Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Höhere Tochter

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als höhere Töchter bezeichnete man im 19. Jahrhundert junge Mädchen und Frauen aus großbürgerlichen Kreisen und aus dem weitgehend „verbürgerlichten“ Adel. Im Unterschied zu den Töchtern niederer sozialer Schichten (wie etwa dem kleinbürgerlichen bis bürgerlichen Handwerker- und Kaufmannsmilieu oder der bäuerlichen Landbevölkerung) waren „höhere Töchter“ von jeglicher Erwerbstätigkeit (wie z. B. der Mitarbeit im Familienbetrieb oder einer Dienstbotentätigkeit) freigestellt. Ihre Aufgabe bestand darin, eine gute Hausfrau, Gattin und Mutter zu werden. Entsprechend eindimensional gestalteten sich Erziehung und Schulbildung (s. Frauenbildung) der höheren Tochter.

Die Biografie einer höheren Tochter verlief idealtypisch so: Ungefähr mit dem Alter der Konfirmation fand die Schulzeit (auf einer Höheren Töchterschule oder einem Mädchenpensionat) ein Ende und die junge Frau wurde auf den Heiratsmarkt geschickt. Das bedeutete die beständige Teilnahme an diversen Kränzchen, Abendgesellschaften und Bällen, die den Zweck hatte, die Tochter unter die Haube zu bringen. Die angestrebte Heirat war zu dieser Zeit eine Mischung aus Liebes- und arrangierter Heirat.

Oftmals verlief dieser Weg jedoch nicht so. Die betreffenden Frauen fanden ein mehr oder weniger gutes Auskommen als Lehrerin, Erzieherin oder Gesellschafterin. Insgesamt waren ihre Freiräume aufgrund des herrschenden Weiblichkeitsideals gering.

Literatur

  • Wiltrud Ulrike Drechsel (Hrsg.): Höhere Töchter. Zur Sozialisation bürgerlicher Mädchen im 19. Jahrhundert (Beiträge zur Sozialgeschichte Bremens; Bd. 21). Edition Temmen, Bremen 2001, ISBN 978-3-86108-640-6.
  • Bärbel Ehrmann-Köpcke: „Demonstrativer Müßiggang“ oder „rastlose Tätigkeit“? Handarbeitende Frauen im Hansestädtischen Bürgertum. Dissertation, Universität Bremen 2009; Einleitungskapitel (PDF; 269 kB)
  • Dagmar-Renate Eicke: „Teenager“ zu Kaisers Zeiten. Die „höhere“ Tochter in Gesellschaft, Anstands- und Mädchenbüchern zwischen 1860 und 1900 (Marburger Studien zur vergleichenden Ethnosoziologie; Bd. 11). Marburger Studienkreis für Europäische Ethnologie, Marburg 1980 (zugl. Dissertation, Universität Marburg 1980).
  • Michaelea Jonach: Väterliche Ratschläge für bürgerliche Töchter. Mädchenerziehung und Weiblichkeitsideologie bei Joachim Heinrich Campe und Jean-Jacques Rousseau (Aspekte pädagogischer Innovation; Bd. 22). Peter Lang Verlag, Frankfurt/M. 1997, ISBN 3-631-32373-5.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Höhere Tochter aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.