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Harry Valérien

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Harry Valérien (* 4. November 1923 in München; † 12. Oktober 2012 auf dem Weg nach Berg am Starnberger See) war ein deutscher Sportjournalist und Autor, der vor allem als Mitbegründer und Moderator der Fernsehsendung Das aktuelle Sportstudio bekannt wurde. Ab 1952 berichtete er über mehr als vier Jahrzehnte hinweg von Olympischen Spielen. Seine Spezialgebiete waren Wintersport, Schwimmen und Golf.

Leben und Wirken

Valérien hatte drei jüngere Geschwister. Als er 14 Jahre alt war, kam die Mutter kurz vor dem Zweiten Weltkrieg bei einem Autounfall ums Leben. Sein Vater, ein Pressefotograf, starb ein Jahr später an einer Herzkrankheit. So wuchs er mit seinen drei Geschwistern beim Großvater auf. Dieser steckte ihn in eine Lehre bei einem Mechaniker. Als Geselle arbeitete er dann in einem „kriegswichtigen Betrieb“. 1942 wurde er zum Kriegsdienst bei den Gebirgsjägern einberufen und geriet 1945 in amerikanische Gefangenschaft.

1946 besuchte er die Journalistischen Vorbildungskurse in München, eine von Otto Groth geführte Vorversion der Deutschen Journalistenschule.[1] 1947 machte Valérien zunächst ein Volontariat beim Münchner Merkur und arbeitete dort später als Redakteur. 1949 begann er zudem als Reporter für den Bayerischen Rundfunk zu arbeiten. 1952 kam der erste Höhepunkt in seiner Karriere, als der damals gerade erst 28-Jährige überraschend zu einem der vier deutschen Rundfunkreporter bei den Olympischen Winterspielen in Norwegen auserkoren wurde. Dabei wurde er den bislang als hochkarätig angesehenen Herbert Zimmermann vom NWDR, Ludwig Maibohm vom Hessischen Rundfunk, Gerd Krämer und Rainer Günzler vom Süddeutschen Rundfunk sowie Günther Jendrich vom Südwestfunk vorgezogen. Mit Ausnahme von 1956 war er fortan bis 1996 bei allen Olympischen Spielen als Kommentator für Hörfunk und Fernsehen dabei.

In späteren Jahren arbeitete er als Fernsehreporter auch beim ZDF, bei Sat.1 und Premiere. Rasch profilierte er sich als Spezialist für Skisport, Schwimmen und Golf. 1958 brachte ihm das sogar eine kleine Nebenrolle als Sportreporter im Skifilm Der schwarze Blitz mit dem damals populären Olympiasieger Toni Sailer ein.

Das Aktuelle Sportstudio im ZDF, das er mitbegründete, moderierte er von 1963 bis 1988 insgesamt 283 Mal. Zu seinem Markenzeichen wurden die von ihm bevorzugten bunten Pullover, vornehmlich in gelb. Immer wiederkehrend war die Frage „Auf welcher Kamera sind wir?“ – auf bairisch als „Wo simma? Wo samma? Do samma!“ vorgetragen – wenn er während der Live-Sendung moderierte. Er war geschätzt für Charme und Fairness. „Ich mach' keine Reportagen auf Kosten anderer, und auch bei Interviews soll keiner als Sieger oder Verlierer den Ring verlassen“, lautete sein Motto. "Er hakte nach, formvollendet im Ton, doch unerbittlich in der Sache“, schrieb Dieter Kürten, früher selbst Sportstudio-Moderator, einst über seinen langjährigen Kollegen.

Der in jenen Jahren sehr populäre Valérien präsentierte 1972 zusammen mit der vormaligen Miss World und damaligen Moderatorin des Bayerischen Rundfunks Petra Schürmann die weiland sehr hoch eingeschätzte Wohltätigkeitsveranstaltung Stars in der Manege aus dem Circus Krone von München, die über rund vierzig Jahre hinweg einen Höhepunkt des jährlichen Fernsehkalenders darstellte.

Beachtung fand auch seine 1979 ausgestrahlte dreiteilige Dokumentation über den seinerzeitigen Fußball-Bundestrainer Helmut Schön, die im Rahmen des zwischen 1963 und 1969 ausgestrahlten ZDF-Fixtums Der Sport-Spiegel gesendet wurde.

Als er 1983 ZDF-Sportchef werden sollte, lehnte Valérien ab: „Ich bleibe lieber Reporter, das sagt mir mehr zu als jede Verwaltung.“ In späteren Jahren berichtete Valérien auch gerne für Sat.1 und Premiere vom Golf. Dass er nicht nur sportlich beschlagen war, bewies Valérien unter anderem bei seinen Auftritten in der ZDF-Talkshow Live an der Seite von Amelie Fried, als Moderator des ZDF-Verkehrsmagazins Telemotor oder als Interviewer in der Reihe Sonntagsgespräch.

Valérien engagierte sich als einer der ersten gegen Doping im Sport und zählte neben Sportgrößen jeglicher Couleur auch Weltstars wie Bud Spencer als ehemaligen Schwimmer oder Elton John als Präsident eines englischen Fußballklubs zu seinen Gästen. Mit der Berichterstattung über Sportereignisse gab sich Valérien aber nicht zufrieden. Ein Ereignis von 1973 ging sogar in die Sportgeschichte ein, als er den Olympiadritten über 200 Meter Freistil, Werner Lampe, zu einem Wettschwimmen aufforderte. Valérien, damals mit knapp 50 Jahren mehr als doppelt so alt wie der 21-jährige Lampe, startete zum Vergnügen der Zuschauer mit Schwimmflossen – und schlug eine Zehntelsekunde vor dem Spezialisten an.

Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die er im Lauf der Jahre erhielt, gehören der Bambi, den er in den Jahren 1972, 1979, 1990 und 2005 erhielt, die Goldene Kamera, welche ihm in den Jahren 1965, 1976 und 1988 verliehen wurde, sowie 2004 der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten beim Bayerischen Fernsehpreis und 2009 der Herbert-Award für das Lebenswerk. 2002 wurde ihm der Bayerische Sportpreis in der Kategorie Herausragende Präsentation des Sports verliehen.

Valérien ist 2012 nach Darstellung seines Schwiegersohns auf der Rückfahrt von einem Treffen mit ehemaligen Kollegen und Skirennläufern in Oberaudorf nach Berg am Starnberger See auf dem Beifahrersitz im Auto „friedlich eingeschlafen und an Herzversagen gestorben“.[2][3]

Valériens Grab befindet sich auf dem Friedhof im Ortsteil Aufkirchen im oberbayerischen Berg am Starnberger See.[4]

Familie

Valérien lebte mit seiner Frau, der früheren norwegischen Skirennläuferin Randi, die sich seit Jahren international für nukleare Abrüstung und Montessori-Schulen einsetzt, am Starnberger See. Die gemeinsamen Töchter Tanja und Laila wurden 1962 bzw. 1964 geboren. Laila starb 2007 an Brustkrebs. Tanja ist mit dem Bergsteiger Stefan Glowacz verheiratet.

Werke

Valériens zahlreiche Bücher, die sportliche Themen teilweise auch aus ungewöhnlichem Blickwinkel beleuchten, wurden fast alle zu Bestsellern. Sofern in der Auflistung hinter dem Erscheinungsjahr ein * steht, könnte es sich um eine spätere Neuauflage handeln.

  • Christian Zentner und Harry Valérien: Olympia ’68: Südwest Verlag, München (1968)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Fußball ’70: Südwest Verlag, München (1970)
  • Harry Valérien: Olympia München 1972. München, Kiel, Sapporo: Südwest Verlag, München (1982*)
  • Harry Valérien: Fußball 74 – Weltmeisterschaft: Südwest Verlag, München (1974)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Olympia 1976. Montreal, Innsbruck: Südwest Verlag, München (1985*)
  • Harry Valérien: Fußball 78 – Weltmeisterschaft Argentinien: Südwest Verlag, München (1978)
  • Harry Valérien: Fußball ’80 – Europameisterschaft, Europapokale, Bundesliga: Südwest Verlag, München (1980)
  • Harry Valérien: Olympia ’80. Moskau und Lake Placid: Südwest Verlag, München (1982)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Fußball ’82. XII. Weltmeisterschaft vom 13. Juni bis 11. Juli 1982 in Spanien: Südwest Verlag, München (1984*)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Fußball ’84. V. Europameisterschaft vom 12. bis 27. Juni 1984 in Frankreich. Bundesliga-Pokale: Südwest Verlag, München (1986*)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Olympia ’84. Los Angeles, Sarajevo: Südwest Verlag, München (1986*)
  • Harry Valériens Sport-Reporte. Bilder, Ereignisse, Dokumente: Südwest Verlag, München (1985)
  • Fußball ’86. Weltmeisterschaft in Mexiko: (1986)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Fußball-EM ’88 Deutschland. VIII. Fußball-Europameisterschaft von 10. bis 25. Juni 1988: Südwest Verlag, München (1988)
  • Christian Zentner und Harry Valérien: Olympia 1988. Seoul, Calgary: Südwest Verlag, München (1988)
  • Harry Valérien: Golf, Faszination eines Weltsports: Südwest Verlag, München (1989)
  • Harry Valérien und Christian Zentner: Fußball-WM '90 Italien: Südwest Verlag, München (1990)
  • Harry Valérien: Olympia '92. Die Winterspiele Albertville: Südwest Verlag, München (1992)
  • Harry Valérien: Lillehammer '94. Das Olympiabuch: Sportverlag, Berlin (1994)
  • USA '94: Sportverlag, Berlin (1994)
  • Atlanta. Das Olympiabuch 1996: Sportverlag, Berlin (1996)

Auszeichnungen

Fernsehporträt

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Otto Groth: Das Nachwuchsproblem in Dietrich Oppenberg (Hrg.): Handbuch Deutsche Presse 1947. Reprint des Zeitungsteils, Econ Verlag, Düsseldorf 1996. ISBN 3-430-17288-8 (S.96-101)
  2. Harry Valérien an Herzversagen gestorben, Spiegel Online vom 13. Oktober 2012, abgerufen am 13. Oktober 2012.
  3. Zum Tode Harry Valériens: "Sappradi, Bursch!", Abendzeitung vom 14. Oktober 2012, abgerufen am 16. Oktober 2012.
  4. knerger.de: Das Grab von Harry Valérien
  5. zeit.de: Willy Bogner erhält Goldene Sportpyramide vom 31. Mai 2013, abgerufen am 6. Juni 2013


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Harry Valérien aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.