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Goldstandard

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Dieser Artikel behandelt den volkswirtschaftlichen Goldstandard, für die Qualitätsbezeichnung für Verfahren siehe Goldstandard (Verfahren).

Der Goldstandard ist eine Währungsordnung, bei der die Währung entweder aus Goldmünzen besteht, oder aus Banknoten, die in Gold getauscht werden können. Im einfachsten Fall fungiert geprägtes Gold direkt als Geld (Münzen). Der Goldstandard kann aber auch bei Banknoten bestehen, wenn die Notenbank einen bestimmten Umtauschkurs in Gold garantiert und tatsächlich jederzeit zum Umtausch in unbeschränkter Menge bereit ist. Zwischen allen Ländern, die einem reinen Goldstandard unterliegen, besteht ein System fester Wechselkurse.

Bei dem reinen Goldstandard entspricht die Geldmenge eines Landes dem Wert des monetär genutzten Goldbestandes eines Landes. Daneben gibt es u. a. das Proportionalsystem, bei dem nur für einen Teil der Geldmenge ein Goldbestand gehalten wird (bei der Goldmark galt z. B. die Dritteldeckung).

Das Währungsregime des Goldstandards war von 1870 bis zum Ersten Weltkrieg vorherrschend. Während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wurde der Goldstandard in fast allen Ländern zugunsten eines Systems flexibler Wechselkurse aufgegeben. Im Juli 1944 beschlossen einige Staaten das System von Bretton Woods, das die Vorteile des Goldstandards als festem Wechselkurssystem mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems kombinieren sollte. Das System von Bretton Woods scheiterte 1973.

Formen des Goldstandards

Bimetallismus

Im Wahlkampf von 1900 warb William McKinley für einen klassischen Goldstandard und gegen Bimetallismus.

Die Währungsbestimmungen vieler Länder im neunzehnten Jahrhundert erlaubten eine gleichzeitige Prägung von Gold- und Silbermünzen, den sogenannten Bimetallismus. Nur in Großbritannien gab es eine uneingeschränkte Goldwährung. Eine (fast) reine Silberwährung war dagegen z.B. in Indien und China vorherrschend. Das Bindeglied zwischen Gold- und Silberblock waren daher die Staaten mit einer Doppelwährung. Nach einer Theorie von Angela Redish war das System einer reinen Goldwährung erst nach der Erfindung der Dampfkraft realisierbar, da die kleinste Goldmünze für den täglichen Gebrauch einen zu hohen Wert hatte. Der Wert dieser kleinsten Goldmünze entsprach mehreren Tageslöhnen und war für den Gebrauch in den unteren, geringverdienenden Volksschichten nicht praktikabel. Die wertvollen Goldmünzen mussten durch weniger wertvolle Silbermünzen ergänzt werden, wie es in einem Doppelwährungssystem üblich ist.[1][2]

Milton Friedman und andere Ökonomen vertraten bzw. vertreten die Ansicht, dass das Preisniveau stabiler geblieben wäre, wenn das System des internationalen Bimetallismus nicht zugunsten des klassischen Goldstandards aufgegeben worden wäre. Im System des Bimetallismus wäre es einfacher gewesen, für die wachsende Warenmenge eine wachsende Geldmenge zu schaffen. Deflation hätte so vermieden werden können.[1][3]

Klassischer Goldstandard

20-Mark-Goldmünze

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der klassische Goldstandard eingeführt und ersetzte den bis dahin dominierenden Bimetallismus. Der Goldstandard existierte zunächst als Goldumlaufwährung, das heißt die im Land kursierenden Kurantmünzen waren ausschließlich Goldmünzen.[4]

Später ging man zur Goldkernwährung über. Es wurden Banknoten und Scheidemünzen ausgegeben, welche bei der nationalen Währungsbehörde gegen Gold getauscht werden konnten. Im Deutschen Reich galt mit Einführung der Goldmark das Proportionalsystem mit Dritteldeckelung, d.h. die Notenbank musste einen Goldvorrat halten, der 1/3 des Wertes der umlaufenden Geldmenge entsprach.[5]

