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Hans Frölicher

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Hans Frölicher (links) wird im März 1939 vom Kölner Oberbürgermeister Karl Georg Schmidt empfangen

Hans Frölicher (geb. 3. Dezember 1887 in Solothurn; gest. 30. Januar 1961 in Bern) war Schweizer Gesandter in Berlin während des Zweiten Weltkriegs (1938–1945).

Leben

Frölichers Haltung betreffend das Verhältnis des nationalsozialistischen Deutschland zur neutralen Schweiz wurde schon während des Krieges, dann aber wieder in den 1990er Jahren stark kritisiert. Der schweizerische Bundesrat Marcel Pilet-Golaz, der am 25. Juni 1940 in einer Rede, die er als Bundespräsident hielt, etliche Verwirrung stiftete – auch wegen in der deutschen Fassung der auf Französisch gehaltenen Rede besonders zweideutig formulierter Passagen –, galt damals beim Volk allgemein als Buhmann, der weitgehende Kompromisse mit Deutschland für wünschenswert hielt. Pilet-Golaz ging allerdings nicht so weit, wie dies Frölicher gewünscht hätte. Dieser hatte ihm am 10. Juni 1940 geschrieben, die schweizerische Neutralitätspolitik müsse sich künftig auf die Freundschaft mit Deutschland und Italien stützen, und vorgeschlagen, als erstes rasch jegliche Beziehung zum Völkerbund abzubrechen, was im Herbst auch die Eingabe der Zweihundert, schweizerischer Sympathisanten des Faschismus und Nationalsozialismus (siehe Frontenbewegung), verlangte.

Bei der Beurteilung der Haltung Frölichers muss aber darauf achtgegeben werden, dass seine Politik als Gesandter in Berlin nicht pauschal als Privatmeinung abgetan wird: Da ein Botschafter jeweils die offizielle Haltung und Politik seines Landes vertritt, müssen Frölichers Handlungen bis zu einem gewissen Grad mit seinem Auftrag als Botschafter in Berlin übereingestimmt haben, den er von der schweizerischen Landesregierung erhielt. Allerdings hat er bei seinen Lagebeurteilungen zuhanden der Schweizer Regierung klar auch persönlich gefärbte Einschätzungen vorgenommen. Diese deckten sich auch nicht mit der Haltung aller seiner Mitarbeiter. Insbesondere Dr. Max Grässli (1902–1985, als Handelsattaché in Berlin von 1936 bis 1941), und Dr. Alfred Escher (1906–1980, als Legationssekretär in Berlin von 1939 bis 1941), zeichneten sich durch eine wesentlich kritischere Einstellung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime aus.

Ortspläne aus den Jahren 1942 und 1965 deuten klar darauf hin, dass der Frölicherweg genannte Strassenzug in Solothurn etwa zur Zeit des Ablebens von Hans Frölicher erstellt wurde und damit wohl dieser national sehr umstrittenen Persönlichkeit und keinem anderen Frölicher gewidmet ist.

Literatur

  • Hans Frölicher: Meine Aufgabe in Berlin. Zur Erinnerung an Hans Frölicher, schweizerischer Gesandter in Berlin, 1938–1945. Privatdruck. Wabern bei Bern: Büchler, 1962.
  • Thomas Hürlimann: Der Gesandte. Zürich: Ammann, 1990.
  • Marc Perrenoud/AW: Frölicher, Hans im Historischen Lexikon der Schweiz
  • DDS, Bd. 13, Nr. 303: Hans Frölicher an den Vorsteher des EPD, M. Pilet-Golaz, 11. Juni 1940 (www.dodis.ch)
  • DDS, Bd. 13, Nr. 383 und 392: Hans Frölicher, an den Chef der AfA, P. Bonna, 17. September 1940 (3. Oktober 1940). (www.dodis.ch)

Weblinks


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