Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Haus des Otto Kleinlogel (Heilbronn)

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Datei:August Dederer, Fassadenansicht zur Neugestaltung 1902 (Heilbronn, Kaiserstr. 5).jpg
Zeichnung von 1902, Haus Otto Kleinlogel Heilbronn, Stadtarchiv Heilbronn
Datei:Heilbronn-Kleinlogel-Stotz1910-s10.jpg
Haus Kaiserstraße 5 im Jahr 1910
Datei:Heilbronn-Kleinlogel-Detail.jpg
Heilbronn, Gerberstraße, Wandgemälde von Ernst Bader am Haus Otto Kleinlogel

Auf dem Grundstück Kaiserstraße 5 in Heilbronn standen im Laufe der Geschichte mehrere Gebäude. In der südöstlichen Hälfte befand sich die 1300 errichtete St.-Johannes-Kapelle, während sich in der nördlichen Hälfte der 1480 aufgelassene und im 16. Jahrhundert abgegangene Kirchhof der St.-Johannes-Kapelle und des Katharinenspitals sowie ein Haus des Spitals befanden. Das letztere wurde um 1529 zur Elendenherberge umgebaut und für einen Neubau im Jahre 1549 abgebrochen, das als städtisches Armen- bzw. Waisenhaus diente. Ab 1836 befand sich hier der Gasthof zum Hirsch, ab 1902 ein Wohn- und Geschäftshaus für Otto Kleinlogel erbaut nach Entwürfen des Architekten August Dederer, geschmückt mit Malereien von Ernst Bader und einer Jugendstilausstattung von August Stotz & Söhne. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde 1955 wiederum für Kleinlogel ein Wohn- und Geschäftshaus nach Entwürfen von Kurt Marohn errichtet.

Geschichte

Anfänge

In der südöstlichen Hälfte der Kaiserstraße 5 wird die vor 1300 errichtete St.-Johannes-Kapelle vermutet.[1][2][3][4][5][6][7][8][9][10][11] In der nördlichen Hälfte der Kaiserstraße 5 befand sich der Kirchhof der St.-Johannes-Kapelle und des Katharinenspitals sowie ein Haus des Spitals. Der Kirchof wurde 1480 aufgelassen und ist im 16. Jahrhundert abgegangen.[12][13][14][15]Das Haus wurde 1529 zur Elendenherberge oder Seelhaus umgebaut. 1549 bestimmte der Heilbronner Stadtrat einen Neubau an derselben Stelle, der noch im Jahr 1685 erwähnt wurde. Das Gebäude diente als Armen- bzw. Waisenhaus.[16][17][18]



Der Wegweiser für die Stadt Heilbronn aus dem Jahre 1836 erwähnt den Gasthof zum Hirsch an der Stelle der Kapelle.[19] Später ließ Friedrich Dederer, ein Kaufmann, Umbauten am Haus vornehmen. Eine bedeutende städtebauliche Änderung ergab sich im späten 19. Jahrhundert, als man die neue Neckarbrücke erbaute und die vormalige Kramstraße bis 1897 zur durchgängigen Kaiserstraße in ihrem heutigen Verlauf ausbaute. Das Gebäude an der Kaiserstraße 5 lag damit an der neuen Hauptverkehrsachse der Stadt.

Otto Kleinlogel (1901+1955)

Otto Kleinlogel ließ 1901 ein Gebäude nach Entwürfen des Heilbronner Architekten August Dederer (1858–1903) errichten, der auch Entwürfe zu den denkmalgeschützten Gebäuden Herbststraße 8, Silcherplatz 6, Uhlandstraße 70, Wilhelmstraße 52, 54, 56 und 58 geliefert hatte.[21][22][23]Künstlerisch ausgestattet wurde das Haus vom Maler Ernst Bader, der auch viele weitere Werke in anderen Geschäftshäusern schuf, so im Käthchenhaus, im Saalbau der Brauerei Cluss, Wandbilder in der Altdeutschen Bierstube (Rathausgasse 3 und 5), sowie in den Villen A. Knorr, C. Knorr, Teufel, Dittmar, Cluß, Tscherning sowie Faißt. Am Geschäftshaus Otto Kleinlogel schuf er ein großes Wandgemälde mit dem Firmennamen an der Außenfassade zur Gerberstraße hin.[24]Um 1910 wurden von August Stotz & Söhne sechs Schaufenster sowie eine Türe eingebaut. Das Werk sei laut Erwin Mehne dem Jugendstil zuzuschreiben.[25][26]