Nur indirekt an den Goldstandard angeschlossen waren solche Länder, die statt Goldreserven Währungsreserven von in Gold konvertierbaren Währungen anlegten (Golddevisenstandard). Der Vorteil von Devisenreserven gegenüber Gold war die Möglichkeit der Zinsziehung. In Indien und einem Großteil Lateinamerikas wurden Währungsreserven in Form von Devisen oder Forderungen gegenüber Ländern angenommen, deren Währungen in Gold konvertierbar waren. In Russland, Japan, Holland, Österreich-Ungarn, Skandinavien und den britischen Kolonien wurden die Devisen in Form von britischen Schatzwechseln oder Bankeinlagen gehalten. Japan, Russland und Indien waren die größten Länder, die diese Devisengeschäfte betrieben. Diese drei Länder hielten nahezu zwei Drittel der gesamten Währungsreserven. Die wichtigste Währungsreserve war das Pfund Sterling. In der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg entfielen zirka 40 Prozent aller Devisenreserven auf das Pfund Sterling. Weitere 40 Prozent entfielen auf den französischen Franc und die deutsche Mark.[1][6]

Theoretische Funktionsweise

Theorie des Goldautomatismus

Im achtzehnten Jahrhundert entwickelte David Hume das price-specie-flow-model, das auch Goldautomatismus genannt wird. Das Modell basiert auf vereinfachenden Grundannahmen. In diesem Modell wird nur die Zirkulation der Goldmünzen betrachtet und die Rolle der Banken wird vernachlässigt. Wenn ein Exporteur für seine ausgeführten Waren mit Gold bezahlt wurde, brachte er es in eine Münzanstalt zum Prägen von Münzen. Sobald ein Importeur Waren ins Land einführte, bezahlte er die Waren mit Gold. Dies wurde als Export von Gold betrachtet. Ein Land, welches mehr Gold für Waren exportiert als importiert, generiert ein Zahlungsbilanzdefizit. Das bedeutet natürlich einen Abfluss an Gold. Da in solch einem Land weniger Goldmünzen im Umlauf waren, hatte dies fallende Preise zur Folge. Im Ausland hatte dies den Effekt, dass die Preise auf Grund des erhöhten Goldumlaufs stiegen; der Goldmünzenzufluss bedingte eine Änderung der relativen Preise. Diese Preiserhöhung hatte zur Folge, dass die importierten Güter im Defizitland teurer wurden und ihr Absatz zurückging. Für andere Länder verbilligten sich die Waren aus dem Defizitland, so dass der Konsum erhöht werden konnte. Das hatte für das Defizitland einen steigenden Export zur Folge und im Gegenzug gingen die Importe zurück. Der Automatismus sollte mittel- bis langfristig zu einem Ausgleich von Handelsbilanzungleichgewichten führen.[1][7]

Aufgabe der Zentralbanken unter dem Goldstandard

Die Aufgabe der Zentralbanken im neunzehnten Jahrhundert bestand darin, die Höhe der Goldreserven in dem Umfang zu halten, dass die Bindung der Währung an den Goldstandard gesichert war. Währungsrisiken bei Auslandsgeschäften wurden Anfang des neunzehnten Jahrhunderts als sehr gering angesehen und aus diesem Grund selten abgesichert. Hatte eine Zentralbank den Zinssatz erhöht, so hatte dies einen Zufluss ausländischen Finanzkapitals und Goldreserven zur Folge. Das wirkte sich in den betroffenen Ländern des Finanzmittelabflusses negativ auf die Zahlungsbilanzen aus. Die Zentralbanken der betroffenen Länder waren gezwungen auf diese Entwicklung zu reagieren. Dies setzte eine Kettenreaktion von Diskontsatzerhöhungen in Gang. Als Folge dieser Entwicklung gab es eine Übereinkunft aller betroffenen Zentralbanken, dass alle Zentralbanken an die Weisungen einer einzigen Zentralbank gebunden sein sollten. Diese weisungsbefugte Zentralbank sollte die britische, die Bank of England sein, weil sie die mächtigste und einflussreichste Bank war. Diese Maßnahmen, welche von der britischen Zentralbank getroffen wurden, sollten für die anderen Zentralbanken bindend sein. Das System geriet in Schwierigkeiten, als es zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen kam und eine gegensätzliche Entwicklung der Diskontsätze notwendig wurde.[1][8]

