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gloria.tv

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gloria.tv
http://www.gloria.tv
Motto the more catholic the better
Beschreibung Katholisch-traditionalistisch ausgerichtete Website
Sprachen Deutsch, Englisch und weitere
Eigentümer Nina Buzut
Urheber Reto Nay, Markus und Eva Doppelbauer sowie weitere, teilweise unbekannte Personen
Erschienen 2005
Status online

Gloria.tv ist eine Website katholisch-traditionalistischer Ausrichtung, die als Videoportal und Internetfernsehen betrieben wird. Grosse Teile der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und der Schweiz haben sich seit dem Jahr 2013 deutlich von dem Portal distanziert, beziehungsweise ihre Mitarbeit oder Unterstützung beendet.

Konzept und Inhalt

Inhaltlich steht gloria.tv dem katholischen Traditionalismus und dem im Dezember 2012 offline gegangenen, rechtsextremen Blog kreuz.net nahe.[1][2][3]

Jeden Werktag wird unter dem Titel Gloria Global eine redaktionell erstellte Nachrichtensendung mit Eva Doppelbauer als Sprecherin veröffentlicht, darüber hinaus erscheinen unregelmässig redaktionelle Beiträge zu aktuellen, vorwiegend kirchenpolitischen Themen.[4]

Nutzer mit Benutzerkonten können selbst Artikel auf gloria.tv erstellen und Text-, Bild-, Audio- oder Videodateien hochladen. Ferner können sie eigene und fremde Beiträge kommentieren, per E-Mail miteinander in Verbindung treten und individuell gestaltete Nutzerprofile erstellen. Die Website ist in zahlreichen, über Subdomains erreichbaren Sprachversionen verfügbar.[4]

Betreiber und Autoren

Als Administratorin und technische Kontaktperson ist Nina Buzut in der moldawischen Stadt Bălți eingetragen. Die unter ihrer Adresse eingetragene Firma Dodalu S.R.L. ist Registrar des Domainnamens gloria.tv.[5]

Zeichnungsberechtigte Inhaberin der in Ilanz ansässigen Betreibergesellschaft GTVP ist die Moldawierin Doina Buzut. Der Schweizer Priester Reto Nay, bis zum 13. März 2013 Pfarradministrator von Tujetsch im Bistum Chur, ist Mitbegründer, aktiver Mitarbeiter, Zeichnungsberechtigter und alleiniger Einzelprokurist der Betreibergesellschaft.[6][7]

Die Name- und Webserver werden seit dem 16. März 2013 nicht mehr vom Webhoster Metanet in Zürich, sondern von der Firma Cloudflare betrieben, wodurch der Serverstandort von gloria.tv verschleiert wird.[5]

Zahlreiche Beiträge auf gloria.tv erscheinen anonym unter Nicknames.[4] Viele namentlich gezeichnete Artikel stammen von Markus Doppelbauer, einem im Erzbistum Vaduz inkardinierten römisch-katholischen Priester, der zugleich technischer Mitarbeiter von gloria.tv ist.[8][9]

Geschichte

Die Website ging am 23. Oktober 2005 in Betrieb.[5]

Am 22. Januar 2009 wurde auf gloria.tv ein den Holocaust verharmlosender Text veröffentlicht. Nay verweigerte gegenüber der Kirchenzeitung der Diözese Linz die Löschung des Kommentars mit der Begründung, es „brauche die ganze katholische Bandbreite“. Der Medienrechtsexperte Walter Berka erklärte, es liege der schwerwiegende Verdacht auf einen Verstoss gegen das Gesetz zum Verbot der nationalsozialistischen Wiederbetätigung vor. Dazu gab Nay an, das österreichische oder deutsche Recht sei für gloria.tv nicht massgeblich, da die Website in Moldawien registriert sei.[10]

Im Jahr 2011 wurde eine von gloria.tv gegen das Bistum Linz und Matthäus Fellinger, Redakteur der Linzer Kirchenzeitung, eingebrachte Klage wegen angeblicher Rufschädigung rechtskräftig abgewiesen. Fellinger hatte gloria.tv vorgeworfen, unerlaubt Material des österreichischen Fernsehens verwendet und sich mit dem Server in Moldawien auf das Niveau von Kinderpornoseiten begeben zu haben. Da sich gloria.tv weigerte, die Prozesskosten zu begleichen, leitete das Bistum Linz ein Pfändungsverfahren gegen die Betreiber ein.[11]

