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Gardy-Käthe Ruder

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Gardy-Käthe Ruder (* 1954 in Lahr/Schwarzwald) ist eine deutsche ehemalige Lehrerin, Autorin, sowie Mitglied der GEW und der VVN-BDA welche sich vor allem im Bundesland Baden-Württemberg für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus engagiert. Sie ist Initiatorin des Erinnerungsprojekt Gedenktafeln für jüdische Persönlichkeiten in Kippenheim und gilt als Wegbereiterin der Stolpersteine in Lahr/Schwarzwald.

Leben und Wirken

Bis 1997 war sie im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg tätig. Aufgrund ihrer eigenen familiären Erfahrungen, ihre Großmutter, Katharina (geb. 1898 in Lahr) wurde 1940 in der NS-Tötungsanstalt Schloss Grafeneck im Rahmen der Aktion T4 ermordet[1]

Sie führte auch einige Prozesse gegen Ausgrenzungen, in denen es unter anderem um die Spätfolgen einer Frau ging, welche in der NS-Zeit zwangssterilisiert wurde. Diesen gesamten Prozess hat Ruder in dem von ihr verfassten und selbst verlegten Buch NS-Spätfolgen: eine Behörde lenkt widerwillig ein; vom Versuch, eine hochbetagte zwangssterilisierte Frau um ihre Entschädigung zu prellen, erschienen 2008, aufgearbeitet.

Seit 1999 ist sie als freischaffende Publizistin für verschiedene Regionalzeitung tätig. Im Jahre 2003 initiierte sie in ihrem Heimatort die Installationen von Stolpersteinen. Nachdem der Stadtrat von Lahr die Installationen der Stolpersteine von einer Zustimmung der Hauseigentümer abhängig machte, verlegte sie den für ihre Großmutter Katharina vorgesehenen vorläufig in ihrem Garten in Schmieheim.

Im Jahr 2006 zog sie sich aus dem Projekt Stolpersteine in Lahr zurück und begründete dies mit einer fehlenden sachlichen Auseinandersetzung der Stadt mit der Geschichte der jüdischen Verfolgung[2].

Im Jahre 2009 erklärte sie zu einem Verbotsverfahren gegen die NPD, „Ein NPD-Verbot macht Sinn, wenn vorher eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung über Ziele und Programminhalte der extremistischen Partei, auch unter historischem Aspekt, stattfindet. Verdrängen, Beschweigen und Wegschauen war schon immer der falsche Weg“[3].

Gemeinsam mit der Historikerin Inge Auerbacher berichtete sie 2010 im Rahmen der Veranstaltung der Kinder- und Literaturtage, die im Renchener Museumskeller stattfand, über die Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung in der NS-Zeit. Ebenfalls im Jahr 2010 nahm sie als Betroffene, gemeinsam mit Gabriel Richter, einem fachlich anerkannten und profilierten Autoren zum Thema Euthanasie im Nationalsozialismus, an einer Podiumsdiskussion der örtlichen Volkshochschule und des Verein "Die Brücke" teil. Auch hier kritisierte sie, dass in der Öffentlichkeit keine angemessene Form gefunden würde, über die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung zu reden. So habe 2003 der Gemeinderat Lahr die Verlegung eines Stolpersteins von der Zustimmung des Grundstückseigentümers abhängig gemacht. In der gleichen Diskussion warnte Gabriel Richter vor einer "Inflation von Gedenksteinen", wie teilweise in den frühen 1990er Jahren zu beobachten gewesen sei. Dies führe zu dem irrigen Glauben, dass die Sache mit einem Mahnmal erledigt werden könne und er regte als bessere Alternative Dokumentation der Ereignisse an.

Gedenktafeln des Erinnerungsrojektes

Bahnhofsstraße 2

Im Eingangsbereich der Friedrichschule, in der Bahnhofsstraße 2 befinden sich drei solcher Gedenktafeln zur Erinnerung an die Großeltern von Gardy-Käthe Ruder, Ella und Hugo Wachenheimer, und ihre Mutter Hedy Epstein (geboren am 15. August 1925, als Hedy Wachenheimer). Diese hatte als Schülerin des damaligen Realgymnasium Ettenheim die Ausschreitungen 1938 gegen jüdische Bewohner miterlebt und konnte 1939 im Rahmen eines Kindertransportes aus Deutschland nach England fliehen. Ihre Eltern blieben in Deutschland zurück und wurden Opfer des Holocaust. 1946/47 nahm sie aktiv an den Verhandlungen der Nürnberger Ärzteprozesse teil. Seit 1948 engagierte sie sich für soziale Gerechtigkeit und gegen Krieg und Gewalt. In den 1960er Jahren wurde sie Mitglied der Friedensbewegung in den USA[4].

Hauptstraße 27

Die beiden Gedenktafeln in der Hauptstraße 27 erinnern an die Historikerin Dr. Dr. h.c. Selma Stern-Täubler (geb. 24. Juli 1890; gest. 1981) und Dr. h.c. Inge Liese Auerbacher, welche dort geboren wurde. Zusätzlich befindet sich dort auch eine Gedenktafel für Johann Georg Stulz von Ortenberg, welcher ebenfalls in diesem Haus geboren wurde.

Literatur

  • Holocaust im Gedächtnis einer Puppe: Unterwegs auf Lebensspuren von und mit Inge Auerbacher; Deutscher Wissenschafts-Verlag Baden-Baden (2005); ISBN 3935176465
  • Gabriel Richter: Die Fahrt ins Graue(n), die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen 1933–1945, Abschnitt zu Katharina Ketterer – ein Opfer der „Euthanasie“ geboren am 21. November 1898 in Lahr, ermordet am 26. November 1940 in Grafeneck, Broschüre des Zentrum für Psychiatrie Emmendingen; Band 13, S. 323.
  • NS-Spätfolgen: eine Behörde lenkt widerwillig ein; vom Versuch, eine hochbetagte zwangssterilisierte Frau um ihre Entschädigung zu prellen, Eigenverlag 2008, OCLC-Nr. 316018332
  • Kippenheimer Chronik: Eine Erinnerungstafel für Inge Auerbacher, 2010, S. 109-110

Einzelnachweise

  1. Lebensspuren in der Nazizeit
  2. "Gardy Ruder zieht sich aus Stolpersteinprojekt zurück"; Mittelbadische Presse vom 6. September 2006
  3. Stellungnahme 1856 für das NPD-Verbot
  4. Projekt Gedenktafeln in Kippenheim


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