Festes Wechselkurssystem

Zwischen den Ländern, die dem Goldstandard unterlagen und zwischen denen Gold frei bewegt werden durfte, führte die Goldumtauschverpflichtung der Zentralbanken dazu, dass die Wechselkurse fixiert wurden. Es entstand also ein festes Wechselkurssystem mit allen Vor- und Nachteilen.[9]

Entwicklung

Der Ursprung des Goldstandards basiert auf zwei Ursachen. Die erste Ursache ist darin zu sehen, dass der im Jahre 1717 letztmals korrigierte offizielle Kurs der goldenen Guinee im Verhältnis zum silbernen Pfund Sterling im bimetallischen Währungssystem Großbritanniens, gemessen an den Marktpreisen von Gold und Silber, auf Dauer zu hoch festgesetzt war. Dies hatte zur Folge, dass nach dem Greshamschen Gesetz Silber aus dem Geldumlauf verschwand. Es lohnte sich nämlich, Silbermünzen einzuschmelzen und als Metall zu verkaufen, weil die Silbermenge einer Münze einen Marktwert hatte, der höher als der Nennwert der Münze war. Eine zweite Ursache war, dass in England die industrielle Revolution begann und Großbritannien damit zu einer führenden Finanz- und Handelsmacht aufstieg. Für alle Länder, die mit Großbritannien Handel trieben und Kredite in Anspruch nehmen wollten, war die britische Geld- und Währungspolitik eine Alternative zum bisher verbreiteten System der Silberwährung. Das führte dazu, dass die wichtigsten Handelsmächte dazu übergingen, ihre Währung in Gold zu definieren und damit in Gold zu konvertieren. Aus den Entscheidungen der nationalen Regierungen konnte ein fester Wechselkurs entstehen. Die wirtschaftliche Entwicklung und der zunehmende Handel machten die Entstehung von Zentralbanken erforderlich. Ihre Aufgabe bestand darin, die Höhe der Goldreserven zu erhalten und somit die Währungen abzusichern. Nach 1870 war der Goldstandard das dominierende Währungssystem.[1][10]

Die Einführung des Goldstandards

Die Jahre 1850 bis 1875 waren durch Belastungen des bimetallischen Systems gekennzeichnet. Großbritannien hatte als einziges Land den Goldstandard eingeführt und stieg zur führenden Industrie- und Handelsmacht auf (siehe Artikel Britisches Weltreich (British Empire). Portugal band sich 1854 an den Goldstandard, weil es den Großteil seiner Außenhandelsgeschäfte mit Großbritannien abwickelte. Es war zu befürchten, dass sich die westliche Welt in einen Gold-, Silber- oder Bimetallblock spalten könnte. Europa hatte mit wachsenden Problemen bei den Bimetallmünzen zu kämpfen, da die Währungspolitik eines jeden Landes einen anderen Feingehalt an Edelmetall für die Münzen festlegte. Eine Folge des Abbaus der Zollschranken nach 1860 und eine Ausdehnung internationaler Transaktionen hatte die Vermischung der verschiedenen europäischen Münzen zur Folge. Da die verschiedenen landestypischen Münzen einen unterschiedlichen Feingehalt an Edelmetall zu ihrem Nennwert besaßen, kam es zu erheblichen Problemen. Die ausländischen Münzen, welche einen geringeren Edelmetallanteil besaßen, verdrängten die einheimischen Münzen im Zahlungsverkehr, während die wertvolleren einheimischen Münzen gehortet wurden. Die betroffenen Länder waren sich ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bewusst und beriefen 1865 eine internationale Konferenz ein, deren Ergebnis die Lateinische Münzunion war.

