Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Ganggräber in Schweden

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schema Ganggrab (Querschnitt) 1=Trag-, 2= Deckstein, 3=Erdhügel, 4=Dichtung, 5=Verkeilsteine, 6=Zugang, 7= Schwellenstein. 8=Bodenplatten, 9=Unterbodendepots, 10=Zwischenmauerwerk 11=Randsteine
Klövagården, Gemeind Karleby - Grundriss eines Ganggrabes

Die Ganggräber in Schweden (schwed. Ganggrifter) entstanden zwischen 3500 – 2800 v. Chr. Es gibt sie in den Provinzen (schwedisch landskap) Bohuslän, Halland, Schonen, Västergötland und auf der Insel Öland. Was die Verbreitung dieses Typs von Megalithanlagen aus dem Neolithikum anbetrifft, ist das Land mit seinen aufgrund nationaler Einteilung ausgewiesenen 380 Anlagen (ausgenommen der etwa 70 Dolmen der über 2000 Steinkisten und der Rösen) ein Randgebiet der nordischen Megalitharchitektur. Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie neolithischer Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[1]

Nomenklatur

Die Anlage Skår in Stenkyrka wäre nach der gültigen Terminologie in Dänemark und in der Norddeutschen Tiefebene z.B. kein Ganggrab

Um den Bestand an Ganganlagen, an die in Dänemark, Deutschland, Polen und die Niederlande gebräuchliche Nomenklatur anzupassen, wären nach einheitlichen Prinzipien durchgeführte Definitionen vonnöten. Beim Symposium zur Großsteingräberforschung auf Moesgård in Dänemark wurde es bereits 1969 als wichtige Aufgabe angesehen, die Terminologien auf einer objektivierten Grundlage zu koordinieren. Dies würde die Anzahl der Ganggräber in Schweden senken.

Typen der nordischen Megalitharchitektur

Ganganlagen nach schwedischer Nomenklatur

  • 230 in Västergötland
  • 45 in Schonen,
  • 30 Bohuslän
  • sechs in Halland

Diese Anlagen unterteilen sich in:

  1. A. runde Kammer mit Gang
  2. B. polygonale Kammer mit Gang
  3. C. unregelmäßig rechteckige Kammer mit Gang

(C. mit Gängen in Verlängerung der Kammer).

  1. D. ovale Kammer mit Gang
  2. E. rechteckige Kammer mit Gang.

Unter den Anlagen des Typs A—C, die außerhalb Schwedens in die Gruppe der Dolmen eingeteilt werden, ist der Unterschied nur gering. In der Regel sind es kleine Anlagen. Die Abweichungen verweisen, auf die Art des Materials, wechselnde Konzeptionen beim Bau, sowie den Erhaltungsgrad. Sie sind nur in Bohuslän, Halland und Schonen verbreitet.

Ganganlagen nach multinationaler Nomenklatur

Was die Ganganlagen (D + E) anbetrifft, so gibt es, wie im übrigen nordischen Verbreitungsgebiet rechteckige, ovale (Megalithanlagen von Hagestad) und hybride Kammern. Es kommen auch rhombische Kammern vor.

  • Ovale Kammern (D) haben z. B. die Ganganlagen bei Berg, Glumslövs backar und Örenäs, Gemeinde Glumslöv, Lackalänga Nr. 10, Gemeinde Lackalänga und Särslöv Nr. 4, Gemeinde Södervidinge.
  • Rechteckige Kammern (E) haben z. B. die Ganganlagen Gillhög, Gemeinde Barsebäck und Gröstorp Nr. 7, Gemeinde Gladsaxa, Hög Nr. 7, Gemeinde Hög Rössberga Gemeinde Valtorp und Annehill, Gemeinde Kävlinge.
  • Die Kammer von Carlshögen mit geraden Giebel- und gebauchten Längsseiten ist eine nicht ungewöhnliche Hybridform. Oft ist zumindest eine der Längsseiten ausgebaucht. In Schonen betrifft dies die Anlagen bei Norrgärda, Gemeinde Hammenhög und Tågarp Nr. 5, Gemeinde Ö. Tommarp.

Wenn man von den kleinen Kammern Gladsax 2, Gladsax 18 und einigen anderen Ausnahmen absieht, schwankt die innere Länge der Kammern in Schonen zwischen 3 und 6,5 m. Die Ganganlagen Gillhög und Storegården, beide Gemeinde Barsebäck sind die größten.

