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Geschichte des Alten Ägypten

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Das Alte Ägypten
Totenmaske des Tutanchamun
Zeitleiste
Vorgeschichte: vor 4000 v. Chr.
Prädynastische Zeit: ca. 4000–3032 v. Chr.
Frühdynastische Zeit: ca. 3032–2707 v. Chr.
1. bis 2. Dynastie
Altes Reich: ca. 2707–2216 v. Chr.
3. bis 6. Dynastie
Erste Zwischenzeit: ca. 2216–2137 v. Chr.
7. bis 11. Dynastie
Mittleres Reich: ca. 2137–1781 v. Chr.
11. bis 12. Dynastie
Zweite Zwischenzeit: ca. 1648–1550 v. Chr.
13. bis 17. Dynastie
Neues Reich: ca. 1550–1070 v. Chr.
18. bis 20. Dynastie
Dritte Zwischenzeit: ca. 1070–664 v. Chr.
21. bis 25. Dynastie
Spätzeit: ca. 664–332 v. Chr.
26. bis 31. Dynastie
Griechisch-römische Zeit: 332 v. Chr. bis 395 n. Chr.
Daten nach Stan Hendrickx und Jürgen von Beckerath
Zusammenfassung
Geschichte des Alten Ägypten
Weiterführendes
Portal Ägyptologie

Die Geschichte des Alten Ägypten wird in mehrere Epochen eingeteilt, die von der Vordynastischen Zeit bis hin zur Griechisch-Römischen Zeit reichen. Dabei umschließen sie insgesamt eine Zeitspanne von mehreren tausend Jahren. Dem griechisch schreibenden Historiker Manetho folgend wird die ägyptische Geschichte heutzutage in Dynastien unterteilt, wobei Manetho mit Dynastie wahrscheinlich nicht bestimmte familiär verbundene Herrscherfamilien meinte, sondern politisch und kulturelle Phasen, die durch die Wahl der Hauptstadt oder durch kulturelle Gegebenheiten definiert wurden. Von der modernen Forschung werden die Dynastien wiederum in die drei Phasen staatlicher Einheit (das Alte, Mittlere und Neue Reich) unterteilt. Die dazwischen liegenden Epochen, in denen Ägypten kein vereintes Land war, werden als Zwischenzeiten bezeichnet. Eine letzte große Blüte erlebte Ägypten in der sogenannten Spätzeit, wonach das Land unter die Herrschaft der Perser, Griechen und Römer gelangte.

Absolute Jahreszahlen für das dritte und zweite Jahrtausend v. Chr. sind in der Forschung teilweise stark umstritten. Aus dem alten Ägypten sind nur wenige Annalen und Königslisten erhalten, deshalb ist es nur bedingt möglich (und sinnvoll), eine politische Geschichte zu schreiben.

Übersicht

Gefäß der Negade-Kultur

Ab etwa 5000 v. Chr. gibt es neolithische Kulturen auf dem Boden des heutigen Ägyptens. Die frühsten sind vor allem aus dem Fayyum-Becken und dem Nildelta bekannt (Fayum-A-Kultur, Merimde-Kultur). Es gibt Anzeichen für Ackerbau und es wird eine einfache, undekorierte Keramik produziert, während Werkzeuge aus Stein und Knochen hergestellt werden. In der Merimde-Kultur werden auch kleine Tonfiguren produziert. Die Toten werden meist ohne viel Beigaben innerhalb der Siedlungen beigesetzt. Ab etwa 4500 v. Chr. gibt es in Oberägypten die Badari-Kultur. Es gibt die ersten Anzeichen für Kupferverarbeitung. Die Toten werden in speziellen Friedhöfen beigesetzt und teilweise reich mit Beigaben ausgestattet. Die Badari-Kultur wird in Oberägypten von der Negade-Kultur abgelöst. Diese wird in drei Phasen unterteilt (Negade I–III). In ihrem Verlauf gibt es Anzeichen für die Herausbildung städtischer Zentren und stärkerer sozialer Differenzierungen. Die Keramik wird zum Teil figürlich bemalt und Kupfer wurde verarbeitet. Es werden Steingefäße produziert. Auf Friedhöfen findet man einzelne größere Gräber, die offensichtlich einer Führungsschicht gehören. Im Norden herrschte zur gleichen Zeit die Maadi-Kultur, die starke kulturelle Verbindungen zu Palästina zeigt, im Lauf der Zeit aber von der Negade-Kultur abgelöst wird. Um 3200 v. Chr. findet sich die Negade-Kultur in allen Teilen des Landes, wobei es ungewiss bleibt, ob diese kulturelle Einigung auch eine politische Einigung des Landes widerspiegelt.[1] Am Ende der Negade-Kultur gibt es die ersten Belege für Schrift.