Durch den Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurden die Staaten Frankreich, Österreich-Ungarn, Italien und Russland gezwungen, die Konvertibilität ihrer eigenen Währungen auszusetzen. In Großbritannien herrschte Währungsstabilität. Nach dem Krieg war in Russland und in Österreich-Ungarn inkonvertibles Papiergeld statt Silber im Umlauf. Es bestand kein Grund mehr für Deutschland, an der Silberwährung festzuhalten, denn diese bot im Handel mit Osteuropa keine Vorteile mehr. Ein beträchtlicher Teil des deutschen Handels wurde mit britischen Krediten finanziert. Diese Kredite lauteten auf Sterling und waren durch Gold gedeckt. Die Reparationszahlungen, die ab 1871 vom besiegten Frankreich an Deutschland flossen, waren die Grundlage der neuen deutschen Goldwährung, der Mark (auch Goldmark genannt). Frankreich musste Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Francs in Gold zahlen. In Deutschland wurde dieses Gold geschmolzen und zu eigenen Münzen geprägt. Gleichzeitig verkaufte Deutschland seine Silberbestände und kaufte weiteres Gold auf dem Weltmarkt zu. Um einer Abwertung der Silberwährungen durch die hohe Silbermenge auf dem Markt entgegenzuwirken, limitierte Frankreich die Prägung von Silbermünzen.

Deutschland erlebte ab etwa 1850 eine Phase der Prosperität ("Gründerzeit") und verringerte seinen Rückstand zu Großbritannien, wo die Industrialisierung früher begonnen hatte und nicht wie in Deutschland von Kleinstaaterei behindert wurde. Die Bevölkerung wuchs. Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1870 zeichnete sich ab, dass dieses eine starke Industriemacht auf dem europäischen Kontinent war. Berlin entwickelte sich zu einem Finanzzentrum neben London und Paris. Das System des Goldstandards hatte an Attraktivität gewonnen. Nun kam es zu einer Kettenreaktion: viele Länder, die mit Großbritannien und Deutschland Handels- und Finanzbeziehungen unterhielten, schlossen sich dem erfolgversprechenden System des Goldstandards an. Frankreich, Belgien, Italien, die Schweiz und Griechenland bildeten am 23. Dezember 1865 die Lateinische Münzunion, eine Währungsunion. Diese stellte ihr Währungssystem auf eine reine Goldwährung um; ebenso Dänemark, die Niederlande, Schweden und Norwegen. In den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts führten die Vereinigten Staaten, Russland und Japan den Goldstandard ein. 1898 wurde die indische Rupie an das Pfund gebunden, darauf folgten auch Ceylon und Siam. In Lateinamerika gab es eine Lobby der Silberminenbetreiber, aber trotz deren Aktivitäten führten auch Mexiko, Peru und Uruguay den Goldstandard ein.

Erster Weltkrieg

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Noteneinlösungspflicht in Gold in den kriegführenden Staaten aufgehoben, weil die Kriegsfinanzierung zum Teil durch Geldschöpfung erfolgen sollte. Das rein fiskalisch motivierte Geldmengenwachstum übertraf den Zuwachs an produzierten Gütern und Dienstleistungen und führte daher zu Inflation (siehe z.B. Deutsche Inflation 1914 bis 1923).

Wiederherstellung des Goldstandards

Der US 100-Dollar Schein von 1922 konnte jederzeit gegen Goldmünzen eingetauscht werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Goldstandard in den meisten Ländern wieder hergestellt. Den Ländern, welche eine Hyperinflation erlebten, gelang es als ersten die Konvertibilität ihrer Währung wieder herzustellen. Zu diesen Ländern gehörten 1923 Österreich, 1924 Deutschland und Polen und 1925 Ungarn. Mit der Ausgabe neuer Zahlungsmittel wurde diese Stabilisierung erreicht, wobei die Menge der ausgegebenen Zahlungsmittel an die Regeln des Goldstandards gebunden waren. Die Reserven der Zentralbanken wurden mittels ausländischer Kredite gedeckt und mit der Bedingung verknüpft, dass die Zentralbanken unabhängige Institutionen zu werden hatten. In den Ländern, in denen eine mäßige Inflation herrschte, gelang die Stabilisierung der eigenen Währung ohne Währungsreform. Dazu gehörten Belgien, Frankreich und Italien.[1][11][12]

