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Handelshof (Königsberg)

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Früher Handelshof, heute Rathaus.


Der ehemalige Handelshof[1] am früheren Königsberger Hansaplatz / heute ploschtschad Pobedy 1 in Kaliningrad ist ein Kulturdenkmal.[2] Es dient heute als Kaliningrader Rathaus.

Lage und Umgebung

Das Gebäude wurde am ehemaligen Hansaplatz heute Ploschtschad Pobedy (russisch Площадь победы, deutsch: Siegesplatz) errichtet. Flankiert wird das Gebäude vom früheren Nordbahnhof . Andere Bauten sind der barocke Altbau des Land- und Amtsgerichtsgebäudes (heute KTI), das ehemalige Polizeipräsidium (zu Sowjetzeiten KGB), sowie das ehemalige Gebäude der Oberpostdirektion (heute Generalstab der baltischen Flotte).


Architektur und Ausstattung

Aufbau im Backsteinexpressionismus

Hanns Hopp erbaute 1923 ein Warenhaus am Hansaplatz mit einer rot-grünen Klinkerfassade[3], Zickzackfriesen[4] und spitzwinkligen Formen über den Fenstern und Türen. Das Gebäude war es ein Beispiel für den Backsteinexpressionismus[5] und beeindruckte durch seine kurze, siebenmonatige Bauzeit.[6] Es war für die damalige Zeit ein beachtlich, großer Baukörper, und bestand „zum ersten Mal“ [7]in Königsberg aus einem Stahlbetonskelett im Innern.

Das Gebäude war Hopps „erstes großes Werk in Königsberg.“[8] Im Erdgeschoss befanden zur Straße hin dort zugängliche Räume. In der Mitte des Gebäudekomplexes befand sich ein großer Lichthof mit einem „großzügigen, von innen gut gestalteten Glasdach“.[9]

Das Gebäude erhielt 1921 überlebensgroßen Figuren in Kunststein, geschaffen von Hermann Brachert: Fortuna und Hermes, die von Pecht, Firma Steinhof gegossen wurden. Dabei standen die Worte von Ludwig Goldstein: Gewiss, Fortunas Kugel rollt. Doch auch ich halt bei guten Werken. Ein jedem tüchtigen Kerl hold. Merkur da drüben wird es merken.[10]

Im Rahmen der Inflation und städtischen Finanzpolitik unter Hans Lohmeyer konnten zahlreiche Grundstücke sehr günstig aufgekauft werden, darunter den Handelshof.[11] Das von Hopp erbaute Gebäude wurde nun ab 1927 von der Stadtverwaltung als Stadthaus genutzt.

Wiederaufbau im Chruschtschow-Klassizismus

Das Gebäude wurde in den 1950er Jahren stark verändert und schmucklos wiederaufgebaut. Eine erste Aufbauplanung sah noch vor die spitzwinkligen Formen über den Fenstern und Türen beizubehalten.[12] Aber die spitzwinkligen Formen verschwanden, auch die sichtbaren Ziegel wurden überputzt. Das Gebäude erhielt – entgegen der ursprünglichen Aufbauplanung – eine Betonung der Vertikalen durch aufgeputzte Lisenen, ähnlich dem „Tempel-Motiv“ [13] der „Architektur des Chruschtschow-Klassizismus“,[14] ein Stil der „klassizistische Motive mit modernen verwob“.[15]

Der Bau beheimatet heute die Kaliningrader Stadtverwaltung.

Literatur

  • Baldur Köster: Königsberg : Architektur aus deutscher Zeit. Im Anhang: Der Kneiphof. Heft VII. Die Bau- und Kunstdenkmäler in Königsberg. Husum Druck-und Verlagsgesellschaft, Husum 2000, OCLC 237377396.
  • Markus Podehl: Architektura Kaliningrada : wie aus Königsberg Kaliningrad wurde. Materialien zur Kunst, Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas, 1. Herder-Institut, Marburg 2012, OCLC 816472756.

Einzelnachweise

  1. Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Handelshof dem Werk von Köster, Nr. 60, S. 132f: Handelshof / Stadthaus .
  2. Georg Dehio/Ernst Gall/Michael Antoni: Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostprußen, München; Berlin 1993, S. 317.
  3. Köster, S. 99: „der Klinkerfassade noch die damals üblichen Muster aus verschiedenen farbigen Steinen.“
  4. Podehl, S. 46: „Hopp, war der Architekt unter anderem des Handelshofs, eines großen Baukörpers mit charakteristischen Zickzackfriesen“
  5. Köster, Nr. 60, S. 132f: Handelshof / Stadthaus : „den damals üblichen Formen, die […] den expressionistischen Geist der frühen zwanziger Jahre spüren lassen“
  6. Köster, S. 132: „Bauzeit während der Inflationszeit nur 7 Monate!“
  7. Köster, S. 132: „Dieser für die Zeit der Inflation beachtlich, große, fünfgeschossige Baukörper hat eine ausgesprochene Schauseite zum Hansaring … Die Konstruktion besteht aus massiven Außenwänden und zum ersten Mal in Königsberg aus einem Stahlbetonskelett im Innern…
  8. Köster, S. 133.
  9. Köster, S. 132.
  10. Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberger Skulpturen und ihre Meister 1255-1945. Holzner, Würzburg 1970, S. 23.
  11. Podehl, S. 50-51.
  12. Podehl, Abbildung Nr. 243 auf Seite 220: „Aufbauplanung für den Handelshof zum Kaliningrader Rathaus um 1960.“
  13. Podehl, S. 214: ehemaligen Hopp'schen Handselhof […] Für letzteren lag 1960 eine schlichte Aufbauplanung vor, nach der das Gebäude noch eine sehr zurückhaltende Gliederug der Attika erhalten hätte, insgesamt aber als ein monolithischer Baukörper interpretiert war […] Umgesetzt wurde jedoch ein Vorschlag, der dem erwähnten herrschenden, architektonischen Hauptthema für die Fassaden öffentlicher Gebäude entsprach: Das Gebäude erhielt eine Betonung der Vertikalen durch aufgeputzte Lisenen, ähnlich dem Tempel-Motiv entsprachen.
  14. Podehl, S. 212.
  15. Podehl, S. 214.