Am 3. Februar 2012 berichtete gloria.tv von einer Undercover-Aktion von ProLife-Anhängern. Die Abtreibungsgegner hatten demnach im Oktober 2011 mit Hilfe einer Privatdetektivin überprüft, ob katholische Kliniken in Köln die „Pille danach“ verschrieben. Die gloria.tv-Moderatorin Eva Doppelbauer nannte „in denunziatorischem Duktus“[12] die Namen der Gynäkologen, die der Scheinpatientin Notfallpraxen empfahlen, wo Ärzte „aus dem Dunstkreis der Abtreiberfirma Pro Familia“ arbeiteten.[13] Nachdem ein Autor von kreuz.net das Erzbistum Köln darüber informiert hatte, wurden in der Folge im Dezember 2012 zwei Vergewaltigungsopfern in katholischen Krankenhäusern in Köln Behandlung und Beweissicherung verweigert.[14][15]

Am 18. Februar 2013 zeigte die englischsprachige Version von gloria.tv Bilder von deutschen Bischöfen mit Hakenkreuzen, weil diese die Pille danach in den Krankenhäusern ihrer Bistümer zugelassen hätten. Die Deutsche Bischofskonferenz distanzierte sich ausdrücklich von der Website und kündigte an, dass künftig Inhalte von der kirchlichen Internetseite kirche.tv nicht mehr von gloria.tv verwendet werden dürften.[16] Bereits Mitte Januar hatte die Fernsehredaktion der Diözese Würzburg ihren Kanal auf gloria.tv gelöscht. Der unter Obhut der Deutschen Bischofskonferenz produzierte Tagessegen musste am 20. Februar 2013 nach einer Untersagungsverfügung der Arbeitsstelle Katholische Fernseharbeit von gloria.tv entfernt werden.[17] Burkhard Hose, Pfarrer der katholischen Hochschulgemeinde Würzburg, erstattete Strafanzeige gegen gloria.tv wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.[18]

Der Churer Bischof Vitus Huonder forderte Nay am 20. Februar 2013 auf, die beleidigende Webseite von gloria.tv zu entfernen. In der Folge behauptete Nay, die englischsprachigen Texte nicht zu verantworten und nicht entfernen zu können. Nach Angaben von Bistumssprecher Giuseppe Gracia sah sich der Bischof nicht berechtigt, weitere Schritte einzuleiten. Zugleich betonte Bischof Huonder, Mitarbeiter seiner Diözese dürften kein diffamierendes oder verhetzendes Gedankengut verbreiten oder unterstützen.[19] Die weitere Tätigkeit Nays für gloria.tv wurde jedoch nicht untersagt.[20]

Am 21. Februar 2013 wurde gloria.tv von der Süddeutschen Zeitung vorgeworfen, homophobe Netzaktivisten mit antisemitischen Tendenzen zu feiern.[21]

Im März 2013 beschimpfte gloria.tv Reporter von Spiegel TV, die in der Schweiz Recherchen über das Videoportal betrieben hatten, als „Stalker“ und unterstellte ihnen Nazi-Methoden; erneut verwendete gloria.tv das Hakenkreuz, diesmal verbunden mit dem Logo von Spiegel TV.[22] Zuvor war es in mehreren Orten in Graubünden zu Handgreiflichkeiten zwischen Mitarbeitern von gloria.tv, unter ihnen Reto Nay, und dem Team von Spiegel TV gekommen. Am 11. März 2013 forderte der Churer Bischof Vitus Huonder den Hauptsitz von gloria.tv zur Löschung aller mit ihm in Verbindung stehender Dateien von der Website auf.[23] Am 12. März 2013 verlangte der Tujetscher Gemeindepräsident Pancranzi Berther die Entlassung Nays durch das Ortsbistum, falls der Priester seine Tätigkeit bei gloria.tv nicht niederlege und sich klar von dessen Aktivitäten distanziere. Berther fügte hinzu, sein Dorf wolle „kein Nest von Extremisten“ sein.[24] Am selben Tag war es zu einem gewalttätigen Übergriff dreier Mitarbeiter von gloria.tv auf ein Kamerateam von RTL, bei dem eine Mitarbeiterin des Kamerateams leicht verletzt wurde, gekommen.[25]