Länder, in denen der Inflation rechtzeitig entgegengewirkt wurde, konnten zum Vorkriegsgoldpreis und dem damaligen Dollarkurs zurückkehren. Mit diesem Schritt begann 1924 Schweden. Auch Großbritannien stellte die Vorkriegsparität wieder her. 1925 entschloss sich der damalige britische Finanzminister Winston Churchill zum Goldstandard zurückzukehren, welcher 1914 ausgesetzt worden war. Die Einführung des Goldstandards zur Vorkriegsparität kam dabei einer starken Aufwertung des Pfundes gleich. John Maynard Keynes wies darauf hin, dass sich – bei einem nominal identischen Wechselkurs aus Vorkriegszeiten – die britischen Güter im Vergleich zu ausländischen Gütern um ca. 10% verteuerten. Diese Entscheidung Churchills, den Goldstandard zur Vorkriegsparität wiedereinzuführen, wurde daher in England äußerst kontrovers diskutiert. Wirtschaftshistoriker haben kalkuliert, dass das Pfund um 10% überbewertet in den Goldstandard eingetreten war, was zu einer Erhöhung der Arbeitslosenzahl um 721.000 führte. Im Nachhinein bezeichnete Churchill die Entscheidung als den größten Fehler seines Lebens.[13]

Auch Australien, Holland, die Schweiz und Südafrika kehrten zum Goldstandard zurück.[1][14][15]

Die Abkehr vom Goldstandard

Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens verschiedener Volkswirtschaften während der Weltwirtschaftskrise. Der Zeitpunkt der Abkehr vom Goldstandard ist mit einem kleinen Dreieck markiert.

Anders als in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg lief das System des Goldstandard in der Zeit zwischen den Weltkriegen nicht mehr stabil. Die Vereinigten Staaten erzielten während des 1. Weltkriegs und in den Goldenen Zwanziger Jahren im Welthandel große Leistungsbilanzüberschüsse. Unter dem Goldstandard führten die Leistungsbilanzdefizite bei vielen Ländern, vor allem dem Deutschen Reich, zu einem beständigen Abfluss an Gold. Die Leistungsbilanzdefizite wurden durch eine großzügige Kreditvergabe der Vereinigten Staaten ausgeglichen. Für das Deutsche Reich kam die destabilisierende Wirkung der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg hinzu. Zur Jahreswende 1928/1929 wurde die Zahlungsschwäche vieler Länder offenbar. Die amerikanische Notenbank ging zur Dämpfung der überhitzten Konjunktur zu einer Hochzinspolitik über, dies verursachte einen Goldzufluss aus Ländern mit niedrigeren Zinsen. Gleichzeitig kaufte Frankreich massiv Gold auf, um die Geldmenge des Franc entsprechend dem Bedarf der französischen Wirtschaft zu erhöhen.[16] Der so verursachte Goldabfluss in die Vereinigten Staaten und nach Frankreich bedrohte in vielen Ländern die zur Aufrechterhaltung der Goldkonvertibilität notwendigen Mindestreserven. Diese Staaten waren gezwungen die amerikanische Hochzinspolitik noch zu überbieten, wodurch die Kreditvergabe der Banken drastisch zurückging. Gleichzeitig mussten öffentliche Ausgaben drastisch gekürzt werden (Austeritätspolitik). Die so verursachte weltweite Kontraktion der Geldmenge war der Impuls, welcher die Weltwirtschaftskrise beginnend 1929 auslöste.[17] Eine weitere Ursache war die schwere Bankenkrise Anfang der 1930er Jahre, die zu Kreditklemme und massenhaften Firmenpleiten führte. Zur Bekämpfung der Bankenkrise, insbesondere der Bank Runs hätte den Banken Liquidität bereitgestellt werden müssen. Für eine solche Politik stellte der Goldstandard aber ein unüberwindliches Hindernis dar.[18] Auch unilaterale wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise erwiesen sich unter dem Goldstandard als unmöglich. Die Initiativen zur Ausweitung der Geldmenge und/oder zu antizyklischer Fiskalpolitik (Reflation) in Großbritannien (1930), den Vereinigten Staaten (1932), Belgien (1934) und Frankreich (1934-35) scheiterten daran, dass die Maßnahmen eine defizitäre Leistungsbilanz verursachten und damit den Goldstandard gefährdeten.[19][20]

