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Georg Steindorff

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Georg Steindorff (geb. 12. November 1861 in Dessau; gest. 28. August 1951 in North Hollywood, Kalifornien) war ein deutscher Ägyptologe. Er gilt als einer der herausragenden Vertreter seines Faches in Deutschland und neben Adolf Erman und Ludwig Borchardt als bedeutendster Vertreter der zweiten Generation deutscher Ägyptologen.

Leben

Georg Steindorff studierte am Ägyptologischen Seminars der Universität Göttingen. Wohl schon zu Beginn seiner Studienzeit konvertierte er vom Judentum zum Protestantismus. Er wurde 1884 bei Paul de Lagarde mit der Dissertation Prolegomena zu einer koptischen Nominalclasse promoviert. 1893 berief ihn die Universität Leipzig auf eine außerordentliche Professur. Den seit 1870 bestehenden Lehrstuhl für Ägyptologie hatte zuvor Georg Ebers (1837–1898) inne. Steindorff trat 1897 auch bei der Bearbeitung des auf hohem wissenschaftlichen Stand stehenden Baedeker-Bands "Ägypten" die Nachfolge Ebers an und war dessen Verfasser bis zur letzten Zwischenkriegsauflage von 1928, die die Grabungserfolge von Howard Carter im Tal der Könige berücksichtigte. Seit 1898 war Steindorff Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. 1904 wurde er Ordinarius und zu einem der bedeutendsten Lehrkräfte der Universität Leipzig seiner Zeit.[1] In den unruhigen Zeiten 1918/19 wirkte er als Dekan der Philosophischen Fakultät. In dieser Zeit überwarf sich der streng national-konservative Steindorff mit seinem kommunistischen Sohn, dem Autor und Übersetzer Ullrich Steindorff. Höhepunkt der Karriere wurde das Rektorat an der Universität im Jahr 1923/24. Die von dem Archäologen Gustav Seyffarth begründete ägyptische Sammlung erhielt durch Steindorff ihre wesentliche Prägung. Er baute die kleine Lehrsammlung zu einem Museum, dem Ägyptischen Museum der Universität Leipzig, aus. Auf seinen Forschungsreisen nach Ägypten erwarb er Gegenstände des Haus- und Grabgebrauchs, aber auch Kunstwerke kleineren Formats. Auch die Funde von Ausgrabungen (z. B. den Kalksteinkopf der Königin Nofretete) verbrachte er mit Erlaubnis des damals von Franzosen verwalteten Antikendienstes nach Leipzig. Von besonderer Bedeutung sind Steindorffs Grabungstätigkeit in Giza, Qau el-Kebir und Aniba in den Jahren 1903 bis 1931. Das Ägyptische Museum besitzt viele Objekte, die bei diesen Expeditionen entdeckt wurden. Von Mitte Dezember 1926 bis Mitte Dezember 1932 war er stellvertretender Sekretär der philosophisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie.

Steindorffs eigentlich zum 31. März 1930 fällige Emeritierung wurde auf Bitten der Universität zunächst für zwei Jahre, 1931 erneut um ein Jahr bis 1933 ausgesetzt. Auch danach lehrte er noch ein weiteres Jahr weiter, da sich die Besetzung des Lehrstuhls als problematisch darstellte. Der eigentliche Wunschkandidat Hermann Kees nahm den Ruf nicht an, schließlich wurde der Lehrstuhl 1934 mit Steindorffs Assistenten Walther Wolf besetzt. Zu dieser Zeit wurden jüdische Lehrkräfte an deutschen Universitäten aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums generell entlassen. Dennoch durfte Steindorff noch bis 1937 die Infrastruktur, etwa Sammlung und Bibliothek des Seminars, benutzen. Zudem behielt er sein Büro und die Unterstützung seiner Mitarbeiter. Aufgrund seines weltweit hohen Ansehens genoss er einen relativen Schutz vor Verfolgung, weshalb er die Gefahr lange Zeit falsch einschätzte. Seit 1935 verschlechterte sich die Lage dramatisch. Eine Reise zum Orientalistenkongreß nach Rom wurde ihm untersagt, ebenso aufgrund des Reichsbürgergesetzes die weitere Lehrtätigkeit, was zu einer massiven Verschlechterung des Lehrangebotes an der Universität führte. Bei den von ihm heraus gegebenen Urkunden des ägyptischen Altertums und der Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde musste er Wolf als Mitherausgeber akzeptieren, 1937 wurde er endgültig als Herausgeber verdrängt. Zu einem weiteren Schicksalsschlag wurde der erzwungene Austritt aus der Sächsischen Akademie im Dezember 1938, der er 40 Jahre lang angehört hatte. Mit diesem kam er - auf Anraten seines Freundes Ludwig Weickmann, dem damals amtierenden Sekretär der Philosophisch-historischen Klasse - einem Ausschluss zuvor. 1936 verkaufte Steindorff den Großteil seiner ägyptologischen Privatsammlung an die Universität und bereiste bis 1938 mehrmals die USA. Wahrscheinlich dienten diese Reisen einer geplanten Übersiedlung der Familie in die USA. Spätestens die Ereignisse der „Reichspogromnacht“ machten diese Entscheidung endgültig. In einem Brief an den US-amerikanischen Ägyptologen John Wilson bezeichnete er diese Zeit als „darkest days at Leipzig, some weeks after the pogrom of November, 1938“.

