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Hallig

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Dieser Artikel behandelt die Inseln aus Marschland im nordfriesischen Wattenmeer. Zum deutschen Romanisten und Sprachwissenschaftler siehe Rudolf Hallig.
Lage der Inseln im nordfriesischen Wattenmeer
Wattenweg zur Hallig Südfall
Hallig Oland (ca. 1895)
Frühling auf der Hallig von Jacob Alberts

Die Halligen sind kleine, nicht oder wenig geschützte Marschinseln vor den Küsten, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können. Sie liegen im nordfriesischen Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins sowie an der Nordseeküste Dänemarks. Die zehn heute noch existierenden, bis 956 Hektar großen deutschen Halligen gruppieren sich kreisförmig um die Insel Pellworm, die selbst keine Hallig ist. Sieben der zehn Halligen sind heute bewohnt.[1]

Die Halligen erheben sich nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, weshalb sie während einer starken Flut mit Ausnahme der Warften, künstlich aufgeschütteten Hügeln, auf denen die Häuser stehen, überspült werden („Landunter“). Ihre Flora weist salzwasserresistente Arten auf, die der Landschaft ihr besonderes Gepräge geben. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass der Halligboden kein Süßwasser speichert, sodass es auf den Halligen außer Regenwasser kein natürliches Süßwasser gibt. Früher wurde deswegen das Regenwasser in den Fethingen gesammelt.

Die Halligen sind erdgeschichtlich junge Inseln, die durch Aufschlickung bzw. Aufschwemmung bei Überflutungen erst im vergangenen Jahrtausend auf altem, untergegangenem Marschland entstanden sind, oder – im Fall von Nordstrandischmoor – der Rest einer ehemals größeren Insel.

Im Gegensatz zu den Halligen verfügen die nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr über einen Geestkern, Nordstrand und Pellworm sind Reste des alten Marschlandes. Gelegentlich wuchsen Halligen durch Anlandungen zusammen. Da die Halligen lange keine Uferbefestigung besaßen, veränderte ihre Form sich häufig. Im Laufe der Zeit verschwanden viele wieder, andere wurden landfest gemacht. Auch die Hamburger Hallig ist keine Insel mehr, sondern mit dem Festland verbunden, weist aber alle anderen Merkmale einer Hallig auf.

Geschichte

Etymologie

Eindeutig hergeleitet werden kann das Wort „Hallig“ nicht. Eine Möglichkeit ist die Deutung als holm = kleine Insel.[2] Jedoch konnte bis ins 19. Jahrhundert mit „Hallig“ auch „alles an der offenen See liegende unbedeichte Land“ bezeichnet werden, „welches bey der Fluth ganz oder zum Theil überschwemmt wird“,[3] weshalb eine direkte Ableitung von holm eher unwahrscheinlich ist.[4] Wahrscheinlicher ist daher die gemeinsame indoeuropäische Wurzel kel = ragen, zu der unter anderem auch hill (englisch Hügel) gehört.[5] Dass eine etymologische Verwandtschaft zu Holland im Sinne von „flaches Land“ besteht, ist auszuschließen.[6]

Eine andere Vermutung ist, dass das Wort „Hallig“ seinen Ursprung in der Salzgewinnung in den friesischen Uthlanden hat, die auch zur Zerstörung des Landes beigetragen hat (siehe weiter unten). Damit hätte die Bezeichnung „Hallig“ Nähe zu den typischen Hall-Ortsnamen der Salzgewinnung, mit einer rekonstruierten germanischen Wurzel *hallan für (Salz-)Kruste.[7]

Entstehung

Halligen bestehen aus Marschboden, der oft nur eine dünne Schicht über älteren Mooren bildet, die im Schutz der Nehrungen, die die Senke zur Nordsee hin fast gänzlich abschloss, entstanden waren. Es bildete sich ein mit Bächen durchzogenes, schlecht entwässertes Niederungsgebiet mit Bruchwäldern. Als während des römerzeitlichen und des mittelalterlichen Temperaturoptimums der Wasserstand der Nordsee stieg, drang zunehmend Meereswasser durch Lücken in den Nehrungen ein. Dabei bildete sich aus maritimen Sedimenten, die sich ablagerten, Schwemmland. Die Moore sogen sich mit Salzwasser voll und starben ab. Der Boden senkte sich, wonach sich durch häufige Überflutungen neue Sedimente ablagerten. Durch gleichzeitige Erosion veränderte sich die Form dieses Schwemmlandes dauernd.[8]

