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Gaskammer (Todesstrafe)

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Verwendung der Gaskammer in den US-Bundesstaaten
Farblegende:
  • Zurzeit neben der Giftspritze als zweite Hinrichtungsart vorgesehen
  • In der Vergangenheit als Hinrichtungsart vorgesehen
  • Zu keinem Zeitpunkt als Hinrichtungsart vorgesehen
  • Hinrichtungen in der Gaskammer nach Wiederzulassung der Todesstrafe seit 1976 (erste 1979, bisher letzte 1999)
    Die Gaskammer des Staates Kalifornien im San Quentin State Prison, derzeit umgebaut für Hinrichtungen mit der Giftspritze

    In einigen Bundesstaaten der USA wurden und werden Gaskammern zur Hinrichtung von verurteilten Straftätern verwendet.

    Die Gaskammern der USA sind achteckige stählerne Kammern mit knapp drei Metern Durchmesser.

    Geschichte

    Die Kammern stammen zumeist aus den 1920er und 1930er Jahren. Die Gaskammer wurde zum ersten Mal am 8. Februar 1924 in Carson City, Nevada, USA verwendet, als der Chinese Gee John dort hingerichtet wurde. Am 2. Mai 1960 starb Caryl Chessman in der Gaskammer des San Quentin State Prison, nachdem seine Hinrichtung zuvor acht Mal verschoben worden war. Als das Gas aufstieg, klingelte das Telefon. Es war die Nachricht, die Hinrichtung zum neunten Mal aufzuschieben. Der leitende Beamte entschied sich aber dafür weiterzumachen, weil die Hinrichtung zu weit fortgeschritten war, um sie noch zu stoppen.

    Bis zum USA-weiten Vollstreckungsmoratorium, das im Sommer 1967 begann und Anfang 1977 endete, war die Gaskammer in elf Bundesstaaten als Hinrichtungsmethode vorgesehen. Unterdessen haben sechs davon (Colorado, Mississippi, Nevada, New Mexico, North Carolina, Oregon) zur Giftspritze als einzige Methode gewechselt.

    Neben der Giftspritze zugelassen ist die Gaskammer derzeit noch in fünf Bundesstaaten, wobei hier unterschiedliche Vorschriften zum Tragen kommen. In Kalifornien kann der Verurteilte zwischen Spritze und Gastod wählen. In Arizona können vor dem 15. November 1992 Verurteilte zwischen Spritze und Gas wählen, für später Verurteilte ist die Spritze obligatorisch. Eine ähnliche Regelung besteht in Maryland: Hier können Delinquenten wählen, die ihr zum Todesurteil führendes Verbrechen vor dem 25. März 1994 begangen haben. Für alle anderen ist dagegen die Giftspritze vorgeschrieben. In Missouri bestehen beide Hinrichtungsarten nebeneinander, wobei im Gesetz nicht explizit festgelegt ist, ob im Einzelfall der Verurteilte oder die Staatsgewalt die Methode festlegt. In Wyoming ist die Gaskammer nur für den Fall vorgesehen, dass Gerichte die Giftspritze für verfassungswidrig erklären sollten.

    Nach der Wiederaufnahme der Hinrichtungen seit 1977 sind insgesamt elf Personen in fünf Bundesstaaten (siehe Karte) durch Gas exekutiert worden. Der erste nach Wiederaufnahme der Todesstrafe, und bisher einzige im US-Bundesstaat Nevada, Hingerichtete, der in einer Gaskammer starb, war der 66-jährige Jesse Bishop. Der bisher letzte Mensch, der in den USA in einer Gaskammer hingerichtet wurde, war am 3. März 1999 der wegen Mordes verurteilte Deutsche Walter LaGrand im Bundesstaat Arizona. Er konnte zwischen Giftspritze und Gas wählen und hatte sich für die Gaskammer entschieden.

    Ablauf der Hinrichtung

    Der Verurteilte wird auf einen Stuhl im Inneren der Kammer geschnallt. Der obere Teil ist verglast, so dass die bei der Strafvollstreckung vorgeschriebenen Zeugen die Hinrichtung beobachten können. Anschließend wird die gasdichte Tür von außen verschlossen. Per Hebelbetätigung wird unter dem Sitz des Verurteilten eine chemische Reaktion zweier Komponenten (Schwefelsäure und Kaliumcyanid (Zyankali)) ausgelöst. Das Zyankali fällt in einen offenen Säurebehälter hinein, was das giftige Cyanwasserstoffgas (Blausäure) entstehen und sich verbreiten lässt. Amtliche und geladene Zeugen müssen den gesamten Prozess der Hinrichtung beobachten.

    Nach der Vollstreckung bleibt der Hingerichtete noch etwa eine halbe Stunde in der Gaskammer, bevor das Gas abgesaugt und frische Luft in den Raum hineingelassen wird. Die restlichen Chemikalien werden mit Wasser verdünnt und in die Kanalisation gepumpt. Daraufhin wird die Kammer geöffnet. Der Raum und der Körper müssen mit Ammoniak besprüht werden. Denn auch jetzt ist das Berühren des Giftes, das sich in der Kleidung sowie auf der Haut des Verurteilten adsorbiert hat, lebensgefährlich. Danach stellt ein Arzt amtlich den Tod fest. Der Tote wird in einem speziellen Plastiksack dem Bestatter übergeben. Dieser Plastiksack darf nicht mehr geöffnet werden, da der Bestatter sich sonst einer potentiell tödlichen Vergiftung (aufgrund Desorption) aussetzen würde.

    Wirkung

    Hauptartikel: Cyanidvergiftung

    Das Cyanwasserstoffgas wird eingeatmet; durch den Blutkreislauf wird es im Körper an alle Zellen verteilt und unterbindet die Zellatmung. Durch den Energiemangel (Adenosintriphosphat-Mangel) der Körperzellen kommt es zunächst zu Bewusstlosigkeit und dann zum Tod. Der Atemapparat versagt jedoch durch das Gift schneller als das Bewusstsein, weshalb es zu qualvollen Komplikationen kommt, wenn der Todeskandidat nicht (wie empfohlen) sofort tief einatmet. Gegen die typischen Krämpfe wird ihm 30 Minuten vor der Hinrichtung ein Tranquilizer (meist Diazepam oder Lorazepam) gespritzt. Die Todeskandidaten verlieren nach ein bis drei Minuten das Bewusstsein. Der Tod tritt durchschnittlich nach neun Minuten ein.

    Siehe auch

    Weblinks

     Wiktionary: Gaskammer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


    Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Gaskammer (Todesstrafe) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.