1. und 2. Dynastie

Elfenbeinplakette, die den Sieg des Den feiert

In späteren ägyptischen Quellen erscheint König Menes (um 3000 v. Chr.) als erster König eines gesamtägyptischen Staates. Er ist auch der erste Herrscher der 1. Dynastie. Es bereitet der modernen Forschung Schwierigkeiten, diesen König mit zeitgenössisch belegten Herrschern gleichzusetzen. Die folgenden ersten beiden Dynastien werden als die Thinitenzeit bezeichnet. Am Beginn der ersten Dynastie wurde die Hauptstadt des Landes nach Memphis verlegt. Die Könige werden in monumentalen Grabanlagen in Abydos beigesetzt. Bei Memphis entstanden große Friedhöfe des Hofstaates. Von Inschriften sind Feldzüge nach Nubien und Palästina bekannt, bei denen es sich jedoch anscheinend meist nur um einzelne Raubzüge handelte. Unter der langen Herrschaft des Den erlebte Ägypten den Höhepunkt der 1. Dynastie. Die Schrift wird weiter entwickelt. Es gibt Fortschritte in Architektur und Kunst. Von den Inschriften sind auch die Namen von Institutionen und Würdenträgern bekannt, die auf eine ausgeklügelte Verwaltung schließen lassen. Politisch stellt sich in unseren Quellen die 1. Dynastie als relativ stabil dar. Acht Herrscher regierten in einem Zeitraum von über 100 Jahren. In der 2. Dynastie verlagert sich das Zentrum des Landes immer weiter nach Norden. Die ersten Herrscher der Dynastie sind nun in monumentalen Grabanlagen bei Memphis bestattet. In der Mitte der Dynastie gibt es Anzeichen von Wirren. Die Einigkeit des Landes mag sogar auseinander gebrochen sein. Erst Chasechemui, der letzte Herrscher der Dynastie, stellte die Einheit des Landes wieder her. Von ihm sind auch zwei Statuen erhalten, die in Stil und Gestaltung schon alle Merkmale altägyptischer Plastik zeigen.

Das Alte Reich

Das Alte Reich begann mit der dritten Dynastie 2720 v. Chr. Es ist die Epoche, in der der typisch ägyptische Ausdruck in Kunst, Religion und Kultur gefunden und vor allem zum ersten Mal zu einer vollen Blüte entwickelt wurde. Verwaltungszentrum und königliche Residenz war im ganzen Alten Reich Memphis. Die meisten Herrscher dieser Epoche sind nur Namen für uns, die durch ihre Pyramidenanlagen bekannt sind. Texte, die politische Ereignisse überliefern, sind ausgesprochen selten.

3. Dynastie

Die Pyramide des Djoser

Djoser war der erste bedeutende Herrscher dieser Dynastie. Er war der Sohn von Nimaathapi, die wiederum Gemahlin von Chasechemui, dem letzten Herrscher der 2. Dynastie war. Djoser ließ für sich eine steinerne Pyramide erbauen. Es handelt sich um das erste Bauwerk aus bearbeiteten Steinen in Ägypten und leitet das Pyramidenzeitalter ein. Deren Baumeister Imhotep wurde noch in hellenistischer Zeit als Gottheit verehrt. Wenig ist über die Regierungszeit von Djoser bekannt und schon seine Nachfolger scheinen nur jeweils kurz regiert zu haben, so dass die Dynastie in vielerlei Hinsicht problematisch erscheint.