Bedingt durch fehlenden oder nur geringen Küstenschutz und die damit verbundenen häufigeren Überschwemmungen gab es weiterhin große Veränderungen an der Küstenlinie und deutlich mehr Halligen, die ihre Form häufig änderten. Manche existierten nur für kurze Zeit, bis ein Wattstrom sie mehr und mehr verkleinerte, andere vergrößerten sich durch Sedimentanlagerung und wuchsen zusammen, wie zum Beispiel Nordmarsch und Langeneß zum heutigen Langeneß. Der genaue Vorgang ist nur schwer zu rekonstruieren, da es aus der Zeit vor 1700 nur wenige Karten gibt.

Lebensweise auf den Halligen

Kontinuierlich bewohnt wurde das Gebiet der heutigen Halligen vermutlich erst seit der Wikingerzeit, als Friesen von der Rheinmündung sich hier niederließen. Schon damals war nur eine Besiedlung auf Warften möglich, jedoch erlaubten höher gelegene Flächen Ackerbau. Erstmals erwähnt werden einzelne Halligen (Oland und Jordsand) 1231 im Waldemar-Erdbuch als Inseln, auf denen der König ein Haus besaß. Damals gehörten die heutigen Halligen zu den Uthlanden, dem von Prielen durchzogenen, durch Sturmfluten häufig in seiner Gestalt veränderten Marschland. Mit niedrigen Deichen und Warften schützten die Bewohner ihre Häuser, das bewirtschaftete und durch Gräben entwässerte Land sowie das Vieh.

Durch häufige Überflutungen änderte sich bis zur Befestigung der Halligkanten im 19. Jahrhundert die Form der Halligen ständig. Immer wieder mussten Häuser und Warften aufgegeben und landeinwärts verlegt werden. Es sind daher nur wenige alte Häuser und Kirchen erhalten geblieben. Die ständige Veränderung durch Kantenabbrüche und Anlandungen ist geblieben.

Die typische Vegetationsform der Halligen ist die Salzwiese. Landwirtschaft ist daher auf den Halligen nur sehr eingeschränkt möglich, weshalb in früheren Jahrhunderten fast alle Männer als Seefahrer und Walfänger arbeiteten, während die Frauen Heu machten und sich um das Vieh kümmerten. Einzelne Bewohner kamen damit zu erheblichem Reichtum. Bis in die 1940er Jahre herrschte Allmendewirtschaft, wobei das Land jedes Jahr nach den Winterstürmen neu vermessen wurde und die Mahd- und Weiderechte aufgeteilt wurden.[9] Durch Verarbeitung von Schafwolle und Verkauf der Erzeugnisse verdienten die Frauen Geld hinzu. Getreide dagegen musste eingeführt werden.

Für die tägliche Ernährung war man auf das angewiesen, was man auf der und um die Hallig herum fand (Porren, Fische, Vogeleier und Seevögel). Baumaterialien mussten von weit her zu den baumlosen Halligen gebracht werden, weshalb man gerne Strandgut nutzte. Als Brennmaterial wurde bis ins letzte Jahrhundert hinein der Schafkot aus den Winterställen gesammelt, zu Ditten genannten Klumpen geformt und in der Sonne getrocknet. Zu diesem Zweck wurden manchmal auch Kuhfladen benutzt. Als Alternative konnte bei Ebbe Seetorf gewonnen und getrocknet werden.

Die ursprüngliche Sprache auf den Halligen war Halligfriesisch, das aber weitgehend ausgestorben ist und durch Niederdeutsch oder Hochdeutsch ersetzt wurde. Bis in das 20. Jahrhundert trugen Frauen auf Hooge regelmäßig eine Festtagstracht. Heute wird sie gelegentlich noch zu touristischen Anlässen gezeigt.

Wasserversorgung

Da der Marschboden der Halligen kein Süßwasser speichert, war die Bevölkerung auf Regenwasser angewiesen, das in zwei verschiedenen Reservoirs, dem Sood, einer vor Verschmutzung geschützten Zisterne, in der das von den Dächern gewonnene Trinkwasser für die Menschen, und dem Fething, der dem Vieh zugänglichen Wasserkuhle, an der höchsten Stelle der Warft gespeichert wurde. Dabei bestand immer die Gefahr, dass die Wasservorräte bei längerer Trockenzeit ausgingen oder bei Sturmfluten versalzte. In solchen Fällen musste Frischwasser per Schiff vom Festland eingeführt werden.