Wirtschaftshistoriker sind sich einig, dass der Goldstandard ein Transmissionsmechanismus zur Verbreitung der Weltwirtschaftskrise war und zu Entstehung und Länge der Großen Depression maßgeblich beitrug.[21] Mit der Zeit wurde der Fehler der Geldpolitik offenbar. Nach und nach suspendierten alle Staaten den Goldstandard und gingen zu einer Reflationspolitik über. Nach fast einhelliger Ansicht besteht ein klarer zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhang zwischen der weltweiten Abkehr vom Goldstandard und dem Beginn der wirtschaftlichen Erholung.[22]

Reichsmark und Österreichischer Schilling (1931)

Im Deutschen Reich und in Österreich wurde der Goldstandard nicht offiziell aúfgegeben. Aber bereits im Sommer 1931 erreichte Österreich und Deutschland eine Bankenkrise (unter anderem Zusammenbruch der Creditanstalt im Mai 1931), bei der die Goldreserven abflossen. Die Regierungen waren gezwungen die Konvertibilität der Währungen auszusetzen und zur Devisenbewirtschaftung überzugehen.

Sterlingblock (1931)

Die Überbewertung des Pfund Sterling hatte jahrelang hohe Leistungsbilanzdefizite verursacht, was eine Verringerung der Goldbestände der britischen Notenbank zur Folge hatte. Es wurde für die Bank von England immer schwieriger, die definierte Goldparität zu halten.[23] Die Grundlagen für einen Angriff auf das Pfund Sterling waren somit gegeben. Die Bank von England setzte sich dagegen mit einer Diskontsatzerhöhung zur Wehr und nahm dabei eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent in Kauf. Das Misstrauen der Spekulanten wuchs, und ein Angriff auf das Pfund Sterling konnte nicht mehr aufgehalten werden. Die Aussetzung der Goldkonvertibilität des Pfund Sterling am 19. September 1931 markierte den Beginn des Zerfalls des internationalen Goldstandards. Mit der Abkehr vom Goldstandard kam es zu einer gewollten Abwertung des Pfund Sterling um 25% (Kompetitive Abwertung), welche die Wettbewerbsposition Großbritanniens auf Kosten der Goldstandardländer erheblich verbesserte (beggar-thy-neighbour policy).[24]

Viele andere Länder lösten sich ebenfalls vom Goldstandard. Da viele dieser Länder mit Großbritannien Handel trieben und von dort Kredite bezogen, war es für diese Länder sinnvoll, ihre eigene Währung an das britische Pfund zu koppeln.

Das internationale Währungssystem war 1932 in drei Blöcke gespalten. Den einen Block bildeten die Staaten mit Goldstandard unter Führung der USA. Den zweiten Block bildete der Sterlingblock. Dieser Block bestand aus Großbritannien und allen Staaten, die sich an das Pfund gebunden hatten. Der dritte Block bestand in der Devisenzwangsbewirtschaftung. Zu diesem Währungssystem gehörten die Länder Mittel- und Osteuropas.

Dollar (1933)

1933 lösten sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard, um die Geldmenge auszuweiten und die Deflation zu beenden. Dies trug dazu bei, die Bankenkrise in Amerika einzudämmen, und den USA wieder zu wirtschaftlichem Wachstum verhalf. Unter der Regierung Roosevelts wurde ein Gesetz verabschiedet, das es erlaubte, Silber zur Münzprägung zu verwenden. Die Goldkonvertibilität des Dollars wurde ausgesetzt. Der private Goldbesitz wurde ab dem 1. Mai 1933 in den USA verboten, soweit er den Wert von 100 US-Dollar überstieg. Das gesamte private Gold (Münzen, Barren und Zertifikate) musste bei staatlichen Annahmestellen innerhalb von 14 Tagen zum festen Goldpreis abgegeben werden. Die Regierung drückte den Kurs des Dollars, indem sie Gold zu höheren Preisen kaufte. Mit dem Gold Reserve Act von 1934 wurde der Goldpreis (weit über dem Marktpreis) bei $35 je Unze festgesetzt. Da die Unze Gold nun mehr Dollar kostete, führte die Erhöhung des Goldpreises zu einer Abwertung des Dollar auf 59 % seines letzten offiziellen Wertes. Die Abwertung des Dollar bewirkte, dass Ausländer 15 % mehr amerikanische Güter kaufen konnten, der Export wurde so gefördert (Kompetitive Abwertung).[25][26]

