin Shiina Ringo veröffentlichte das Heideröslein – von ihr auf Deutsch gesungen – auf ihrem Album Utaite Myouri aus dem Jahr 2002.

Eine weitere recht eigenwillige Interpretation im Boogie-Woogie-Stil findet sich auf dem Album „ich denke also sing ich – unterwegs“ von Bodo Wartke.

Der Hamburger Musiker Achim Reichel veröffentlichte 2006 auf seinem Album Volxlieder eine Fassung des Liedes unter dem Titel Röslein auf der Heiden, musikalisch angeregt von Heinrich Werners Vertonung.

Die deutsche Sängerin Cristin Claas veröffentlichte das Lied „Röslein“ auf dem Album „In The Shadow Of Your Words“ im Jahr 2007.

Die deutsche Mittelalter-Metal-Band Rabenschrey schrieb das Lied "Röselein", was ebenso an Goethes Gedicht angelehnt ist.

Weblinks

 Wikisource: Heidenröslein – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Anhang von Hans Marquardt zu Herder, Johann Gottfried: Stimmen der Völker in Lieder, Berlin 1978, S. 293.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Heidenröslein aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.