Seit den 1960er Jahren wurden zu den ständig bewohnten Halligen Wasserleitungen vom Festland gebaut. Die Halligen Südfall und Norderoog, welche aber unbewohnt ist, verfügen jedoch bis heute nicht über eine Frischwasserleitung.

Salzgewinnung

Geld verdienen auf der Hallig ließ sich fast nur durch Torfabbau und Salzsiederei, auch wenn der Anteil, den König und Herzog forderten, enorm war. Geschützt durch Kajedeiche wurde der unter dem Marsch- bzw. Wattboden liegende Salztorf, abgestorbenes, mit Salzwasser vollgesogenes Moor, abgebaut, getrocknet und verbrannt. Die Asche wurde mit Salzwasser vermischt und in der „Salzbude“ in einem Kessel gesotten, bis das Salz vollkommen trocken war. Alleine auf Galmsbüll gab es 16 Salzbuden. Die Torfgewinnung war in hohem Maße gefährlich, wenn die abgebauten Gebiete unter das Niveau des mittleren Hochwassers gerieten. Die Halligbewohner gruben sich sozusagen selbst das Land ab.[10] 1515 wurde der Salzabbau verboten, um den Landverlust zu stoppen. Trotzdem wurde auf Galmsbüll noch bis 1782 Salz abgebaut. 1800 musste die stark geschrumpfte Hallig aufgegeben werden.

Küstenschutz

Während auf dem Festland und den größeren Inseln schon im 14./15. Jahrhundert mit Eindeichungen und Landgewinn begonnen wurde und immer bessere Deiche das Land schützten, blieben die weiter außen liegenden Halligen den Fluten ausgesetzt. Versuche der Schleswiger Herzöge, die Dagebüller Bucht durch einen Damm über mehrere Halligen hinweg einzudeichen, scheiterten nach fast 80-jähriger Bauzeit 1634 endgültig an der Burchardiflut. In den folgenden Jahrhunderten beschränkte sich die Landgewinnung auf den Anwachs am Festland und den schon gewonnenen Kögen. Einige größere Halligen wie Ockholm und Dagebüll wurden landfest gemacht, landnähere kleine Halligen wie Waygaard und Grotesand in neugewonnene Köge miteinbezogen. Die außerhalb der Köge liegenden Halligen hatten mit den veränderten Strömungsverhältnissen zu kämpfen, da der Tidenhub im nun durch Deiche begrenzten Wattenmeer zunahm. Allein zwischen 1717 und 1720 soll ein Viertel der Landfläche verloren gegangen sein, wie aus einem Schreiben des Ratmanns von Oland an den König hervorgeht, in dem er um Minderung der Abgaben bat.

Seit dem großen Landverlust bei der sogenannten Halligflut von 1825, die fast alle außer den heute noch existierenden Halligen verschlang, übernahm der Staat die Aufsicht über den Küstenschutz. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Halligkanten befestigt. Manche Halligen wie Hooge erhielten einen Sommerdeich. Allerdings wehrten sich die Halligbewohner oft gegen diese Maßnahmen, vor allem, weil sie die Kosten selbst tragen mussten, aber auch, weil sie die Priele, die nun abgedämmt werden mussten, um dem Meer keine Angriffsfläche zu bieten, als Häfen und Transportwege benutzt hatten. Erst unter preußischer Regierung wurde der Schutz der Halligen 1894 verstaatlicht.

Heutzutage nimmt die Fläche der Halligen nicht mehr ab, sondern vergrößert sich eher durch die Anlage von Lahnungen besonders entlang der Dämme, die einzelne Halligen, Oland und Nordstrandischmoor, mit dem Festland verbinden. Die steigenden Höhen der Sturmfluten erfordern regelmäßige Anpassungen. 1960 wurde der Halligschutz in das Programm Nord aufgenommen und die Warften erhöht und befestigt. Zum Schutz der Halligen tragen auch die im Westen vorgelagerten nordfriesischen Außensände bei.