Im März 1939 emigrierte er mit seiner Familie in die USA, konnte dabei, anders als ein Großteil anderer jüdischer Flüchtlinge, seinen gesamten mobilen Besitz einschließlich antiker Möbel, seines Bechstein-Flügels, seiner Bibliothek und etwa 100 ägyptischer Antiquitäten mit nach Kalifornien nehmen. Zunächst war er als Research Associate an der Walters Art Museum in Baltimore angestellt, danach lebte er bis zu seinem Tod in Nord-Hollywood, wo er wieder mit seinem Sohn zusammentraf. 1944 wurde er amerikanischer Staatsbürger. 1946 wurde Steindorff wieder als korrespondierendes Mitglied in die Sächsische Akademie aufgenommen. Bekannt ist seine Auflistung deutscher Ägyptologen, die er in einem Brief an Wilson aufgezählt und sie dabei in Abhängigkeit von ihrer Nähe zum NS-System als "belastet" oder "unbelastet" eingestuft hatte. 2008 wurde das Leipziger Ägyptologische Institut nach Steindorff benannt.

In den Jahren von 1992 bis 2011 stritten sich die Universität Leipzig, die amerikanischen Erben Steindorffs und die Jewish Claims Conference (JCC) um die Besitzrechte von 1937 an die Universität verkauften Stücken aus der Sammlung des Archäologen. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin vom 26. Mai 2011 müssen die Antiquitäten der JCC überlassen werden und stehen somit nicht mehr dem 2010 neu bezogegenen Ägyptischen Museum Leipzig und damit den Studierenden zur Verfügung.[2] Die JCC verzichtete im Juni 2011 auf den Restitutionsanspruch, nachdem die Öffentlichkeit durch einen Artikel des Ägyptologen Jan Assmann in der FAZ auf den Vorgang aufmerksam gemacht wurde.[3]

Georg Steindorff war mit Elise Oppenheimer, einer Schwester von Franz Oppenheimer verheiratet.

Schriften (Auswahl)

  • Prolegomena zu einer koptischen Nominalclasse. 1884
  • Koptische Grammatik mit Chrestomathie, Wörterverzeichnis und Litteratur (= Porta linguarum Orientalium. Bd. 14, ZDB-ID 1161698-2). Reuther & Reichard u. a., Berlin 1894.

Literatur

  • Steindorff, Georg. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4. überarbeitete Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 297.
  • Thomas Schneider: Ägyptologen im Dritten Reich. Biografische Notizen anhand der sogenannten „Steindorff-Liste“. In: Journal of Egyptian History. Vol. 4, Iss. 2, 2011, ISSN 1874-1657, S. 109–216.

Einzelnachweise

  1. siehe: Thomas Schneider: Ägyptologen im Dritten Reich. Biografische Notizen anhand der sogenannten „Steindorff-Liste“. In: Journal of Egyptian History. Vol. 4, Iss. 2, 2011, S. 111.
  2. Jan Assmann: In wessen Namen wird entschädigt und zurückgegeben? In: FAZ vom 8. Juni 2011, S. N3.
  3. Jürgen Kaube: Restitutionsansprüche: Steindorffs Wille. In: FAZ vom 23. Juni 2011, S. 33.

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Georg Steindorff aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.