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Gedalja Schorr

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Gedalja Schorr

Reb Gedalja Halevi Schorr (geb. 27. November 1910 in Galizien nahe Przemyśl; gest. 7. Juli 1979 / 7. Tamus 5739 in Brooklyn NY) war ein bedeutender Rabbiner und Rosch Jeschiwa. Einige betrachteten ihn als "ersten der Gedolim seiner Generation", eine von Aharon Kotler herrührende Bezeichnung. Rabbi Meir Shapiro, der berühmte Rosch Jeschiwa der Chamei Lublin-Jeschiwa, bemerkte, dass Rabbi Schorr der brillanteste Kopf gewesen sei, dem er je in Amerika begegnen durfte, und einer der scharfsinnigsten Denker auf der ganzen Welt. Dies sagte Shapiro, als Rabbi Schorr gerade einmal 19 Jahre alt war.

Leben

Reb Gedalja kam im Stetl Istrick zur Welt, als sechstes von insgesamt sieben Kindern von Avraham Halevi Schorr. Er wurde nach seinem Grossvater väterlicherseits, Gedaljahu, benannt, einem hoch angesehenen jüdischen Gelehrten und engem Anhänger des Rebben von Sadigura, Nachfahre von Yisroel Friedman von Ruzhin. Die Familie war eng verbunden mit dem Chassidut Ruzhin (Rozin).

1922 war Reb Gedaljas Vater gezwungen, nach Amerika auszuwandern, und nahm die ganze Familie mit sich. Sie liessen sich zunächst an der Lower East Side nieder, wo Gedalja in die Jeschiwa "Reb Jitzchak Elchanan" eintrat, gingen dann aber nach Williamsburg, Brooklyn. Reb Gedalja widmete sich uneingeschränkt und mit grösster Leidenschaft dem Torastudium, was er sein Leben lang beibehielt. Seine Liebe zur Tora kannte keine Grenzen und dies war für ihn wahrlich der Lebensgeist. Als er als zwölfjähriger Knabe hörte, wie bei der ersten Knessia Gedola zum Daf Hajomi-Lernen aufgerufen wurde, schloss er sich sogleich dem Daf-Jomi-Schiur an. Als er nur fünfzehn Jahre alt war, begann er schon für ein grösseres Publikum einen Daf Jomi-Schiur zu erteilen. Als der Gaon Raw Meir Schapira für einen Besuch nach Amerika kam, traf sich Raw Gedalja mit ihm und sie unterhielten sich miteinander. Schon bald erregte Raw Gedalja die Aufmerksamkeit von Rabbi Shraga Feivel Mendlowitz, des Leiters der Yeshiva Torah Vodaas, wohin Raw Gedalja zum Lernen wechselte. Raw Mendlowitz eröffnete ihm neue Dimensionen und Zugänge im vertieften Lernen, andererseits auch in der Torat Hachassidut, besonders im Sefer "Sfat Emet".

Im Alter von nur 21 Jahren wurde Rabbi Schorr von Raw Mendlowitz zum Ausbilder und Leiter der höchsten Klasse der Mesivta Torah Vodaas ernannt. In späteren Jahren, als Rabbi Shlomo Heiman, Rosch Jeschiwa der Yeshiva Torah Vodaas, erkrankt war und deshalb für eineinhalb Jahre seinen Pflichten nicht mehr nachkommen konnte, vertrat Raw Schorr Raw Heiman während der Dauer von dessen Erkrankung.

Zusätzlich zu seinem Amt in der Jeschiwa unterrichtete er unentgeltlich junge Bachurim der Ze'irei Agudat Jisrael. Raw Mosche Scherer schreibt darüber in seinen Memoiren: "Ich kann es nicht vergessen, wie er, ein Bachur, der schon ganze Messechtot des Schass wortwörtlich mit ihren Kommentaren auswendig kannte und dem Funken vom Maharal, Sfat Emet und Reb Zadock aus dem Munde sprühten, sich am Schabbat-Nachmittag mit einigen Jugendlichen der Ze'irei Agudat Jisrael hinsetzte und ihnen einen Passuk in Chumasch mit Raschi erklärte, mit ihnen ein Stück des Midrasch lernte und ihnen eine chassidische Geschichte erzählte! Er wollte nicht, dass die Tora in Jisrael in Vergessenheit gerät!"

