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Hans Kilian

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Hans Kilian (geb. 25. April 1921 in Barmen; gest. 30. März 2008 in München) war ein deutscher Mediziner, Psychoanalytiker und Professor für Sozialpsychologie und Angewandte Psychoanalyse.[1]

Leben

Hans Kilian wurde als Sohn eines Journalisten und einer Klavierlehrerin geboren. Der Vater erhielt 1933 Berufsverbot, worauf die Familie verarmte. Kilian studierte Medizin, zunächst in München, wo er mit der Widerstandsgruppe Weiße Rose verbunden war. (Christoph Probst war ein enger Freund.). Kriegsdienst bis 1945, dann Abschluss des Studiums in Paris. Kilian ging nach Deutschland zrück, verdiente den Unterhalt für sich und seine Eltern als Autor von Rundfunksendungen im Bayrischen Rindfunk unter Gerhard Szczesny. Noch 1969 und 1979 veranstaltete Kilian dort Sendereihen über sozialpsychologische Themen.

1953 promovierte er an der psychosomatischen Poliklinik der Universität München, deren Leiter er 1960 wurde. 1970 wurde er an der TU Darmstadt habilitiert, lehrte kurze Zeit an der Universität Göttingen, ehe er von 1971 bis 1984 Ordinarius für Sozialpsychologie und Angewandte Psychoanalyse an der neu gegründeten Gesamthochschule Kassel war. Er setzte sich dort für die Etablierung der Psychoanalyse in verschiedenen Studiengängen ein (insbesondere in der Lehrerbildung, der Sozialpsychologie und Sozialarbeit).

Am 26. August 1961 gehörte Hans Kilian zu den Gründungsmitgliedern der Humanistischen Union.

Unter dem Titel Psychogramm der Ereignisse veranstaltete Kilian an den Jahresenden 1972, 1973 und 1974 in Kooperation mit dem Dokumentarfilmer Bernd Dost psychoanalytisch orientierte Fernsehinterviews mit politischen Journalisten und anderen Prominenten, unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder, Uli Hoeneß, Gerd Bucerius, Bischof Kurt Scharf, Peter Merseburger und Peter von Siemens. [2] Zusammen mit Bernd Dost entstanden daneben 1973 die Filme Gesellschaftsspiel. Ein gruppendynamisches Experiment und Eros und Politik.

Im Jahr 1979 wurde Hans Kilian zum geschäftsführenden Direktor des von ihm mitbegründeten Wissenschaftlichen Zentrums für das Studium der Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosozialen Hygiene ernannt. Ziel dieses Zentrums war es, die psychische Entwicklung des Menschen im sozialen und kulturellen Kontext zu untersuchen. Dieses interdisziplinäre Anliegen Kilians wurde jedoch von vielen Kollegen abgelehnt und boykottiert. Im Zusammenhang damit trat Kilian 1984 vorzeitig in den Ruhestand.

Hans Kilians Lebensgefährtin war die Psychoanalytikerin Lotte Köhler, Stifterin des "Hans-Kilian-Preises".

Werk und Bedeutung

Hans Kilian arbeitete bis an sein Lebensende an seiner inter- und transdisziplinären Theorie der "metakulturellen Humanisation" und vernetzte dabei Begriffe und Modelle aus den Naturwissenschaften mit Erkenntnissen aus den Sozial- und Kulturwissenschaften, insbesondere der Psychologie und Psychoanalyse, der Soziologie, Sozial- und Kulturanthropologie sowie den Geisteswissenschaften.

Kilians "dialektische Anthropologie" versteht sich als Bindeglied zwischen Psychoanalyse und kritischer Gesellschaftstheorie. Kilian macht die Grenzen einer historisch unbewußten Psychoanalyse deutlich, die die Struktur des bürgerlichen Individuums mit der "Natur des Menschen" gleichsetzt und auf diese Weise scheitern muß angesichts der kollektiven Identitätskrise der ausgehenden spätbürgerlichen Kultur. Der erste Teil dieses Ansatzes wurde veröffentlicht in dem Buch Das enteignete Bewußtsein. Der Autor stellt darin den "Mittelbau" der unbewußten Strukturen menschlicher Selbststeuerung als einen zentralen Ort des historischen Wandels der Gegenwart dar.[3]

Die meisten seiner späteren wissenschaftlichen Texte, darunter auch das von der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung finanzierte, 1985 fertiggestellte Buchmanuskript Wertbewusstsein und Geschichte. Versuch einer Ortsbestimmung der Gegenwart aus der Sicht einer historischen Evolutionstheorie, wurden bisher nicht veröffentlicht.

Ein Hans-Kilian-Preis zur metakulturellen Humanisation wurde als internationaler Forschungspreis von der Köhler-Stiftung ausgeschrieben. Erster Preisträger war im Jahr 2011 Hartmut Böhme, Professor für Kulturtheorie und Mentalitätsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Veröffentlichung

  • Das enteignete Bewußtsein. Zur dialektischen Sozialpsychologie. Neuwied und Berlin 1971

Literatur

  • Lotte Köhler, Jürgen Reulecke, Jürgen Straub (Hrsg.): Kulturelle Evolution und Bewusstseinswandel / Die Erkenntnisschranken des reduktionistischen Menschenkenntnis. Hans Kilians historische Psychologie und integrative Anthropologie. Gießen 2011 ISBN 9783837921670 (mit Originaltexten Hans Kilians sowie der Videoaufzeichnung einer Rede Kilians als DVD)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lotte Köhler: Biografische Stationen Hans Kilians, in: Köhler/Reulecke/Straub (Hrsg.): Kulturelle Evolution und Bewusstseinswandel (Gießen 2011, Seite 13)
  2. DostFilme: Psychogramm der Ereignisse
  3. Christian Schultz-Gerstein: Das enteignete Bewußtsein (Rezension DIE ZEIT 08/1972)


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hans Kilian aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.