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Hans Haffenrichter

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Hans Haffenrichter (* 31. August 1897 in Würzburg; † 22. Februar 1981 in Prien am Chiemsee) war ein deutscher Maler und Bildhauer.

Schreitender (1935)

Leben

Hans Haffenrichter war der Sohn eines Bruchdruckers.[1] Er begann nach der Schulzeit eine Mechaniker-Lehre in den Werkstätten der Universität Würzburg. Er war Wandervogel und studierte zunächst an der Kunstschule Nürnberg. Auf Anregung Wilhelm Uhdes ging er 1921 nach Weimar an das Bauhaus, wo er Malerei, Bildhauerei bei Oskar Schlemmer und Bühnenarbeit bei Lothar Schreyer studierte. Anschließend war er zwei Jahre lang Schüler von Einar Utzon-Frank in Kopenhagen und Gast an der Königlich Dänischen Kunstakademie. Er wurde Mitglied im Deutschen Werkbund und nahm 1923 an einer Ausstellung bei Herwarth Walden in der Sturm-Galerie in Berlin teil. Seine erste Publikation waren 16 Bildtafeln in einer Ausgabe des Cherubinischen Wandersmann von Angelus Silesius im Jahr 1924. Ab 1927 leitete er die von Edmund Kesting gegründete freie Kunstschule „Der Weg“ in Berlin und erhielt 1931 eine Professorenstelle für Kunst und Werkerziehung an der Pädagogischen Akademie in Elbing.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde Haffenrichter im September 1933 aus dem Staatsdienst entlassen. Haffenrichter unterlag in der Zeit des Nationalsozialismus keinem Berufsverbot, sondern er wurde in die Reichskulturkammer aufgenommen und er war Mitglied im Kampfbund für deutsche Kultur. Er konnte als freier Maler und Bildhauer in seinem Atelier in Berlin arbeiten und erhielt Aufträge für Porträtbüsten von NSDAP-Führern, so Adolf Hitler und Hermann Göring[2]. In der Zeitschrift Die Kunst im Deutschen Reich wurde in der Juliausgabe des Jahres 1940 die Bronzebüste Generalfeldmarschall Hermann Göring abgebildet.[1] Von Haffenrichter wurden auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Haus der Kunst wiederholt Plastiken ausgestellt, es sind mindestens 20 Postkartenmotive aus den Ausstellungen erhalten.[2][3] Allein 87 Bronzearbeiten gab er bei der Berliner Bildgießerei Hermann Noack in Auftrag.[2] Ob umgekehrt Werke Haffenrichters aus der Zeit der Weimarer Republik als entartet beschlagnahmt wurden und bei der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt wurden[4], läßt sich in der bei der Freie Universität Berlin geführten Datenbank und in der späteren Dokumentation der Ausstellung nicht nachweisen[5]. Gemäß der Leiterin der Städtischen Galerie Würzburg, Marlene Lauter, im Jahr 2010 im AKL-Eintrag war dies der Fall: 1937 wurden auf der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ in München Werke von H. gezeigt.[6]

Im Jahr 1936 illustrierte er ein der NS-Ideologie verhaftetes Buch von Siegfried von Sivers über das „tägliche Brot“. Während der Kriegsjahre 1943/44 wirkte Haffenrichter als dienstverpflichteter wissenschaftlicher Zeichner am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie bei einer Visualisierung atomarer und molekularer Strukturen mit.

Nach Kriegsende arbeitete Haffenrichter als Kunstlehrer an einer Schule der US-Armee in Heidelberg und leitete zwischen 1949 und 1952 die Abteilung Wandmalerei der Werkkunstschule Wiesbaden. Er erhielt 1955 und 1956 Aufträge für drei Glasmosaiken für das Mineralogisch-Petrologische Institut und Museum der Universität Bonn. Sein Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Vorgängen sicherte ihm Aufträge aus der Industrie. Glasfenster und Glasmosaiken schuf er auch für die Hamburgischen Electricitäts-Werke zu Themen der Elektrizität und 1961 für das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk in Essen. 1961 zog er nach Hittenkirchen an den Chiemsee. Die Städtische Galerie Würzburg widmete ihm 1974 eine Retrospektive. Erst im Jahr 2011 wurde in Würzburg realisiert, in welchem Umfang Haffenrichter von den bildhauerischen Aufträgen durch die nationalsozialistische Führung profitierte[2], was „die beschönigenden Darstellungen von R. Linnenkamp, M. Lauter und K. L. Weiner“ (Herbert Henck)[7] bis dahin verdeckt hatten.