4. Dynastie

Die Pyramiden von Gizeh

Snofru (etwa 2670 bis 2620 v. Chr.) war der erste Herrscher der 4. Dynastie. Er erbaute gleich drei Pyramiden und kann daher als größter Baumeister Ägyptens bezeichnet werden. Das Land ist in dieser Zeit stark zentralistisch regiert worden. Ein Großteil der Ressourcen Ägyptens wurden für den Pyramidenbau in die Residenzregion gebracht. Die Verwaltung wurde in ihren Grundstrukturen so ausgebaut, wie sie im ganzen Alten Reich bestehen bleiben sollte, wobei die höchsten Beamten oft Familienmitglieder des Königshauses waren. Aus Annalen sind nubische Feldzüge des Snofru bekannt, aus dessen Regierungszeit jedoch sonst nur wenig bekannt ist. Sein Nachfolger Chufu (Cheops) ist der Erbauer der größten Pyramide Ägyptens. Auch aus seiner Regierungszeit sind nur wenige Ereignisse bekannt. Das gleiche gilt für Chephren, der eine fast ebenso große Pyramide errichtete. Die Grabmäler seiner Nachfolger sind dagegen verhältnismäßig klein, obwohl für sich genommen immer noch gigantische Anlagen.

5. Dynastie und 6. Dynastie

Die 5. Dynastie ist gekennzeichnet durch die besondere Aufmerksamkeit die viele Herrscher dem Sonnengott Re zukommen ließen. Viele Könige dieser Dynastie errichteten monumentale Sonnenheiligtümer, während ihre Pyramiden etwas kleiner als die der 4. Dynastie sind. Ab dem Ende der 5. Dynastie begann der Einfluss der Provinzen zu wachsen. Aus dieser Zeit stammen bedeutende Provinzialgrabanlagen, die andeuten, dass ein Teil der Ressourcen des Landes vor Ort blieb und nicht in die Residenz gebracht wurde. Am Ende der 5. Dynastie wurden keine weiteren Sonnenheiligtümer errichtet.

Pepi II. und seine Mutter

In der 6. Dynastie setzten sich die Tendenzen der 5. Dynastie fort. Die Provinzen erlangen immer mehr an Bedeutung. Es werden dort Residenzbeamte eingesetzt, die anscheinend die Kontrolle der Residenz über die fernen Provinzen sicherstellen sollen. Die Könige fingen nun auch an Tempel in den Provinzen zu errichten, die meist dem Königskult dienten. Aus der 6. Dynastie stammt die Biographie des Beamten Weni, von der man von Militärzügen nach Südpalästina erfährt. Am Ende der langen Regierungszeit von Pepi II. (etwa 2245 bis 2180 v. Chr) scheint die Einheit Ägyptens zerbrochen zu sein. Es gab verschiedene lokale Fürsten, die praktisch unabhängig von der Residenz regierten, auch wenn der Herrscher in Memphis nominell weiter als König anerkannt wurde. Nach dem Tod von Pepi II. folgten eine Reihe wenig bekannter und nur kurz regierender Könige.