Heutige Situation

Heute liegen die zehn deutschen Halligen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die bewirtschafteten Halligen Nordstrandischmoor, Gröde, Oland, Langeneß und Hooge sind vom Schutzgebiet umgeben, aber nicht in dieses Gebiet integriert. Die kleineren Halligen Habel, Südfall, Süderoog, Norderoog sowie die Hamburger Hallig sind Bestandteil des Nationalparks. Wattwanderungen und Informationsveranstaltungen werden von Fremdenverkehrsämtern und von der Nationalparkverwaltung angeboten. Die Schutzstation Wattenmeer unterhält auf Hooge und Langeneß eigene Stationen. Habel, Südfall und Norderoog werden vom Verein Jordsand betreut.

Wohn- und Wirtschaftsgebäude befinden sich auf meterhohen, künstlich aufgeschütteten Hügeln, den Warften, um vor Sturmfluten geschützt zu sein. Seit der Flut von 1962 haben alle Häuser einen sturmflutfesten Schutzraum im Obergeschoss erhalten - neu ist die Stahlbetonbauweise, historisch sind die Friesenhäuser in Ständerfachwerk aus Holz errichtet und mit Reet eingedeckt. Manche Halligen, beispielsweise Hooge, sind von einem Sommerdeich umgeben, bei anderen wird die Küste durch Lahnungen und Steinlagen geschützt.

Auf den Halligen leben insgesamt rund 230 Menschen. Ihren Erwerb beziehen sie heute hauptsächlich aus dem Tourismus, vor allem aus dem Tagestourismus. Die Landwirtschaft umfasst vor allem Viehzucht durch Grasen auf den fruchtbaren, häufig überfluteten Salzwiesen im Auftrage von Landwirten, die auf dem Festland wohnen. Da die Halligen als Wellenbrecher vor dem Festland eine wichtige Funktion im Küstenschutz haben, ist ein Teil der Bevölkerung beim Amt für ländliche Räume als Arbeiter im Küstenschutz angestellt.

Auf Hooge, Langeneß, Oland, Nordstrandischmoor und Gröde gibt es kleine Kirchen, daneben Friedhöfe. Für die schulpflichtigen Kinder werden die kleinsten Schulen Deutschlands unterhalten: so wurden 2011/2012 auf Hooge drei Kinder von einer Lehrkraft unterrichtet.

Fauna und Flora

Da der Großteil der Halligen mehrmals im Jahr überflutet wird, gedeihen dort nur Pflanzen, die Salzwasser ertragen können. Bekannt ist die Halligfliederblüte im Hochsommer. Meerstrandswegerich, der als Suden geerntet und gekocht wurde, kommt heute nur noch selten vor. Bäume wachsen nur auf den Warften. Im Uferbereich wächst das Brackwasser vertragende Reet, das als heimischer Baustoff schon Hunderte von Jahren zum Eindecken der Häuser verwendet wird und das Landschaftsbild prägt.

In der Zugzeit sind die Halligen mit Ringelgänsen bevölkert. Um ihren Schutz zu fördern, veranstalten NABU, Schutzstation Wattenmeer, WWF und Nationalparkservice seit 1998 auf Hooge, seit 2001 auf allen bewohnten Halligen die Ringelganstage.[11] Die Landwirte erhalten für den nicht unbeträchtlichen Verlust von einem Kilogramm Gras pro Gans pro Tag[9] eine Entschädigung.

Liste der Halligen

Deutsche Halligen

Die zehn deutschen Halligen gehören alle zum Kreis Nordfriesland.