Aus Haffenrichters erster Ehe mit Marie Elisabeth, geborene Thiele, gingen zwei Töchter hervor. Nach der Scheidung heiratete er die Sängerin Ursula Lohse (1905−1971).[8]

Schriften / Ausstellungskataloge (Auswahl)

  • Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann : Die "Geistreichen Sinn- u. Schlussreime" in inhaltlicher Ordnung. 16 Tafeln von Hans Haffenrichter. Nachwort von Walter Ehrenstein. Dresden : Falken-Verlag, 1924
  • Siegfried von Sivers: Unser täglich Brot. Lebensgeschichte des Roggens. Essen : Essener Verlagsanstalt, 1936, Illustrationen: Hans Haffenrichter
  • Malerei. Grafik. Plastik. Kunstausstellung Prien am Chiemsee 1968
  • Woher die Bilder kommen. Wien : Schwarcz, 1976
  • Hans Haffenrichter. München : Galerie Michael Pabst, 1987
  • Marlene Lauter: Spuren von Natur und Kosmos - Hans Haffenrichter - Malerei, Graphik, Plastik. Städtische Galerie Würzburg, 16. Mai bis 12. Juli 1992. Würzburg: Graphischer Betrieb Bonitas-Bauer, 1992
  • Hans Haffenrichter : Würzburg 1897 - 1981 Prien ; Retrospektive 100. Geburtstag des Bauhaus-Künstlers. München : Galerie Michael Pabst 1997

Literatur

  • Marlene Lauter: Haffenrichter, Hans. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 67, Saur, München 2010, S. 350 f.
  • Haffenrichter, Hans. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Bd. 6. E. A. Seemann, Leipzig 1962, S. 8
  • Haffenrichter, Hans. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Bd. 2. E. A. Seemann, Leipzig 1955, S. 351
  • Vorlage:DBE
  • Rolf Linnenkamp: Der Maler Hans Haffenrichter und das einheitliche ästhetische Feld. Mainfränkische Hefte 57, Würzburg 1972
  • Eckhard Neumann (Hrsg.): Bauhaus und Bauhäusler : Erinnerungen und Bekenntnisse. Erw. Neuausgabe 1985, Köln : DuMont, 1996 ISBN 3-7701-1673-9, S. 116–121
  • Herbert Henck: Hermann Heiß. Nachträge einer Biografie. Deinstedt: Kompost-Verlag, 2009. Kapitel Hans und Ursula Haffenrichter
  • Peter-Klaus Schuster [Hrsg.]: Nationalsozialismus und "Entartete Kunst" : die "Kunststadt" München 1937 ; [anläßlich der Ausstellung "Entartete Kunst": Dokumentation zum Nationalsozialistischen Bildersturm am Bestand der Staatsgalerie Moderner Kunst in München, veranstaltet von der Staatsgalerie Moderne Kunst, München, (27. 11. 1987 - 31. 1. 1998)]. 5., vollst. überarb. und erg. Aufl. Darmstadt : Wiss. Buchges. 1998

Weblinks

 Commons: Hans Haffenrichter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? Frankfurt am Main 2007, S. 190
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Christine Jeske: Der Hitler-Verdacht. Enthüllungen über Würzburger Künstler, Main-Post, 26. Mai 2011
  3. Postkarten, bei der Website Haus der Deutschen Kunst
  4. Zitat: Gleichwohl war er 1937 vertreten auf der Ausstellung „Entartete Kunst" in München, bei Hans Haffenrichter, website
  5. Beschlagnahmeinventar „Entartete Kunst“, Suchanfrage am 4. Dezember 2014
  6. Lemma Hans Haffenrichter im AKL, 2010, S. 351
  7. Herbert Henck: Hermann Heiß. Nachträge einer Biografie. Korrekturen und Ergänzungen zur ersten Auflage des Buches (2009)
  8. Lisa H. Löns, Elfriede Rotermund, Arno Bammé, Hans-Karl Schönhagen: Briefwechsel Lisa Löns und Elfriede Rotermund aus den Jahren 1922 bis 1955, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung, Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt "Literatur und Soziologie": H. 27, Klagenfurt 2008, S. 46


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