Erste Zwischenzeit

Nach dem Tod von Pepi II. regierten noch einige bisher schlecht belegte Herrscher. Das Land verfiel in diverse mehr oder wenige unabhängige Fürstentümer, die die Könige in Memphis immer weniger kontrollieren konnten. Die folgende 7. und 8. Dynastie sind nur schlecht belegt. Nach Manetho soll es sich bei der 7. Dynastie um 70 Könige gehandelt haben, die in 70 Tagen regierten. Wahrscheinlich gab es diese Dynastie gar nicht. Die Herrscher der 8. Dynastie sind vor allem aus späteren Königslisten bekannt, nur wenige von ihnen sind auf zeitgenössischen Denkmälern überliefert. Von König Qakare Ibi fand sich die Pyramide. Sie ist klein und zeigt die schwindenden Ressourcen der Herrscher in Memphis. Aus Oberägypten stammt aus etwa dieser Zeit das Grab des Anchtifi, der dort stolz von seinen Eroberungen berichtet. Er handelte praktisch wie ein unabhängiger Regent, auch wenn er nicht die Königstitulatur führte. Die 9. und 10. Dynastie werden bei Manetho als herakleopolitanisch beschrieben. Wahrscheinlich regierten beide Dynastien von Herakleopolis (im Norden des Landes, am Eingang zum Fayyum) aus. Auch ihre Herrscher sind nur von wenigen Inschriften und späteren Königslisten bekannt. Zu etwa der gleichen Zeit nahmen im oberägyptischen Theben lokale Fürsten die Königstitulatur an. Innerhalb von 100 Jahren schafften sie es große Teile von Oberägypten zu erobern. Es sind Kämpfe gegen die Herakleopoliten bezeugt. Mentuhotep II., der aus Theben stammte, schaffte es schließlich innerhalb seiner 51 jährigen Regierungszeit den nördlichen Gegner zu besiegen und ganz Ägypten unter seine Herrschaft zu bringen.

Das Mittlere Reich

Das Mittlere Reich ist die zweite große Epoche des ägyptischen Reiches. Es umfasst die 11., 12. und Teile der 13. Dynastie. Das Mittlere Reich gilt als die feudale Periode der ägyptischen Geschichte. In verschiedenen Provinzen regierten lokale Fürsten, die zwar dem König loyal waren und teilweise von ihm an die Macht gesetzt wurden, aber erhebliche Ressourcen des Landes in der Provinz ließen. Im Vergleich zum Alten Reich ist ein reich gestreuter Wohlstand zu beobachten. Das Mittlere Reich kann in zwei Phasen unterteilt werden. Das frühe Mittlere Reich bis Sesostris II. war stark dezentralisiert, während im späten Mittleren Reich, ab Sesostris III. die Macht der lokalen Fürsten stark beschnitten wurde und auch die Verwaltung des Landes neu organisiert wurde. Es lässt sich eine starke Zentralisierung beobachten. Ein neuer Brauch des Mittleren Reiches ist die Koregentschaft. Viele Herrscher setzten noch zu Lebzeiten einen Sohn auf den Thron und regierten mit diesem zusammen. Damit wurden offensichtlich Thronstreitigkeiten schon im voraus vermieden.

Frühes Mittleres Reich

Sesostris I.

Nachdem unter Mentuhotep II. in der 11. Dynastie Ägypten um 2000 v. Chr. wieder zu einem Staat vereinigt wurde, begann der Herrscher mit dem Aufbau einer neuen Verwaltung und der Neuorganisation des Landes. Dieser Herrscher begann auch eine aggressive Außenpolitik. Vor allem in Nubien, aber auch in Palästina führte der Herrscher Krieg. Mentuhotep II. begann auch ein umfangreiches Tempelbauprojekt, in dem er verschiedene lokale Tempel in Oberägypten in Stein umbaute. Sein Sohn Mentuhotep III. scheint die Politik seines Vaters fortgesetzt zu haben, doch ist wenig zu seiner Regierungszeit bekannt. Die 11. Dynastie ging wahrscheinlich in Wirren zu Ende. Aus Unternubien sind einige Könige dieser Zeit bekannt, die Anspruch auf den Thron erhoben. Am Beginn der folgenden 12. Dynastie steht Amenemhet I.. Er verlegte die Hauptstadt von Theben nach Itj-taui in der Region des Fayyum. Amenemhet I. gelingt es auch, die Grenzen Ägyptens bis ins Herz Nubiens auszudehnen. Im Osten des Delta wurde eine Verteidigungslinie, die Mauer des Herrschers errichtet. Dieser Herrscher beginnt auch wieder mit dem Bau einer Pyramide. Sein Sohn und Nachfolger Sesostris I. führte die Politik weiter. Er eroberte vor allem Nubien bis zum 2. Katarakt und begann dort Festungen zu errichten. In einem umfangreichen Tempelbauprogramm scheinen fast alle wichtigen Tempel Ägyptens in Stein neu errichtet oder zumindest umgeformt worden zu sein. Seine Pyramide ist in vielen Details eine Kopie einer Pyramide des Alten Reiches und zeigt, wie sehr sich das Mittlere Reich an das Alte Reich orientierte. Gerade vom Ende der 11. und am Beginn der 12. Dynastie gibt Anzeichen für bürgerkriegsähnliche Zustände im ganzen Land. Offensichtlich wurden die Könige nicht von allen Seiten anerkannt. Schon am Beginn der 12. Dynastie begann man damit das Fayyum, eine Flussoase, die bisher kaum landwirtschaftlich genutzt wurde, für den Ackerbau nutzbar zu machen. Für Amenemhet II. gibt es auch konkrete Belege für Feldzüge nach Palästina, wo zwei Städte geplündert wurden.