Im 2. Weltkrieg zerstört, wurde 1955 ein sechsgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus am alten Platz (Kaiserstraße 5) nach Entwürfen des Architekten Kurt Marohn errichtet.[27] Alfred Naleppa eröffnete am 2. Januar 1956 sein Fotogeschäft im Haus Kaiserstraße 5.[28]Am 15. Dezember 1956 eröffnete das Geschäft des Unternehmens Otto Kleinlogel wieder im angestammten Haus. Geschäftsinhaberin war dabei Ilse Kleinlogel (* 28. März 1908; † 20. Februar 2013, verheiratet mit Erik Beutinger). Bis dahin hatte Kleinlogel 10 Jahre lang ihr Geschäft unter einem schrägen Notdach im beschädigten Gebäude des evangelischen Jugendheims an der Klarastraße 19 u. U. / Ecke Wollhausstraße gehabt, dessen Foto auch als Titelbild von Uwe Jacobi verwendet wurde.[29][30][31]

Das Gebäude ist ein etwa quadratischer fünfgeschossiger Bau mit Flachdach, der direkt an das Gebäude der HypoVereinsbank anschließt (Stand 2014).

Einzelnachweise

  1. Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Bd. 8.: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 113 [78 Johannes-Kapelle, abgegangen, ...].
  2. Helmut Schmolz: Heilbronn. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg - Erläuterungen. Beiwort zur Karte IV, 8: Grundrisse mittelalterlicher Städte III, Stuttgart 1976, 7-10, hier 10 Nr. 21.
  3. Helmut Schmolz: Grundprobleme der frühen Geschichte der Stadt Heilbronn. In: Historischer Verein Heilbronn 27, 1973, SS. 45-64, hier S. 59.
  4. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild - Fotos von 1860 bis 1944. Band 1, Weißenborn 1966, Nr. 37.
  5. Wilhelm Steinhilber: Das Gesundheitswesen im alten Heilbronn. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Band 4.) Heilbronn 1956, Anhang: Stadtgrundriß-Rekonstruktion Nr. 60.
  6. Hans-Gert Oomen: Der karolingische Königshof Heilbronn. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Band 18.) Heilbronn 1972, S. 95, S. 97 mit abweichender Lokalisierung der Kapelle im Norden der Johannesgasse.
  7. Gertrud Rücklin: Religiöses Volksleben des ausgehenden Mittelalters in den Reichsstädten Hall und Heilbronn. (= Historische Studien, Band 226.) Berlin 1933, S. 9, S. 74.
  8. Das Heilbronner "Alte Spital", Modell von Wilhelm Rieth (gefertigt 1973). In: Schwaben und Franken. Heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme. 19. Jahrgang, Nr. 11, Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 10. November 1973, S. 3f.
  9. Eugen Knupfer: Urkundenbuch der Stadt Heilbronn 1. Band, Württembergische Geschichtsquellen 5, Stuttgart 1904, Nr. 193.
  10. Franz J. Bendel:Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 2, 1934, I-XXX, S. 1-46, hier S. 13.
  11. Krusemark: Aus dem ältesten Jahrgang der Heilbronner Tageszeitung (Quelle: Heilbronner Heimatblätter 1938). In: Schwaben und Franken. Heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme. 17. Jahrgang, Nr. 17, Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 10. Juli 1971, S. 4f.
  12. Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Bd. 8.: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 127 [147 Friedhof beim Spital/St. Johannes-Friedhof, abgegangen, Nordhälfte Kaiserstraße 5 und Straßenbereich]
  13. Wilhelm Steinhilber: Das Gesundheitswesen im alten Heilbronn. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Band 5.) Heilbronn 1956, S. 238, 242, 279, 351 f.
  14. Helmut Schmolz: Heilbronn. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg - Erläuterungen. Beiwort zur Karte IV, 8: Grundrisse mittelalterlicher Städte III, Stuttgart 1976, 7-10, hier 10 Nr. 22.
