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George Eliot

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George Eliot, Porträt von Frederick William Burton, 1865.

George Eliot, eigentlich Mary Anne Evans, (geb. 22. November 1819 in Nuneaton, Grafschaft Warwickshire; gest. 22. Dezember 1880 in London) war eine englische Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin, die zu den erfolgreichsten Autoren des viktorianischen Zeitalters zählt. Romane wie Middlemarch und Die Mühle am Floss gehören zu den Klassikern der englischen Literatur.

Leben

Kindheit, Jugend und Anfänge als Journalistin

Geburtshaus der Schriftstellerin, South Farm, Arbury.

Mary Anne Evans kam 1819 in der South Farm auf dem Landgut Arbury in Warwickshire zur Welt, als Tochter des Gutsverwalters Robert Evans und dessen zweiter Frau Christiana Pearson. Sie war das jüngste von insgesamt fünf Kindern der Familie, davon zwei aus erster Ehe ihres Vaters.[1]

Sie wuchs im Griff House in der Nähe Nuneatons auf und besuchte die Schulen in Nuneaton und Coventry, wo sie als hervorragende Schülerin galt. Die Stellung ihrer Vaters gab Mary Anne Evans sowohl Einblick in das Leben der Arbeiterschicht als auch des Landadels und verschaffte ihr Zugang zur Bibliothek des Gutes. Beeinflusst von einer Lehrerin wandte sie sich 1834 dem Evangelikalismus zu.[2]

Ihre Mutter starb 1836, als Mary Anne Evans sechzehn war.[1] Zu diesem Zeitpunkt bildete sich Mary Anne zuhause mit Hilfe von Hauslehrern weiter und führte zusammen mit einer Schwester den Haushalt. Nach der Heirat ihrer Schwester im Jahr 1837, oblag Mary Anne diese Pflicht alleine.[3] In der Zeit nach dem Tode ihrer Mutter verkürzte sie ihren mittleren Namen auf „Ann“.[4] Als ihr Bruder Isaac 1841 heiratete, übernahm er das Haus der Familie und sie zog mit ihrem Vater nach Foleshill, einem Vorort Coventrys.[2] Dort erhielt sie Zugang zum Umfeld des Fabrikanten Charles Bray, Unitarier und Anhänger Robert Owens, dessen Haus ein Treffpunkt liberaler Freidenker war.[5] Dieser sogenannte Rosehill circle eröffnete ihr neue Einsichten in intellektuelle und religiöse Fragen. Als Resultat legte sie schrittweise ihren Glauben nieder, was zu Konflikten mit ihrem Vater führte.[6]

Während dieser Zeit begann sie regelmäßig für die Zeitung Charles Brays zu schreiben und übersetzte David Friedrich Strauß' Das Leben Jesu ins Englische. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1849, den sie bis ans Lebensende gepflegt hatte, unternahm sie mit Freunden eine Reise durch Europa und ließ sich für mehrere Monate in Genf nieder. Zurück in England zog sie nach London und arbeitete unter dem Namen Marian Evans als Redaktorin für die liberale Zeitschrift Westminster Review, mit deren verheiratetem Herausgeber sie eine kurze Affäre einging. Durch ihre Arbeit kam sie in Kontakt mit vielen wichtigen britischen Intellektuellen der damaligen Zeit.

Beziehung zu George Henry Lewes

Über die Bekanntschaft mit Herbert Spencer, in den sie sich verliebte aber von ihm zurückgewiesen wurde, lernte Evans den verheirateten Autoren George Henry Lewes kennen, mit dem sie eine offene Liebesbeziehung zu führen begann. Diese „wilde Ehe“ war ein Skandal in der damaligen Zeit und wurde auch im Bekanntenkreis des Paars nicht goutiert.[7] Lewes konnte aber nicht das Geld für eine Scheidung aufbringen, und da er für ein nicht von ihm gezeugtes Kind seiner Frau die Vaterschaft übernommen hatte, hatte er damit den Ehebruch gebilligt und konnte ihn nicht mehr als Scheidungsgrund vorbringen.[8]

