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Hans Bock (Funktionshäftling)

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Hans Bock (geboren 1901; gestorben im November 1943) war ein so genannter Berufsverbrecher, der nach dem Gewohnheitsverbrechergesetz des NS-Staates im KZ Sachsenhausen inhaftiert war. Er gehörte mit der Häftlingsnummer 5 zu den 30 deutschen Kriminellen, die am 20. Mai 1940 als erste Internierte in das neu errichtete KZ Auschwitz verlegt wurden, um dort für den Lagerbetrieb als Funktionshäftlinge verwendet zu werden.[1]

Im Stammlager führte Hans Bock als Kapo, Block- und erster Lagerältester des Häftlingskrankenbaus dort die Verwaltung und die Aufsicht. So war es ihm möglich, begehrte Posten innerhalb des Krankenreviers mit Personen seiner Wahl zu besetzen. Dieser Personenkreis soll sich ausschließlich aus jungen Männern zusammengesetzt haben, für die er eine Zuneigung gehegt haben soll.

Eine ärztliche Behandlung von Häftlingen durch andere fachkundige Gefangene war im Lager grundsätzlich untersagt. Nach den späteren Zeugenaussagen der internierten Mediziner Stanislaw Klodzinski und Władysław Fejkiel missachtete der morphinabhängige Hans Bock jedoch das Verbot, indem er bewusst die inhaftierten Ärzte praktizieren ließ.

Nach dem Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Danuta Czech wirkte Hans Bock bei der Hinrichtung von Häftlingen durch das Injizieren von Phenolspritzen mit. Am 14. August 1941 gab er dem Franziskanerpater Maximilian Kolbe und drei seiner Mitgefangenen eine tödliche Phenolinjektion[2], da diese nach vierzehn Tagen im Hungerbunker noch am Leben waren.

Laut dem Auschwitzüberlebenden Hermann Langbein wurde nach Bekanntwerden von Bocks Sucht und homosexuellen Beziehungen seitens der Politischen Abteilung gegen diesen ermittelt. Schließlich wurden die jungen Polen mit denen er eine Liebschaft hatte in Block 11 gesperrt und Bock selbst im Frühjahr 1943 als Blockältester nach Monowitz verlegt. Im November 1943 wurde er in das im Außenlager Lagischa verlegt, wo er Lagerältester des dortigen Häftlingskrankenbaus wurde.[3]

Mit der Einnahme einer Überdosis Morphium verübte Hans Bock vermutlich im November 1943 Selbstmord.

Literatur

Nachweise

  1. Transport 20.05.1940 Sachsenhausen (online)
  2. Italienische Übersetzung des Kalendariums als online-zugängliche Pdf-Version
  3. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz, Frankfurt am Main 1980, S. 249f.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hans Bock (Funktionshäftling) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.