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Hartmut Pulmer

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Hartmut Pulmer (geb. 9. November 1908 in Königsberg in der Neumark; gest. 1978 in Bensheim) war ein deutscher Jurist, SS-Obersturmbannführer und Gestapomitarbeiter.

Leben

Pulmer studierte Rechtswissenschaft und wurde1933 Mitglied der SS (Mitgliedsnr. 178 784). Nach dem Studium wurde er Gestapobeamter und war ab 1938 bei der Staatspolizeistelle Tilsit Stellvertreter des dortigen Stapoleiters Heinz Gräfe.[1]

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörte er einem Einsatzkommando der Einsatzgruppen während des Polenfeldzuges an. Anschließend leitete er ab Anfang 1940 die Staatspolizeistelle Zichenau im Grenzgebiet zu Polen.[2]

Ab Januar 1943 war Pulmer Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) in Rennes.[1] Aufgrund seines harten Vorgehens gegen die Résistance, verstärkte sich in seinem Einzugsbereich der bewaffnete französische Widerstand.[3] Im April 1944 wurde Pulmer zum SS-Obersturmbannführer befördert. Der NSDAP (Mitgliedsnr. 5.487.085) trat er erst während des Zweiten Weltkrieges bei.[4]

Im November 1944 wurde Pulmer Leiter der Staatspolizeileitstelle Nürnberg und im Januar 1945 dort KdS.[1] Kurz vor der Befreiung Nürnbergs durch die US-Armee gab Pulmer noch die Weisung ausländische Zwangsarbeiter zu erschießen.[5]

Danach tauchte er mit einem gefälschten Soldbuch unter und konnte sich so einen später einen Personalausweis auf den Namen Hans Petersen besorgen. Pulmer lebte mit seiner Familie unter Falschnamen in Bensheim und war dort als Angestellter tätig. Nachdem er 1965 bei der Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen schriftlich angezeigt wurde, wurden die erstmals 1948 eingeleiteten Ermittlungen gegen ihn wieder aufgenommen. Ein Verfahren wegen Personenstandsfälschung wurde gegen eine Geldstrafe in Höhe von 150 DM eingestellt. Pulmer war ab 1969 Rentner. Wegen seiner Tätigkeiten zur NS-Zeit begann 1974 zunächst vor dem Landgericht Gießen ein Verfahren zum Tatkomplex Vergehen von Angehörigen der Staatspolizeistelle Zichenau gegen Pulmer und weitere ehemalige Gestapomitarbeiter dieser Dienststelle. Pulmer schied bereits am ersten Verhandlungstag aus dem Verfahren aus, da ihm Verhandlungsunfähigkeit attestiert wurde. Pulmer starb 1978 in Bensheim.[6]

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Klaus-Michael Mallmann, Jochen Böhle und Jürgen Matthäus: Einsatzgruppen in Polen: Darstellung und Dokumentation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Stuttgart 2008, S. 157
  2. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg - Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, München 2007, S. 65
  3. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg - Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, München 2007, S. 66
  4. Hartmut Pulmer auf www.dws-xip.pl
  5. Bernhard Brunner: Der Frankreich-Komplex. Die nationalsozialistischen Verbrechen in Frankreich und die Justiz der Bundesrepublik Deutschland. Wallstein, Göttingen 2004, S. 157
  6. Bernhard Brunner: Der Frankreich-Komplex. Die nationalsozialistischen Verbrechen in Frankreich und die Justiz der Bundesrepublik Deutschland. Wallstein, Göttingen 2004, S. 157ff.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hartmut Pulmer aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.