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Gebrüder Barasch

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Gebrüder Barasch[1] war der Name einer deutschen Warenhauskette. Inhaber waren die beiden jüdischen Kaufleute Artur Barasch und Georg Barasch.

Niederlassungen

Die Warenhäuser der Gebrüder Barasch befanden sich in Gleiwitz, in Kattowitz (1902 gegründet)[2], in Breslau (1904 gegründet, 1936 „arisiert“[3]), in Magdeburg[4] am Breiten Weg 149, in Beuthen O/S., in Braunschweig und in Königsberg in Preußen.[5] Ein Warenhaus in Neiße, das ebenfalls unter dem Namen „Gebrüder Barasch“ lief, ging in der Wirtschaftskrise 1913/14 in Konkurs. Inhaber dieses Warenhauses war Benno Robert.[6] Auch in Jauer und Waldenburg wurden, wie in Neiße, als Reaktion auf die Warenhaussteuer-Gesetzgebung, Filialen errichtet.[7]

Die Fassade des Magdeburger Warenhauses war mit expressionistischen Malereien von Oskar Fischer verziert. Das Bauwerk ist nicht erhalten geblieben.

Marken

Die Gebrüder Barasch vertrieben unter anderem ein Schuhputzmittel mit dem Namen „Baratol“,[8][9] unter dem heute eher der gleichnamige Sprengstoff bekannt ist.

Sie führten in ihrem Warenhaus in Breslau auch ein „Photographisches Atelier Gebr. Barasch Breslau“. Als Markenzeichen war auf der Rückseite der Bilder eine Art Säule, die mit dem Namen Barasch beschriftet war, zwischen zwei stilisierten Menschengestalten aufgedruckt.[10]

Biographisches

Georg Barasch

Wahrscheinlich wurde Georg Barasch 1867 geboren. Seine Tochter Herta kam 1898 zur Welt, der Sohn Erich 1905. Beide Kinder wurden in Breslau geboren.[11]

Ein Kaufmann namens Georg Barasch versuchte sich 1894 in Traunstein niederzulassen, was jedoch durch Anschläge mit antisemitischem Hintergrund verhindert wurde. Die Zeitschrift Der Israelit berichtete am 3. Dezember 1894: „Traunstein, 30. November (1894). Zu dem gemeldeten antisemitischen Attentat wird weiter berichtet: In Traunstein wohnt ein einziger israelitischer Kaufmann namens Georg Barasch (Josef Rieder Bazar Nachfolger). Vor einigen Monaten wurde ein Pulverattentat auf seine Wohnung verübt. Später folgte ein vereiteltes Attentat, das seinem Leben gegolten zu haben scheint. Das vorgestrige ist das dritte. Jedes Mal ging eine antisemitische Versammlung voraus. Das vorgestrige Attentat scheint mit Dynamit verübt worden zu sein. Der Rollladen der Eingangstüre zum Laden sowie die Türpfosten waren herausgerissen und lagen teils auf der etwa 18 Meter breiten Straße, teils gingen sie in den Bäumen des gegenüberliegenden Gartens. Ein Schaufenster war zertrümmert, ein teil der Waren angesengt. Im anderen Schaufenster waren die Glaswaren durcheinander geworfen. Der Schaden beträgt etwa 600 Mark. Es ist, wie man uns mitteilt, die ausgesprochene Absicht der antisemitischen 'Helden', Herrn Barasch, welcher der einzige israelitische Kaufmann in Traunstein sein soll, aus der Stadt hinauszuekeln und die Antisemiten sind in ihrem verabscheuungswürdigen Treiben so brutal, dass angesehene Damen Herrn Barasch dringend baten, Niemandem zu sagen, dass sie seine Kunden seien. Männer, deren Frauen bei Barasch einkaufen, haben Drohbriefe bekommen! Der Kaufmann erhielt zahlreiche Sympathie-Kundgebungen. Heute Nacht hatte er auf eigene Kosten zwei Wächter aufgestellt.“[12]

Der Zeit nach könnte dieser Georg Barasch mit dem späteren Warenhauskettenbetreiber identisch sein, der 1943 als Großvater in Quito starb. Georg Baraschs Ehefrau Betty und sein Sohn Erich befanden sich damals ebenfalls in Quito, Tochter Herta mit Ehemann Joachim Krotoschiner sowie den Töchtern Hanni und Lili lebte zu diesem Zeitpunkt am Broadway 2528 in New York City.[13] Georg Barasch war möglicherweise über die Schweiz und Santiago De Cuba ausgewandert.[14]

