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Hadrianstempel (Ephesos)

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Ruine des Hadrianstempels

Der Hadrianstempel ist ein teilweise wieder aufgebautes Heiligtum an der „Kuretenstraße“ in der Ruinenstadt Ephesos in der heutigen Westtürkei. Er wurde nach der Inschrift auf dem Architrav wohl im Jahre 118 oder 119 n. Chr. zu Ehren der Artemis von Ephesos, des römischen Kaisers Hadrian und des Volkes von Ephesos durch Publius Quintilius Valens Varius errichtet.[1] Das Versprechen dazu hatte Varius bereits in den letzten Jahren der Herrschaft Trajans gegeben.[2] Der Tempel wurde durch ein Erdbeben im späten 4. Jahrhundert zerstört, dann jedoch wieder aufgebaut

Der Tempel wurde in den 1950er Jahren von österreichischen Archäologen ausgegraben; 1958/59 wurde das Heiligtum aus den vorhandenen Fragmenten rekonstruiert. Der unmittelbar an der „Kuretenstraße“, einer der Prachtstraßen von Ephesos, liegende Bau ist teilweise in die dahinter liegenden Scholastikia-Thermen integriert, eine Bäderanlage, die ebenfalls von Publius Quintilius Valens Varius errichtet wurde.[3] In seinem Grundriss entspricht der Tempel einem tetrastylen (= viersäuligen) Prostylos. Vor der nur kleinen, querrechteckigen Cella, in der wohl eine Statue des Kaisers stand, liegt eine großzügige Vorhalle, deren Fassade durch zwei Säulen und zwei Pfeiler mit korinthischen Kapitellen gegliedert wird. Diese trugen einen ursprünglich dreieckigen Giebel. Vor den Säulen und Pfeilern stehen die später hinzugefügten, beschrifteten Sockel von vier Statuen, die die Kaiser Diokletian, Maximian, Constantius Chlorus sowie Galerius darstellten. Über die beiden mittleren Säulen ist ein Bogen gespannt, dessen Schlussstein durch eine Büste der Stadtgöttin Tyche hervorgehoben wird. Den Architrav schmückt ein Fries mit Akanthusblättern und anderen pflanzlichen Motiven.

Das Innere der Vorhalle wird durch einen umlaufenden Fries geprägt. Das Original befindet sich im Museum von Selçuk. Auf dem Fries ist links der Gründungsmythos von Ephesos dargestellt (Androklos bei der Eberjagd), Götter und Amazonen, letztere u.a. bei einem Dionysos-Fest). Der rechte Teil des Frieses weicht stilistisch von dem übrigen ab. Man vermutet, dass dieser beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben im 4. Jahrhundert von einem anderen Gebäude hierhin übertragen wurde.[4] Abgebildet sind von links nach rechts Thena, Selene, ein Mann, Apoll, eine Frau, Androklos, Herakles, der Vater des Kaisers Theodosius, Artemis, Frau und Kind des Theodosius sowie Athena.

Der Sturz der Eingangstür zur Cella ist mit Perl- und Eierstäben verziert. Darüber befindet sich ein an die Medusa erinnerndes Relief.

Die prägenden Elementen der Fassade (Bogenportal, rechts und links flankiert von zwei rechteckigen Zugängen) findet man auch an anderen Gebäuden dieser Zeit (so im sog. „Canopus“ der Villa Adriana bei Tivoli nahe Rom).

Literatur

  • Ursula Quatember: The “Temple of Hadrian” on Curetes Street in Ephesus: new research into its building history. In: Journal of Roman Archaeology JRA 23, 2010, 376–394.
  • Ursula Quatember: War der Hadrianstempel wirklich Hadrians Tempel? Aktuelle archäologische und bauhistorische Untersuchungen an der Kuretenstraße in Ephesos. In: Antike Welt 2013, 2, 59–66.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Inschriften von Ephesos 429: [Ἀρτέμιδι Ἐφεσίᾳ καὶ Αὐτοκράτορι Καίσα]ρι Τραιανῶι Ἁδριανῶι Σεβαστῶ[ι] καὶ τῶι νεωκόρωι Ἐφεσί[ων δήμ]ωι Πόπλιος Κυιντίλιος Ποπλίου υἱὸς Γαλερία / [Οὐάλης Οὐάριος — σὺν — τῇ γυναι]κὶ καὶ Οὐ[α]ρίλλῃ θυγα[τ]ρὶ τὸν ναὸν ἐκ θεμελίων σὺν παντὶ τῶι κόσμωι καὶ τὸ ἐν αὐτ[ῷ ἄγαλμα ἐκ] τῶν ἰδίων ἀνέθηκεν, ἐπὶ ἀνθυπάτου Σερβαίου Ἰννόκεντος, γραμματεύοντος τοῦ δήμου τὸ βʹ / Ποπλίου Οὐηδίο[υ Ἀν]τωνείνου ἀσιάρχου, ὑποσχομένου δὲ ἐπὶ Τί. Κλαυδίου Λουκκ[ειανοῦ γραμματέω]ς τοῦ δήμου „der Artemis von Ephesos und dem Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus und dem tempelpflegenden Volk der Ephesier hat Publius Quintilius Valens Varius, Sohn des Publius, aus der Tribus Galeria, mit seiner Frau und der Tochter Varilla den Tempel von Grund auf mit allem Bauschmuck und das Kultbild darin auf eigene Kosten geweiht, unter dem Prokonsul Servaeus Innocens und dem Sekretär der Volksversammlung (zum 2. Mal) Publius Vedius Antoninus, dem Asiarchen; versprochen wurde er unter dem Sekretär der Volksversammlung Tiberius Claudius Lucceianus“.
  2. Der Sekretär Lucceianus ist auf die Jahre 114–116 zu datieren, siehe Inschriften von Ephesos 422. Servaeus Innocens war Prokonsul von Asia wohl 117/118 oder 118/119. Einige Wissenschaftler haben auch eine Datierung in die 130er Jahre angenommen.
  3. Inschriften von Ephesos 500.
  4. Neue Forschungen legen jedoch nahe, dass auch dieser Teil bereits zum ursprünglichen Bau gehört (vgl. [1]).
37.93851627.341944


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