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Gazastreifen Schmuggeltunnel

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Gazastreifen

Die Gazastreifen-Schmuggeltunnel sind illegale Tunnel zwischen Ägypten und dem Gazastreifen, durch die Schmuggelgut in den Gazastreifen geschmuggelt wird.

Hintergrund

Der Gazastreifen ist circa 20 km lang und 5 km breit und liegt direkt am Mittelmeer. Im Norden und Osten grenzt der Gazastreifen an Israel, im Süden an Ägypten und im Westen an das Mittelmeer. Die Landgrenzen des Gazastreifens werden seit 1994 durch die Sperranlage um den Gazastreifen gesichert. Außer über die Grenzübergänge und den Seeweg gibt es keine Möglichkeit, den Gazastreifen zu betreten oder zu verlassen. Die Grenzübergänge zu Israel und der Seeweg werden von Israel kontrolliert; Israel lässt, abgesehen von humanitären Hilfsgütern, nichts über seine Grenzen. Insbesondere Waffen können daher nicht von Israel oder über den Seeweg in den Gazastreifen gelangen. Der Grenzübergang nach Ägypten wird durch Ägypten kontrolliert, wobei Israel und Ägypten gemeinsam die Regeln für den Grenzverkehr festlegen. Daher ist auch über den ägyptischen Grenzübergang eine Einfuhr von Waffen unmöglich.

Theoretisch gibt es also seit 1994 keinen Weg Waffen und insbesondere Raketen zum Beschuss von Israel in den Gazastreifen einzuführen.[1]

Die Tunnel

Schmugglertunnel bei Rafah im Jahr 2009

Seit 1994 graben Schmuggler Tunnel zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Die Tunnel werden in der Regel von unabhängigen Schmugglern aus Kellern von Häusern oder aus Olivenhainen gegraben. Sie verlaufen unter der Grenze in einer Tiefe von bis zu 15 Metern und können bis zu 800 Meter lang sein. Häufig gibt es Absprachen zu einer Gewinnbeteiligung zwischen Hauseigentümern und Schmugglern.[2] Die gesamte Anzahl der Tunnel wird auf über 800 geschätzt.[3] Vor dem Gazakrieg 2008/2009 waren es 1500.[4] Einige der Tunnel sind gerade so groß, dass ein Mensch sich hindurchzwängen kann, andere sind so groß, dass Autos hindurchfahren können. Die Tunnel sind von sehr unterschiedlicher Qualität, einige sind mit Beton ausgekleidet und abgestützt, andere sind dauerhaft vom Zusammenbruch bedroht. Immer wieder kommen Menschen in den Tunneln ums Leben.

Nutzen der Tunnel

Die Tunnel dienen hauptsächlich vier Zielen:

  • Schmuggel von Waffen für die radikalislamische Hamas, um gegen Israel kämpfen und Raketen auf Israel abfeuern zu können
  • Schmuggel von Personen, die aufgrund von Visa- oder strafrechtlicher Probleme die Grenzübergänge nicht passieren dürfen
  • Schmuggel von Waren und Konsumgüter in Zeiten, in denen die Grenzübergänge geschlossen sind (z. B. während der Operation Wolkensäule)
  • Schmuggel von Drogen [5]

Die Palästinenser sehen die Tunnel in Zeiten der Blockaden als Lebensader an, denn eine breite Palette von kommerziellen Waren kann den Gazastreifen so trotz Blockade erreichen.[6]

Auswirkungen der Tunnel

Seit 1994 sind viele tausend Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung bewohnter Gebiete in Israel abgefeuert worden. Besonders seit dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen im Jahr 2007 haben sich die Angriffe massiv verstärkt. Die Tunnel ermöglichen es der radikalislamischen Hamas, Raketen oder Raketenteile in den Gazastreifen zu schmuggeln. Diese Raketen stammen häufig aus dem Iran.

Häufig werden die Tunnel als „Lebensader“ des Gazastreifen bezeichnet. Dies stimmt jedoch nur zum Teil; nicht alle Bewohner des Gazastreifen profitieren durch den Handel. Um an verhältnismäßig teure Güter wie Waffen, Drogen und Luxusgüter zu kommen, muss Geld aus dem Gazastreifen, dass eigentlich zum Aufbau eines funktionierenden Staatssystems zur Versorgung der Bevölkerung dringen notwendig ist, an die Schmuggler gezahlt werden. Dadurch gehen dem Gazastreifen wichtige Finanzmittel verloren. Von dem Handel mit Schmuggelgut aus den Tunneln profitieren vor allen Dingen die Schmuggler, reiche Menschen und die Hamas. Der Handel schadet vor allen Dingen den bedürftigen Menschen, also der großen Mehrheit der Gazabevölkerung.[1]

Die Hamas profitiert auch noch in weiterer Form von den Tunneln; an sie muss Schmiergeld gezahlt werden, damit diese den Schmuggel durch die Tunnel toleriert.[7]

Preise

Die Errichtung eines durchschnittlichen Tunnels kostet 90.000 $.[8] Es kostet durchschnittlich 1.000 $, um eine Person aus Ägypten in den Gazastreifen oder zurück zu schmuggeln.[9]

Maßnahmen gegen die Schmuggeltunnel

Ein Soldat der israelischen Streitkräfte bei einem entdeckten Schmugglertunnel

Israel, Ägypten, die Vereinigten Staaten sowie andere NATO-Staaten haben sich darauf verständigt, den Schmuggel nach Gaza auf dem Land- und Wasserweg einzudämmen.[6]

Obwohl die israelische Luftwaffe im Gazakrieg 2008/2009 über 100 Tunnel außer Betrieb setzen konnte, wurden viele der Tunnel ein paar Wochen später wieder eröffnet.[6]

Seit 2009 versucht Ägypten die Schmugglertunnel mit Hilfe einer unterirdischen Sperranlage in den Griff zu bekommen. Dazu werden auf einer Länge von 10 Kilometern 30 Meter lange Stahlteile in die Erde gerammt.[10][11] Diese Sperranlage ist jedoch nicht vollständig ausgebaut. Viele der Tunnel durchbrechen den unterirdischen Wall einfach, indem die unterirdischen Stahlteile durchgeschweißt oder untergraben werden.[1]

Auch während der Operation Wolkensäule im Jahr 2012 waren die Schmuggeltunnel Ziel von israelischen Luftangriffen.[1]

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Gazastreifen Schmuggeltunnel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.