Die Abkehr der USA vom Goldstandard hatte eine Kettenreaktion in Gang gesetzt: Kanada, Kuba, ein Großteil der Staaten Mittelamerikas, Argentinien und die Philippinen lösten sich ebenfalls vom Goldstandard. Diese Maßnahmen verschlechterten die Wettbewerbsposition der letzten verbliebenen Mitglieder des Goldblocks und setzten eine Abwertungsspirale in Gang.[1][27]

Bretton Woods (1944-1973)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bretton-Woods-System als internationales Währungssystem mit Wechselkursbandbreite geschaffen, das vom teilweise goldhinterlegten US-Dollar als Ankerwährung bestimmt war.[1] Die Architekten des Bretton-Woods-Systems hatten versucht die Vorteile des Goldstandards als fixes Wechselkurssystem (Wechselkursstabilität und Verhinderung von kompetitiven Abwertungen) mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems (v.a. die Möglichkeit unilateral auf makroökonomische Schocks mit einer passenden Geldpolitik zu reagieren) zu kombinieren.[28]

Das Bretton-Woods-System litt von Anfang an unter einem als Triffin-Dilemma bezeichneten Konstruktionsfehler. Der wachsende Welthandel führte zu einem steigenden Bedarf an Dollar-Währungsreserven. Diese Währungsreserven konnten aber nur durch konstante Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber den USA erwirtschaftet werden. Die USA als Reservewährungsland unterlagen dabei nicht dem Leistungsbilanzanpassungszwang anderer Länder, weil die Verschuldung in eigener Währung vom Ausland finanziert wurde, solange ausländische Staaten ein Interesse daran hatten Währungsreserven anzulegen. Ständige US-Leistungsbilanzdefizite mussten jedoch irgendwann das Vertrauen in den Dollar untergraben.[29] Dieses System endete 1973. Am 15. August 1971 kündigte US-Präsident Richard Nixon die Bindung des Dollar an Gold auf (Nixon-Schock). 1973 wurden die Wechselkurse frei gegeben.

Heute

Internationale Goldreserven von 1845 bis 2012 in Tonnen

1976 empfahl der Internationale Währungsfonds seinen Mitgliedern die Aufhebung der Goldbindung der Währungen. Nach wie vor unterhalten viele Staaten Goldreserven, ein bestimmter Goldwert der Währung wird aber nicht mehr garantiert.

Kritik

Der Ökonom Barry Eichengreen hält ein Währungssystem wie den Goldstandard mit festen Wechselkursen und ohne Kapitalverkehrskontrollen für ausgesprochen antidemokratisch. Zentrale Gründe für ein Funktionieren des Goldstandards sieht Eichengreen in einem beschränkten Wahlrecht, schwachen Gewerkschaften und Arbeiterparteien sowie in der Bereitschaft, eine hohe Arbeitslosigkeit hinzunehmen.[30]

