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Gadi Goldberg

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Gadi Goldberg (links) mit Anne Birkenhauer bei einem Übersetzerworkshop

Gadi Goldberg (geb. 1972 in Ramat Gan) ist ein in Berlin lebender israelischer Übersetzer. Er übersetzt deutsche Literatur und Philosophie ins Hebräische und engagiert sich für die Wiederbelebung des Hebräischen in Berlin. Bisher hat er Texte von Schopenhauer, Kant und Hegel über Klassiker des 20. Jahrhunderts wie Wolfgang Koeppen, Erich Maria Remarque und Joseph Roth bis zu Werken zeitgenössischer Autoren wie Uwe Timm ins Hebräische übersetzt.

Leben

Zur deutschen Sprache kam er über sein Interesse an der Philosophie. Er hat an der Universität Tel Aviv Philosophie und Literatur studiert, nachdem er zunächst mit Chemie angefangen hatte, damit aber nicht glücklich wurde.

Er wollte viel lieber ein Fach studieren, in dem er den großen Fragen des Lebens auf den Grund gehen konnte. Was lag da näher als Philosophie? Während seines Studiums hat er sich dann vor allem mit dem deutschen Idealismus und besonders mit Hegel beschäftigt. Ihm war klar: "Wenn ich Hegel mit der ihm eigenen Sprache verstehen will, muss ich Deutsch lernen". So entschied er sich 2001, für einen Sommersprachkurs nach Heidelberg zu gehen. Das war damals sein erster längerer Aufenthalt in Deutschland. Er hat sich sofort in Deutschland zu Hause gefühlt.

Er hat dann drei Jahre in Süddeutschland gelebt – in Konstanz, Freiburg und München. In dieser Zeit hat er sein Deutsch kontinuierlich verbessert, immer in Kombination mit philosophischen Studien. Seit 2004 lebt er in Berlin, wo es ihm sehr gut gefällt, nicht zuletzt wegen der grossen jüdischen Community und weil immer irgend etwas los ist. 2016 kauften sich seine Frau und er eine Eigentumswohnung in Friedrichshain. Seine Frau ist Deutsche und wie er selbst Freiberuflerin. Zuvor wohnten sie in Kreuzberg.

Wenn er sich für die Wiederbelebung des Hebräischen in Berlin einsetzt, tut er das nach eigener Aussage, von seiner Übersetzungsarbeit abgesehen, mit Lesungen und Veranstaltungen. Wiederbelebung sagt er ganz bewusst, denn die hebräische Sprache und Berlin sind historisch eng miteinander verbunden. Bis in die 30er-Jahre war Berlin die Stadt mit den meisten hebräischen Verlagen und Zeitschriften weltweit. An diese Tradition möchte er anknüpfen. Sein Freund Tal Hever-Chybowski, Leiter des Jiddisch-Instituts in Paris, hat 2016 eine hebräische Zeitschrift in Berlin herausgegeben, »Mikan Ve’eylakh«. Die beiden planen, einen hebräischsprachigen Verlag in Berlin zu gründen.

Zitate

  • Goldberg über das Übersetzen: "Übersetzen ist für mich Handwerk und Kunst zugleich. Die Kunst nämlich, etwas von der einen Sprache mit ihren kulturellen Codes in eine andere zu übertragen. Ein Stück weit Interpretation ist auch immer mit dabei, und je kreativer und durchdachter der Übersetzer seine Arbeit angeht, desto besser. [ ... ] Vom Hebräischen ins Deutsche zu übersetzen, finde ich für mich unprofessionell. Nur in eine Sprache, die man voll und ganz – also als Muttersprachler – beherrscht, kann man wirklich adäquat übersetzen."
  • Goldberg über jüdische Kultur und die hebräische Sprache: "Will man die jüdische Kultur neu beleben, gehört das Hebräische fest mit dazu. Die Sprache wird heute vor allem als Nationalsprache der Israelis gesehen. Man darf aber nicht vergessen, dass das Hebräische viel älter und über die Jahrhunderte bis heute für die Ganzheit der Juden relevant ist. Gerade, wenn ich Texte aus einem älteren Deutsch übersetze, greife ich häufig auf Wörter und Strukturen aus dem Althebräischen und dem Hebräisch der Mischna und des Talmud zurück. Mein Wortschatz wäre sehr eingeschränkt, könnte ich nur im modernen Iwrit schreiben. [ ... ] Einen hebräischen Verlag in Berlin zu gründen, sehe ich als eine sehr jüdische Aufgabe. In diesem Sinne bin ich mir sehr bewusst, Jude zu sein. Ich definiere mich aber nicht als religiös im institutionellen Sinne und bin auch nicht in der Gemeinde aktiv. Den Talmud lese ich eher als philosophisches Buch – die halachischen Aspekte sind mir weniger wichtig. Mit der Verlagsgründung möchte ich dazu beitragen, die hebräische Kultur hier neu zu beleben. Hebräisch gehört eben nach Berlin."

Weblinks (Auswahl)


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