Mittlerweile nicht mehr bei der Westminster Review beschäftigt, übernahm sie die Übersetzung von Ludwig Feuerbachs Das Wesen des Christentums. 1854 unternahm das Paar eine Reise nach Deutschland, wo Lewes Material für eine Goethe-Biographie zusammentrug und die beiden im Kreise deutscher Intellektueller eine weitaus tolerantere Haltung zu ihrer Beziehung erfuhren. Nach ihrer Rückkehr ließen sie sich als Mr. und Mrs. Lewes in Richmond nieder, im Südwesten Londons.[9]

Einstieg in die Belletristik

Im Jahr 1857 erschien im Blackwood’s Edinburgh Magazine mit der Kurzgeschichte The Sad Fortunes of the Reverend Amos Barton Marian Lewes erstes belletristisches Werk. Das Manuskript wurde von George Henry Lewes an den Verleger übermittelt, als Autor wurde ein Mann namens „George Eliot“ angegeben, dessen Namen fortan zu Marian Lewes literarischen Pseudonym wurde. Amos Barton wurde 1858 zusammen mit den beiden Kurzgeschichten Mr. Gilfil’s Love Story und Janet’s Repentance, die ebenfalls im Blackwood’s Magazine publiziert wurden, unter dem Titel Scenes of Clerical Life bei Blackwood als Buch veröffentlicht und mit Lob bedacht.[10] Just in dieser Zeit ersten literarischen Erfolgs erfuhr ihr Bruder Isaac, dem sie sich sehr verbunden fühlte, von der Natur ihres Verhältnisses zu George Henry Lewes und brach jeden Kontakt zu ihr ab.[11]

Erfolg als Romanautorin

George Eliot, ca.1865

1859 veröffentlichte George Eliot ihren ersten Roman Adam Bede, der zum Bestseller wurde. Wie in ihren Kurzgeschichten porträtierte sie auch hier Charaktere, die sie aus dem ländlichen Leben ihrer Jugend in Warwickshire kannte. Schon vor der Veröffentlichung ihres nächsten Romans wurde bekannt, wer sich hinter dem Pseudonym verbarg. Die Mühle am Floss kam 1860 heraus und war stark an ihrer eigenen Biographie angelehnt. 1861 folgte Silas Marner.[12] Für die von 1862 bis 1863 veröffentlichte Romanserie Romola wechselte sie aufgrund eines lukrativen Angebots zum Blackwood-Konkurrenten Cornhill Magazine, der historische Roman stellte sich aber als Misserfolg heraus. Mit Felix Holt, The Radical (1866), den sie in der Zeit des Reform Act 1832 ansiedelte, kehrte sie zu Blackwood zurück. In ihrem ab Dezember 1871 erschienenen Roman Middlemarch beschrieb George Eliot das Leben in einer fiktiven gleichnamigen Kleinstadt in den Midlands um das Jahr 1830. Middlemarch wurde zu ihrem größten Erfolg. Der letzte Roman von George Eliot, Daniel Deronda, wurde 1876 veröffentlicht. [13]

Ihre Schriften hatten viel Erfolg und nahmen Einfluss auf die englische Literatur. Immer wieder griff sie in ihren späteren Arbeiten philosophische und sozialpolitische Probleme auf. Ihre freien und revolutionären Gedanken wurden nicht überall mit Zustimmung aufgenommen. Sie wurde aufgrund ihres großen Erfolgs schrittweise wieder von der Gesellschaft aufgenommen. Nach dem Tod von George Henry Lewes heiratete sie schließlich den 20 Jahre jüngeren John W. Cross, der sich auf der Hochzeitsreise aus seinem Hotelzimmerfenster in Venedig in einen Kanal stürzte (und überlebte). Mary Ann Evans war trotz allem ein wichtiges Mitglied des geistigen Lebens in London, wo sie am 22. Dezember 1880 verstarb. Ihr Grab ist auf dem Highgate Cemetery von London zu finden.[14]