Siehe auch

Literatur

  • Barry Eichengreen: Vom Goldstandard zum Euro. Die Geschichte des internationalen Währungssystems. Wagenbach, Berlin 2000, ISBN 3-8031-3603-2.
  • Guilio M. Gallarotti: The Anatomy of an International Monetary Regime. The Classical Gold Standard, 1880–1914. Oxford University Press, New York NY u. a. 1995, ISBN 0-19-508990-1.
  • Jörg Lichter: Goldwährung oder Doppelwährung. Der Bimetallismusstreit im Deutschen Reich 1880 bis 1895. In: Bankhistorisches Archiv. Zeitschrift für Bankengeschichte. Bd. 22, 1996, ISSN 0341-6208, S. 86–107.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 1,9 Barry Eichengreen: Vom Goldstandard zum Euro. 2000.
  2. Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute (= Beck'sche Reihe 1895). Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58451-0, S. 146.
  3. Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute (= Beck'sche Reihe 1895). Beck, München 2009, S. 370
  4. Gerhard Rübel, Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S. 157
  5. Gerhard Rübel, Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S. 157
  6. Christph Herrmann: Währungshoheit, Währungsverfassung und subjektive Rechte (= Jus publicum. Bd. 187). Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150008-4, S. 18 ff. (Zugleich: München, Universität, Habilitations-Schrift, 2008/2009).
  7. Gerhard Rübel, Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S. 164
  8. Moritz Schularick: Finanzielle Globalisierung in historischer Perspektive. Kapitalflüsse von Reich nach Arm, Investitionsrisiken und globale öffentliche Güter (= Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften. Bd. 134). Mohr Siebeck, Tübingen 2006, ISBN 3-16-148862-8, S. 134ff. (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 2005).
  9. Gerhard Rübel, Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S. 157
  10. Guido Thiemeyer: Die deutschen Liberalen, die Reichsgründung und die Entstehung des internationalen Goldstandards 1870–1873. In: Eckart Conze, Ulrich Lappenküper, Guido Müller (Hrsg.): Geschichte der internationalen Beziehungen. Erneuerung und Erweiterung einer historischen Disziplin. Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-06704-0, S. 139–168.
  11. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Pearson Studium, München u. a. 2009, ISBN 978-3-8273-7363-2, S. 627.
  12. Michael D. Bordo, Anna J. Schwartz (Hrsg.): A Retrospective on the Classical Gold Standard, 1821–1931. University of Chicago, Chicago IL u. a. 1984, ISBN 0-226-06590-1.
  13. Samantha Heywood, Churchill, Routledge, 2003, ISBN 0-415-23016-0, S. 36
  14. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. Pearson Studium, München u. a. 2009, ISBN 978-3-8273-7363-2, S. 627.
  15. Michael D. Bordo, Anna J. Schwartz (Hrsg.): A Retrospective on the Classical Gold Standard, 1821–1931. University of Chicago, Chicago IL u. a. 1984, ISBN 0-226-06590-1.
  16. Barry Eichengreen, Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, 1919-1939, Oxford University Press, 1992, ISBN 0-19-510113-8, S. 12
  17. Barry Eichengreen, Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, 1919-1939, Oxford University Press, 1992, ISBN 0-19-510113-8, S. 13
  18. Barry Eichengreen, Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, 1919-1939, Oxford University Press, 1992, ISBN 0-19-510113-8, S. 18
  19. Barry Eichengreen, Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, 1919-1939, Oxford University Press, 1992, ISBN 0-19-510113-8, S. 16
  20. Wolfgang Waldner: Warum die Geldpolitik 1929–33 die Weltwirtschaftskrise verursacht hat. Wie nach der Rückkehr zum internationalen Goldstandard Ende der 20er Jahre eine deflationäre Depression ausgelöst wurde, um die von den Rentiers und ihren Bankiers in den USA und in GB seit Kriegsende geforderte Deflation der Preis zur Korrektur der Inflation seit 1914 durchzusetzen. Wie die Deflation schon 1931 in England und 1933 in den USA an den verheerenden Folgen der Krise scheiterte. Mit einer kurzen Geschichte der Entwicklung des modernen Bankensystems und seiner Geldpolitik in Kriegen und Krisen. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-9391-9, S. 88ff.
  21. Peter J. Montiel, International Macroeconomics, John Wiley & Sons Ltd., 2009, ISBN 9781405183864, S. 154
  22. Randall E. Parker: Reflections on the Great Depression, Elgar publishing, 2003, ISBN 978-1-84376-335-2, S. 22
  23. Gerhard Rübel, Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S. 167
  24. Barry Eichengreen, Elusive Stability: Essays in the History of International Finance, 1919-1939, Cambridge University Press, 1990, ISBN 0-521-36538-4, S. 145-147
  25. Peter Clemens, Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890-1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, S. 134, 135
  26. Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys, The New Deal: Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 56
  27. Russell Napier: Anatomie der Bärenmärkte ... und was wir daraus lernen können. FinanzBuch-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-89879-332-2, S. 129ff.
  28. Michael D. Bordo, The Bretton Woods International Monetary System: An Overview in: Michael D. Bordo, Barry Eichengreen, A Retrospective on the Bretton Woods System, The University of Chicago Press, 1993, ISBN 0-226-06587-1, S. 5
  29. Gerhard Rübel, Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S. 171
  30. Matthias Schmelzer: Freiheit für Wechselkurse und Kapital. Metropolis-Verlag, Marburg 2010, S. 44f.


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