Spätes Mittleres Reich

Sesostris III.

Unter Sesostris III. beginnt das späte Mittlere Reich. Die Macht der lokalen Fürsten wurde nun stark beschnitten. Der Herrscher führte Krieg in Nubien, wo weitere Festungen errichtet wurden und er führte Krieg in Palästina, wobei letztere Unternehmungen eher schlecht belegt sind. Immerhin gilt Sesostris im Bewusstsein der Nachwelt als einer der größten Feldherrn Ägyptens. In der Verwaltung treten neue Institutionen auf. Sein Sohn Amenemhet III. führte schließlich die Fruchtbarmachung des Fayyum zu Ende. Er errichtet zwei Pyramiden, eine davon nahe dem Fayyum. Seine beiden Nachfolger regierten nur verhältnismäßig kurz. Mit Nefrusobek, wahrscheinlich einer Tochter Amenemhets III. ging die Dynastie um 1800 v. Chr. zu Ende.

Die nachfolgende 13. Dynastie besteht aus einer großen Anzahl nur kurz regierender Herrscher. In Kultur und Verwaltung wird das späte Mittlere Reich bruchlos fortgesetzt, politisch scheint es aber Thronstreitigkeiten gegeben zu haben, von denen ägyptische Quellen jedoch nichts berichten und die nur aus den vielen, schnell aufeinander folgenden Königen erschlossen werden können. Nach einer besonders unruhigen Phase am Beginn der Dynastie kam es unter den Herrschern Neferhotep I. und Sobekhotep IV., die zusammen etwa 20 Jahre regierten, zu einer kurzen Erholungsphase, aber schon unter den Nachfolgern Jaib und Aja I., die vielleicht mehr als 30 Jahre regierten, verfiel das Reich vollkommen. Über die Ursachen ist viel gerätselt worden, doch spielten Asiaten, die in das Delta einwanderten und dort an einem gewissen Punkt die Macht übernahmen, sicherlich eine wichtige Rolle.

Zweite Zwischenzeit

Mit der Zweiten Zwischenzeit (etwa 1650 bis 1550 v. Chr.) beginnt eine weitere Epoche Ägyptens. Sie wird durch den Einfall semitischer Völker aus dem Osten gekennzeichnet. Die Hyksos (15. Dynastie) besetzen das Nildelta und große Teile Unterägyptens und machen Avaris zu ihrer Hauptstadt. Der ägyptische Hof zog sich nach Theben in Oberägypten zurück. Es handelt sich um die 16. und 17. Dynastie, wobei ein Teil der Forschung in der 16. Dynastie, Vasallenkönige der Hyksos sieht.[2] Dort regierten Könige in der Nachfolge der 13. Dynastie. Die wenige Quellen berichten von ständigen Kriegen gegen die nördlichen Nachbarn und man erfährt, dass zu einem ungewissen Zeitpunkt Nubier plündernd in Ägypten einfielen. Die wenigen Denkmäler aus dieser Epoche belegen einen drastischen Verfall in der Kunst. König Ahmose am Ende der 17. Dynastie gilt auch als Begründer der 18. Dynastie und vereinigt unter seiner Herrschaft ganz Ägypten.