Nach seiner Heirat mit Shifra Isbee im Jahr 1938 verliess Rabbi Schorr die Jeschiwa gemeinsam mit seiner Frau, um in Kletzk in Weissrussland an der von Aharon Kotler geleiteten Jeschiwa weiter zu studieren. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte Raw Schorr auf Ersuchen seiner Familie sowie auf Anweisung des amerikanischen Konsuls in Polen nach Amerika zurück, obwohl ihm Raw Kotler davon abgeraten hatte. Er befand sich auf dem letzten Schiff, das vor dem Ausbruch des Krieges nach den USA gelangte.

Während des Zweiten Weltkriegs widmete sich Reb Gedalja Schorr der Rettung der europäischen Jehudim, insbesondere der Rettung seines Lehrers, Reb Ahron Kottler. Reb Mosche Scherer schreibt darüber: "Zwischen den Jehudim in Amerika nahmen die Ze'irei Agudat Jisrael unter der Leitung von Reb Elimelech (Mike) Tress einen grossen Anteil an der Rettung von Jehudim aus Europa. Es ist aber nur bei Einzelnen bekannt, dass die Hauptquelle dafür und der grosse Ansporn für diese früchtetragende Wirkung vom Gaon Reb Gedalja Schorr stammte!"

Nach dem Tode von Raw Mendlowitz 1948 wurde Raw Schorr an seiner statt zum Leiter von Torah Vodaas ernannt. Die Aufgaben dort als Rosch Jeschiwa übernahm er vollumfänglich allerdings erst 1958 nach dem Tod des bisherigen Rosch Jeschiwa, Raw Reuven Grozovsky. Raw Schorr hielt ab diesem Zeitpunkt wöchentliche Kurse am Beth Medrash Elyon ab. Reb Gedalja amtierte während dreiunddreissig Jahren als Leiter der Jeschiwa, ab dem Zeitpunkt, als Reb Schraga Feivel Mendelovitz im Jahre 5707 (1947) erkrankte. Reb Schraga Feivel versammelte damals alle Schüler der Jeschiwa und verkündete weinend, dass Reb Gedalja infolge seiner Erkrankung anstatt er selbst die Leitung der Jeschiwa übernehmen solle.

Während dieser Jahre steckte Reb Gedalja all seine Gedanken und Kräfte in die Bildung und das Gedeihen der Schüler. Während er sich vollkommen seinem Tora-Lernen widmete, wusste er gleichzeitig genau, was jeweils in der Jeschiwa vor sich ging, und kümmerte sich um jeden Talmid wie ein Vater um seinen Sohn. Er verstand es, seinen Schülern die Liebe zur Tora einzupflanzen, und sie zu lehren, wie man Tora "lischma" lernt.

Von 1970 bis zu seinem Tod war er ein angesehenes Mitglied des Präsidums von Agudath Israel of America. Ausgewählte Beispiele seiner Tora-Schiurim finden sich im Sefer "Ohr Gedalyahu", das er in den letzten drei Jahren seines Lebens verfasste.

Raw Gedalja Schorr starb in Brooklyn, New York, am 7. Juli 1979 im Alter von 68 Jahren und wurde gemäss seinem letzten Willen auf dem Ölberg neben dem Admor von Boian, Reb Mordechai Schlomo Friedmann, beigesetzt, dem er sehr nahe stand.

Reb Gedalja hinterliess seine Frau, die im Jahr 2004 starb, und acht Kinder: vier Söhne und vier Töchter.

Seine vier Söhne zum Zeitpunkt seines Todes:

  • Rabbi Yitzchok Meir Schorr, Magid Shiur in Torah V'daas, Herausgeber von "Migdal Ohr" über das Leben seines Vaters, erschienen in Brooklyn 2002;
  • Rabbi Raphel Schorr, Rosch Jeschiwa in Vishnitz Gibbers und Raw im Beis Medrash Tifferes Gedalyahu in Monsey, Autor von "Mishnas Halevi" (über Schass);
  • Rabbi Yisroel Simcha Schorr, Rosch Jeschiwa von Ohr Somayach, Monsey, und einer der Chef-Herausgeber der Schottenstein Talmud-Ausgaben von Artscroll;
  • Rabbi Avrohom HaLevi Schorr, Raw von Kahal Tiferes Yaakov in Brooklyn, NY, und Autor von "HaLeKach V'HaLiBuv" (über die Tora).

Andere Wikis

Hinweis

Der Artikeltext beruht in Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 21. Juni 2013, Seite 15.


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