Am 13. März 2013 wurde Markus Doppelbauer, ein im Erzbistum Vaduz in Liechtenstein inkardinierter Priester und technischer Mitarbeiter von gloria.tv, durch Bischof Huonder des Bistums Chur verwiesen und aufgefordert, seine seelsorgliche Tätigkeit in der Diözese zu beenden. Huonder hatte sich in dieser Sache an den Vaduzer Erzbischof Wolfgang Haas gewandt.[9] Am Abend desselben Tages wurde Reto Nay von der Kirchgemeinde Tujetsch fristlos entlassen. Das Bistum Chur forderte ihn auf, umgehend von seiner Tätigkeit als Pfarrer zurückzutreten; anderenfalls werde ihm die missio canonica entzogen.[26]

Im März 2013 leitete die Kantonspolizei Graubünden ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit gloria.tv ein. Um welche etwaigen Straftaten es sich handelte und ob wegen eines Verstosses gegen die Rassismus-Strafnorm durch die Verwendung von Hakenkreuzen ermittelt werde, wurde nicht bekannt gegeben.[2] Am 15. März 2013 wurde Nay auch durch Bischof Huonder seines Amtes enthoben.[27] Seit dem 16. März 2013 wird der Serverstandort von gloria.tv durch Hosting bei der Firma Cloudflare verschleiert.[5]

Einzelnachweise

  1. Kreuzzeichen aus Tuvalu, Süddeutsche Zeitung, 13. Januar 2013
  2. 2,0 2,1 Jetzt ermittelt die Bündner Kantonspolizei wegen gloria.tv, Die Südostschweiz, 14. März 2013
  3. Daniel Klingenberg: Die Hardcore-Katholiken, St. Galler Tagblatt, 17. Februar 2012
  4. 4,0 4,1 4,2 Abruf von gloria.tv, 15. März 1013
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Betreiberauskunft zu gloria.tv, Abrufe am 15. und 16. März 2013
  6. Robert Misik - "Heilige Bytes", aus dem Falter
  7. Schweizer Handelsregister: Gloria TV Productions (GTVP), di Doina Buzut, abgerufen am 16. März 2013
  8. Skandal um gloria.tv weitet sich aus, 20 Minuten, 15. März 2013
  9. 9,0 9,1 Bischof von Chur verlangt Löschung von Medien auf Gloria-TV, kath.net, 13. März 2013
  10. Fromme Texte, raue Sitten und beste Kontakte nach Rom, KirchenZeitung Linz, 18. März 2009
  11. Katholische Internetportale. Wächter und Hetzer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. September 2012
  12. Reiner Burger: Katholische Kliniken: Lasset uns Denunzieren, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Januar 2013
  13. Jörg Diehl und Birger Menke: Kirchliche Kliniken und Abtreibung: Die Katholischeren Spiegel Online, 21. Januar 2013
  14. Von der Täuschung zur Affäre - Kirche und extreme Kräfte, Westfälische Nachrichten, 24. Januar 2013
  15. Joachim Frank: Katholisches Krankenhaus: Abgewiesen aus Angst vor Täuschung Frankfurter Rundschau, 19. Januar 2013
  16. Hetze gegen deutsche Bischöfe, KNA-Bericht auf Domradio, 20. Februar 2013
  17. Rudolf Neumaier: Es hat sich ausgesegnet, Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2013
  18. Pfarrer zeigt gloria.tv wegen Hakenkreuz an, Main-Post, 4. März 2013
  19. Internetportal gloria.tv: Bischof von Chur tadelt ein bisschen, kipa-apic.ch, 10. März 2013
  20. Hakenkreuze am Bildschirm: Die Spur führt nach Sedrun, Die Südostschweiz, 10. März 2013
  21. Rudolf Neumaier: Ausgesegnet, Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2013
  22. Hendrik Vöhringer: Radikalkatholisches gloria.tv: Hetzer im Namen des Herrn, Spiegel Online, 10. März 2013
  23. A. Bättig: Die Hardcore-Katholiken mit dem Hakenkreuz, 20 Minuten, 11. März 2013
  24. Deborah Sutter: Radikaler Priester soll entlassen werden, 20 Minuten, 12. März 2013
  25. Diese Katholiken sind auf Krawall gebürstet!, frauenzimmer.de, ausgestrahlt auf VOX am 16. März 2013
  26. Radikaler Priester Reto Nay fristlos entlassen, 20 Minuten, 14. März 2013
  27. Schweiz: Gloria.tv-Mitarbeiter vom Bischof entlassen, Radio Vatikan, 15. März 2013

Weblink

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