Das Neue Reich

Echnaton

Das Neue Reich (etwa 1550 v. Chr. bis 1070 v. Chr.), eine der erfolgreichsten Epochen der ägyptischen Geschichte, umfasst eine Zeitspanne von rund 500 Jahren. Es handelt sich um die 18., 19. und 20. Dynastie. Theben wird zur religiösen und Memphis zur administrativen Hauptstadt. Die Periode ist gut durch königliche und private Inschriften belegt, wenn es auch im Detail viele offene Fragen gibt. Das Land öffnete sich mehr als jemals zuvor anderen Staaten des Nahen Ostens und die Könige führten eine umfangreiche Korrespondenz mit allen wichtigen zeitgenössischen Herrschern.

18. Dynastie

Ahmose und Amenophis I. (etwa 1525 bis 1504 v. Chr.) konsolidierten das nun wieder vereinigte Reich. Schon Thutmosis I. (etwa 1504 v. Chr. bis um 1492 v. Chr.) kann die Grenze im Süden des Landes weiter ausbauen, wodurch verstärkt Gefangene, bedingt durch militärische Feldzüge, nach Ägypten überführt werden. Nubien wird bis zum 4. Nilkatarakt erobert. Der Herrscher führt auch Kriege im Nahen Osten und gelangt bis nach Syrien und an den Euphrat. Nach dem Tode der regierenden Königin Hatschepsut folgt Thutmosis III.; seine 33 Kriegszüge festigen weiter die Vormachtstellung Ägyptens vor allem im Nahen Osten. Die dortigen Klein- und Stadtstaaten bis an den Euphrat werden zu Vasallen Ägyptens. Es kommt zu Konflikten mit der Großmacht Mitanni, im heutigen Syrien. Um 1353 v. Chr. besteigt Amenophis IV. den Thron Ägyptens. Er herrscht rund 17 Jahre lang. Seinen Regierungssitz verlegt er in die von ihm neu erbaute Stadt Achet-Aton und er ändert seinen Namen in Echnaton. Er verkündigt den Kult des Sonnengottes Aton und verfolgt den Kult des Gottes Amun und anderer Gottheiten. Seine Regierungszeit stürzt Ägypten in eine tiefe religiöse Krise. Sofort nach seinem Tod kehrten die Nachfolger zu den alten Kulten zurück. In der Folge geht die Macht in die Hände des Militärs. Haremhab war vor seiner Inthronisation ein bedeutender General.

19. und 20. Dynastie

Ramses II. erschlägt Feinde

Da viele Herrscher dieser Dynastien den Namen Ramses tragen wird diese Epoche auch als Ramessidenzeit bezeichnet. Auf Haremhab folgt die 19. Dynastie mit Ramses I. und Sethos I., der die Eroberungspolitik im Orient wieder aufnimmt und endlich Ramses II., der seine ganzen Kräfte dazu aufbringt, die Hethiter zu besiegen, wobei es aber zu keiner wirklichen Entscheidung kommt. Er verlegte seine Hauptstadt nach Piramesse im östlichen Delta. In seinem 21. Regierungsjahr kommt es zu einem Friedensvertrag zwischen den beiden Mächten. Ramses II. heiratete eine Tochter des hethitischen Großkönigs, um die nun guten Beziehungen beider Großmächte zu bestätigen. Ramses II. regierte über 60 Jahre, für die zweite Hälfte seiner Regierungszeit gibt es Anzeichen, dass Libyer in das Delta eindrangen. Unter Merenptah kam es zu einem Gegenschlag, der als Sieg gefeiert wurde, doch bleiben die Libyer in der Folgezeit ein den Staat in den Grundfesten bedrohendes Problem. Die 19. Dynastie endet in Thronstreitigkeiten, nach Merenptah folgten einige nur kurz regierende Herrscher und das Land war zeitweise sogar gespalten.