  15. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild - Fotos von 1860 bis 1944. Band 1, Weißenborn 1966, Nr. 37: benutzt bis zur Reformation.
  16. Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Bd. 8.: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 128 [155 Elendenherberge III/Seelhaus, abgegangen, nördlicher Teil der Kaiserstraße 5 und anschließender Straßenbereich]
  17. Wilhelm Steinhilber: Das Gesundheitswesen im alten Heilbronn. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Band 5.) Heilbronn 1956, S. 230, 238, 276 ff., 279, 337 f., 31 f.
  18. Wilhelm Steinhilber: Die Lepra und das städtische Leprosorium im alten Heilbronn. In: HVH 21, Heilbronn 1954, S. 74-112, hier S. 103 (16).
  19. Maximilian Müller: Wegweiser für die Stadt Heilbronn. Heilbronn 1836, S. 30, S. 34.
  20. Jahrbuch für schwäbisch-fränkische Geschichte, Historischer Verein Heilbronn, Band 27/1973: Helmut Schmolz:Grundprobleme der frühen Geschichte von Heilbronn Beschriftung der Abbildung Nr. 30 auf der Rückseite der ersten gefalteten DIN-A4-Seite im Buch
  21. Denkmaltopographie Baden-Württemberg. Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 99, 127, 132, 139, 272:Lebensdaten von August Dederer auf S. 272. August Dederer lebte lt. Denkmaltopographie Stadt Heilbronn (S. 272) von 1858 bis 1903.
  22. Daten nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur A034-2840, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=79469 in der Datenbank HEUSS: „Kaiserstraße 1a und 5 (früher Gerberstraße 1 und 3)… Friedrich Dederer, Kaufmann, Umbauten, Otto Kleinlogel (bzw. dessen Erben), Kaufmann, Neubau Magazingebäude an der Gerberstraße zusammen mit Otto Kämpff 1901 (Architekt August Dederer), Umbauten “
  23. Erwin Mehne (Hrsg.): Schmiedekunst um die Jahrhundertwende in Heilbronn. Heilbronn 1989. (Prospekt der Fa. August Stotz & Söhne (ca. 1910)) in der Datenbank HEUSS: Erwin Mehne erwähnt ebenso August Dederer als Architekten des Hauses (genauso wie die Bauakten HN)).
  24. Daten nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur A034-2862, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=103674 in der Datenbank HEUSS Rechnung von O. Kleinlogel, 1911.
  25. A. Landerer (Druck) :Werbebroschüre mit Abbildungen von Arbeiten der Fa. August Stotz Söhne aus den Jahren 1905-1910, 1910/1912,[1], S. 10 Schaufenster-Konstruktionen. Otto Kleinlogel, Heilbronn a. N. Architekt Aug. Dederer, Heilbronn a. N. auch bei Erwin Mehne: Schmiedekunst um die Jahrhundertwende in Heilbronn. Heilbronn 1989.
  26. A. Landerer (Druck) :Werbebroschüre mit Abbildungen von Arbeiten der Fa. August Stotz Söhne aus den Jahren 1905-1910, 1910/1912,[2], S. 16 Schaufenster-Konstruktionen
  27. Bernhard Lattner, Joachim Hennze: Stille Zeitzeugen. 500 Jahre Heilbronner Architektur. Edition Lattner, Heilbronn 2005, ISBN 3-9807729-6-9. S. 122: „In Heilbronn errichtete er 1955 die Neubauten der Firma Kleinlogel“.
  28. Alexander Renz:Chronik der Stadt Heilbronn 1952–1957, Band 35, 1996 Heilbronn, S. 311.
  29. Lebensdaten nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur ZS-1187, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=22236 in der Datenbank HEUSS
  30. Alexander Renz:Chronik der Stadt Heilbronn 1952–1957, Band 35, 1996 Heilbronn, S. 398.
  31. Uwe Jacobi:Lebensgefühl einer Generation. Die 50er Jahre in Heilbronn und der Region, 2. Band, Wartberg-Verlag 2004, Titelbild und S. 37.
49.1424569.216816