Schonen

  • Zu Gruppe A gehören: Asahögen, Gemeinde Kvistofta und Ingelstorp Nr 25, Gemeinde Ingelstorp. Sie lassen sich neben weiteren fünf kreisrunden Kammern auch als Polygonaldolmen ansprechen.
  • Zu Gruppe B gehören: Gladsax Nr 18, Gemeinde Gladsax. Es ist eine kleine Kammer von nur 1,8 x 2 m mit einem einzigen mächtigen Deckstein (von ungefähr jenen Dimensionen wie sie der Dolmen bei Hofterup Nr 6, Gemeinde Hofterup aufweist. Diese Anlagen wurden aber aufgrund der langen Gänge (hier etwa 3,85 m) in Schweden als eine Zwischenform zwischen Polygonaldolmen und Ganganlage betrachtet.
  • Zu Gruppe C gehört: Die als Muster dieser Form ausgewählte Stora Kungsdösen, in der Gemeinde Östra Torp. Stora Kungsdösen (dt. Großer Königsdolmen) ist eines von lediglich drei Doppelganggräbern (schwed. Dubbelgånggrifter) in Schweden bzw. Schonen.

Lediglich die Formen (D + E), deren Gang (ungefähr) von der Mitte der Längsseite der Kammer ausgeht, werden sonst als Ganganlagen aufgefasst. Die fünf Varianten verteilen sich über Schonen. Die Anlagen kommen auch ansonsten vornehmlich in den Küstengegenden vor, wo sie in Gruppen liegen. Eine Besonderheit Schonens besteht, parallel zu Mecklenburg, in der hohen Zahl von Quartieren innerhalb der Ganggräber.

In Schonen finden sich auch die einzigen drei Doppelganggräber Schwedens Snarringe, Stenhögen und Stora Kungsdösen.

Västergötland

Die Anzahl in den übrigen vier Landesteilen ist gemessen an den 230 Anlagen Västergötlands auffallend gering. Västergötlands Anlagen verteilen sich nicht über die ganze Provinz, sondern konzentrieren sich auf ein nur etwa 40 x 25 km großes Gebiet, dem Falbygden (z.B. Kyrkerör im Ort und Vårkumla 1 und 2) rund um Falköping. Die västergötländische Gruppe wurde früher als ein später Ausläufer der Megalithkultur betrachtet. Aber vor allem die Ergebnisse der Untersuchung von Rössberga, Gemeinde Valtorp gaben Hinweis auf ein vergleichbares Alter wie das der übrigen Anlagen im Gebiet der Trichterbecherkultur (TBK). Ihre Verknüpfung mit Bohuslän, die früher betont wurde, ist nicht haltbar, da es in Västergötland Funde gibt, die enge Beziehungen zu Schonen und Dänemark aufweisen. Västergötlands Anlagen (Gräberfeld Ekornavallen) haben in der Mehrzahl rechteckige Kammern, die oft erheblich länger sind als die im übrigen Land. Sie erreichen Längen bis zu 17 m. Ihre Breite beträgt genau wie im übrigen Land in der Regel 2—3 m. Die bedeutendsten Ganggräber Schwedens entdeckte man bei Falbygden, im Gebiet zwischen Vänern und Vättern. Bei Karleby liegt das größte in Skandinavien bekannte Ganggrab, (Ravarehögen oder Ragnvalds Grav) das eine Grabkammer von 17 m und eine Ganglänge von elf Metern aufweist. Interessant ist in Karleby auch, dass hier 13 Ganggräber parallel nebeneinander errichtet wurden.

Bohuslän

Die etwa 30 Ganggräber Bohusläns haben abgesehen davon, das rechteckige Formen in Bohuslän selten vorkommen dieselben Formen wie die schonischen. Eine Eigenheit der Provinz sind rhombische Kammern, die in Schonen fehlen. Sie sind auf den Inseln Orust und Tjörn stark verbreitet.

Halland

In Halland gibt es nur 6 Ganggräber, davon drei im nördlichen und drei im südlichen Teil der Provinz. Die Form der Kammer ist außer in Tolarp, Gemeinde Snöstorp, wo die Giebel Winkel bilden, rechteckig. Das Fundmaterial dürfte man mit Rücksicht auf die frühe Keramik aus der beschädigten Ganganlage in Vessinge, Gemeinde Veinge, demselben Zeitpunkt zuordnen könnenwie in Schonen.

Öland

Auf Öland gibt es ein isoliertes Vorkommen von vier Ganggräbern, die sämtlich bei Resmo liegen. Ein 1908 von Arne untersuchte Anlage hat eine ovale Kammer, die enge Verwandtschaft mit der schonischen Anlage von Ramshög aufweist. Eine vertikale Steinplatte in der Kammerdichtung kommt in ähnlicher Form bei Carlshögen aber auch bei inseldänischen und rügener Anlagen vor.

Siehe auch

Literatur

  • Märta Strömberg: Die Megalithgräber von Hagestad. Zur Problematik von Grabbauten und Grabriten. Acta Archaeologica Lundensia Band 8, Bonn und Lund 1971
  • Lili Kaelas: Dolmen und Ganggräber in Schweden. Berichte u. Mitteilungen zur Urgeschichte, Frühgeschichte u. Mittelalterarchäologie. Schriften des Provinzialinstituts für Volks- und Landesforschung an der Universität Kiel, Offa. 15, S. 5-24, 1956

Einzelnachweis

  1. J. Müller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Ganggräber in Schweden aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.