In der 20. Dynastie regierte Ramses III., der es schaffte die Seevölker vernichtend zu schlagen. Bei diesen handelt es sich um verschiedene Völkerschaften, die von Norden kommend Teile der Levante überrannten und diverse Staaten vernichteten. Erst vor den Toren Ägyptens kann dieser Bevölkerungsansturm gebremst werden. Die Nachfolger von Ramses III., die auch alle den Namen Ramses tragen, regierten meist nur kurze Zeit. Ägypten war in der Folgezeit von diversen Krisen und Bürgerkriegen gezeichnet. Der Regierungssitz blieb im Norden des Landes. Der Übergang zur folgenden 21. Dynastie ist mysteriös, jedenfalls scheint eine neue Herrscherfamilie, die in Tanis residierte, aber schon vorher Macht besaß, die Herrschaft nach dem Tod des letzten Ramses übernommen zu haben.

Dritte Zwischenzeit

Goldmaske von Psusennes I.

In der 21. Dynastie wurde Ägypten von Königen, die in Tanis residierten, regiert. Vor allem unter Psusennes I. wurde diese Stadt zur Residenz ausgebaut. Die Herrscher der Dynastie waren wahrscheinlich libyscher Abstammung, während in Oberägypten eine Seitenlinie des Königshauses regierte, deren Mitglieder militärische und priesterliche Titel trugen und sogar teilweise königliche Titel annahmen. Auch die folgende 22. Dynastie war libysch. Unter Scheschonq I. (um 946 bis 924 v. Chr.), dem Begründer der Dynastie, führt Ägypten wieder eine aggressive Außenpolitik. Der König fiel in Palästina ein und plünderte Städte, ohne dass es zu weiteren Eroberungen kam. Wichtige Positionen im Land, wie die der Hohepriester, wurden von ihm und den folgenden Herrschern von Söhnen der Könige besetzt.

Dies führte jedoch schnell zu einer Aufsplitterung des Landes, da viele von diesen Söhnen versuchten, die Macht an sich zu reißen und selbst den Königstitel anzunehmen. Insgesamt bereitet es der Forschung Schwierigkeiten die einzelnen Herrscher der 22. und der folgenden 23. Dynastie auseinander zu halten, da sie oftmals identische Eigen- und Thronnamen tragen. Als der nubische König Pije (um 746 bis 715/713 v. Chr.) in Ägypten einfiel, fand er das Land in zahlreiche kleine Königstümer aufgeteilt. Pije war der Begründer der 25. Dynastie. Zumindest teilweise wurde Ägypten nun von Nubien aus regiert.

Unter Taharqa erlebte das Land eine intensive königliche Bautätigkeit. Dieser Herrscher hatte aber auch mit den Assyrern zu kämpfen, die er mehrmals abwehren konnte. 671 v. Chr. wurde Memphis erobert, doch konnten die Assyrer sich nicht in Ägypten halten und wurden zurückgeschlagen. Tanotamun konnte 664 v. Chr. zwar das Nildelta erobern und bis 663 v. Chr. den assyrischen König Assurbanipal vertreiben, der jedoch Tanotamun anschließend bis nach Theben verfolgte. Um 655 v. Chr. endete die assyrische Herrschaft auch in Unterägypten durch Psammetich I., der die Assyrer aus Ägypten vertrieb.

Spätzeit

Pharao Amasis (26. Dynastie)

Nach der Vertreibung der Assyrer gelangte mit Psammetich I. wieder ein einheimischer König an die Macht (obwohl wahrscheinlich im weitesten Sinne auch libyisch). Er begründet die 26. Dynastie (um 664 bis 525 v. Chr.), die es wieder schaffte, Ägypten zu vereinigen und für mehr als ein Jahrhundert in eine Blütezeit führte. Diese Epoche wird auch oft als Saitenzeit bezeichnet, da nun Sais im Delta, die Hauptstadt war.