Namensänderungen

George Eliot benutzte in ihrem Leben mindestens sieben Namen: Sie wurde als „Mary Anne Evans“ geboren, korrespondierte mit ihrer streng religiösen ersten Lehrerin und Freundin Maria Lewis als „Clematis“, nannte sich „Mary Ann Evans“ nach dem Tod ihrer Mutter, nach ihrem Umzug nach London hatte sie als „Marian Evans“ als Managerin der Westminster Review großen Erfolg, brüskierte als „Marian Evans Lewes“ die prüde Gesellschaft, kam als „George Eliot“ zu Weltruhm und starb schließlich als respektable Ehefrau „Mary Ann Cross“.

Werke

Romane

Kurzgeschichten

  • Scenes of Clerical Life. (1858)
    • The Sad Fortunes of the Reverend Amos Barton. (1857)
    • Mr. Gilfil’s Love Story Janet’s Repentance. (1857)
    • Janet’s Repentance. (1857)

Verfilmungen

  • 1994: Middlemarch
  • 2002: Daniel Deronda

Literatur

  • Rosemary Bodenheimer: The Real Life of Mary Ann Evans. Ithaca: Cornell University Press, 1994. ISBN 0801429889
  • Tim Dolin: George Eliot. Aus der Reihe: Oxford World’s Classics. Authors in Context. Oxford: Oxford University Press, 2005. ISBN 0-19-284047-9
  • Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. New York: Cambridge University Press, 2008. ISBN 978-0-521-85462-7
  • Dies.: The life of George Eliot : a critical biography. Chichester [u.a.] : Wiley-Blackwell, 2012. ISBN 978-1-405-13705-8
  • Jan Jędrzejewski: George Eliot. London: Routledge, 2007. ISBN 978-0-415-20249-7
  • George Levine: The Cambridge Companion to George Eliot. New York: Cambridge University Press, 2001. ISBN 978-0-521-66267-3
  • Elsemarie Maletzke: George Eliot. Insel Verlag, 1993. ISBN 3458336737
  • Carol A. Martin: George Eliot's Serial Fiction. Ohio State University Press, Columbus OH, 1994. ISBN 0814206255 (Digitalisat auf den Seiten des Verlags im Vollzugriff)
  • Meinhard Winkgens: Die kulturelle Symbolik von Rede und Schrift in den Romanen von George Eliot: Untersuchungen zu ihrer Entwicklung, Funktionalisierung und Bewertung. Tübingen: Narr, 1997. ISBN 3823354035

Weblinks

 Commons: George Eliot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 1
  2. 2,0 2,1 Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 2 f.
  3. Tim Dolin: George Eliot. S. 9
  4. Rosemarie Bodenheimer: A woman of many names. In: George Levine (Hrsg.): The Cambridge Companion to George Eliot. S. 22.
  5. Tim Dolin: George Eliot. S. 11 f., S.
  6. Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 4
  7. Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 5. f
  8. Gerlinde Röder-Bolton: George Eliot in Germany, 1854-55: ‘Cherished Memories’. Burlington: Ashgate Publishing, 2006. ISBN 0754650545 S. 139.
  9. Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 7
  10. Rosemarie Bodenheimer: A woman of many names. In: George Levine (Hrsg.): The Cambridge Companion to George Eliot. S. 29. f.
  11. Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 8
  12. Rosemarie Bodenheimer: A woman of many names. In: George Levine (Hrsg.): The Cambridge Companion to George Eliot. S. 30 f.
  13. Nancy Henry: The Cambridge Introduction to George Eliot. S. 9 f.
  14. knerger.de: Das Grab von George Eliot


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel George Eliot aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.