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Hans Serelman

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Hans Serelman
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Hans Serelman (18981944), Mediziner, Kommunist, Widerstandskämpfer

Leben

Viktor Hans Jakob Serelman wurde am 22. Juli 1898 in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren. Als Schüler engagierte er sich aktiv in der zionistischen Jugendbewegung Berlins. Ab Oktober 1917 diente er ein Jahr als Offizier der K.u.K.-Armee Österreich-Ungarns im 1. Weltkrieg.

Zwischen 1918 und 1925 wurde er an der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin und an der Berliner Charité zum Mediziner ausgebildet. Im Jahre 1925 folgten Approbation und Promotion. Nach dem 1. Weltkrieg wandte sich Serelman vom Zionismus ab und radikal dem Kommunismus zu. Im Jahre 1921 war er in der Kommunistischen Studentenbewegung der Berliner Universität aktiv. Im selben Jahr wurde er Mitglied der KPD und einiger ihrer Nebenorganisationen, 1923 Mitglied des Militärpolitischen Apparates.

In den Jahren 1926-1930 profilierte er sich in der Chirurgie als Assistenzarzt in verschieden Berliner Krankenhäusern. Als Schiffsarzt fuhr er 1929/30 für die Hapag bis nach Chile. Ab Dezember 1930 führte Serelman in Niederlungwitz/Sachsen eine eigene Praxis mit mittelchirurgischer Tätigkeit als niedergelassener Impf- und Schularzt.

In der Funktion des Agitationspropagandaleiters der illegalen KPD im Bezirk Glauchau, wurde er am 24. Juli 1934 durch die Gestapo verhaftet und für sieben Monate in die KZs Hohnstein und Sachsenburg verbracht. Zu seinen Mithäftlingen im KZ Sachsenburg gehörten u.a. Walter Janka (1914-1994), Hugo Gräf (1892-1958) und sein späterer Denunziant, der Chemnitzer Zahnarzt Ernst Cohn (1901-1944). Für die Gesundheitsversorgung seiner Mithäftlinge leistete er im KZ Sachsenburg als Häftlingsarzt eine unentbehrliche Arbeit. So operierte er z.B. den Mitgefangenen Alfred Röhricht (1904-1936) mehrfach unter einfachsten Bedingungen. Die Lagerärzte der SS zwangen ihn wegen seiner profunden chirurgischen Kenntnisse sogar den Lagerkommandanten zu operieren. Nach seiner „Beurlaubung“ aus dem KZ Sachsenburg, am 9. Februar 1935, wurde Serelman in Niederlungwitz von treuen Patienten „triumphal“ empfangen. Um einer erneuten Verhaftung zu entgehen, flüchtete er im September 1935 in die Tschechoslowakei und später nach Österreich.

Ab April 1937 diente Serelman freiwillig als einer von 38 deutschen, darunter acht jüdischen Ärzten, im Internationalen Sanitätsdienst auf Seiten der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Als Chirurg und als Leutnant für Agitprop diente er in verschiedenen Krankenhäusern und an der Front. Ab 1938 wuchs seine laute Kritik am Verhalten der Sowjetunion und an der Führung der KPČ so stark, dass er durch den kommunistischen Geheimdienst beobachtet wurde. Nach der Niederlage der Internationalen Brigaden wurde gegen ihn ein Parteiausschlussverfahren gestellt. Zwischen Februar 1939 und Mai 1943 war Serelman Gefangener der französischen Lager Gurs und le Vernet und fast ununterbrochen als Häftlingsarzt tätig. Zwischen November 1939 und Mai 1940 war er freiwillig im Sanitätsdienst der Französischen Fremdenlegion tätig.

Im Laufe des Sommers 1943 wurde Serelman verpflichtet in einer französischen Arbeitskompanie für Ausländer (GTE) zu dienen. Er flüchtete aus dieser Formation und versteckte sich bei einer protestantischen Familie im Bereich des südfranzösischen Jurançon. Ab Dezember 1943 war er als Arzt Mitglied der Résistance innerhalb einer kleinen Widerstandsgruppe (Maquis du Bager) um die Kleinstadt Oloron Sainte-Marie. In einem Gefecht gegen Truppen der SS fand er am 19. Juni 1944 den Tod. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Oloron Sainte-Marie. Serelman gilt nach aktuellem Wissensstand als einziger deutscher Arzt in der französischen Résistance.

Hinweis

Literatur

  • Konstantin Seifert, Mediziner, „Rassenschänder“, Interbrigadist …?: Hans Serelman – Der deutsche Arzt des Maquis, Berlin 2018