Auch bei dieser Dynastie handelte es sich nicht im engeren Sinne um eine einzelne Herrscherfamilie. Während die ersten Könige dieser Dynastie verwandtschaftlich verbunden waren, gehörten die letzten beiden einer anderen Familie an. Im Inneren des Landes wurde eine neue Verwaltung aufgebaut. Durch eine neue weltpolitische Lage war Ägypten jetzt viel mehr als vorher in weltpolitische Ereignisse verwickelt. Die Herrscher der 26. Dynastie führten Krieg in Nahen Osten, wo mit dem neubabylonischen Reich ein gefährlicher Gegner entstanden war. Durch Feldzüge und Diplomatie versuchte man, dieser Gefahr Herr zu werden.

570 v. Chr. konnte sogar Zypern erobert werden. Auch gegen den Westen wurde in den Krieg gezogen, wo in der Kyrenaika griechische Kolonien zu finden waren. In Naukratis entstand auf ägyptischen Boden eine griechische Händlerkolonie. 539 v. Chr. wurde das Neubabylonische Reich durch das Achämenidenreich vernichtet. 525 v. Chr. konnten sie den herrschenden Pharao besiegen. Ägypten wurde eine Satrapie des Achämenidenreich.

Die Herrschaft des Achämenidenreiches dauerte von 525 bis 404/401 v. Chr. Hauptstadt der Satrapie war Memphis, wo ein Satrap die Provinz verwaltete. In den ersten Jahrzehnten der Herrschaft bauten die persischen Könige Tempel in ägyptischen Stil und ließen sich auf ihnen als Pharao mit einer königlichen Titular in ägyptischen Stil darstellen. Für den späteren Teil der persischen Herrschaft ist dies weniger bezeugt. Es gab verschiedene ägyptische Aufstände gegen die Fremdherrschaft. Amyrtaios konnte schließlich ab 404 v. Chr. die Perser aus Ägypten vertreiben. Er ist der einzige Herrscher der 28. Dynastie, zusammen mit der nachfolgenden 28. und 29. Dynastie wurde Ägypten bis 341 v. Chr. zum letzten Mal für über 2000 Jahre von einheimischen Herrschern regiert. Vor allem die Herrscher der 30. Dynastie entfalteten eine rege Bautätigkeit im ganzen Land. Außenpolitisch bestand weiterhin die Gefahr eines erneuten Angriffes des Achämenidenreich. 341 v. Chr. wurde Nektanebos II. schließlich von Artaxerxes III. geschlagen und Ägypten geriet wieder unter persische Herrschaft, die jedoch nur bis 332 v. Chr. dauerte.

Das Reich Alexanders des Großen

Griechisch-römische Zeit

Alexander der Große besiegelte 332 v. Chr. endgültig das Schicksal Ägyptens und begründete die griechische Herrschaft. Nach dem Tode Alexanders übernahm Ptolemaios I. die Macht am Nil, Alexandria wurde Hauptstadt. 47 v. Chr. landete Caesar in Ägypten. Nach der entscheidenden Schlacht bei Actium im Jahr 31 v. Chr. nahmen sich Cleopatra und Marcus Antonius das Leben. Ägypten wurde römische Provinz. Auch die römischen Kaiser ließen sich vom ägyptischen Volk als Pharaonen feiern. Nach der Teilung des Römischen Reiches fiel Ägypten an Ostrom.

Literatur

Siehe auch: Portal:Ägyptologie/Literaturliste

Einzelnachweise

  1. Es gibt verschiedene Ansichten zur Reichsbildung, siehe: W. Christiana Köhler: Theories of State Formation, In: W. Wendrich: Egyptian Archaeology, Malden, MA 2010, ISBN 978-1-4051-4987-7, S. 36-54
  2. Diese Ungewissheit geht auf Manetho zurück, bei einigen Kopisten (so Eusebius von Caesarea) wird die Dynastie als thebanisch, bei anderen als zu den Hyksos gehörend bezeichnet (so Sextus Iulius Africanus).
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