Nr. Hallig Warften Bevölkerung Fläche
km2
Gemeinde Amt Verbindung zum Festland
1 Langeneß 16 100* 9,56 Langeneß Amt Pellworm Halligbahn Dagebüll–Oland–Langeneß über den Lorendamm über Oland nach Dagebüll
  (nur Güter und Halligbewohner)
• Autofähre nach Schlüttsiel (nach Fahrplan)
2 Hooge 10 83 5,74 Hallig Hooge Amt Pellworm • Autofähre nach Schlüttsiel (nach Fahrplan) oder Personenfähre nach Nordstrand
3 Gröde 2 8 2,77 Gröde Amt Pellworm • Schiff nach Schlüttsiel (unregelmäßig)
  nach Absprache mit Kapitän der MS Seeadler[12]
4 Oland 1 20 2,01 Langeneß Amt Pellworm • Halligbahn Dagebüll–Oland–Langeneß über Lorendamm nach Dagebüll
• Schiff nach Schlüttsiel (unregelmäßig)
5 Nordstrandischmoor 4 18 1,75 Nordstrand Amt Nordsee-Treene Halligbahn Lüttmoorsiel–Nordstrandischmoor über den Lorendamm zum Beltringharder Koog
Wattenweg von Lüttmoorsiel aus.
6 Hamburger Hallig 2 1,10 Reußenköge amtsfrei • Straße zum Sönke-Nissen-Koog
  (für Kraftfahrzeuge gebührenpflichtig)
7 Süderoog 1 2 0,60 Pellworm Amt Pellworm Naturschutzgebiet:
Zutritt nur mit Sondergenehmigung
• Wattenweg nach Pellworm
8 Südfall 1 2 0,56 Pellworm Amt Pellworm • Wattenweg (tideabhängig)
Naturschutzgebiet:
Besuch nach Anmeldung beim Vogelschutzwart
9 Norderoog 1** 0,09 Hallig Hooge Amt Pellworm Wattenweg von Hooge aus nach Ende der Brutzeit der Brandseeschwalbe (ca. Ende Juli) nur im Rahmen organisierter Führungen. Ansonsten Zutrittsverbot, da Naturschutzgebiet.
10 Habel 1 0,036 Gröde Amt Pellworm Naturschutzgebiet:
Zutritt nicht erlaubt
  Halligen 38 233 23,11      

* Einwohnerzahl ohne Hallig Oland, die zur Gemeinde Langeneß gehört

** Statt einer Warft weist Norderoog eine Pfahlbaukonstruktion auf.

Im Westen, zum offenen Meer hin, sind den deutschen Halligen die drei nordfriesischen Außensände vorgelagert, Außensände, die durch ihre wellenbrechende Wirkung zum Halligschutz beitragen. Hierbei handelt es sich um flache, ungeschützte, unbewachsene Sandbänke, die in der Regel trockenfallen, aber nicht als Festland zählen. Sie setzen sich nordwärts im Kniepsand vor Amrum und dem Sylter Sandstrand fort und südwärts im Sandstrand von Sankt Peter-Ording.

Nicht mehr bestehende Halligen

Das Gebiet der Halligen um 1650 auf einer Karte von Johannes Mejer
Das Gebiet der Halligen 1858

Seit der Entstehung der Halligen bis zum 19. Jahrhundert sind etwa 100 Halligen verschwunden. Nicht alle von ihnen waren bewohnt. Teils wuchsen sie mit anderen Halligen zusammen, teils wurden sie durch Eindeichung mit dem Festland verbunden. Viele Halligen gingen unter, manche ohne je irgendwo schriftlich erwähnt zu sein. Andere landfest gemachte kleine Halligen sind nicht mehr von anderen auf Warften errichteten Siedlungen zu unterscheiden; in manchen Fällen erinnert ein „-hallig“ im heutigen Ortsnamen an eine Vorgeschichte als Hallig.

  • Hadersbüllhallig,
  • Lehnshallig wurde 1666 in den Gotteskoog integriert und gab seinen Namen einem Ausweichbahnhof der Marschbahn,
  • Kophallig,
  • Großhallig und einige andere Warften im heutigen Wiedingharder Gotteskoog behielten noch lange nach der Eindeichung des Koogs zumindest im Winter ihren Halligcharakter. Erst seit der verbesserten Entwässerung in den 1920er Jahren ist der Name nur noch Geschichte.

Die Dagebüller Bucht entstand 1566, als die Wiedingharde durch Eindeichung des Gotteskoogs landfest wurde. In ihr befanden sich die meisten Halligen. Die größeren Halligen erhielten erst einen Sommerdeich und wurden später zum Festland eingedeicht:

Von den kleineren war

  • Galmsbüll die nördlichste bewohnte deutsche Hallig und ging in der Halligflut 1825 unter. Zu diesem Zeitpunkt war sie nicht mehr bewohnt. Seit 1939 ist der Ort der ehemaligen Hallig in den Galmsbüllkoog einbezogen.
  • Waygaard, und
  • Grotesand wurden 1682 in den alten Christian-Albrechts-Koog mit einbezogen und sind heute Ortsteile von Dagebüll bzw. Galmsbüll.
  • Tefkebüll wurde 1704 in den neuen Christian-Albrechts-Koog eingedeicht.
  • Nordtoft,
  • Nordmark und
  • de Wisch wurden durch die veränderte Strömung in den folgenden Jahren abgetragen.
  • Christianshallig war eine unbewohnte Hallig nördlich von Dagebüll, die um 1850 vom Vorland des Marienkoogs ganz eingeschlossen war.[13]
  • Appelland wuchs durch Abdämmung des trennenden Priels Anfang des 20. Jahrhunderts mit Gröde zusammen.
  • Hingstneß, ein in der Ersten Groten Mandränke untergangenes Kirchspiel zwischen Oland und Gröde, war 1436 noch recht groß mit fünf Steuerpflichtigen. 1560 war die Kirche verschwunden, 1711 wurde die Hallig letztmals erwähnt.
  • Nordmarsch und
  • Butwehl wuchsen bis 1869 mit Langeneß zusammen.
  • Kleine Hallig,
  • Große Hallig und
  • Schäferhallig, 1858 noch drei Halligen im Bottschlotter See, liegen heute im Herrenkoog. Nur die Schäferhallig war befestigt und bewohnt.[13]
  • Oselichshallig
  • Lundingland und
  • Südhörn lagen östlich von Habel und sind abgetragen.
  • Beenshallig blieb 1634 als Rest des Strander Kirchspiels Westerwoldt übrig. Ab 1798 war die stark verkleinerte Hallig unbewohnt und um 1890 verschwunden.[14][15]
  • Hainshallig (auch Hayenshallig), nach 1860 abgetragen, lag östlich von Hooge
  • Herst oder Horst ist auf der Karte von Johannes Petreus von 1601[16] und mehreren Karten von Johannes Mejer, die die Situation vor der Burchardiflut 1634 darstellen,[17] als unbewohnte Hallig direkt neben Gröde zu erkennen.
  • Silboll,
  • Gardsland und
  • Ebland erscheinen auf der Karte von 1601 als unbewohnte Eilande nördlich der Insel Strand (Alt-Nordstrand). Rund dreißig Jahre später sind sie nicht mehr eingezeichnet.
  • Gaikenbüller Hallig war nach der Burchardiflut vom Kirchspiel Gaikebüll auf der Insel Strand, wo 1629 die Friesen dem dänischen König huldigten,[18] übriggeblieben und gehört jetzt zu Nordstrand.
  • Moderhallig und
  • Harmelfshallig befanden sich südlich der Hamburger Hallig und waren 1756 bereits abgetragen.
  • Pieckhallig,
  • Meed- und
  • Jacobshallig wurden in den Cecilienkoog einbezogen.
  • Pohnshallig wurde 1634 von Alt-Nordstrand abgetrennt, war seit der Sturmflut von 1751 unbewohnt und wurde 1924 eingedeicht (Pohnshalligkoog). In der Zwischenzeit diente die Hallig den Schobüllern zur Heugewinnung.
  • Nübell oder Nubel und
  • Nielandt waren zusammen mit Südfall von Rungholt übrig geblieben. Die unbewohnte Hallig Nübell ging 1634 unter, das alte Südfall war um 1800 unbewohnbar. Nach 1825 siedelten ehemalige Bewohner sich auf Nielandt, das nun den Namen Südfall erhielt.[19]
  • Audtshallig (oder Autzham) und
  • Trentham (oder Tretzhalg) lagen südlich der Insel Strand in der Bucht, in der sich Rungholt befunden hatte, und sind zuletzt auf einer Karte von 1597 abgebildet.
  • Herr(e)nhallig nördlich von Friedrichstadt wurde 1570 bedeicht.[20]
  • Die Obbenshalligen in der Bucht zwischen Lundenbergharde und Eiderstedt wurden 1565 in den Deich des Obbenskoogs eingezogen.[21]


Halligen in Dänemark

  • Jordsand ist seit 1999 überflutet und seitdem nur noch eine Sandbank.
  • Mandø ist seit 1937 mit einem Seedeich vor „Landunter“ geschützt und seitdem keine Hallig mehr; südwestlich vorgelagert ist der Hochsand Koresand.
  • Langli ist die letzte bestehende Hallig Dänemarks

