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Hans Hartmann (Offizier)

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Hans Hartmann (geb. 1896; gest. 1970 in Wolfratshausen) war ein deutscher Jurist, Offizier und Gerechter unter den Völkern.

Leben

Hartmann absolvierte in Frankfurt, Hannover, Göttingen und Marburg das Studium der Jurisprudenz. In diesen Städten wurde er Mitglied jeder einzelnen Studentenverbindung des Wingolfbundes[1], ehe er zur Wehrmacht eingezogen wurde.

Gerechter unter den Völkern

Im Ostfeldzug war Hans Hartmann 1942 im Rang eines Hauptmannes als einer der höheren Offiziere der Heereskraftfahrzeugseinheit 457 im Reparaturdepot im damaligen Lemberg stationiert. Lemberg verfügte über ein großes jüdisches Ghetto und das berüchtigte Zwangsarbeiterlager Janowska. Das Lager Janowska wurde zudem Durchgangslager und als Verteilerstelle für fünfzehn weitere Zwangsarbeitslager genutzt, die zum Bau einer Durchgangsstraße von Przemysl über Lwiw und Tarnopol in die Ukraine eingerichtet wurden. Bei den Massendeportationen ins Vernichtungslager Belzec wurde Janowska für viele Juden ab Juni 1942 zur letzten Zwischenstation vor ihrer Ermordung: Hier wurden die Opfer selektiert und nur einige wenige zur Zwangsarbeit zurückbehalten. In kaum einem anderen Zwangsarbeiterlager wurde die ‚Vernichtung durch Arbeit’ so explizit durchgeführt wie im Lager Janowska, kaum einer der jüdischen Häftlinge lebte länger als drei Monate. Ebenso erging es den ungefähr 400 internierten jüdischen Frauen. Hinzu kam der mehr als bestialische Lagerleiter Fritz Katzmann, der seinen Hass auf jüdische Menschen tagtäglich auslebte und dessen Opfer nie überlebten. Entsprechend agierte seine Wachmannschaft. War die Lage der Menschen im Ghetto von Lemberg schon äußerst prekär, so glich eine Überstellung ins Zwangsarbeiterlager Janowska als Todesurteil.

Im Februar 1942 wurden Vater und Sohn Goldberg vom Rest der Familie getrennt und vom jüdischen Ghetto ins berüchtigte Lager verbracht. Die Ehefrau und Mutter Gittel Goldberg blieb verzweifelt zurück. Die aus Thüringen stammende Frau flüchtete, entgegen aller Vorschrift, aus dem Ghetto und irrte tagelang durch die Straßen von Lemberg. Als Deutsche sprach sie zwar etwas Polnisch, doch das Russische beherrschte sie nicht. So sprach sie ausschließlich deutsche Uniformträger an, um sie um Hilfe zu bitten. Die meisten hörten ihr gar nicht zu, manche verhöhnten sie wegen ihres Anliegens, nur einer blieb stehen und hörte der verängstigen Frau mit dem Judenstern am Mantel aufmerksam zu, Hans Hartmann. Er machte sich Notizen, dafür wenig Worte. Für den nächsten Tag verabredete er sich mit Gittel Goldberg und überließ sie erst einmal sich selbst. Am gleichen Tag telefonierte er mit dem Lagerleiter Katzmann, doch dieser lehnte das Anliegen Hartmanns, die Goldbergs zu entlassen, rundweg ab. Auch ein weiteres Telefonat Hartmanns mit einer übergeordneten Stelle, mit dem SS-Obersturmbannführer Fritz Gebauer, verlief ergebnislos. Am nächsten Vormittag fuhr Hans Hartmann in einem Militärfahrzeug vor das Lager und nahm, durch seine militärischen Autorität, nach einigen Wortwechseln mit den Wachen am Haupttor, die Gefangenen Vater und Sohn Goldberg entgegen. Am verabredeten Ort traf er Gittel Goldberg, so dass diese ihren Mann und den 19jährigen Sohn in die Arme nehmen konnte. Als die Goldbergs Hans Hartmann zum Dank ein goldenes Pelikan-Schreibset schenken wollten, lehnte dieser dankend ab und sagte: „Behalten Sie es lieber für sich, es ist wahrscheinlich der letzte Wertgegenstand, den sie so noch haben.“ Damit trennten sich die Wege der Familie Goldmann und Hans Hartmann. Die SS befasste sich mit dem Fall Hartmann und so wurde dieser wenige Tage später in eine Reperatureinheit zu Rommels Afrikakorps strafversetzt. Dort überlebte er bis zum Ende des Krieges

Sowohl die Familie Goldmann wie auch Hans Hartmann überlebten die Kriegszeit und die Goldmanns machten auch ihren Retter in seiner Heimatstadt Wolfratshaus ausfindig. Sie standen in gutem brieflichen Kontakt, der leider abriss als die Goldmanns 1949 nach Israel emigrierten.

Hans Hartmann fühlte sich nie als Retter, aus seiner Sicht hatte er das getan, das seine menschliche Pflicht war, nicht mehr aber auch nicht weniger. Doch die Goldmanns wollten das nicht so stehen lassen, unter der Aktennummer 0008 erkannte Yad Vashem am 16. Juli 1963 Hans Hartmann als ‚Gerechten unter den Völkern’ an.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mitgliederverzeichnis des Göttinger Wingolf. Jahrgang 2007. S. 41.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hans Hartmann (Offizier) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.