Artur Barasch

Die Schreibung des Vornamens des zweien Barasch-Bruders schwankt, neben Artur findet sich oft auch die Form Arthur. Artur Barasch soll seine Karriere als „einfacher Lehrling mit Grundschulbildung angefangen“[15] haben. Er war Freimaurer,[16] Mitglied des Schlesischen Automobil-Clubs, Inhaber des Eisernen Kreuzes[17] und Kunstmäzen. Er veranstaltete im Breslauer Warenhaus auch Kunstausstellungen.[18] Barasch war 1906 Vorsitzender des Breslauer Handlungsgehilfen-Verbandes[19] und gehörte 1908 dem Vorstand des neu gegründeten „Vereins Breslauer Detaillisten“ an.[20] Später gehörte er dem Gründungsausschuss der Augenklinik in Bad Liebenstein an und nahm in dieser Eigenschaft dem gewählten Schriftführer als „sehr gewandter Herr, der seine gesellschaftlichen Funktionen mindestens so gut versah wie ein Hofmarschall“[21] sämtliche Aufgaben ab. Vielleicht im Zusammenhang mit dieser Aktivität meldeten die Gebrüder Barasch 1914 auch eine Militärbrille mit auswechselbaren Gläsern als Patent an.[22]

Stolperstein für Artur Barasch

Artur Barasch, Jahrgang 1872, konnte nicht mehr rechtzeitig emigrieren. An seinem letzten Wohnort in Berlin-Grunewald, Wissmannstraße 11, wurde ein Stolperstein für ihn verlegt. Laut Werner Barasch zog die Familie 1921 von Breslau nach Berlin um; Artur Baraschs Frau unterrichtete an der staatlichen Hochschule für bildende Künste.[23] Als Geburtsort Artur Baraschs wird Steinau angegeben, umgekommen ist er im KZ Sachsenhausen.[24][25] Seine Ehefrau Irene Barasch-Haas und die Kinder Else und Werner überlebten das Dritte Reich, da sie Deutschland noch rechtzeitig verließen. Else Barasch, 1917 in Breslau geboren, starb im Alter von 95 Jahren am 23. Oktober 2012 als Dr. Else Ross in Napa.[26]

Einzelnachweise

  1. Offenbar wurde der Name mitunter auch „Barrasch“ geschrieben, vgl. Handlungsgehülfen-Blatt Nr. 77 vom 1. September 1900 (PDF; 7,4 MB).
  2. katowice.gazeta.pl: Dom handlowy braci Barasch (polnisch)
  3. Ramona Bräu: „Arisierung“ in Breslau - Die „Entjudung“ einer deutschen Großstadt und deren Entdeckung im polnischen Erinnerungsdiskurs. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008. ISBN 978-3-8364-5958-7. S. 40–42. (online)
  4. Frank Pega: Die Tätigkeit der Deutsche Revisions- und Treuhand AG von 1925 bis 1945. S. 243. (online; PDF; 1,8 MB)
  5. Adressen laut Fotorevers.eu
  6. Uwe Spiekermann, Basis der Konsumgesellschaft, Beck 1990, ISBN 978-3406448744, S. 379
  7. Werner Rubens, Der Kampf des Spezialgeschäfts gegen das Warenhaus. Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit von 1918 bis 1929, M. Klestadt 1929, S. 34
  8. Volksstimme 211, Magdeburg, 9. September 1911, S. 8 (PDF; 2,8 MB)
  9. Reklamemarke Baratol
  10. Bild samt Revers mit Atelierbezeichnung auf Fotorevers.eu
  11. ancestry.de
  12. zitiert nach alemannia-judaica.de
  13. Todesanzeige für Georg Barasch (PDF; 574 kB)
  14. ancestry.com
  15. Werner Barasch, Entronnen: Autobiographische Skizze der Jahre 1938 bis 1946, Haag + Herchen 2001, ISBN 978-3898460019, S. 18
  16. Stefan-Ludwig Hoffmann, Die Politik der Geselligkeit, Vandenhoeck & Ruprecht 2000, ISBN 978-3525359112, S. 191
  17. Allgemeine Automobil-Zeitung 15, 1914, S. 235
  18. Petra Hölscher, Die Akademie für Kunst und Kunstgewerbe zu Breslau. Wege einer Kunstschule 1791-1932, Kiel 2003, ISBN 978-3933598509, S. 417
  19. Stefi Jersch-Wenzel (Hg.), Quellen zur Geschichte der Juden in polnischen Archiven. Band 2: Ehemalige preußische Provinz Schlesien, S. 211
  20. Finanz-Archiv 26, 1909, S. 254
  21. Jacob Simon, Katharina Witter (Hg.), Ein jüdisches Leben in Thüringen: Lebenserinnerungen bis 1930, Böhlau 2009, ISBN 978-3412203825, S. 87
  22. Theodor Axenfeld, Handbuch der Arztlichen Erfahrungen im Weltkriege 1914/1918, J. A. Barth 1922, S. 264
  23. Werner Barasch, Entronnen. Autobiographische Skizze der Jahre 1938 bis 1946, Haag + Herchen 2001, ISBN 978-3898460019, S. 18 f.
  24. Daten auf berlin.de
  25. Lebensdaten auf yadvashem.org
  26. Nachruf auf Dr. Else Ross


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