Rezeption

Standbild der Halligbäuerin „Tine“ in Husum

Literarisch sind die Halligen in den Halligromanen Landunter und Der Halligpastor von Wilhelm Lobsien sowie in den Romanen der Sönke Hansen-Reihe von Kari Köster-Lösche verarbeitet worden. Im Freilichtmuseum Molfsee ist ein altes Hallighaus zu sehen. In der Kreisstadt Husum steht auf dem zentralen Marktplatz das Denkmal einer Halligbäuerin, der „Tine-Brunnen“.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Quedens: Die Halligen. 13. Auflage. Breklumer Verlag, Breklum 1994, ISBN 3-7793-1114-3
  • Ulli Harth: Untergang der Halligen. Rendsburg 1990, ISBN 3-87550-118-7
  • Manfred Jakubowski-Tiessen: Kein Zurück zur Natur. Wie Romantik und Kommerz die Diskussion über die Halligwelt nach der Sturmflut von 1825 prägten. In: Ders. u. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (Hrsg.): Dünger und Dynamit. Beiträge zur Umweltgeschichte Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Neumünster 1999, S. 121-136.
  • Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Nordfriisk Instituut, Bredstedt 1997, ISBN 3-88007-251-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [http://www.ndr.de/ratgeber/reise/inseln/halligen4.html Website des NDR, abgerufen am 6. November 2013.
  2. holm im Online Etymology Dictionary, abgerufen am 28. Juni 2011
  3. Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch. Leipzig 1793-1801, Bd. 2, S. 921
  4. Die Halligen Nordfrieslands: Die Geschichte einer besonderen Inselform. In: insel-museum.de. Gemeinde Pellworm, archiviert vom Original am 15. März 2012; abgerufen am 10. April 2013.
  5. Wolfgang Pfeiffer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen dtv München 1985; S. 552
  6. Herkunft des Namens „Holland“ (niederländisch)
  7. David Stifter: Hallstatt – In eisenzeitlicher Tradition? (PDF; 352 kB). In: Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeiträge der 1. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Hrsg. Raimund Karl, Jutta Leskovar (= Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich 18), Linz: Oberösterreichisches Landesmuseum 2005, S. 229–240.
  8. Schmidtke, Kurt-Dietmar: Die Entstehung Schleswig-Holsteins; Wachholtz Verlag, Neumünster 1992, S. 86-91
  9. 9,0 9,1 Susanne Schubert: Kapitel II: Entwicklung der Halligen im nordfriesischen Wattenmeer und dortige Lebensbedingungen. In: SH-Exkursion der Uni-Lüneburg. CAU, archiviert vom Original am 8. Juni 2011; abgerufen am 10. April 2013.
  10. Dr. Dirk Meier: 'Küstenarchäologie in Schleswig-Holstein: Sturmfluten u. Kulturspuren. kuestenarchaeologie.de / Dr. Dirk Meier, abgerufen am 22. April 2012.
  11. http://www.ringelganstage.de/
  12. Private Website von Gröde, abgerufen am 21. Juli 2012
  13. 13,0 13,1 Karte der Halligen 1858
  14. Hanswerner Röhr: Die Halligen an der Westküste gelten vorerst als sicher (PDF; 1,3 MB)
  15. Lokalisierung neben Gröde
  16. abgedruckt im Anhang von: Reimer Hansen (Hrsg.): Johannes Petreus’(† 1603) Schriften über Nordstrand. Quellensammlung der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Band 5; Kiel 1901
  17. Oswald Dreyer-Eimbcke: 400 Jahre Johannes Mejer. Der große Kartograph aus Husum; Oldenburg 2006; S. 32
  18. J. A. Petersen: Wanderungen durch die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Band 3, S. 38
  19. Geschichte von Südfall; Dirk Meier / Hans Joachim Kühn / Guus J. Borger: Der Küstenatlas. Das schleswig-holsteinische Wattenmeer in Vergangenheit und Gegenwart; Boyens (Heide) 2013; S. 134
  20. Jan Dau: Chronik der Herrnhallig. 1996
  21. Dirk Meier: De Dam geslogen wart twischen Eyderstede unde Husum... Die Bedeichung der ‘Nordt Eyder’, Eiderstedt (Schleswig-Holstein). In: Jan J. J. M. Beenakker, Frits H. Horsten, Adrie M. J. de Kraker, Hans Renes (Hrsg.): Landschap in ruimte en tijd. Amsterdam 2007, S. 236-246; S. 240-242 (PDF, abgerufen am 6. Mai 2012)

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